Interview

Keine KOmpromisse bei Service und Sicherheit – Interview mit Frank Niehage, LL.M., CEO der flatexDEGIRO AG

ideas: flatex ist seit 2006 einer der führenden Onlinebroker in Deutschland. Seinerzeit sind Sie mit einer Flat Fee von 5,90 Euro gestartet, unabhängig von Produkt und Ordergröße – damals ein Novum in der Branche. Seitdem ist das Unternehmen kontinuierlich gewachsen. Können Sie uns kurz schildern, was sich alles bei flatex getan hat?
Frank Niehage: Über 15 Jahre hat sich naturgemäß eine Menge verändert. Vieles ist aber auch gleich geblieben. Börsenhandel bieten wir nach wie vor zu günstigen 5,90 Euro an, und das an einer Vielzahl nationaler und internationaler Handelsplätze. Andere Gebühren haben wir im Laufe der Zeit deutlich gesenkt, beispielsweise im Derivatebereich, aber auch bei ETFs und Fonds, die wir als Sparpläne komplett zu 0 Euro Handelsgebühren anbieten. Allein 30 Millionen Euro haben wir über die vergangenen Jahre in unsere IT investiert und so die Stabilität unserer Systeme weiter erhöht. Das hat sich in diesen volatilen Zeiten durch praktisch 100 Prozent up-time positiv für unsere Kunden bemerkbar gemacht. Die wesentlichste Entwicklung ist aber sicherlich, dass wir uns grade über die vergangenen zwölf Monate hinweg noch weiter für Privatanleger geöffnet haben.

Was genau bedeutet es, wenn Sie sagen, dass Sie sich noch weiter für Privatanleger geöffnet haben?
Wir sind überzeugt: Jeder verdient Rendite, unabhängig von finanziellem Fachwissen und verfügbarer Zeit. Mit diesem Gedanken sind wir Ende 2020 mit unserer neuen »flatex next«-App gestartet. Damit ermöglichen wir, innerhalb von fünf Minuten und ohne Medienbruch Kunde zu werden und Anlageentscheidungen unkompliziert auf einer der professionellsten und sichersten Plattformen auszuführen. Mit klarem Fokus auf eine moderne Benutzerführung und intuitive Prozesse. Der Erfolg gibt uns recht, und so haben wir vor rund zwei Monaten bereits die nächste Evolutionsstufe gezündet. Durch die Nutzung von Crowd-Wissen und -Verhalten wollen wir einzelnen Kunden relevantere und gezieltere Informationen zur Verfügung stellen, damit sie noch besser informiert Anlageentscheidungen treffen können. Denn der intuitive Zugang zu relevanten Informationen ist entscheidend für jede Anlageentscheidung. Bei der momentanen Flut an Nachrichten und Daten ist es wichtiger denn je, das Unwichtige intelligent herauszufiltern und sich auf das zu konzentrieren, was für persönliche Anlageentscheidungen wirklich bedeutsam ist. Die neuen Funktionalitäten der flatex-App sind die ersten auf dem Markt, die unseren Kunden genau das bieten.

Durch den Kauf des niederländischen Wettbewerbers DEGIRO im Jahr 2020 wurden die Türen zu weiteren europäischen Märkten aufgestoßen. Welchen Stellenwert hat inzwischen der deutsche Markt für Sie?
Deutschland spielt weiterhin eine große Rolle und zählt ganz klar zu unseren Kernmärkten. Es ist der einzige Markt, in dem wir nach der DEGIRO-Übernahme auch mit beiden Marken aktiv sind. Gleichzeitig haben wir durch die Übernahme Zugang zu insgesamt 18 europäischen Märkten gewonnen. Dadurch verfügen wir mittlerweile über ein ungleich größeres Wachstumspotenzial. Auch aus Risikogesichtspunkten schafft diese Diversifikation erhebliche Vorteile – für uns und unsere Kunden. Das gilt auch für die Größenvorteile, die wir als größter Onlinebroker in Europa heben. Mehr als 2 Millionen Kunden vertrauen schon heute unserer Plattform, wenn es um nachhaltiges Investieren und Handeln geht.

