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Kapitalmaßnahmen von A bis Z

Teil 2 – Der Aktiensplit

Mit der letzten Ausgabe des ideas-Magazins haben wir begonnen, die verschiedenen Arten der Kapitalmaßnahmen vorzustellen. Diesmal wollen wir eine weitere Variante und ihre Auswirkung auf Zertifikate und Optionsscheine vorstellen: den Aktiensplit.

Bei einem Aktiensplit handelt es sich um eine von den Aktionären auf der Hauptversammlung beschlossene Umwandlung von bereits existierenden Aktien in eine größere Anzahl neuer Aktien mit einem geringeren Nominalwert. Beim Aktiensplit ändert sich zunächst nichts an den Beteiligungsverhältnissen oder am Eigenkapital des Unternehmens, auch der Unternehmenswert wird nicht beeinflusst. Lediglich der Preis der einzelnen Aktien verringert sich, dafür wird der Aktionär mit einer entsprechenden Anzahl neuer Aktien »entschädigt«.

So nutzen beispielsweise Unternehmen, deren Aktienkurse in der Vergangenheit stark gestiegen sind, die Möglichkeit, der Hauptversammlung einen Aktiensplit vorzuschlagen, um den Aktienkurs optisch zu verbilligen. Insbesondere Kleinanlegern wird dadurch die Gelegenheit gegeben, auch mit relativ geringen Beträgen in die Aktie zu investieren. So führte Apple vor drei Jahren einen Stocksplit im Verhältnis 1:7 durch, um die damals über 640 US-Dollar notierende Aktie auf (für einen Kleinanleger) erschwingliche 92 US-Dollar zu »reduzieren«. Wie ein Aktiensplit funktioniert, zeigt das folgende Beispiel.

Beispiel 1
Bei der außerordentlichen Hauptversammlung der Davide Campari-Milano S.p.A. am 28. April 2017 wurde ein Aktiensplit im Verhältnis von 1:2 beschlossen. Für jede Stückaktie mit Nominalwert von 0,10 Euro erhalten Aktionäre 2 Stückaktien mit Nominalwert von 0,05 Euro. Dadurch wird die Anzahl der Aktien von bisher 580.800.000 auf 1.161.600.000 Stück erhöht. Die Umstellung an der Mailänder Börse erfolgte mit Wirkung zum 8. Mai 2017. Das Grundkapital bleibt unverändert und beträgt nach wie vor 152.670.000,00 Euro und ist nun in 1.161.600.000 Aktien aufgeteilt. Auch die ISIN der Gesellschaft hat sich geändert und lautet jetzt IT0005252207. Die bisherige ISIN IT0003849244 wird durch die neue ISIN ersetzt. Das Anteilspapier der Davide Campari-Milano S.p.A. wurde mit dem Schlusskurs am 5. Mai 2017 angepasst: von 11,20 Euro auf 5,60 Euro. Sein Wert hat sich also durch den Aktiensplit halbiert.

Die Altaktionäre haben keinen finanziellen Vor- oder Nachteil durch diese Transaktion. Allerdings bemerken nicht nur Aktionäre eine Änderung in ihrem Depot, auch Optionsscheine und Zertifikate, die sich auf die Davide Campari-Aktie beziehen, sind von der Kapitalmaßnahme betroffen. Um die Besitzer dieser Derivate nicht zu benachteiligen, passt der Emittent der Wertpapiere seine Produkte entsprechend an. Der Aktiensplit erfolgt also auch für die Zertifikatebesitzer wertneutral. Um dies zu erreichen, wird zunächst der Anpassungsfaktor, auch R-Faktor genannt, ermittelt. Im Falle des Aktiensplits ist er sehr leicht zu errechnen, indem die Anzahl der alten Aktien durch die Anzahl der neuen Aktien dividiert wird. Dies ergibt für unser Beispiel der Davide Campari-Milano S.p.A. den Wert 0,5. Der R-Faktor wird auch von der Terminbörse Eurex veröffentlicht, die ihn ebenfalls für die Anpassung ihrer Optionen und Kontrakte benötigt.

Im zweiten Schritt erfolgt die konkrete Anpassung der entsprechenden Derivate. Je nach Optionsschein- oder Zertifikatetyp kann es hier zu unterschiedlichen Vorgehensweisen kommen. Wir wollen beispielhaft wieder den Fall von der Davide Campari-Aktie betrachten. Der Basispreis eines Optionsscheins, der Basispreis einer Aktienanleihe, der Cap eines Discount-Zertifikats und die Obergrenze bzw. die Barriere eines Bonus-Zertifikats werden mit dem R-Faktor multipliziert, während das Bezugsverhältnis jeweils durch den R-Faktor dividiert wird.

