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Vom Petrodollar zum Petroyuan?
Der Plan des Iran, Mautgebühren für die Straße von Hormus in Renminbi zu erheben, hat Spekulationen über eine weitere Erosion der US-Dollar-Dominanz genährt. Doch trotz geopolitischer Spannungen spricht wenig für eine grundsätzliche Abkehr vom US-Dollar. Die jüngsten Verschiebungen bei Handels- und Reservewährungen erscheinen vor allem politisch erzwungen, nicht ökonomisch motiviert. Ohne diese Eingriffe blieben die Vorteile des US-Dollar-zentrierten Systems und seine Netzwerkeffekte klar überragend.
Abstieg des Petrodollar durch Aufstieg des Petroyuan? …
Der Iran hat Pläne auf den Weg gebracht, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, allerdings unter einer wichtigen Prämisse: Eine Gebühr von bis zu 2 Millionen US-Dollar für jedes Schiff, das die Meerenge passieren will, soll gezahlt werden. Mehr noch: Die Gebühr ist fällig in chinesischen Renminbi (oder in Kryptowährung, was aber wohl kaum relevant sein dürfte). Noch ist unklar, ob sich die iranische Führung mit dieser Forderung durchsetzen kann: Rechtsexperten verweisen darauf, dass die Gebühr rechtswidrig sei. Andererseits hat der Iran in den ersten sechs Wochen des Krieges beeindruckend demonstriert, dass er de facto die volle Kontrolle über die wichtige Meerenge ausübt, es ist also fraglich, wie Staaten sie umgehen wollen.
Für US-Dollar-Deklinisten sind die jüngsten Entwicklungen im Iran-Krieg jedenfalls ein gefundenes Fressen: Sie sehen das Ende des sogenannten Petrodollar voraus und somit einen weiteren Schlag gegen die Dominanz des US-Dollar im Weltwährungssystem. Denn schließlich wird rund ein Fünftel des globalen Öl- sowie LNG-Angebots durch die Straße von Hormus befördert, das zukünftig auf Druck des Iran potenziell nicht mehr in US-Dollar abgewickelt werden könnte. Zudem wird der Großteil der Energielieferungen ohnehin nach Asien verschifft, sodass auch hier ein Anreiz bestehen könnte, den Handel verstärkt in chinesischen Renminbi abzuwickeln.
In der Tat fußt der Status des US-Dollar als Weltleitwährung vor allem auf der Tatsache, dass die US-Währung die dominierende Vehikelwährung im Welthandel ist: Das heißt, der US-Dollar findet nicht nur im direkten Handel mit den USA vorwiegend Verwendung, sondern mehrheitlich auch im Handel zwischen Drittländern. Das lässt sich daran ablesen, dass der Anteil des US-Dollar im internationalen Zahlungsverkehr deutlich höher ist als der Anteil der USA am Welthandel (siehe zum Beispiel Gopinath et al., 2022). Dass der Handel von Rohstoffen in US-Dollar abgewickelt wird, spielt hierbei sicherlich eine Rolle. Dennoch glauben wir nicht daran, dass der Status des US-Dollar aufgrund der mutmaßlichen Bemühungen der iranischen Führung, den »Petroyuan« zu etablieren, in Gefahr ist. Das liegt nicht nur daran, dass es überaus fraglich ist, ob die Bemühungen überhaupt erfolgreich sein werden.
… Wohl nicht, da der Energiehandel und die Golfstaaten an Bedeutung verloren haben
Zum einen hat mein Kollege Volkmar Baur kürzlich erst richtigerweise darauf hingewiesen, dass der Ölhandel, und hier speziell die Golfregion, an Bedeutung im weltweiten Handel verloren hat. 2024 hat der Handel von Öl, Ölprodukten und Erdgas zusammengenommen rund 10 Prozent des weltweiten Warenhandels ausgemacht (auf Basis von Comtrade-Daten). Von den Plänen der iranischen Regierung wären wiederum weniger als ein Fünftel hiervon betroffen.
Mit der Abwicklung ihrer Energieexporte in US-Dollar geht natürlich auch einher, dass die Golfstaaten ihre Devisenreserven mehrheitlich in der US-Währung halten. Das ist umso mehr der Fall, da ihre Währungen (mit Ausnahme von Kuwait) an den US-Dollar gebunden sind, ein hinreichender Bestand an US-Dollar-Reserven also notwendig ist, um diese Bindung zu verteidigen. Aber auch hier sind die Zahlen ernüchternd. Die Devisenreserven der Golfstaaten beliefen sich zuletzt laut IMF-Daten auf ca. 800 Milliarden US-Dollar, was etwas weniger als 7 Prozent der globalen Devisenreserven entspricht. Selbst wenn im Extremfall die Golfstaaten ihre Bindung an den US-Dollar aufgeben und in diesem Zuge ihre US-Dollar-Reserven verringern würden, würde das den US-Dollar-Anteil an den globalen Reserven vermutlich nur um einen niedrigen einstelligen Prozentbetrag senken.
