Mit drei Klicks zum Wertpapier

Interview mit Christian Hecker, Gründer des Neo-Brokers Trade Republic

ideas: Herr Hecker, Sie sind einer der Gründer des Neo-Brokers Trade Republic. Können Sie uns mit zurücknehmen in das Jahr 2015? Wie ist die Idee damals entstanden und was waren die größten Hürden, die es zu überwinden galt?
Christian Hecker: Thomas Pischke, unser heutiger CTO und ein Studienfreund, und ich haben uns gefragt, warum der Wertpapierhandel so kompliziert und teuer ist. Wir haben dann schnell erkannt, dass die Prozesse nicht ausreichend digitalisiert waren und man hier durch den Einsatz moderner IT einen echten Mehrwert für den Kunden generieren kann – sowohl was die Verbesserung bzw. Vereinfachung von Wertpapierkäufen angeht als auch den Preis. Im Ergebnis bieten wir heute den Aktienhandel mit nur drei Klicks provisionsfrei an, Sparpläne sind sogar komplett kostenfrei.

Die größte Hürde war tatsächlich, die BaFin-Lizenz zu erlangen, das ist ein sehr komplexer und langwieriger Prozess. Aber uns war schon früh klar, dass wir diesen Weg gehen müssen, um die Bank der Zukunft zu bauen.

Trading über eine App, das hört sich einfach und bequem an. Aber Hand aufs Herz, wie viele Klicks braucht es wirklich, bis ich mein Wertpapier gekauft habe?
Tatsächlich nur drei Klicks. Die App ist sehr einfach zu nutzen und für jeden verständlich. Das war auch immer unser Produktanspruch. Die Eröffnung eines Depotkontos dauert bei uns nur wenige Minuten und läuft komplett digital.

Spüren Sie noch Vorbehalte, Bankgeschäfte ausschließlich über eine App abzuwickeln?
Ja, die gibt es noch – es geht ja schließlich um Geld. Aber wir sehen auch, dass sich die Vorbehalte mehr und mehr abbauen. Und uns hilft sicherlich auch, dass wir eine regulierte deutsche Bank  sind, die von BaFin und Bundesbank beaufsichtigt wird. Das schafft Vertrauen.

Viel Aufmerksamkeit wurde den Aktienmärkten im vergangenen Jahr zuteil, als sich DAX, Dow Jones und Nasdaq in Rekordzeit vom Coronacrash erholt haben. Und auch die Reddit-Diskussionsforen, die Werte wie Gamestop nach oben trieben, haben für Furore gesorgt. Inwieweit hat Trade Republic von Corona und dem Hype um die Reddit-Boards profitiert?
Gerade zu Beginn der Coronapandemie hatten viele Menschen mehr Zeit, sich um Themen zu kümmern, die sonst leider zu kurz kommen. Die eigene Altersvorsorge ist so ein Thema, das bis dahin nicht in der Lebenswirklichkeit der breiten Masse angekommen war. Davon haben wir sicher profitiert. Das Thema Gamestop & Co. hat dann noch mal für viel Aufmerksamkeit gesorgt, die Medienberichterstattung war sehr intensiv. In Kombination hat das dazu geführt, dass wir unserer Vision, allen Menschen in Europa den demokratischen Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen, schon etwas näher gekommen sind.

Auch wenn es 2020 zu einem Anstieg der Aktionäre in Deutschland gekommen ist, so sind die Deutschen noch weit weg davon, eine ausgeprägte Aktienkultur zu haben. Gibt es bei Trade Republic eine Initiative, noch mehr Menschen für das Thema Geldanlage zu begeistern?
Ja, wir wollen die Bildung rund um das Thema Anlage und Finanzen weiter unterstützen. Ein Beispiel ist hier der OMR-Podcast »OHNE AKTIEN WIRD SCHWER«, der von Trade Republic unterstützt wird. Den hören heute schon zehntausende Zuhörer börsentäglich und er reiht sich sowohl auf Spotify als auch auf Apple-Podcast in die Top-5-Business-Podcasts ein.

Wagen wir zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft. Welche Pläne haben Sie noch für Trade Republic?
Wir arbeiten mit Hochdruck an der europäischen Expansion. Unser Ziel ist es, allen europäischen Bürgern den sicheren und einfachen Zugang zum Kapitalmarktsparen zu ermöglichen. Die eigene Altersvorsorge ist essenziell, um die Rentenlücke zu schließen, die wir in den kommenden Dekaden überbrücken werden müssen. Das ist nicht nur für jeden Einzelnen wichtig, sondern auch für die ganze Gesellschaft. Wir freuen uns, wenn wir einen Beitrag dazu leisten können.

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Anja Schneider.