Märkte

OPEC+ bleibt auf Kurs

Der Ölmarkt ist wegen einer eingeschränkten Ölproduktion momentan unterversorgt. Neben den noch immer bestehenden Produktionskürzungen der OPEC+ tragen dazu auch beträchtliche unfreiwillige Produktionsausfälle in mehreren Ländern bei. An der angespannten Marktlage dürfte sich trotz der geplanten weiteren Produktionserhöhung der OPEC+ bis zum Jahresende nichts ändern. Im nächsten Jahr droht dem Ölmarkt allerdings ein Überangebot, wenn die OPEC+ an ihren derzeitigen Produktionsplänen festhält. Wir erwarten weiterhin, dass der Brent-Ölpreis am Jahresende bei 75 US-Dollar je Barrel notiert und im nächsten Jahr leicht auf 70 US-Dollar fällt.

Die Ölpreise erlebten in den Sommermonaten ein ständiges Auf und Ab (siehe Grafik 1). Anfang Juli erreichte der Brent-Ölpreis mit fast 78 US-Dollar je Barrel das höchste Niveau seit Oktober 2018, WTI war mit knapp 77 US-Dollar sogar so teuer wie seit November 2014 nicht. Nur zwei Wochen später notierten die Preise 10 US-Dollar niedriger. Ende Juli kostete das Barrel Brent dann wieder 76 US-Dollar, ehe im August ein Rückgang auf 65 US-Dollar einsetzte, was einem 3-Monats-Tief entsprach. Auch davon hat sich der Preis erholt. Mitte September erreichte Brent mit 76 US-Dollar wieder das Niveau von Ende Juli. Der Preisanstieg zuletzt war auf hurrikanbedingte Produktionsausfälle im Golf von Mexiko zurückzuführen, die im Folgenden thematisiert werden. Die starken Preisschwankungen zuvor waren in erster Linie auf sich rasch ändernde Einschätzungen der Marktteilnehmer zur weiteren Nachfrageentwicklung zurückzuführen. Eine wichtige Rolle spielte dabei die sich ausbreitende Delta-Variante des Coronavirus in den wichtigen Nachfrageregionen China, Japan, Europa und USA. Sie stellen zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten Ölnachfrage. Aber auch die OPEC+ trug zur Preisvolatilität bei, da sie sich Anfang Juli zunächst nicht auf eine gemeinsame Linie hinsichtlich der Ausweitung der Ölproduktion einigen konnte und dies erst zwei Wochen später im zweiten Anlauf gelang. Im Kontrast dazu steht die schnelle Einigung auf der Sitzung Anfang September. In rekordverdächtig kurzer Zeit gelang es, die Mitte Juli beschlossene monatliche Erhöhung der Ölproduktion um 400.000 Barrel pro Tag zu bestätigen. Am Ölmarkt wurde diese Einigung positiv aufgenommen, da sie im Gegensatz zum Zerwürfnis zwei Monate zuvor Einigkeit und Entschlossenheit des erweiterten Produktionskartells signalisiert. Unterstrichen wurde dies durch verschiedene OPEC-Produktionsumfragen, die auch im August eine disziplinierte Umsetzung der vereinbarten Produktionsmengen offenbarten. Demnach produzierten die am Kürzungsabkommen beteiligten Länder (OPEC-10) im August sogar zwischen 400.000 und 600.000 Barrel pro Tag weniger als vereinbart, da Angola und Nigeria erneut deutlich unter ihren zustehenden Produktionsmengen blieben. Diese beiden Länder erreichen schon seit einigen Monaten das vereinbarte Produktionsniveau nicht mehr und die Diskrepanz ist zuletzt sogar noch größer geworden. Dies deutet auf strukturelle Probleme hin, die eine Ausweitung der Ölproduktion im Einklang mit dem OPEC+-Abkommen verhindern. Auch ohne diesen Sondereffekt hätte die Umsetzung der vereinbarten Produktionskürzungen bei rund 100 Prozent gelegen (siehe Grafik 2).