Gerade in den vergangenen Jahren drängten immer mehr Anbieter auf den Markt, die Handeln zum Nulltarif versprechen. Beeinflusst diese Entwicklung auch geschäftspolitische Entscheidungen bei flatex?
Ich würde ganz grundsätzlich jedem empfehlen, das Kleingedruckte besonders genau zu lesen, wenn etwas zum Nulltarif versprochen wird. Meist lassen sich derartige Versprechen bei genauerer Betrachtung nicht halten und kommen stattdessen mit erheblichen Abstrichen in der angebotenen Leistung daher. Wir machen in unserem Angebot keine Kompromisse bei Service, Sicherheit, Produktauswahl oder Ausführungsort. Das alles bieten wir nicht zu null an, aber zu einem äußerst fairen und transparenten Preis. Dadurch waren wir auch in den vergangenen Jahren weiterhin in der Lage, Kunden von der Qualität unsers Angebots zu überzeugen und unser starkes Wachstum fortzusetzen. Daran soll sich auch nichts ändern.

Société Générale ist flatex Gold-Partner. Welche Vergünstigungen resultieren aus diesem Status für Kunden?
Société Générale gehört zu den größten und wichtigsten Anbietern für Optionsscheine und Zertifikate am Markt. Wir freuen uns sehr, durch diese gemeinsame Partnerschaft flatex-Kunden ein besonders großes Angebot von Produkten zur Verfügung stellen zu können. Und das zu besonders attraktiven Konditionen im außerbörslichen Direkthandel mit Gebühren ab 1,90 Euro pro Order, ohne weitere Gebühren oder Fremdspesen. Fast noch mehr freue ich mich, dass mittlerweile auch ein immer größer werdender Teil der DEGIRO-Kunden in den Genuss dieser Vorzüge kommt, nachdem wir uns entschieden haben, das erfolgreiche Partnerschaftsmodell von flatex auch auf unsere Schwestermarke DEGIRO zu übertragen. Mit Société Générale als einem von zwei starken Partnern profitieren bereits heute DEGIRO-Kunden in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich von diesem herausragenden Angebot zu attraktivsten Konditionen. Und weitere Länder werden 2022 folgen.

Die Nullzinspolitik der EZB hält nun schon seit einigen Jahren an, während es an den Börsen stetig bergauf geht. Vor allem der Hype nach dem Corona-Crash hat viele – vor allem jüngere Anleger – an die Aktienmärkte gebracht. Können auch Sie ein Umdenken »vom Sparbuch zur Aktie« bei den Anlegern beispielsweise durch höhere Ordervolumen beobachten?
Es sind nicht so sehr kurzfristige Veränderungen der Ordervolumen, auf die wir achten. Was wir beobachten ist vielmehr, dass ein immer größerer Teil der Bevölkerung sich strukturiert mit Fragen der finanziellen Absicherung im Alter und der sinnvollen Kapitalanlage in Zeiten von Negativzinsen und bereits stark gestiegenen Immobilienpreisen befasst. Hinzu kommt ein stetig wachsender Grad an Digitalisierung und damit einhergehend auch eine weitere Vereinfachung des Zugangs zum Kapitalmarkt – wie beispielsweise über »flatex next«. Das sind sehr nachhaltige Entwicklungen. Corona hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen, diese nochmals zu befeuern. Ich bin aber überzeugt, dass uns diese Megatrends auch in der Zukunft weiter begleiten werden und damit Handeln und Investieren am Kapitalmarkt noch stärker in den Fokus einer breiten Gesellschaftsschicht kommen wird. Zuversichtlich stimmt mich an dieser Stelle noch, dass die neue Bundesregierung eine Aktienrente einführen will und der Sparerfreibetrag ebenfalls erhöht wird. Das sind gute Nachrichten für unsere Kunden.

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Anja Schneider.