Titelthema

Der Blick auf die Rohstoffmärkte 2022

2021 war ein turbulentes Jahr, in dem einige Rohstoffpreise auf neue Rekordhochs geklettert sind. Auch wenn es mancherorts momentan danach aussieht, als würde die Preisrally erneut Fahrt aufnehmen, erwarten wir im weiteren Jahresverlauf eher eine Seitwärtsbewegung unter Schwankungen. Der letztjährige Rückenwind von der Makroseite sollte spürbar nachlassen. Dabei spielt die Straffung der Geldpolitik der US-Notenbank Fed und der daraus resultierende festere US-Dollar ebenso eine Rolle wie die nachlassende Wirtschaftsdynamik in vielen Ländern. Auch deshalb dürften viele Rohstoffmärkte in diesem Jahr nicht mehr so angespannt sein wie im vergangenen.

Im vergangenen Jahr, dem zweiten der Pandemie, haben sich viele Rohstoffmärkte stark angespannt: Schließlich traf eine kräftige Nachfrageerholung vielerorts auf ein zu knappes Angebot. Viele Rohstoffpreise kletterten auf neue Rekordhochs oder zumindest auf Mehrjahreshochs. Am stärksten ausgeprägt war die Krise an den Energiemärkten: Die Preise legten entsprechend am meisten zu (siehe Grafik 1). Vieles spricht dafür, dass sich die Lage im laufenden Jahr allmählich entspannt. Denn vor allem im mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt für viele Rohstoffe, China, dürfte die Wirtschaftsdynamik nachlassen. Schließlich bremsen der angespannte Immobilienmarkt, eine Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation und die hohe Verschuldung das Tempo. In Europa hat sich aufgrund der Lieferkettenengpässe die Gangart ebenfalls kurzfristig stark verlangsamt, während in den USA die Erholung zurzeit noch kräftig ist, aber mit der zunehmenden Straffung der Geldpolitik nachlassen dürfte. Für Entspannung sollte aber auch sorgen, dass sich an vielen Märkten die teils witterungsbedingten Sondereffekte des vergangenen Jahres nicht wiederholen dürften und die momentan hohen Preise durchaus Anreiz zur Angebotsausweitung setzen. Doch auch wenn die Märkte in ruhigeres Fahrwasser gelangen, bleiben die Preise durch die teils langfristig guten Nachfrageperspektiven gut unterstützt. Das gilt vor allem für die Rohstoffe, die vom Trend zur Elektromobilität profitieren. Zudem dürfte die Nervosität nach dem einschneidenden Jahr 2021 höher bleiben als üblich, sodass die Preisschwankungen entsprechend kräftiger ausfallen dürften als in der Vergangenheit. Profitieren sollte von dieser Situation Gold, das – sobald der Zinserhöhungszyklus in den USA eingeleitet ist – als Anlagealternative wieder stärker gesucht sein sollte.

Grafik 1: Energiepreise im zweiten Coronajahr am stärksten gestiegen

Vergleich Entwicklung S&P GSCI Subindizes

Öl – das Ende der Knappheit
Die Ölpreise schlossen im Jahr 2021 mit einem satten Plus von rund 50 Prozent. Begünstigt wurde der Preisanstieg durch eine restriktive Produktionspolitik der OPEC+, die ihre Ölproduktion langsamer erhöhte, als es die steigende Nachfrage erlaubt hätte. Zudem sprangen die Schieferölproduzenten in den USA anders als in vorherigen Phasen steigender Ölpreise nicht in die Bresche. In der Folge kam es zu einem deutlichen Lagerabbau (siehe Grafik 2). Die seit Mitte 2020 andauernde Phase der Unterversorgung am Ölmarkt dürfte mit dem Jahreswechsel allerdings zu Ende gegangen sein. Denn eine saisonal schwächere Nachfrage trifft auf ein (weiter) steigendes Angebot. So will die OPEC+ ihre Ölproduktion weiterhin planmäßig jeden Monat erhöhen, bis sämtliche Produktionskürzungen aus dem Jahr 2020 im September 2022 rückgängig gemacht sind. Außerdem dürfte sich die US-Ölproduktion weiter erholen und nicht zuletzt wollen die USA sowie andere große Ölverbrauchsländer bis zu 70 Millionen Barrel Rohöl aus den strategischen Reserven freigeben. Der Großteil davon dürfte kurzfristig erfolgen, sodass im ersten Quartal deutlich zu viel Öl an den Markt gelangen dürfte.

