Titelthema

Megatrend Nachhaltigkeit – Welche Rohstoffe können besonders davon profitieren?

Das Thema Nachhaltigkeit ist als Megatrend in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Einer der Treiber dieses Themas ist die Klimakrise. Auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralität ist die Dekarbonisierung der Wirtschaft die tragende Säule. Sie hat Auswirkungen auf viele Rohstoffe. Denn mit dem Umbau der Wirtschaft wird sich der Bedarf an Rohstoffen massiv verändern. Wir geben einen Überblick, welche Rohstoffe aus unserer Sicht wie betroffen sind.

Das Thema Nachhaltigkeit ist als Megatrend der postindustriellen Revolution in der Mitte der Gesellschaft angekommen und wird durch die Coronakrise forciert. Nachhaltigkeit kann dabei als ein Handlungsprinzip zur Ressourcennutzung verstanden werden. Denn unsere Systeme können nur ein bestimmtes Maß an Ressourcennutzung dauerhaft aushalten, ohne Schaden zu nehmen. Auch für Staaten und Unternehmen spielen Nachhaltigkeitsaspekte eine immer größere Rolle. Denn wenn sie diese nicht ernst nehmen, gehen sie mittel- bis langfristig erhöhte wirtschaftliche Risiken ein. Viele Unternehmen sehen Nachhaltigkeit daher als Notwendigkeit für die Zukunftsfähigkeit und als Chance für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit an. Schon vor einigen Jahren haben die Vereinten Nationen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung festgelegt.

Ein Aspekt, der das Thema Nachhaltigkeit »groß« gemacht hat, ist die Klimakrise. Sie wird als eine der größten Herausforderungen auf Staaten- und auf Unternehmensebene angesehen. Die EU-Kommission hat im Dezember 2019 den sogenannten Green Deal vorgestellt und sieht ihn als Fahrplan für eine nachhaltige Wirtschaft. Er soll Europa bis zum Jahr 2050 zur ersten klimaneutralen Industrieregion der Welt formen.

Ein Schritt in diese Richtung ist das im Juli vorgestellte »Fit for 55«- Programm. Damit will die EU-Kommission erreichen, dass die EU ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 mindestens um 55 Prozent gegenüber 1990 reduziert. Die Dekarbonisierung der Wirtschaft ist die tragende Säule auf diesem Weg.

Unter Dekarbonisierung versteht man die Reduzierung von Kohlendioxidemissionen durch den Einsatz kohlenstoffarmer Energiequellen, wodurch ein geringerer Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre erreicht wird. Die Menge an Kohlendioxid zu verringern, die durch den Verkehr, die Stromerzeugung und die Industrieproduktion entsteht, ist wesentlich, um die globalen Temperaturstandards zu erfüllen, die unter anderem durch das Pariser Klima-Abkommen festgelegt wurden. Zur Dekarbonisierung gehört insbesondere die Nutzung erneuerbarer Energiequellen wie Windkraft, Sonnenenergie, Wasserkraft und Biomasse. Kontrovers debattiert wird darüber, ob auch die Kernenergie als emissionsfreie Form der Stromgewinnung eine stärkere Rolle spielen soll.

Der Einsatz kohlenstoffhaltiger Energie im Straßenverkehr kann insbesondere durch den großflächigen Einsatz von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen (BEV) oder mit Wasserstoff angetriebenen Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzellen (FCEV) reduziert werden, sofern der dafür benötigte Strom aus emissionsfreien Quellen stammt. Eine weitere Möglichkeit ist, synthetische Kraftstoffe einzusetzen, die aus grünem Wasserstoff gewonnen werden. Auch in der Industrie wird über den Einsatz von Wasserstoff als emissionsarme Energiequelle nachgedacht, beispielsweise in der Stahlproduktion.

Die Dekarbonisierung hat Auswirkungen auf viele Rohstoffe. Kein Sektor bleibt von ihrem Einfluss verschont. Die Auswirkungen sind dabei sowohl positiver wie auch negativer Natur. Wir geben im Folgenden einen Überblick, welche Rohstoffe aus unserer Sicht konkret betroffen sind.