Tabelle 1 verdeutlicht anhand von Beispielen, wie die einzelnen Produkttypen der Commerzbank aufgrund des Aktiensplits von Davide Campari-Milano S.p.A. vom 8. Mai 2017 angepasst wurden.

Tabelle 1: Anpassung der Produkte auf Davide Campari-Milano S.p.A

WKN

Typ

Basispreis alt

Basispreis neu

Knock-Out-Schwelle alt

Knock-Out-Schwelle neu

Bezugsverhältnis alt

Bezugsverhältnis neu

CD4 39D*

Unlimited Turbo-Zertifikat Bull

6,218238

3,109119

6,43

3,215

1

2

CE3 FCE*

Unlimited Turbo-Zertifikat Bear

12,799810

6,399905

12,38

6,190

1

2

CE4 663

Optionsschein Put

6,5

3,25

1

2

CE4 664

Optionsschein Call

8,5

4,25

1

2

Quelle: Commerzbank
*Der Primärmarkt ist für dieses Produkt beendet. An- und Verkäufe finden nur noch im Sekundärmarkt über die üblichen Börsen und Finanzintermediäre statt. Die Emittentin stellt im Rahmen ihrer Funktion als Market Maker während der Börsenhandelszeiten weiter An- und Verkaufskurse.

Das Gegenteil eines Aktiensplits ist der Reverse Aktiensplit, bei dem die Anzahl der ausgegebenen Aktien verringert wird, wodurch der Börsenkurs der verbleibenden Aktien steigt. Auch der Reverse Aktiensplit wird von der Hauptversammlung beschlossen. Gründe können rein psychologischer Natur sein, da sich an den Beteiligungsverhältnissen und dem Wert der Aktiengesellschaft auch hier nichts ändert. Allerdings kann ein Reverse Split auch nötig werden. Denn wenn beispielsweise der Aktienkurs unter dem Nennwert der Aktie notiert, dürfen nach deutschem Aktiengesetz keine neuen Aktien ausgegeben werden. Ein Reverse Aktiensplit wird auch durchgeführt, um eine Aktie optisch teurer zu machen. Dies war häufig im Zeitraum nach der letzten Finanzkrise zu beobachten, als viele bekannte Aktientitel stark an Wert verloren hatten.

Um die Anpassung der von der Commerzbank emittierten Produkte durchzuführen, wird auch hier analog zum Aktiensplit im ersten Schritt der R-Faktor (Anzahl alte Aktien/Anzahl neue Aktien) ermittelt.

Beispiel 2: 
Der größte Stahlhersteller der Welt, ArcelorMittal S.A., beschloss an der außerordentlichen Hauptversammlung am 10. Mai 2017 einen solchen Split: Dür drei alte Aktien gab es eine neue Aktie. Der Anpassungsfaktor betrug 3. Der Reverse Stocksplit erfolgte am 18. Mai 2017. Auch in diesem Beispiel hat sich die ISIN der Gesellschaft geändert und lautet jetzt LU1598757687.

Tabelle 2 verdeutlicht anhand von Beispielen, wie die einzelnen Produkttypen der Commerzbank aufgrund dieses Reverse Aktiensplits von ArcelorMittal S.A. vom 18. Mai 2017 angepasst wurden.

Tabelle 2: Anpassung der Produkte auf ArcelorMittal S.A.

WKN

Typ

Cap alt

Cap neu

Bonuslevel alt

Bonuslevel neu

Barriere alt

Barriere neu

Bezugs-verhältnis alt

Bezugs-verhältnis neu

CE8 2ZP

Discount-Zertifikat

6,0

18,0

1

0,333300

CD9 0T8*

Capped Bonus-Zertifikat

8,4

25,2

8,4

25,2

4,5

13,5

1

0,333300

WKN

Typ

Basispreis alt

Basispreis neu

Knock-Out-Schwelle alt

Knock-Out-Schwelle neu

Bezugs-verhältnis alt

Bezugs-verhältnis neu

CE3 184*

Unlimited Turbo-Zertifikat Bull

4,966

14,898

4,966

14,898

1

0,333300

CE4 L4G

Unlimited Turbo-Zertifikat Bear

5,613

16,839

5,850

17,550

1

0,333300

CV0 08F

Optionsschein

7,5

22,5

1

0,333300

Quelle: Commerzbank
*Der Primärmarkt ist für dieses Produkt beendet. An- und Verkäufe finden nur noch im Sekundärmarkt über die üblichen Börsen und Finanzintermediäre statt. Die Emittentin stellt im Rahmen ihrer Funktion als Market Maker während der Börsenhandelszeiten weiter An- und Verkaufskurse.