Grafik 2: OECD-Ölvorräte deutlich unter 5-Jahres-Durchschnitt gefallen

Abweichung der kommerziellen Ölvorräte in den OECD-Ländern vom 5-Jahres-Durchschnitt

Da die Ölnachfrage in den darauffolgenden Quartalen wieder stärker steigen sollte – im Sommer 2022 dürfte die Ölnachfrage erstmals 100 Millionen Barrel pro Tag übertreffen – und danach keine weiteren Ölreserven mehr freigegeben werden dürften, sollte der Angebotsüberschuss zwar im weiteren Jahresverlauf deutlich niedriger ausfallen (siehe Grafik 3). Aber nichtsdestoweniger könnte sich die OPEC+ gezwungen sehen, ihre Pläne für die kontinuierliche Produktionsausweitung bis September 2022 zu überdenken.

Grafik 3: Ölmarkt 2022 überversorgt

IEA-Prognosen für 2021 und 2022; Annahme: OPEC+ erhöht Produktion wie vorgesehen

Es gibt zudem Risikofaktoren, die das Pendel am Ölmarkt noch stärker in Richtung Überangebot ausschlagen lassen könnten. So ist ein Rückschlag der Ölnachfrage aufgrund der deutlich ansteckenderen Omikron-Variante des Coronavirus nicht auszuschließen. Vor allem im zweitwichtigsten Ölverbrauchsland China, das eine Verbreitung des Virus bislang rigoros durch Einschränkungen bekämpft, könnte dies der Fall sein. Allerdings hat die OPEC+ signalisiert, die geplante Produktionsausweitung aufzuschieben, sollte sich die Nachfrage signifikant abschwächen. Das sollte die Ölpreise nach unten absichern. Ein anderes Risiko ist eine mögliche Rückkehr der iranischen Ölexporte an den Ölmarkt. Bislang scheinen die Differenzen zwischen dem Iran und den westlichen Ländern aber so groß, dass mit einer schnellen Aufhebung der Sanktionen nicht zu rechnen ist. Wenn doch, würde die OPEC+ die Produktion wahrscheinlich entsprechend anpassen, um Platz für das zusätzliche Ölangebot aus dem Iran zu schaffen. Anders sähe es hingegen aus, sollte die US-Ölproduktion in diesem Jahr stärker steigen als bislang erwartet, da die OPEC+ kaum freiwillig Marktanteile an die Schieferölproduzenten abgeben dürfte.

Wir erwarten wegen des sich aufbauenden Überangebots noch im ersten Quartal eine Preiskorrektur. Danach dürfte sich der Brent-Ölpreis bei 75 US-Dollar einpendeln, wobei die Nachfrageerholung hinter der Angebotsausweitung zurückbleibt. Bei zu starkem Überangebot dürfte die OPEC+ ihre geplante Produktionsausweitung überdenken.

Kupfermarkt zunächst wieder besser versorgt
Nachdem der globale Kupfermarkt im vergangenen Jahr aller Voraussicht nach angespannter war als lange Zeit gedacht, dürfte sich die Situation in diesem Jahr ändern. Projektionen der International Copper Study Group (ICSG) zufolge soll das Angebot die Nachfrage nämlich um satte 328.000 Tonnen übersteigen (siehe Grafik 4). So wird laut Ansicht der ICSG zum einen die Minenproduktion dank der Inbetriebnahme zahlreicher neuer Projekte und der Expansion bestehender Minen deutlich ausgeweitet. Zum anderen soll die Raffinadeproduktion ebenfalls stark zulegen. Neben der Primärproduktion trägt dazu auch eine höhere Sekundärproduktion bei (also aus Kupferschrott), da die Lieferketten nach den coronabedingten Einschränkungen wieder besser funktionieren. Ob sich die geplante Produktionsausweitung ohne Weiteres umsetzen lässt, ist allerdings nicht ganz klar. Denn solange die Coronapandemie die Welt im Griff hat, könnte die Produktion im Zuge von Gegenmaßnahmen immer wieder eingeschränkt werden. Auch jetzt müssen in großen Produzentenländern wie Chile und Peru noch Coronaprotokolle eingehalten werden, sodass die Minen oftmals nicht mit voller Kapazität arbeiten können.