US-Dollar-Dominanz erodiert …
Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Dominanz des US-Dollar in den vergangenen Jahren Risse erhalten hat und die Pläne des Iran den Trend unterstützen würden. Jedoch kann bestenfalls von einer graduellen Erosion, nicht aber von einer breit angelegten Abkehr vom US-Dollar die Rede sein. Der Anteil des US-Dollar an den globalen Devisenreserven ist seit dem Jahr 2000 von rund 70 Prozent auf zuletzt etwas weniger als 60 Prozent abgerutscht (siehe Grafik 1). Manch einer mag darauf hinweisen, dass Bewertungseffekte zu berücksichtigen sind. Allerdings: Studien (Chinn et al., 2021) weisen darauf hin, dass Zentralbanken, insbesondere jene mit großen Reservebeständen, ihre Währungsallokation durch Zu- und Verkäufe bewusst managen. Vor diesem Hintergrund kann der weiterhin hohe US-Dollar-Anteil als gewollt angesehen werden.
Zudem ist wichtig, zu verstehen, warum die US-Dollar-Dominanz insbesondere in den vergangenen Jahren abgenommen hat. So ist ein auffälliger Trend in den Reservebeständen der Zentralbanken weg von der US-Währung vor allem in Richtung sogenannter nicht traditioneller Währungen zu sehen (siehe die Kategorie der anderen Währungen in Grafik 1). Gopinath et al., 2022, bestätigen den wohl offensichtlichsten Grund: Sie zeigen, dass diese Verschiebung auf geopolitische Entwicklungen zurückzuführen ist. Seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs fakturieren Länder, die weniger enge Beziehungen zum Westen pflegen, auch weniger in US-Dollar und in Euro. Stattdessen werden Zahlungen verstärkt in Renminbi, der heimischen Währung oder anderen Währungen abgewickelt.
… erzwungenermaßen durch westliche Sanktionen, nicht aufgrund ökonomischer Argumente
Dabei sollte aber klar sein, dass dies nicht allein aus Eigenmotivation geschieht, sondern erzwungen ist: Sowohl Russland, das bis zum Ausbruch des Ukraine-Kriegs einen signifikanten Anteil an den globalen Devisenreserven hielt, als auch der Iran sind vom US-Dollar-Zahlungsverkehr infolge der Sanktionen abgeschnitten. Um ihren Handel aufrechtzuerhalten, sind sie gezwungen, auf alternative Zahlungssysteme bzw. Währungen zurückzugreifen. Jeder, der wiederum mit diesen Staaten handelt (sowie politisch eng verbunden ist), muss ebenfalls auf diese Alternativen zurückgreifen, um Sanktionen zu umgehen.
Die große Frage, die sich stellt, ist, wie dauerhaft die Folgen der westlichen Sanktionspolitik sind und ob sich der Trend noch verstärken könnte. Das hängt meiner Ansicht nach vor allem davon ab, wie Staaten, die Konflikte mit den USA oder auch der EU zu befürchten haben, das Risiko von Sanktionen – ähnlich denen gegenüber Russland oder dem Iran – einschätzen. Stufen sie die Gefahr als hoch ein, dürfte es auch für sie sinnvoll erscheinen, auf alternative Zahlungssysteme umzusteigen. Allerdings ist die Hürde zu einer Umstellung hoch, da sie mit Mehrkosten für die betroffenen Unternehmen verbunden ist. Klar ist: Ohne die Sanktionen gäbe es keine wirtschaftliche Motivation, vom US-Dollar-zentrischen System abzuweichen. Hierfür sind die Vorteile zu groß, insbesondere auf Basis der Netzwerkeffekte. Kurz gesagt: Es ist effizient, in US-Dollar zu handeln, weil es die (noch immer große) Mehrheit tut.
Aus diesem Grund wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Position des US-Dollar wieder gestärkt würde, würden die Sanktionen gegen Russland oder auch gegen den Iran aufgehoben. Wie groß die Vorteile sind, zeigt sich auch daran, dass die russische Regierung wohl insgeheim in Erwägung zieht, zum US-Dollar-System zurückzukehren, sollte es zu einem Friedensabkommen kommen. Und das nach Jahren der Versuche, die US-Dollar-Dominanz zu untergraben.
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EUR/USD |
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Call |
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EUR/USD |
Call |
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6,63/6,64 EUR |
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1,388510 USD |
5,4 |
Unbegrenzt |
18,61/18,62 EUR |
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Put |
1,284936 USD |
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9,77/9,78 EUR |
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1,245795 USD |
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6,42/6,43 EUR |
Faktor-Optionsscheine
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Geld-/Briefkurs |
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5,75/5,76 EUR |
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5 |
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9,82/9,84 EUR |
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6,29/6,31 EUR |
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–2 |
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5,66/5,67 EUR |
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5,61/5,63 EUR |
Inline-Optionsscheine
Stand: 23. April 2026; Quelle: Société Générale
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