Klimaneutralität 2050 erzwingt massive Umwälzungen im Energiesektor
Der Energiesektor steht für drei Viertel der Treibhausgasemissionen und daher im Mittelpunkt der Dekarbonisierung des Wirtschaftslebens. Bei der Verbrennung von Kohle, Erdgas und aus Rohöl gewonnenen Ölprodukten wie Benzin, Diesel, Kerosin und Heizöl zwecks Energiegewinnung wird im erheblichen Ausmaß CO2 freigesetzt. Nochmals deutlich höher ist der CO2-Ausstoß fossiler Energieträger bei der Stromerzeugung, wenn man den Wirkungsgrad des jeweiligen Kraftwerks berücksichtigt. Daher spielt die Dekarbonisierung der Stromerzeugung die wichtigste Rolle im Energiebereich. Im Transportbereich ist das Thema Elektromobilität im Fokus.

Die Internationale Energieagentur (IEA) veröffentlichte im Mai einen viel beachteten Bericht mit dem Titel »Net Zero by 2050 – A Roadmap for the Global Energy Sector«. Darin sieht die IEA weitreichende Konsequenzen für den Energiesektor, damit das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 erreicht werden kann. Demnach werden dann zwei Drittel der gesamten Energieerzeugung durch erneuerbare Energien wie Wind, Sonne, Bioenergie, Erdwärme und Wasserkraft bestritten. Die Solarenergie soll ein Fünftel der gesamten Energieerzeugung ausmachen und damit die wichtigste Energiequelle sein. Die Solarkapazitäten sollen sich zwischen jetzt und 2050 verzwanzigfachen, die Kapazitäten für Windkraft um das Elffache steigen. Der Anteil der fossilen Energieträger soll dagegen von zurzeit fast 80 Prozent auf dann etwas mehr als 20 Prozent zurückgehen. Die Stromerzeugung soll im Jahr 2050 fast die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs decken. Aus diesem Grund dürfte die Stromerzeugung in den nächsten knapp 30 Jahren um mehr als das Zweieinhalbfache steigen. Fast 90 Prozent der Stromerzeugung sollen aus erneuerbaren Energien stammen. Davon entfallen 70 Prozent auf Wind und Solar. Der verbleibende Rest soll überwiegend aus Atomenergie gewonnen werden. Die IEA geht in diesem Szenario davon aus, dass nach 2021 keine neuen Öl- und Gasfelder mehr zur Entwicklung genehmigt werden müssten. Zudem soll es weder neue Kohleminen noch eine Verlängerung der Laufzeit bestehender Minen geben. Die IEA nimmt zudem an, dass die Kohlenachfrage bis 2050 um 98 Prozent auf weniger als 1 Prozent der gesamten Energienachfrage sinken wird. Die Gasnachfrage soll um 55 Prozent und die Ölnachfrage um 75 Prozent zurückgehen.

Ein globales Szenario von Nettonullemissionen im Jahr 2050 ist zweifelsfrei extrem ambitioniert. Tatsächlich haben sich dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 bislang nur einige Regionen der Welt verpflichtet. Die IEA hat deshalb in ihrem jüngst veröffentlichten »World Energy Outlook WEO 2021« weitere Szenarien durchgespielt – eines davon basiert auf den bislang angekündigten Klimazielen (Announced Pledges APS; siehe Grafik 1). In diesem Szenario wäre der notwendige Umbau des Energiesystems nicht nur weniger radikal, auch die Struktur der Energieversorgung wäre eine andere: Denn nach den jetzigen Plänen und Ankündigungen der Regierungen würde der Ausstieg aus der Kohlekraft einen relativ höheren Beitrag zu den Emissionsminderungen leisten, während der Ölverbrauch in diesem »bequemeren« Szenario deutlich weniger zurückfallen muss und Gas fast seinen momentanen Status quo halten kann. Dennoch erfordert auch dieses Szenario einiges an Umbau, der sich schon in der näheren Zukunft zeigt: Die IEA erwartet einen Anstieg der Kapazitäten für die Stromerzeugung aus Solarenergie und Windkraft um jährlich 500 Gigawatt bis zum Jahr 2030. Der Kohleverbrauch im Stromsektor soll am Ende des Jahrzehnts 20 Prozent unter dem jetzigen Hoch liegen. Die Ölnachfrage soll wegen der stark wachsenden E-Mobilität und anhaltender Fortschritte bei der Kraftstoffeffizienz schon 2025 ihr Hoch erreichen. Die gesamte Energienachfrage soll nach 2030 ein Plateau erreichen. Zum Rückgang der CO2-Emissionen im Energiebereich um 40 Prozent bis 2050 soll der Stromsektor mit Abstand den größten Beitrag leisten. Die Investitionen und damit auch die Finanzierung für saubere Energien sollen sich im Laufe der nächsten Dekade verdoppeln.