Grafik 1: Ölpreis mit ständigem Auf und Ab in den Sommermonaten

Preis Brent-Öl

Grafik 2: Produktionsprobleme in Angola und Nigeria führen zu deutlicher Übererfüllung

Umsetzung der vereinbarten OPEC-Produktionskürzungen im August 2021

Das Gemeinsame Technische Komitee (JTC) der OPEC+ hob seine Nachfrageprognose um mehr als 900.000 Barrel pro Tag an und erwartet nun einen Anstieg um 4,2 Millionen Barrel pro Tag. Die OPEC bestätigte diese Prognose in ihrem September-Monatsbericht. Dennoch dürfte der globale Ölmarkt dem JTC zufolge 2022 ein Überangebot von 1,6 Millionen Barrel pro Tag aufweisen, laut OPEC-Monatsbericht weniger als 1 Million Barrel pro Tag (siehe Grafik 3). In dieser Prognose ist unterstellt, dass die OPEC+ ihre Ölproduktion im nächsten Jahr wie vorgesehen weiter erhöht, bis sämtliche seit Mai 2020 zurückgehaltene Produktion wieder in den Markt zurückgegeben wurde. Der unter dieser Prämisse erwartete implizite Angebotsüberschuss fällt damit deutlich niedriger aus als zuvor erwartet (2,5 Millionen Barrel pro Tag) und auch niedriger als zurzeit von der IEA (International Energy Agency) prognostiziert (gut 2 Millionen Barrel pro Tag). Der OPEC+ eröffnet sich auf Basis dieser Prognose etwas mehr Spielraum, die Ölproduktion im nächsten Jahr weiter zu erhöhen. Der eigentliche Plan der OPEC+, die verbliebenen Produktionskürzungen bis September 2022 vollständig wieder rückgängig zu machen, würde aber weiterhin zu einem Überangebot und einem Anstieg der Lagerbestände über den 5-Jahres-Durchschnitt führen.

Grafik 3: Ölmarkt zunächst unterversorgt und danach überversorgt

Prognose der OPEC; Annahme: OPEC+ erhöht Ölproduktion wie geplant

Zusätzlich verknappt wird das Ölangebot durch beträchtliche Produktionsausfälle im Golf von Mexiko. Zunächst kam es im August zu einem mehrtägigen Ausfall von einem Viertel der mexikanischen Ölproduktion (gut 400.000 Barrel pro Tag) nach einem Feuer auf einer Ölplattform des staatlichen Ölunternehmens Pemex, bei dem auch fünf Ölarbeiter ihr Leben verloren. Kurz darauf sorgte Hurrikan Ida für eine mehrtägige komplette Schließung der US-Ölproduktion im Golf von Mexiko (siehe Grafik 4). Sie liegt normalerweise bei 1,8 Millionen Barrel pro Tag, was 17 Prozent der gesamten US-Rohölproduktion entspricht. Insgesamt sind durch die Folgen von Ida innerhalb von zweieinhalb Wochen gut 25 Millionen Barrel an Rohölproduktion im Golf von Mexiko »verloren« gegangen. Damit ist Ida der Hurrikan mit den größten unmittelbaren Auswirkungen auf die US-Ölproduktion überhaupt. Der globale Ölmarkt dürfte wegen dieses Ausfalls auf der Angebotsseite kurzfristig stärker unterversorgt sein als bislang erwartet. Laut Zahlen der OPEC könnte sich das Angebotsdefizit im dritten Quartal auf rund 2 Millionen Barrel pro Tag belaufen, laut IEA-Schätzungen auf 800.000 Barrel pro Tag. Ungewöhnlich zu vorherigen Hurrikans ist zudem, dass die Rohölverarbeitung in den Raffinerien schneller wieder aufgenommen wurde als die Rohölproduktion vor der Küste, was ebenfalls zur Verknappung und zu einem Lagerabbau beitrug. Die US-Regierung versucht allerdings, dies durch die Freigabe von Rohöl aus den strategischen Reserven auszugleichen.

Grafik 4: US-Ölproduktion im Golf von Mexiko durch Hurrikan Ida massiv beeinträchtigt

Zeitachse: Tage nach Landgang am 29. August 2021 (Tag 0)

Mit den Ausfällen im Golf von Mexiko ist es aber nicht getan. In Libyen wurden im September zwei wichtige Ölhäfen durch Proteste zeitweise lahmgelegt. Bei den Protesten ging es unter anderem um einen Machtkampf zwischen dem neuen Ölminister des Landes und dem bislang für die Ölpolitik zuständigen Chef der staatlichen Ölgesellschaft NOC. Er soll auf Geheiß des Ölministers abgesetzt werden, was er allerdings ablehnt. Damit scheint die über ein Jahr währende Ruhe in Libyen vorbei zu sein, die zu einer Stabilisierung der dortigen Ölproduktion bei knapp 1,2 Millionen Barrel pro Tag beigetragen hatte (siehe Grafik 5). Der Konflikt scheint fürs Erste beigelegt, der NOC-Chef darf im Amt bleiben. Laut Angaben eines Offiziellen wäre die libysche Ölproduktion bei einer länger anhaltenden Blockade um bis zu 800.000 Barrel pro Tag gefallen. Ein längerer Ausfall in dieser Größenordnung hätte die Angebotslage am Ölmarkt spürbar verschärft und zu einer starken Einengung geführt.