Grafik 4: Erster Überschuss am Kupfermarkt seit vielen Jahren

Angebot minus Nachfrage

Die Kupfernachfrage soll laut Einschätzung der ICSG in diesem Jahr zwar ebenfalls anziehen, aber nicht so stark wie das Angebot. Die Kupfernachfrage wird dabei vor allem von der weiteren Erholung der Weltwirtschaft getragen, da Kupfer in vielen Anwendungen essenziell ist. Unterstützend dürften auch die Infrastrukturmaßnahmen in vielen Ländern wirken. Langfristig wird die Kupfernachfrage vom Megatrend Nachhaltigkeit getragen, der zum Beispiel die Elektromobilität (Elektrofahrzeuge und Ladeinfrastruktur) und den Zubau erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarkraft umfasst. China als mit Abstand größter Kupferkonsument wird auch in diesem Jahr eine entscheidende Rolle zukommen. Nachdem die chinesischen Händler im vorletzten Jahr die niedrigen Preise genutzt und opportunistisch viel Kupfer importiert hatten (auch über Bedarf), haben sie sich 2021 zurückgehalten. Die chinesischen Händler werden sich wohl auch in diesem Jahr preisbewusst verhalten.

Stand jetzt dürfte der globale Kupfermarkt im laufenden Jahr gut versorgt sein. Der Markt könnte daher Luft holen, bevor er später wohl in ein strukturelles Angebotsdefizit dreht. Der prognostizierte Überschuss dürfte unseres Erachtens stark steigenden Preisen entgegenstehen. Wir erwarten im Einklang mit der besseren Versorgungslage einen (moderaten) Rücksetzer der Preise. Ende des Jahres sollte der Kupferpreis bei 9.500 US-Dollar je Tonne notieren.

Aluminiummarkt noch angespannt
Am globalen Aluminiummarkt hat sich im vergangenen Jahr ein hohes Angebotsdefizit aufgetan. Dahinter steckt vor allem China, wo die Behörden im Zuge der Energiekrise im Land Produktionskürzungen angeordnet hatten. Da China der mit Abstand größte Aluminiumproduzent ist, hatte dies Auswirkungen auf den Weltmarkt. Dass das Angebot knapp ist, zeigen die physischen Prämien, die im abgelaufenen Jahr vielerorts stark gestiegen sind und Rekordhochs markiert haben. Auch die LME-Aluminiumvorräte sind deutlich zurückgegangen.

Die Frage ist jetzt, wie lange die Knappheit anhält. Industriekreisen zufolge gibt es noch keine Anzeichen, dass in China vormals stillgelegte Produktionsanlagen wieder in Betrieb genommen werden. Im Gegenteil, die Aluminiumproduktion dürfte zumindest in den ersten Monaten dieses Jahres gedrosselt bleiben, da China während der Olympischen Winterspiele im Februar in Peking für eine möglichst saubere Luft sorgen möchte. Hinzu kommt, dass die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission im Oktober höhere Strompreise genehmigt und Vorzugspreise für energieintensive Industrien gestrichen hat, sodass die Produktionskosten der Aluminiumschmelzen spürbar gestiegen sind (Energiekosten machen rund 40 Prozent der Produktionskosten aus). Im Zuge dessen sind viele Schmelzen in die Verlustzone gerutscht, was die Produktion unattraktiver macht. Außerhalb Chinas haben zuletzt mehrere Aluminiumhersteller in Europa ihre Produktion wegen der sehr hohen Energiepreise gedrosselt.