Grafik 1: Erneuerbare Energien ersetzen Öl und Kohle

Dies würde aber – wie gesagt – nicht ausreichen, um das Ziel der Nettonullemissionen bis 2050 zu erreichen. Deshalb fordert die IEA alle Länder dazu auf, ihre Ziele für 2030 zu verschärfen. Um das Nullemissionsziel 2050 zu erreichen, müssten die Investitionen in saubere Energie laut IEA bis 2030 auf 4 Billionen US-Dollar steigen, sich vom momentanen Niveau also mehr als verdoppeln. Dann noch Geld für Investitionen in die in den kommenden Jahren weiterhin erforderliche Produktion von fossilen Energieträgern zur Verfügung zu haben, dürfte eine Herausforderung sein.

Denn zumindest in den nächsten fünf Jahren dürfte die Ölnachfrage noch weiter steigen, wenngleich sich der Zuwachs nach dem Erreichen des Vor-Corona-Niveaus deutlich abflachen dürfte. Die OPEC rechnet mit einem Anstieg um knapp 14 Millionen Barrel pro Tag bis 2026, wovon der Großteil in der ersten Hälfte des Prognosezeitraums erfolgen sollte. Nach 2030 soll die Nachfrage allerdings kaum noch steigen. Die Ölproduktion dürfte dagegen ohne Investitionen schon nach kurzer Zeit zurückgehen. Ersichtlich ist dies bei der Schieferölproduktion in den USA sowie in einigen OPEC-Ländern wie Venezuela, Algerien, Libyen, Angola und Nigeria. Insbesondere in den westlichen Ländern stehen die Ölunternehmen unter Druck, die CO2-Emissionen zu reduzieren, was ihre Bereitschaft zu Investitionen in fossile Energieträger wie Öl verringern dürfte. Die Abhängigkeit von der OPEC+ und deren Marktmacht dürfte daher zunehmen. Dies spricht für höhere Ölpreise in den kommenden Jahren als noch vor kurzem gedacht. Gleiches gilt für Erdgas, das als vergleichsweise emissionsarme und vor allem grundlastfähige Energiequelle für die Stromerzeugung verstärkt zum Einsatz kommen dürfte, bis es hinreichend Speicherkapazitäten für erneuerbare Energien gibt. Asien dürfte dabei weiterhin den Großteil des Angebots von verflüssigtem Erdgas (LNG/liquefied natural gas) auf sich ziehen. Wegen einer sinkenden Gasproduktion in den Niederlanden und in Norwegen wird Europa daher insbesondere auf Russland als Erdgaslieferant angewiesen sein. Der starke Anstieg der Gaspreise in  diesem Jahr könnte somit nicht nur ein kurzzeitiges Intermezzo gewesen sein.

Kohle ist großer Verlierer, aber …
Kohle ist zweifellos in allen Szenarien der größte Verlierer. Schon jetzt sind die Investitionspläne für neue Kohlekraftwerke deutlich reduziert worden. Die IEA geht davon aus, dass die Kohlenachfrage auch bei den derzeitigen Rahmenbedingungen ihren Hochpunkt Mitte des Jahrzehnts erreichen und dann bis 2030 zunächst wegen des Kohleausstiegs in den Industrieländern zurückgehen wird. Vor allem aber in den zwei folgenden Jahrzehnten wird die globale Kohlenachfrage stark zurückgehen, weil dann auch die Klimaziele in den großen Kohleverbrauchsnationen greifen sollten. 2050 sollte der globale Verbrauch nur halb so hoch sein wie zurzeit. Im Nettonullemissionsszenario müsste er zweifellos sogar um 90 Prozent sinken, wobei die verbleibenden Kraftwerke mit der Technologie einer Kohlenstoffabspaltung und -speicherung ausgestattet sein müssten. Der deutlich zurückgehende Kohleverbrauch spricht tendenziell für fallende Preise, aber angesichts der immer schwierigeren Finanzierungsbedingungen der Kohleindustrie kann es auch immer wieder Phasen der Anspannung geben (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Vom Thema Nachhaltigkeit betroffene Energieträger

Brent-Öl in US-Dollar je Barrel, Gasöl und Kohle in US-Dollar je Tonne, Erdgas in Euro je Megawattstunde (MWh)

Momentaner Preis (15.11.2021)

Langfristiger Einfluss auf Nachfrage und Preis

Rohöl (Brent)

81,10

Ölprodukte (Gasöl)

685,00

Erdgas (TTF)

79,00

Kohle

139,00

Stand: 15. November 2021; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Industriemetalle ein essenzieller Bestandteil in der Elektromobilität
Die meisten Industriemetalle sind ein essenzieller Teil der Dekarbonisierung. So sollten unseres Erachtens vor allem Kupfer, Aluminium und Nickel davon in den nächsten Jahren profitieren. Blei dürfte dagegen eher ein Verlierer dieses Megatrends sein.

