Märkte

Was wird 2022 wichtig?

Im neuen Jahr könnte die Coronapandemie allmählich ihre bisher dominierende Bedeutung verlieren. Für die Märkte wird es dann darauf ankommen, ob sich die Inflation tatsächlich wie erhofft abschwächt. Nur dann wird die Fed mit ihrem geplanten moderaten Anziehen der Zügel auskommen und die EZB stillhalten können. Preisdaten sind daher die entscheidenden Indikatoren für die Marktteilnehmer. Politisch stehen 2022 die Präsidentschaftswahl in Frankreich und die US-Zwischenwahlen im Fokus, außenpolitisch das Verhältnis des Westens zu China und Russland.

Verliert Corona an Bedeutung?
Die Infektionszahlen steigen rasant, zu Jahresbeginn bleibt die Pandemie das dominierende Thema. Aber es mehren sich die Hinweise, dass bei einer Infektion mit der Omikron-Variante das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs deutlich geringer ist als bei der zuletzt vorherrschenden Delta-Variante. So ist die Zahl der Krankenhauseinweisungen in Großbritannien gegenwärtig deutlich niedriger als am Hochpunkt der vorherigen Welle Anfang 2021, obwohl die Neuinfektionen dreimal so hoch sind. Ähnliches ist in anderen Ländern zu beobachten. Bliebe es bei dieser Abkoppelung, könnte die Pandemie in diesem Jahr ihren Schrecken verlieren. Damit sind 2022 die Hospitalisierungsdaten der entscheidende Indikator, um den Fortgang der Pandemie zu beurteilen.

Wie schnell fallen die Inflationsraten?
Nach dem starken Anstieg der Inflation im vergangenen Jahr rechnen fast alle Beobachter einschließlich der Zentralbanken damit, dass die Inflation im Verlauf dieses Jahres deutlich zurückgehen wird. Schließlich wird sich Energie wohl kaum noch einmal so stark verteuern wie 2021, und der Höhepunkt der preistreibenden Lieferengpässe sollte in absehbarer Zeit überschritten sein. Im Euroraum fällt zudem der Effekt der Wiederanhebung der deutschen Mehrwertsteuer zum 1. Januar 2021 aus der Inflationsrate heraus.

Entscheidend für die Notenbankpolitik und die Finanzmärkte wird in diesem Jahr sein, ob die Inflation auch tatsächlich fällt. Die Anleger werden die monatlichen Inflationsraten gerade in der ersten Jahreshälfte akribisch unter die Lupe nehmen und genau schauen, ob eine Verlangsamung des Preisauftriebs nachhaltig ist oder nur auf Sonderfaktoren zurückgeht. Die Kerninflation wird dabei mehr denn je im Fokus stehen.

Von besonderer Bedeutung sind darüber hinaus Indikatoren zu den Materialengpässen, die die Kerninflation in vielen Ländern nach oben getrieben haben. Nur wenn es hier im weiteren Verlauf des Jahres zu einer Entspannung kommt, lässt der Inflationsdruck dauerhaft nach. Die Anleger werden also genau verfolgen, wie sich die Preise von Zwischenprodukten wie Halbleiter oder Schnittholz sowie die von Industriemetallen und Transportdienstleistungen entwickeln. Wir haben einige wichtige Daten in unserem Lieferkettenmonitor zusammengestellt. Dabei zeigen die meisten Indikatoren, etwa zum Containertransport auf See (siehe Grafik 1), zuletzt eine leichte Beruhigung an, ohne dass ein Ende der Probleme absehbar ist.

Grafik 1: Etwas weniger Güter auf See blockiert

Anteil der Waren, die sich global auf wartenden Containerschiffen befinden

Wichtig für den weiteren Inflationsausblick ist die Entwicklung der Lohnkosten. Anleger stellen sich insbesondere die Frage, ob es zu einer Lohn-Preis-Spirale kommen könnte. Während in den USA die Lohnkosten gemessen am Employment Cost Index (ECI) inzwischen deutlich stärker steigen als vor der Pandemie, sind die Tariflöhne im Euroraum zuletzt so schwach gestiegen wie noch nie seit Einführung des Euro. Die neuen Tarifabschlüsse und sonstigen Lohndaten werden zeigen, ob es im Euroraum dabei bleibt.

Wie stark strafft die Fed?
Wichtig für die Finanzmärkte ist natürlich nicht nur die Inflation, sondern auch, was die großen Zentralbanken daraus machen. Was die US-Notenbank anbelangt, so gehen die meisten Beobachter davon aus, dass sie ihre Leitzinsen zum ersten Mal im Frühjahr anhebt und dann pro Quartal weitere Schritte zu je 25 Basispunkten folgen lässt.

