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OPEC+ einigt sich im zweiten Anlauf auf weitere Anhebung der Ölproduktion

Die OPEC+ hat sich Anfang Juli zunächst nicht darauf einigen können, die Ölproduktion ab August weiter zu erhöhen. Gut zwei Wochen später erfolgte dann doch die Einigung. Der Brent-Ölpreis sollte am Jahresende bei 75 US-Dollar je Barrel notieren.

Die Ölpreise verzeichneten Anfang Juli mehrjährige Höchststände. Brent-Öl kostete mit fast 78 US-Dollar je Barrel so viel wie zuletzt im Oktober 2018. Der Preis für US-Leichtöl (WTI) erreichte mit knapp 77 US-Dollar je Barrel sogar das höchste Niveau seit November 2014 (siehe Grafik 1). Auslöser war das überraschende Scheitern der OPEC+, sich auf eine weitere stufenweise Erhöhung der Ölproduktion zu verständigen. Schon im Vorfeld der OPEC+-Sitzung waren die Ölpreise deutlich im Aufwind gewesen, da sich für das zweite Halbjahr am Ölmarkt eine deutliche Unterversorgung abzeichnet. Die OPEC+ hatte sich Anfang Juli schon weitgehend darauf verständigt, die Ölproduktion ab August bis Ende des Jahres jeden Monat um jeweils 400.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Doch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) machten überraschend einen Strich durch die Rechnung. Sie beanspruchten eine höhere Ölproduktion für sich, indem sie verlangten, das Ausgangsniveau heraufzusetzen, von dem aus sie ihre Produktion kürzen sollen. Zudem lehnten sie das Ansinnen Saudi-Arabiens ab, das im April 2022 auslaufende Kürzungsabkommen bis Ende 2022 zu verlängern. Damit sollte verhindert werden, dass im Mai nächsten Jahres zu viel Öl auf einmal an den Markt kommt. Denn derzeit hält die OPEC+ noch immer 5,8 Millionen Barrel an Tagesproduktion zurück. Selbst wenn die Produktion bis Jahresende um 2 Millionen Barrel pro Tag erhöht würde, blieben noch immer 3,8 Millionen Barrel pro Tag übrig, die nach dem Auslaufen des Kürzungsabkommens auf den Markt drängen würden. Zwar dürfte die Ölnachfrage im nächsten Jahr weiter steigen, aber nicht so stark, um eine derartige Menge an zusätzlichem Angebot auf einmal absorbieren zu können. Dies gilt erst recht für den Fall, sollten die US-Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden und der Iran daraufhin wieder mehr Öl exportieren dürfen.

Grafik 1: Ölpreise steigen nach OPEC+-Zerwürfnis auf Mehrjahreshochs

Der Druck der großen Ölverbrauchsländer auf die OPEC+ hatte nach dem Scheitern der Gespräche deutlich zugenommen, die Produktion wie ursprünglich beabsichtigt auszuweiten. Denn ein zu starker Anstieg der Ölpreise könnte die fragile Konjunkturerholung abwürgen und darüber hinaus die Inflation anheizen, was eine ungewollte zeitigere Rückführung der geldpolitischen Unterstützung notwendig machen könnte. Im Vorfeld der OPEC+-Sitzung hatte bereits der drittgrößte Ölverbraucher Indien eine Angebotsausweitung gefordert, um die Erholung der Ölnachfrage nicht zu gefährden. In ihrem aktuellen Monatsbericht warnte auch die Internationale Energieagentur (IEA) davor, dass sich der Ölmarkt signifikant anspannen werde, wenn die OPEC+ ihre Ölproduktion nicht weiter erhöht. Die Lagerbestände in den OECD-Ländern wären dann bis zum Jahresende um weitere 230 Millionen Barrel unter den 5-Jahres-Durchschnitt gerutscht. Im Mai lagen sie laut IEA bereits deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2020 (siehe Grafik 2). Ein zu hohes Ölpreisniveau, das sich negativ auf die Nachfrage auswirkt, wäre auch kaum im Interesse der OPEC+. Zumal auch abzuwarten bliebe, ob die Schieferölproduzenten in den USA weiterhin so zurückhaltend reagieren, wenn die Ölpreise weiter steigen. Saudi-Arabien schien deshalb weiterhin an einer einvernehmlichen Lösung interessiert. So erhöhte der größte OPEC-Produzent seine offiziellen Verkaufspreise für Lieferungen nach Asien im August, was gegen einen konfrontativen Kurs gegenüber den VAE sprach. Nach dem Scheitern der OPEC+-Sitzung im März 2020 hatte Saudi-Arabien seine Verkaufspreise dagegen aggressiv gesenkt und damit einen Preiskrieg ausgelöst, der die Ölpreise im Anschluss auf Talfahrt schickte (siehe Grafik 3). Ein Vergleich zur damaligen Situation lässt sich daher kaum ziehen. Vor 16 Monaten wurde man sich nicht einig, die Produktion zu kürzen. Diesmal war man sich prinzipiell einig, die Produktion zu erhöhen. Uneinigkeit besteht nur über das Ausmaß.