Kupfer kommt eine wichtige Rolle in der Elektromobilität zu. Es ist zum Beispiel ein wesentlicher Bestandteil in Elektromotoren. Kupfer wird aber nicht nur im Auto selbst, sondern auch in der Stromerzeugung, dem Stromnetz und den Ladestationen benötigt. Das unabhängige Research-Institut CRU hatte schon vor drei Jahren eine Studie erstellt, wonach Elektroautos und die daran angeschlossenen Bereiche im Jahr 2030 rund 4 Millionen Tonnen Kupfer verschlingen könnten. Dies entspräche 16 Prozent der von der International Copper Study Group erwarteten diesjährigen globalen Kupfernachfrage (allerdings unter der von uns unrealistischen Annahme, dass die anderen Nachfragekomponenten nicht steigen). Im vergangenen Jahr haben Elektrofahrzeuge gemäß CRU-Daten 1,4 Prozent der Kupfernachfrage ausgemacht. CRU geht von einem durchschnittlichen Kupferverbrauch in einem Elektroauto von rund 80 Kilogramm aus. Dies wäre mehr als dreimal so viel, wie ein Auto mit Verbrennungsmotor benötigt. Neben den Elektrofahrzeugen wird Kupfer stark beim Ausbau der Kapazitäten für erneuerbare Energien eingesetzt werden, vor allem in Windkraftanlagen ist der Bedarf hoch.

Aluminium kommt in der Elektromobilität zum Einsatz, um das Gewicht eines Fahrzeugs zu reduzieren und so die Reichweite zu erhöhen. Aluminium ist nicht nur leichter als Stahl, es gewährleistet wie Stahl auch die Festigkeit und Sicherheit. Laut Aussagen der WVMetalle (WirtschaftsVereinigung Metalle) sind Aluminiumkarosserien rund 35 Prozent leichter als herkömmliche Karosserien. CRU und andere Research-Institute gehen davon aus, dass mehr als doppelt so viel Aluminium in Elektrofahrzeugen verwendet wird (260 Kilogramm im Durchschnitt) wie in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren.

Am Nickelmarkt sorgt die Elektromobilität vielleicht für die größten Veränderungen in den nächsten Jahren. Denn Nickel wird stark in den Kathoden von Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos eingesetzt werden, auch wenn es zuletzt vermehrt Tendenzen in Richtung Lithium-Eisenphosphat gibt. Laut Einschätzung von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) wird die Nickelnachfrage zur Produktion von Batterien von knapp 180.000 Tonnen im vergangenen Jahr auf 1,45 Millionen Tonnen im Jahr 2030 nach oben springen. Dies entspräche mehr als der Hälfte der von der International Nickel Study Group erwarteten diesjährigen globalen Nickelnachfrage. Der tatsächliche Nachfrageanteil des Batteriesektors Ende dieses Jahrzehnts wird aber geringer sein, da die anderen Nachfragekomponenten, allen voran die Edelstahlindustrie, ebenfalls steigen. Laut CRU liegt der durchschnittliche Nickelverbrauch in einem Elektroauto bei 35 Kilogramm. In Autos mit Verbrennungsmotoren wird Nickel so gut wie gar nicht eingesetzt (1 Kilogramm).