Die Aluminiumnachfrage dürfte unseres Erachtens in diesem Jahr weiter zulegen, nachdem sie sich 2021 von ihrem coronabedingten Einbruch zuvor schon deutlich erholt hat (siehe Grafik 5). Eines der Zugpferde dürfte dabei die Automobilindustrie sein, deren Produktion im vergangenen Jahr durch die Chipknappheit gebremst wurde. Sollte dieses Problem gelöst werden können, würden die Automobilproduzenten im Einklang mit einer höheren Produktion wohl auch wieder mehr Aluminium nachfragen. Der Transportsektor steht für ca. 30 Prozent der gesamten Aluminiumnachfrage. Ein weiterer Nachfragetreiber bleibt der Bausektor (25 Prozent Nachfrageanteil) – vor allem der Häuser- und Wohnungsbau –, der nach wie vor vom Niedrigzinsumfeld profitiert. Langfristig betrachtet sollte Aluminium im Rahmen der Dekarbonisierung der Wirtschaft stark gefragt sein, da es insbesondere in der Elektromobilität Verwendung findet.

Grafik 5: Starke Erholung der Aluminiumnachfrage

Jahresveränderungsrate

Dies alles spricht für anhaltend hohe Aluminiumpreise in den kommenden Jahren. Wir sehen daher kein großes Rückschlagspotenzial. Sollte die Produktion in diesem Jahr doch wieder anziehen, dürfte der Aluminiummarkt etwas besser versorgt sein (allerdings noch nicht ausreichend). Wir erwarten den Aluminiumpreis Ende des Jahres bei 2.600 US-Dollar je Tonne.

Nickelangebot überholt Nickelnachfrage
Laut Einschätzung der International Nickel Study Group (INSG) dürfte das Angebot am globalen Nickelmarkt die Nachfrage in diesem Jahr wieder um 76.000 Tonnen übersteigen. Die Nachfrage dürfte zwar auch in diesem Jahr spürbar zulegen, das Angebotswachstum soll aber um einiges stärker ausfallen.

Die Nickelnachfrage wurde und wird in erster Linie durch die Edelstahlproduktion unterstützt bzw. getragen. Diese hat sich von ihrem coronabedingten Rückgang im vorletzten Jahr mittlerweile kräftig erholt und dürfte in diesem Jahr einen neuen Rekordwert aufstellen. Daneben macht sich der Einfluss der Elektromobilität immer stärker bemerkbar. Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte wird in den kommenden Jahren unseres Erachtens stark an Fahrt gewinnen. Dies bringt aller Voraussicht nach eine deutlich höhere Nickelnachfrage mit sich, da in den Batterien Nickel in Form von Sulfat zum Einsatz kommt. In den Batterien bleibt wohl die Nickel-Mangan-Kobalt-Technologie (NMC) in ihren verschiedenen Ausprägungen vorherrschend. Die Dynamik der Nickelnachfrage aus diesem Bereich wird unseres Erachtens sukzessive immer stärker zunehmen.

Der höheren Nachfrage steht aber ein noch stärker steigendes Nickelangebot gegenüber. Laut INSG setzt die Minenproduktion ihre Erholung in diesem Jahr fort. Seitdem sich Nickel als wesentliche Komponente in Batterien für Elektrofahrzeuge herauskristallisiert hat, haben die zuvor eher vernachlässigten Minenprojekte eine Renaissance erfahren. Auch im weiteren Verlauf der Wertschöpfungskette wird in neue Produktionskapazitäten investiert.

Der prognostizierte Angebotsüberschuss spricht eigentlich dafür, dass die Preisrally von Nickel eine Pause einlegt. Allerdings wird die Elektromobilität zukünftig immer mehr an Fahrt aufnehmen und zu einer unseres Erachtens höchst dynamischen Nickelnachfrage maßgeblich beitragen. Wir erwarten daher eine Fortsetzung des Nickelpreisanstiegs in diesem Jahr, wenn auch mit mäßigerem Tempo. Ende 2022 gehen wir von einem Nickelpreis von 22.000 US-Dollar je Tonne aus.