Die Kernfrage für dieses Jahr wird sein, ob die Fed dieses recht moderate Tempo trotz der zuletzt stark gestiegenen Inflation beibehalten kann oder ob sie stärker auf die Bremse treten muss, um zu verhindern, dass sich die Inflationserwartungen auf einem deutlich höheren Niveau festsetzen. Wir halten inzwischen in diesem Jahr vier Zinserhöhungen ab März für wahrscheinlicher. Sollte sich die Fed zu einem höheren Tempo gezwungen sehen, würde sich das vorher in den Äußerungen und den Leitzinsprognosen der US-Notenbanker niederschlagen. Die Teilnehmer an den Fed-Sitzungen veröffentlichen einmal pro Quartal (das nächste Mal im März) ihre Einschätzungen zum Pfad der angemessenen Leitzinsen. Eine weitere Indikation ist, wie rasch die Fed ein Schrumpfen ihrer Bilanzsumme nach dem für März terminierten Ende der Netto-Anleihekäufe zulässt. Beim vorherigen Zyklus hatte die Fed die »Bilanznormalisierung« im Oktober 2017 eingeleitet und damit beinahe zwei Jahre nach dem Lift-off. Dieses Mal wird es aller Voraussicht nach sehr viel schneller gehen.

Muss die EZB 2022 gar nicht an der Zinsschraube drehen?
Anders als die US-Notenbank bemüht sich die EZB weiterhin, keine Spekulationen über Zinserhöhungen bereits im laufenden Jahr aufkommen zu lassen. Vielmehr will sie im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms (APP-Programm) mindestens bis Ende 2022 verstärkt Anleihen kaufen. Weil sie ihren Leitzins erst nach einem Ende der Nettokäufe einstellen will, ist damit eine Leitzinserhöhung bereits in diesem Jahr vom Tisch, was auch unserer Prognose entspricht.

Aber die Anleger erwarten die erste EZB-Zinsanhebung bereits im Dezember 2022. Am Ende wird die Inflation darüber entscheiden – was ebenfalls dafür spricht, dass die Anleger die monatlichen Inflationsdaten genau studieren werden. Hinweis auf eine frühzeitige Zinswende wäre auch ein früher als geplantes Herunterfahren des APP-Programms.

Der politische Kalender

10./24. April: Französische Präsidentschaftswahlen
Der Fokus der Anleger wird aber nicht nur auf der Inflation und den Notenbanken liegen, sondern auch auf politischen Risiken. Wichtig ist hier besonders die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahlen am 10. April. Sie fällt in die französische EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr, was Präsident Emmanuel Macron in den nächsten Monaten dazu nutzen dürfte, weitere Pflöcke in der Europapolitik einzuschlagen, um im Wahlkampf zu punkten.

Sollte keiner oder keine der Kandidierenden eine absolute Mehrheit bereits im ersten Wahlgang gewinnen (und dies ist bisher noch keinem gelungen), steht am 24. April die Stichwahl zwischen den beiden Kandidierenden mit den meisten Stimmen an.

Mai/Juni: Vorschlag der EU-Kommission zu den Fiskalregeln
Nicht zuletzt mit Rücksicht auf die deutschen Bundestagswahlen vergangenes Jahr ist die Debatte um eine Neufassung der Fiskalregeln in der EU bisher nur verhalten geführt worden. Dies dürfte sich im Laufe des Jahres ändern. Ende Mai oder Anfang Juni will die EU-Kommission dazu einen Vorschlag veröffentlichen. Die bisherigen Konsultationen haben offenbar die Bereitschaft der Mitgliedsstaaten gezeigt, die Regeln zu vereinfachen. Größen wie das strukturelle Defizit oder die Output-Lücke (beide nicht direkt beobachtbar und daher nur modelltheoretisch abzuleiten) sollen zurückgestuft werden. Dagegen will man wohl stärker die tatsächlichen Defizite oder die Staatsausgaben in den Blick nehmen. Bei der Rückführung überhöhter Schuldenstände – zurzeit ist hier eine Reduktion um 5 Prozentpunkte pro Jahr vorgesehen – sind weniger ehrgeizige Ziele wahrscheinlich. Alles in allem ist nicht damit zu rechnen, dass die ohnehin laxen Regeln geschärft und verbindlicher gemacht werden.