Blei dagegen dürfte die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte zusetzen. Denn Batterien, die in Autos mit Verbrennungsmotoren verbaut werden, sind die wichtigste Verwendungsart von Blei (rund 55 Prozent Nachfrageanteil). In den kommenden Jahren wird durch die Elektromobilität der Bedarf von Blei in Autobatterien wohl merklich reduziert und hin zu Nickel umgeleitet werden. Auch bei E-Bikes werden zukünftig wohl verstärkt Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt werden. Allerdings dürfte der Wandel nicht unmittelbar beginnen, sondern ein jahrelanger Prozess sein. Und noch kommt Bleibatterien zugute, dass sie günstiger herzustellen und einfacher wiederzuverwerten sind als Lithium-Ionen-Batterien (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2: Vom Thema Nachhaltigkeit betroffene Industriemetalle

Preise in US-Dollar je Tonne

Momentaner Preis (15.11.2021)

Langfristiger Einfluss auf Nachfrage und Preis

Kupfer

9.702

Aluminium

2.651

Nickel

19.730

Blei

2.337

Stand: 15. November 2021; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Von den Edelmetallen profitiert vor allem Silber
Das Thema Nachhaltigkeit ist auch bei den Edelmetallen angekommen. Betroffen sind insbesondere die industriellen Edelmetalle. Silber spielt eine essenzielle Rolle in vielen »grünen« Technologien. Dabei kommt ihm zugute, dass ohnehin etwas mehr als die Hälfte der gesamten Silbernachfrage auf industrielle Anwendungen entfällt. Im Zuge der Dekarbonisierungsbemühungen und der voranschreitenden Elektrifizierung dürfte Silber im Speziellen von Anwendungsgebieten im Automobilsektor – zum Beispiel in elektronischen Kontakten, Mikroprozessoren, Speicher- und Leiterplatten, Radar- und Kamerasensoren – und in der Solarindustrie profitieren.

Silber ist wegen seiner überlegenen elektrischen Eigenschaften in den verschiedenen Anwendungen der Automobilindustrie schwer zu ersetzen. Viele davon sind wesentlich für die Sicherheit und die Erfüllung der verschärften Umweltstandards. Gemäß einer Studie des Silver Institute werden in Autos mit Verbrennungsmotoren 15 bis 28 Gramm Silber je Fahrzeug eingesetzt. Bei Hybridfahrzeugen sind es schon 18 bis 34 Gramm. Und in batteriebetriebenen Fahrzeugen soll der Silbereinsatz demnach auf 25 bis 50 Gramm steigen. Da Silber auch in den Ladestationen, der Stromerzeugung und der anderen unterstützenden Infrastruktur gebraucht wird, schätzt das Silver Institute die Silbernachfrage aus der Automobilindustrie Mitte dieses Jahrzehnts auf 88 Millionen Unzen (2021 dürften es gut 60 Millionen Unzen sein). Im Jahr 2040 könnten Elektrofahrzeuge sogar fast die Hälfte des jährlichen Silberangebots verschlingen (zurzeit: gut 1 Milliarde Unzen).

Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien treibt den Bedarf, insbesondere die Installation von Solaranlagen. Der Fotovoltaiksektor fragt derzeit schon rund 100 Millionen Unzen Silber jährlich nach. Selbst wenn durch das Voranschreiten der Technik der Silbergehalt in den Solarmodulen weiter reduziert wird, dürfte die steigende Zahl der Module diesen Effekt überkompensieren. Manche Marktbeobachter schätzen, dass die Silbernachfrage aus der Fotovoltaikindustrie in den nächsten zehn Jahren auf rund 185 Millionen Unzen steigen wird. Alles in allem dürfte Silber damit unter den Edelmetallen der Hauptprofiteur des Umbaus der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit sein.

Bei Platin spielt das Thema Wasserstoff eine große Rolle, das in den nächsten Jahren die Nachfrage anschieben sollte. Denn Platin wird in den dafür benötigten Brennstoffzellen eingesetzt. Die großen Wirtschaftsräume bzw. -nationen Europa, USA und China haben teils ambitionierte Ziele für die Wasserstofftechnik ausgegeben. So sollen Ende des Jahrzehnts auf den Straßen mehrere Millionen wasserstoffbetriebene Fahrzeuge unterwegs und jeweils bis zu 1.000 Nachfüllstationen verfügbar sein. China treibt dabei die Entwicklung des Wasserstoffantriebs schneller voran als andere Länder/Regionen. Laut Einschätzung des World Platinum Investment Council dürfte die Platinnachfrage im Jahr 2030 durch wasserstoffbetriebene Fahrzeuge (FCEVs) ca. 2 Millionen Unzen höher ausfallen als zurzeit. Das würde zwei Drittel der derzeitigen Nachfrage aus der Automobilindustrie entsprechen. Der Platinbedarf für Brennstoffzellen dürfte somit den Verlust der Nachfrage für Katalysatoren in Verbrennungsmotoren abfedern, sodass die Platinnachfrage aus der Automobilindustrie auch langfristig hoch bleiben dürfte.