Grafik 5: Ölproduktion in Libyen seit fast einem Jahr stabil auf hohem Niveau

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Ölmarkt bis zum Jahresende angespannt bleiben dürfte, sofern die Ausbreitung der Delta-Variante keine deutlichen Bremsspuren bei der Nachfrage haben wird. Temporäre und lokale Mobilitätseinschränkungen wie in diesem Sommer in China sollten keine derart gravierenden Auswirkungen haben. Abhängig vom Infektionsgeschehen können dennoch immer wieder Sorgen über die Nachfrageentwicklung aufkommen und temporär für Druck auf die Preise sorgen. Der zurückliegende Sommer zeigt allerdings, dass diese Preisrückgänge nur von kurzer Dauer sein dürften. Wegen der Produktionsausfälle im Golf von Mexiko könnte der Markt kurzfristig sogar deutlich angespannter sein. Die OPEC+ kann daher ihre Ölproduktion wie vorgesehen weiter erhöhen, ohne eine Überversorgung des Marktes zu riskieren. Die Produktionsprobleme in Angola und Nigeria dürften dazu führen, dass die OPEC+ auch in den kommenden Monaten weniger Öl produziert als vereinbart.

Die Marktlage wird sich im nächsten Jahr allerdings ändern, wenn die OPEC+ an ihren derzeitigen Plänen zur Ausweitung der Ölproduktion festhält. Dann droht dem Ölmarkt nämlich ein Überangebot, sofern die Nachfrage nicht nach oben überrascht oder es zu anderweitigen Produktionsausfällen kommt. So beziffert die IEA den Bedarf an OPEC-Öl im nächsten Jahr auf 27,2 Millionen Barrel pro Tag und damit nur unwesentlich höher als die derzeitige OPEC-Produktion. Wir erwarten, dass die OPEC+ dem Rechnung tragen wird und ihre Ölproduktion 2022 weniger stark erhöhen wird als ursprünglich geplant. Wir erwarten weiterhin einen Brent-Ölpreis von 75 US-Dollar je Barrel am Jahresende und von 70 US-Dollar im nächsten Jahr.

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Tracker-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU0 L1R

Brent-Öl-Future

1:1

Ja

73,39/73,42 EUR

CU0 L1S

Brent-Öl-Future

1:1

Nein

62,77/62,78 EUR

SB5 KF6

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60,11/60,12 EUR

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Quanto

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

SD5 P3C

Brent-Öl-Future

66,00 USD

13,00 %

11,44 %

Ja

26.04.2022

61,64/61,69 EUR

SD5 P16

Brent-Öl-Future

66,00 USD

13,45 %

12,33 %

Nein

26.04.2022

52,24/52,28 EUR

SD5 PU1

WTI-Öl-Future

62,00 USD

14,82 %

11,72 %

Ja

17.05.2022

57,92/57,97 EUR

SD5 PVJ

WTI-Öl-Future

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11,31 %

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17.05.2022

49,08/49,12 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock- Out-Barriere

Hebel

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Laufzeit

Geld-/Briefkurs

SD7 87U

Brent-Öl-Future

Call

63,983 USD

6,3

Ja

Unbegrenzt

11,84/11,96 EUR

SD7 87Z

Brent-Öl-Future

Call

63,820 USD

6,2

Nein

Unbegrenzt

10,31/10,32 EUR

SD4 EA3

Brent-Öl-Future

Put

83,892 USD

8,9

Ja

Unbegrenzt

8,50/8,52 EUR

SD8 SUY

Brent-Öl-Future

Put

83,669 USD

9,2

Nein

Unbegrenzt

7,03/7,04 EUR

SD7 JKP

WTI-Öl-Future

Call

60,623 USD

6,3

Ja

Unbegrenzt

11,37/11,39 EUR

SD7 RT1

WTI-Öl-Future

Call

60,515 USD

6,2

Nein

Unbegrenzt

9,80/9,81 EUR

CJ4 VXT

WTI-Öl-Future

Put

79,242 USD

9,5

Ja

Unbegrenzt

7,55/7,57 EUR

CJ4 QMZ

WTI-Öl-Future

Put

79,857 USD

8,8

Nein

Unbegrenzt

6,95/6,96 EUR

Stand: 22. September 2021; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.

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