Grafik 2: Vormals beträchtlicher Lagerüberhang ist verschwunden

Abweichung der OECD-Vorräte vom 5-Jahres-Durchschnitt

Wir gingen deshalb davon aus, dass es noch zu einer Einigung auf eine graduelle Ausweitung der Ölproduktion kommen würde. So kam es dann auch. Gut zwei Wochen nach dem vorläufigen Scheitern gab es doch noch eine Einigung. Demzufolge soll die Ölproduktion der OPEC+ wie ursprünglich geplant ab August jeden Monat um 400.000 Barrel pro Tag erhöht werden. Bis zum Jahresende wird die Produktionsmenge der OPEC+ damit um 2 Millionen Barrel pro Tag steigen. An den monatlichen Treffen will man festhalten. Die nächste Sitzung ist für den 1. September vorgesehen. Sofern die im Dezember anberaumte Bestandsaufnahme zum Ölmarkt keine Änderung erfordert, sollen die schrittweisen Produktionserhöhungen im nächsten Jahr im selben Ausmaß fortgesetzt werden, bis sämtliche im Rahmen des Kürzungsabkommens zurückgehaltene Produktion wieder in den Markt gegeben wurde. Dies wäre bei monatlichen Steigerungen von 400.000 Barrel pro Tag im September 2022 der Fall. Das Kürzungsabkommen soll nun bis Ende 2022 laufen, was der OPEC+ Spielraum gibt für nachträgliche Änderungen bei den geplanten Produktionserhöhungen. Um den VAE entgegenzukommen, sollen für die fünf wichtigsten Länder der Allianz, nämlich Saudi-Arabien, Russland, die VAE, Irak und Kuwait, ab Mai 2022 höhere Referenzniveaus gelten. Diese zugestandene höhere Produktion summiert sich auf 1,63 Millionen Barrel pro Tag. In welcher Form sich dies auf die Ölproduktion im nächsten Jahr auswirkt, lässt sich momentan noch nicht sagen. Laut dem saudi-arabischen Energieminister soll die beschlossene graduelle Produktionserhöhung davon unbeeinflusst sein. Es besteht allerdings das Risiko, dass die Ölproduktion ab Mai 2022 stärker steigt als nur jeden Monat um 400.000 Barrel pro Tag. Bis dahin geht allerdings noch viel Zeit ins Land. Spätestens im April 2022 wird sich die OPEC+ dazu äußern müssen, ob bzw. inwiefern die höheren Referenzniveaus die Ölproduktion der fünf betroffenen Länder beeinflussen.

Grafik 3: Vorerst kein neuer Preiskrieg

OSP: Preisdifferenz Arab Light vs. Oman/Dubai, einen Monat nach vorne verschoben

Sollte die OPEC+ das Ölangebot wie geplant erhöhen, würde sich das Ölangebot in der zweiten Jahreshälfte 2021 in etwa im Einklang mit der Ölnachfrage entwickeln (siehe Grafik 4). Der Ölpreis würde sich dann bis zum Jahresende bei ca. 75 US-Dollar je Barrel einpendeln. Ein Abwärtsrisiko für unsere Prognose stellt die derzeitige Ausbreitung der aus Indien stammenden Delta-Variante des Coronavirus in vielen Ländern dar. Sollten dadurch neuerliche weitflächige Mobilitätseinschränkungen erforderlich werden, könnten sich die Erwartungen für die Ölnachfrage im zweiten Halbjahr als zu optimistisch erweisen und die OPEC+ somit weniger Spielraum haben, die Produktion auszuweiten. Diese Sorgen setzten die Ölpreise nach der Verkündung der geplanten Produktionserhöhung stark unter Druck. Noch erachten wir die Auswirkungen der Delta-Variante auf die Ölnachfrage allerdings als begrenzt. So erholte sich die Ölnachfrage in Indien im Juni nach der Lockerung der Coronabeschränkungen schnell wieder.

Grafik 4: Ölangebot würde im Einklang mit der Ölnachfrage steigen

Prognosen der IEA, Annahme: OPEC+ erhöht Ölangebot schrittweise wie zunächst geplant

Für das nächste Jahr rechnen wir mit einem Brent-Ölpreis von 70 US-Dollar je Barrel in der ersten Jahreshälfte. Denn bis Mitte 2022 dürften laut aktueller Planung der OPEC+ weitere 2,5 Millionen Barrel pro Tag an zurückgehaltener Ölproduktion zurück an den Markt gelangen. Zudem ist die Ölnachfrage in der ersten Jahreshälfte saisonbedingt etwas schwächer und es könnte im Laufe der nächsten sechs bis zwölf Monate zu einer Rückkehr der iranischen Ölexporte an den Markt kommen. Der Ölmarkt könnte damit im Frühjahr 2022 ein beträchtliches Überangebot aufweisen. Dieses dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte mit der stärkeren Nachfrage deutlich verringern, sofern die OPEC+ das Ölangebot dann nur noch um gut 1 Million Barrel pro Tag erhöht, das höhere Referenzniveau in den fünf zuvor genannten Ländern also nicht unmittelbar angebotswirksam wird. Von daher rechnen wir mit einem Preisanstieg auf 75 US-Dollar je Barrel im zweiten Halbjahr 2022. Höheren Preisen dürfte eine steigende US-Ölproduktion entgegenstehen, die laut Prognose der US-Energiebehörde im nächsten Jahr um 760.000 Barrel pro Tag steigen soll. Das Niveau von Anfang 2020 würde sie damit aber immer noch bei Weitem nicht wieder erreichen (siehe Grafik 5). Die IEA erwartet hingegen, dass die US-Ölproduktion (inklusive flüssige Nebenprodukte der Erdgasförderung – NGLs) Ende 2022 das Rekordniveau von Ende 2019 wieder erreichen wird.

Grafik 5: US-Rohölproduktion auch Ende 2022 noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau erwartet

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SD5 P3A

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50,13/50,17 EUR

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WTI-Öl-Future

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Stand: 23. Juli 2021; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. 

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