Anders sieht es bei Palladium aus. Die Nachfrage dürfte unter dem Aus für Verbrennungsmotoren deutlich leiden. Denn die Automobilindustrie stellt ca. 85 Prozent der gesamten Palladiumnachfrage. Nach 2030 könnte die Automobilindustrie sogar zu einem Netto-Anbieter dieses Edelmetalls werden, da mehr aus verschrotteten Katalysatoren wiedergewonnen als für neue Katalysatoren verwendet wird. Der weltgrößte Palladiumproduzent hat kürzlich sogar eine Studie in Auftrag gegeben, um nach neuen Verwendungsmöglichkeiten dafür zu forschen (siehe Tabelle 3).

Tabelle 3: Vom Thema Nachhaltigkeit betroffene Edelmetalle

Preise in US-Dollar je Feinunze

Momentaner Preis (15.11.2021)

Langfristiger Einfluss auf Nachfrage und Preis

Silber

25,04

Platin

1.087,00

Palladium

2.133,00

Stand: 15. November 2021; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Produktidee: Optionsscheine und Zertifikate auf Rohstoffe

Sie möchten an der künftigen Wertentwicklung von Rohstoffen partizipieren? Mit Optionsscheinen und Zertifikaten von Société Générale haben Sie die Möglichkeit, an steigenden oder fallenden Notierungen zu partizipieren. Ein Überblick über das gesamte Produktspektrum steht Ihnen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung.

Aber Achtung: Da die von Société Générale angebotenen Produkte in Euro notieren, die Preise der Rohstoffe allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko, wenn der Euro/US-Dollar-Wechselkurs steigen sollte. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet Société Générale in der Regel eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto) Variante an.

Tracker-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU0 L1S

Brent-Öl-Future

1:1

Nein

69,54/69,55 EUR

CU0 L1R

Brent-Öl-Future

1:1

Ja

78,01/78,03 EUR

CU0 V6U

Silber

1:1

Nein

21,49/21,51 EUR

CU0 V6V

Silber

1:1

Ja

23,22/23,25 EUR

SB5 GAN

Palladium

10:1

Nein

181,20/182,36 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Quanto

Geld-/Briefkurs

SF8 ARQ

Brent-Öl-Future

Call

73,353 USD

13,3

Nein

5,27/5,28 EUR

SD7 LPP

Brent-Öl-Future

Put

86,286 USD

10,6

Nein

6,55/6,56 EUR

SF4 1RR

Gasöl-Future

Call

637,229 USD

17,4

Nein

0,33/0,34 EUR

SF5 1M3

Gasöl-Future

Put

736,861 USD

8,8

Nein

0,75/0,76 EUR

SF7 TJK

Silber

Call

22,857 USD

11,8

Nein

1,86/1,87 EUR

SD7 03F

Silber

Put

27,195 USD

10,1

Nein

2,18/2,19 EUR

SD3 YE9

Kupfer

Call

3,895 USD

8,6

Nein

4,52/4,55 EUR

SD3 YFA

Kupfer

Put

4,831 USD

9,3

Nein

4,16/4,19 EUR

Faktor-Optionsscheine mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Quanto

Geld-/Briefkurs

SD2 S7U

Brent-Öl-Future

Long

5

Nein

3,66/3,68 EUR

SD2 TAN

Brent-Öl-Future

Short

–5

Nein

0,45/0,46 EUR

SF6 JC0

Gasöl-Future

Long

5

Nein

6,66/6,72 EUR

SF5 6SD

Gasöl-Future

Short

–5

Nein

14,04/14,18 EUR

SD4 9EB

Silber-Future

Long

5

Nein

5,25/5,27 EUR

SD3 ALZ

Silber-Future

Short

–5

Nein

3,32/3,33 EUR

SF4 YAP

Palladium-Future

Long

5

Nein

10,46/10,62 EUR

SD5 NLU

Palladium-Future

Short

–5

Nein

15,55/15,78 EUR

SB3 T56

Platin-Future

Long

5

Nein

2,93/2,96 EUR

SD3 4P8

Platin-Future

Short

–5

Nein

8,07/8,17 EUR

SB3 T6B

Kupfer-Future

Long

5

Nein

27,92/28,20 EUR

SD5 RM9

Kupfer-Future

Short

–5

Nein

6,70/6,77 EUR

Stand: 22. November 2021; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.

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