Märkte

Aktienmärkte – Hohe Wetten auf fallende Kurse stabilisieren

Die überraschend hohe Kernrate der US-Verbraucherpreise hatte Mitte September die Erwartungen für die US-Leitzinsen weiter nach oben getrieben. Die immer restriktiver werdende US-Geldpolitik bleibt einer der größten Risikofaktoren für die Aktienmärkte. Jedoch ist ein Großteil der institutionellen Aktieninvestoren bereits negativ gestimmt, und in den USA setzen viele spekulative Investoren mit Short-Positionen auf fallende Aktienmärkte. In diesem Spannungsfeld zwischen monetärem Gegenwind und bereits pessimistischem Anlegersentiment erwarten wir weiterhin eine sehr volatile Seitwärtsbewegung für die Aktienmärkte. Der DAX dürfte sich in den kommenden Monaten sehr nervös größtenteils zwischen 11.500 und 13.500 Indexpunkten bewegen.

Wir stufen die weltweit immer restriktiver werdende Notenbankpolitik weiterhin als größten Risikofaktor für die Aktienmärkte ein. So sind die am Kapitalmarkt eingepreisten US-Leitzinserwartungen für Ende 2023 von 2 Prozent im Januar auf 4 Prozent Mitte September gestiegen (siehe Grafik 1).

Grafik 1: US-Leitzins von 4 Prozent für Ende 2023 eingepreist

Erwartete Fed-Leitzinsen, abgeleitet aus Fed Funds Futures

Die Rendite für 2-jährige US-Anleihen ist im Fahrwasser der steigenden Leitzinserwartungen regelrecht explodiert von 0,7 Prozent im Januar auf 3,8 Prozent Mitte September. Diese Rendite liegt damit mehr als 200 Basispunkte über der erwarteten S&P 500-Dividendenrendite von 1,6 Prozent. Da die 10-jährige US-Staatsanleihe derzeit eine Rendite von 3,4 Prozent bietet, ist die US-Zinsstrukturkurve weiterhin invers – die kurzfristigen Zinsen liegen über den langfristigen. Dieses restriktive monetäre Umfeld mit US-Leitzinserwartungen von 4 Prozent und 2-jährigen US-Renditen von 3,8 Prozent bei einer inversen US-Zinsstrukturkurve sprechen unserer Meinung nach dafür, dass den Aktienmärkten auch in den kommenden Monaten schwere Zeiten bevorstehen.

Tabelle 1: 24 positive und 16 negative DAX-Gewinnrevisionen für 2022 im vergangenen Quartal

DAX: Veränderung der Gewinnerwartungen je Aktie für das Geschäftsjahr 2022 im vergangenen Quartal in Prozent

Aktie

Kurs in Euro

Gewinnerwartung 2022 je Aktie in Euro

KGV

Aktuell

Vor drei Monaten

Veränderung in %

RWE

41,50

3,46

2,52

37,2

12,0

Brenntag

68,50

6,56

5,60

17,1

10,4

Deutsche Telekom

19,10

1,54

1,39

10,6

12,4

Qiagen

45,10

2,16

1,97

9,8

20,8

Infineon

24,50

1,91

1,75

9,3

12,8

BASF

42,80

6,51

5,97

9,0

6,6

Bayer

53,70

7,86

7,34

7,1

6,8

Symrise

101,40

3,14

2,94

6,8

32,3

Henkel Vz.

62,80

3,80

3,59

6,1

16,5

Porsche Vz.

67,70

17,02

16,12

5,6

4,0

BMW

74,70

16,74

16,00

4,6

4,5

Volkswagen Vz.

150,30

34,44

32,99

4,4

4,4

Deutsche Post

36,10

4,26

4,08

4,4

8,5

Daimler Truck

25,40

3,03

2,91

4,1

8,4

E.ON

8,90

0,92

0,89

3,9

9,7

Linde

286,10

11,73

11,31

3,8

24,4

Deutsche Börse

172,40

7,84

7,59

3,4

22,0

Merck

171,90

10,32

10,02

3,1

16,6

Mercedes-Benz

57,80

11,50

11,21

2,6

5,0

Hannover Rück

160,10

12,26

11,99

2,2

13,1

Deutsche Bank

9,00

1,64

1,60

2,2

5,5

Münchener Rück

260,80

23,02

22,62

1,8

11,3

Sartorius Vz.

429,80

9,43

9,31

1,3

45,6

MTU

163,90

7,86

7,85

0,1

20,8

HeidelbergCement

45,80

8,06

8,08

–0,2

5,7

Puma

60,70

2,66

2,68

–0,9

22,8

Siemens Healthineers

47,30

2,25

2,29

–1,8

21,1

Airbus

95,40

5,02

5,13

–2,3

19,0

Vonovia

24,60

2,40

2,46

–2,3

10,2

SAP

86,00

4,85

5,02

–3,5

17,7

Beiersdorf

103,80

3,47

3,30

–5,0

30,0

Continental

56,30

5,68

6,05

–6,1

9,9

Fresenius

25,30

3,23

3,46

–6,7

7,8

Allianz

172,10

17,47

19,70

–11,3

9,9

Hello Fresh

25,20

1,13

1,30

–13,4

22,4

Fresenius Medical Care

33,60

3,16

3,73

–15,3

10,7

Siemens

102,70

6,46

8,29

–22,2

15,9

adidas

142,30

6,90

9,16

–24,7

20,6

Covestro

30,30

3,53

5,57

–36,6

8,6

Zalando

21,70

0,28

0,79

–65,0

78,5

Stand: 14. September 2022; Quelle: FactSet-Markterwartungen, Commerzbank Research. KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis. Prognosen sind kein Indikator für die künftige Entwicklung.

In einem restriktiven monetären Umfeld trüben sich die Perspektiven für die Unternehmensgewinne regelmäßig deutlich ein. Daher sind wir überrascht, dass sich die Analysten-Gewinnerwartungen für die DAX-Unternehmen immer noch robust entwickeln. So haben im vergangenen Quartal die Analysten für 24 der 40 DAX-Unternehmen ihre Prognosen für den Gewinn je Aktie im Geschäftsjahr 2022 nach oben angepasst (siehe Tabelle 1). Wir erwarten für die kommenden Monate jedoch nun einen deutlichen Überhang an negativen DAX-Gewinnrevisionen. Den negativen Signalen der Geldpolitik stehen derzeit positive Signale des Anlegersentiments entgegen. So zeigen aktuelle Investorenumfragen, dass schon ein Großteil der institutionellen Investoren mit einer Rezession mit deutlich fallenden Gewinnerwartungen rechnet. Zudem waren Mitte September in der Umfrage unter US-Privatinvestoren nur 26 Prozent positiv, aber 46 Prozent negativ gestimmt. Und auf den US-Future-Märkten in Chicago und New York halten spekulative Investoren derzeit regelmäßig mehr als 200.000 Netto-Short-Positionen auf den S&P 500-Future (siehe Grafik 2).

Grafik 2: Hohe Short-Positionen auf den S&P 500-Future

Spekulative Netto-Positionen

Wir sind überzeugt, dass das teilweise Schließen dieser Short-Positionen (»Short-Squeeze«) ein wichtiger Treiber für die zuletzt regelmäßig zu beobachtenden dynamischen Aktienerholungen war. Kurzfristig spricht das Anlegersentiment daher zwar für recht stabile Aktienmärkte. Doch für den langfristigen Trend der Aktienmärkte sind die monetären Trends am wichtigsten, sodass wir für die kommenden Monate weiterhin schwächere Aktienmärkte prognostizieren.

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