8. November: Zwischenwahlen zum US-Kongress
Präsident Joe Biden muss mit sehr knappen Mehrheiten im Kongress regieren. Im Senat haben Demokraten und Republikaner je 50 Sitze (bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme von Vizepräsidentin Kamala Harris), im Repräsentantenhaus steht es 222 zu 211. Da es gerade im Senat immer wieder Abweichler gab, sind wichtige Gesetzesvorhaben der Demokraten liegengeblieben. Dies gilt insbesondere für das große – wenn auch bereits mehrfach abgespeckte – Sozial- und Klimaprogramm.

Nach den für den 8. November angesetzten Zwischenwahlen zum Kongress dürfte es für Biden noch schwieriger werden. Schließlich büßt die Partei des jeweiligen Präsidenten bei den Zwischenwahlen normalerweise deutlich ein. Dies gilt insbesondere für das Repräsentantenhaus, wo alle 435 Sitze zur Neuwahl anstehen.

»Schwarze Schwäne« in der Außenpolitik?
Außenpolitisch verspricht 2022 ein unruhiges Jahr zu werden. Besorgniserregend ist der zunehmende Druck, den Russland auf die Ukraine ausübt. Mit seinen Forderungen und Ultimaten hat sich Präsident Wladimir Putin weit vorgewagt; ein gesichtswahrender Rückzug scheint ohne Konzessionen des Westens kaum möglich. Hinzu kommt, dass der niedrige Lagerbestand an Erdgas, den die EU jetzt mitten im Winter ausweist, Russland ein zusätzliches Druckmittel an die Hand gibt. Ob sich vor diesem Hintergrund im Falle des Falles schmerzhafte Sanktionen des Westens gegen Russland organisieren lassen, ist zumindest unsicher. Auch dies spricht gegen ein Einlenken Russlands.

Außerdem hat sich die Zusammenarbeit Russlands und Chinas intensiviert – ein außenpolitisches Szenario, das Konturen gewinnt, das die USA immer vermeiden wollten. Sofern die USA durch die russischen Aktionen zu stark in Europa gebunden sind, erhöht sich der Anreiz Chinas, Taiwan unter zusätzlichen Druck zu setzen. Das Risiko einer Eskalation steigt, deren Konsequenzen kaum verlässlich abschätzbar sind.

Produktidee: Hebelprodukte auf Indizes und Zinsen

Nutzen Sie die Einschätzungen der Experten. Mit Hebelprodukten können Sie auf kurzfristige Marktveränderungen setzen. Ein Überblick über das gesamte Produktspektrum an Optionsscheinen von Société Générale steht Ihnen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Da die von Société Générale angebotenen Produkte in Euro notieren, der Handelspreis von US-Indizes und US-Anleihen in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko. Ein steigender Euro/US-Dollar-Wechselkurs wirkt sich negativ auf den Wert des Produktes aus.

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/ Knock-Out-Barriere

Hebel

Quanto

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

SB7 YD8

DAX

Call

13.271,810 Pkt.

6,0

Unbegrenzt

26,65/26,66 EUR

SF3 W0C

DAX

Put

18.504,850 Pkt.

6,1

Unbegrenzt

26,15/26,16 EUR

SD9 WB1

EURO STOXX 50

Call

3.592,050 Pkt.

6,0

Unbegrenzt

7,15/7,16 EUR

SD6 BM8

EURO STOXX 50

Put

4.968,530 Pkt.

6,4

Unbegrenzt

6,75/6,76 EUR

SB7 Y6X

Dow Jones

Call

30.023,490 Pkt.

6,5

Nein

Unbegrenzt

4,81/4,82 EUR

SD5 4UL

Dow Jones

Put

41.709,590 Pkt.

5,5

Nein

Unbegrenzt

5,62/5,63 EUR

CJ4 QUK

Euro Bund Future

Call

161,794 EUR

21,3

Unbegrenzt

7,96/7,97 EUR

SF9 PFM

Euro Bund Future

Put

177,716 EUR

21,0

Unbegrenzt

8,07/8,08 EUR

CJ4 RTS

10-Year U.S. Treasury Note Future

Call

122,006 USD

22,0

Nein

Unbegrenzt

5,12/5,13 EUR

CU4 72F

10-Year U.S. Treasury Note Future

Put

133,761 USD

20,7

Nein

Unbegrenzt

5,42/5,43 EUR

Faktor-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

SH0 7HK

Euro Bund Future

Long

15

Unbegrenzt

9,21/9,25 EUR

SH0 7HL

Euro Bund Future

Short

–15

Unbegrenzt

10,94/11,00 EUR

SB3 CPS

10-Year U.S. Treasury Note Future

Long

10

Unbegrenzt

4,12/4,17 EUR

SB3 CQF

10-Year U.S. Treasury Note Future

Short

–10

Unbegrenzt

13,30/13,44 EUR

Stand: 20. Januar 2022; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.

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