Edelmetalle – Hoffnung auf bessere Zeiten
Gold beendete das vergangene Jahr mit einem kleinen Minus. Es sah sich zahlreichen Einflussfaktoren wie zum Beispiel der Aufwertung des US-Dollar ausgesetzt, die eine bessere Preisentwicklung verhinderten. Zudem sind die nominalen Anleiherenditen kräftig gestiegen. Höhere Renditen machen Gold für Anleger weniger attraktiv, da es keine Zinsen abwirft (siehe Grafik 6). Dieses Jahr dürfte von der Frage dominiert werden, wie die Zentralbanken auf die deutlich gestiegenen Inflationsraten reagieren. Hinsichtlich der Inflation hat bei der US-Notenbank Fed inzwischen ein Umdenken eingesetzt. Sie fährt mittlerweile ihre Anleihekäufe zurück und könnte schon im Frühjahr die Zinsen anheben. Da die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer aber noch deutlich höher sind als die nominalen Anleiherenditen, sind die Realrenditen weiterhin negativ. Daran dürfte sich auch 2022 nichts ändern. Dies spricht für eine solide Goldnachfrage zum Beispiel nach Goldmünzen und -barren. Entscheidend ist aber, wann auch die Gold-ETFs wieder Zuflüsse verzeichnen. Denn diese sind für die Preisentwicklung von Gold maßgeblich, wie die vergangenen Jahre zeigten. Gegenwind für Gold könnte zunächst von der Richtungsänderung der Fed kommen. Der Markt hat dies mit Blick auf die Fed Fund Futures aber bereits eingepreist, sodass Gold davon nicht mehr zusätzlich belastet werden sollte. Bei den vorherigen Zinserhöhungszyklen war es so, dass Gold im Vorfeld der ersten Zinserhöhung zur Schwäche neigte. Nach dem Beginn des Zinserhöhungszyklus begann der Preis aber zu steigen, sofern die Markterwartungen für die Zinserhöhungen nicht weiter angepasst werden mussten, die Fed also auf dem angekündigten Pfad blieb. Wir halten ein derartiges Muster auch diesmal für wahrscheinlich. Dies spricht für eine eher verhaltene Preisentwicklung in den ersten Monaten des Jahres und einen stärkeren Preisanstieg im weiteren Jahresverlauf. Wir erwarten daher einen Goldpreis von 1.900 US-Dollar je Feinunze am Jahresende 2022.

Grafik 6: Zinsloses Gold leidet unter kräftigem Anstieg der Anleiherenditen

Silber hat im vergangenen Jahr einen dreimal so großen Verlust eingefahren wie Gold. Dies hat sich auch im spürbar gestiegenen Gold-Silber-Verhältnis bemerkbar gemacht (siehe Grafik 7). Die enttäuschende Preisentwicklung bei Silber kann mit der verhaltenen Entwicklung der Industrieproduktion erklärt werden. Sie leidet schon seit Längerem unter gestörten Lieferketten, Angebotsengpässen bei Vorprodukten sowie deutlich gestiegenen Energiekosten. Das ist auch für die Silbernachfrage ein Problem, da industrielle Anwendungen gut die Hälfte der gesamten Silbernachfrage ausmachen. Dennoch erwartet das Silver Institute, dass die industrielle Silbernachfrage im Jahr 2021 ein Rekordniveau erreicht hat. Dies wurde wohl begünstigt durch einen kräftigen Nachfrageanstieg bei der Fotovoltaik. Nach einem wahrscheinlich geringen Angebotsdefizit im vergangenen Jahr könnte auch 2022 das Angebot hinter der Nachfrage zurückbleiben. Zurückzuführen ist dies auf eine starke Industrienachfrage, die neben der weiteren Erholung nach Corona von strukturellen Einflussfaktoren profitiert. Zu nennen sind die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte, die 5G-(Mobilfunk-)Technologie und das Bekenntnis der Regierungen zu Investitionen in  »grüne« Infrastruktur. Der Silberpreis dürfte von diesen positiven Nachfrageaussichten profitieren und in diesem Jahr auf 26 US-Dollar je Feinunze steigen. Damit würde Silber auch etwas Boden gegenüber Gold gutmachen.

