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Kapitalmaßnahmen von A bis Z – Teil 5: Börsenabgang (Delisting)

Nach der Übernahme des Online-Tierbedarfhändlers Zooplus durch Finanzinvestoren ist die Aktie Anfang 2022 von der Börse verschwunden. Vor einigen Jahren wurde das weltweit bekannte Karrierenetzwerk LinkedIn von Microsoft übernommen, während Keurig Green Mountain ebenfalls von einer Investorengruppe akquiriert wurde. Auch hier wurden nach dem Beschluss der beiden Übernahmen anschließend die jeweiligen Aktien aus dem Börsenhandel genommen.

Börsenabgang, auch als Delisting bezeichnet, bedeutet die dauerhafte Einstellung der Börsennotierung einer Aktie bzw. Aktiengesellschaft. Der Börsenabgang stellt eine Kapitalmaßnahme (auf Englisch »corporate action«) im weiteren Sinne dar, da es zu keiner Veränderung des Grundkapitals kommt. Es handelt sich um einen verwaltungsrechtlichen Vorgang, mit dem die Aktie dauerhaft aus dem Börsenhandel herausgenommen wird.

Wieso wird eine Aktie von der Börse bzw. aus dem Börsenhandel entfernt?
Für solch eine Entscheidung gibt es verschiedene Gründe. Die jeweilige Börsenaufsicht oder Finanzdienstleistungsbehörde (beispielsweise die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht [BaFin] in Deutschland oder die Securities and Exchange Commission [SEC] in den USA) können ein Delisting veranlassen, wenn ein ordnungsgemäßer Handel in dem Wertpapier nicht mehr gewährleistet werden kann. Dies kann nach einem Squeeze-out der Fall sein, wenn der Mehrheitsaktionär die restlichen Kleinaktionäre per Barabfindung hinausdrängt. Erfüllt ein Unternehmen nicht mehr die Börsennotierungspflichten oder wird es insolvent, kann dies auch zum Delisting der entsprechenden Aktien führen.

Weitere Gründe für einen Börsenabgang können die Vermeidung von umfassenden Publizitätspflichten oder ein Going-private sein. Das Letztere ist oft bei einem Unternehmenszusammenschluss oder einer Übernahme der Fall, wie damals beim Computerhersteller Dell, denn im Rahmen einer Private-Equity-Transaktion sollte das Unternehmen (bzw. die Aktien) übernommen werden. Ein Börsenabgang bedeutet nicht zwangsweise eine neue Strategieausrichtung für ein Unternehmen. Im Fall Dell wollte der alte und neue Besitzer Michael Dell das Unternehmen abseits von Aktionärsinteressen radikal umbauen.

Keurig Green Mountain wurde von JAB Holding Company und einigen großen Investoren übernommen und sollte Teil der globalen Kaffeeplattform von JAB werden. Dennoch sollte Keurig Green Mountain weiterhin ein eigenständiges Unternehmen bleiben, das auf die Herstellung von Spezialkaffee, Kaffeemaschinen und damit verbundenen Technologien sowie weitere Getränkesorten spezialisiert ist. Seit Juli 2018 firmiert das Unternehmen nach der Übernahme der Dr. Pepper Snapple Group unter Keurig Dr. Pepper. Mit dem Zukauf von LinkedIn will Microsoft das Wachstum der Karriereplattform beschleunigen, und zwar durch die Verstärkung von Bezahlangeboten und den Einsatz von gezielterer Werbung. Auch LinkedIn bleibt eine eigene, unabhängige Marke.

Welche Folgen hat das Delisting einer Aktie für die Inhaber von Optionsscheinen und Zertifikaten?
Wenn es zur Einstellung der Börsennotierung einer Aktie an der maßgeblichen Börse kommt, kann Société Générale die Optionsscheine bzw. Zertifikate außerordentlich kündigen. Die Börsennotierung einer Aktie einzustellen, stellt laut Verkaufsprospekt ein außergewöhnliches Ereignis dar. Die Emittentin kann durch Bekanntmachung zum außerordentlichen Kündigungstermin die Produkte kündigen. An solch einem Kündigungstermin werden die Zertifikate zum außerordentlichen Kündigungsbetrag je Zertifikat eingelöst. Der Betrag wird von der Emittentin nach billigem Ermessen unter Berücksichtigung des Marktumfelds sowie etwaiger Erlöse aus Geschäften festgelegt, die die Emittentin zur Absicherung der Übernahme und Erfüllung ihrer Verpflichtungen aus den Zertifikaten vorgenommen hat.

Aufgrund der Ankündigung eines möglichen Börsenabgangs der Aktie stellt Société Générale alle Optionsscheine und Zertifikate auf die betroffene Aktie auf Sold-out, das heißt, es werden nur Geldkurse quotiert, sodass Kunden jederzeit ihre Stücke verkaufen können. Société Générale hat auch die Möglichkeit, Produkte, in die kein Anleger investiert hat, sofort zu delisten.