Grafik 7: Silber mit enttäuschender Preisentwicklung

Auch Platin hat 2021 stärker verloren als Gold. Der Preisrückgang steht im Einklang mit der Einschätzung des World Platinum Investment Council (WPIC), wonach am globalen Platinmarkt sowohl 2021 als auch 2022 beträchtliche Angebotsüberschüsse bestehen dürften. Der WPIC führt dies auf zwei Faktoren zurück: Zum einen hat sich die Minenproduktion in Südafrika nach dem Einbruch im Vorjahr deutlich stärker erholt als erwartet. Zum anderen zeigte sich die Investmentnachfrage schwach. Sie dürfte sich laut Einschätzung des WPIC im laufenden Jahr auch nur geringfügig erholen, sodass der Platinmarkt überversorgt bleibt. Ein Lichtblick für Platin ist die robuste Nachfrage aus der Automobilindustrie, die kräftig steigen soll. Der WPIC führt dies auf einen stärkeren Platineinsatz in Katalysatoren aufgrund strengerer Abgasvorschriften bei Lkw in China zurück, was die sinkenden Stückzahlen in der Produktion von Diesel-Pkw wegen der Chipknappheit mehr als ausgleicht. Hinzu kommt die zunehmende Substitution von Palladium durch das deutlich preiswertere Platin in den Katalysatoren. Wegen des sich abzeichnenden Angebotsüberschusses in diesem Jahr trauen wir Platin nur eine Preisentwicklung im Einklang mit Gold zu. Wir sehen Platin Ende 2022 bei 1.100 US-Dollar je Feinunze.

Palladium war im abgelaufenen Jahr der mit Abstand größte Verlierer im Edelmetallsektor. Die negative Preisentwicklung lässt sich auch hier mit geänderten Einschätzungen zur Marktbilanz erklären. Verschiedene Marktbeobachter hatten ihre Defizitschätzungen im Jahresverlauf sukzessive reduziert. Dies geschah vor dem Hintergrund der länger als erwarteten Knappheit von Halbleitern, die zu massiven Einschränkungen bei der Automobilproduktion und einer entsprechend niedrigeren Nachfrage nach Palladium geführt hat. Die Automobilindustrie steht für 85 Prozent der gesamten Palladiumnachfrage. Hinzu kommt die Substitution von Palladium durch das inzwischen deutlich kostengünstigere Platin. Dies dürfte auch einem Anstieg der Palladiumnachfrage aus der Automobilindustrie Grenzen setzen, sofern sich diese nach der Behebung der Chipknappheit allmählich wieder normalisiert. Der Palladiumpreis dürfte sich in diesem Jahr nur geringfügig erholen. Wir rechnen mit einem Preis von 2.100 US-Dollar je Feinunze am Jahresende. Der Großteil des Preisanstiegs sollte dabei in der zweiten Jahreshälfte erfolgen.

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Partizipations-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU0 L1S

Brent-Öl-Future

1:1

Nein

76,65/76,66 EUR

CU0 L1R

Brent-Öl-Future

1:1

Ja

86,47/86,49 EUR

SH1 R5F

WTI-Öl-Future

1:1

Nein

43,77/43,84 EUR

SB5 KF6

WTI-Öl-Future

1:1

Ja

83,65/83,66 EUR

SB5 GAN

Palladium

10:1

Nein

177,66/177,81 EUR

CU0 QXV

Gold

10:1

Nein

156,77/156,80 EUR

CU0 V6T

Gold

10:1

Ja

168,82/168,87 EUR

CU0 V6U

Silber

1:1

Nein

20,87/20,90 EUR

CU0 V6V

Silber

1:1

Ja

22,58/22,61 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Quanto

Geld-/Briefkurs

SH4 KK8

Brent-Öl-Future

Call

78,919 USD

10,8

Nein

7,06/7,07 EUR

SD6 VL4

Brent-Öl-Future

Put

93,739 USD

11,7

Nein

6,52/6,53 EUR

SH4 KL3

WTI-Öl-Future

Call

76,179 USD

10,7

Nein

6,85/6,86 EUR

SD6 REK

WTI-Öl-Future

Put

90,988 USD

11,0

Nein

6,66/6,67 EUR

SE8 KNK

Gold

Call

1.662,109 USD

10,7

Nein

15,18/15,19 EUR

SD9 91J

Gold

Put

1.986,008 USD

11,7

Nein

13,70/13,71 EUR

SB2 9T9

Silber

Call

21,139 USD

7,4

Nein

2,93/2,94 EUR

SF7 Z2A

Silber

Put

27,477 USD

7,5

Nein

2,84/2,85 EUR

SD4 FBB

Kupfer-Future

Call

4,028 USD

8,6

Nein

4,55/4,58 EUR

SD3 237

Kupfer-Future

Put

5,073 USD

8,0

Nein

5,02/5,04 EUR

Faktor-Optionsscheine

Stand: 21. Januar 2022; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.

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