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Amazon: Strukturelles Wachstum mit Krisenbooster

Das starke Umsatzwachstum beim Onlinehändler Amazon schlägt inzwischen seit Längerem auf die Gewinnentwicklung durch mit regelmäßigen positiven Überraschungen. Dies relativiert die berechtigte Bewertungsprämie. Die Komplexität des Unternehmens, Wettbewerbs- und Steuerrecht bleiben aber Herausforderungen. Die Coronapandemie belastet zwar noch immer die Logistik und treibt die Kostenseite, bringt aber eine enorme Sonderkonjunktur und verstärkt den Trend zum Onlineshopping auch längerfristig.

Die Marktanteilsmaschinerie
Dem Internethändler gelingt es kontinuierlich und trotz der mittlerweile beachtlichen Größe, schneller zu wachsen als der E-Commerce-Markt und dadurch die Marktführerschaft in seinen Hauptmärkten weiter auszubauen. Das Rezept für das rasante Wachstum besteht neben einer aggressiven Preisstrategie unter Einbeziehung »externer« Händler aus der ständigen Erweiterung der Angebotspalette um zum Beispiel Lebensmittel, Cloud-Computing (Amazon Web Services, dem Hauptergebnisbringer), Medikamente (Pill-Pack-Übernahme für 1 Milliarde US-Dollar) und Mode, nachdem das Unternehmen als Buchhändler gestartet ist und den Markt für E-Books entscheidend mitentwickelt hat (»Kindle«).

Pill-Pack ist auch die Basis für das neue Angebot Amazon Pharmacy mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Mit dem breiten Rollout und dem exzellenten Logistiknetzwerk im Rücken dürfte die Sparte rasch Marktanteile gewinnen. Ein großer Investitionsschwerpunkt ist das online noch immer unterentwickelte Geschäft mit Lebensmitteln.

Das große Angebot von Amazon macht es den Wettbewerbern im Präsenzhandel inzwischen schwer, ihr eigenes Onlinegeschäft zu entwickeln. Neben den klassischen Logistikinvestitionen werden auch visionäre Ansätze verfolgt, wie die Auslieferung per Drohnen oder über selbstfahrende Fahrzeuge (Zoox-Übernahme für 1,2 Milliarden US-Dollar).

Nachdem Amazon in China wegen der starken Konkurrenz (Alibaba, JD.com) den Marktplatz für Drittanbieter dort geschlossen hat, konzentriert sich das Unternehmen stärker auf Indien. Westlichen Konzernen weht der Wind aber auch dort politisch scharf ins Gesicht. Nachdem Wal-Mart bei der E-Commerce-Plattform Flipkart eingestiegen ist, hat auch Amazon für 580 Millionen US-Dollar zusammen mit einem Finanzinvestor eine der bekanntesten Supermarktketten, »More«, übernommen.

Grafik 1: Wertentwicklung der Amazon-Aktie

Das Prime-Programm (über 200 Millionen Teilnehmer weltweit) bietet gegen eine Jahresgebühr schnellere und gegebenenfalls kostenlose Lieferung und weitere Leistungen (Video, Musik, Bibliothek, Cloud-Speicher etc.). Prime führt regelmäßig zu steigenden Umsätzen je Kunde auch in den anderen Produktkategorien und erhöht die Kundenbindung.

Die Coronapandemie führt temporär natürlich zu längeren Lieferzeiten, Amazon profitiert aber von einer »Sonderkonjunktur«, und die Logistikinvestitionen versetzen das Unternehmen in die Lage – trotz aller Herausforderungen – überhaupt liefern zu können, und das vergleichsweise schnell. Inzwischen will Amazon auch stärker in Mitarbeiterlöhne investieren und so Kritikern Wind aus den Segeln nehmen. Das liegt aber auch daran, dass Arbeitskräfte teilweise knapp geworden sind. Verfahren wegen des Vorwurfs des Missbrauchs der Marktmacht gehören zum Alltag, sowohl in den USA als auch international. Wirklich getroffen haben diverse Strafen Amazon bisher nicht.

Die EU hat ein Verfahren eröffnet, weil die Daten der Händler auf der Plattform in Frankreich und Deutschland missbräuchlich verwendet würden – so der Vorwurf. Das Verfahren gestaltet sich aber offenbar sehr zäh, weil die EU den Algorithmus nach zwei Jahren noch immer nicht versteht und Amazon mit Berufung auf das Geschäftsgeheimnis anscheinend nicht gezwungen werden kann, den Quellcode offenzulegen. Der politische Wille der EU, für fairen Wettbewerb zu sorgen, dürfte früher oder später einen Kompromiss herbeiführen, eine hohe Strafe erscheint auf momentaner Basis aber nicht durchsetzbar. Auch in Großbritannien wurde jüngst ein Verfahren eröffnet.

Nach zahlreichen Datenleck- und Daten-/Marktmissbrauchsvorwürfen mehren sich die Forderungen nach einer Aufspaltung der Internetgiganten (vor allem Google, Amazon, Facebook). Der drohende Monopolprozess in den USA dürfte aber noch Jahre in Anspruch nehmen.

Auch die Steuervermeidungsstrategie mit Tochtergesellschaften in Steuerparadiesen oder Unklarheiten im Zusammenhang mit Verbrauchssteuern (Mehrwertsteuer) sind in den Fokus von Regierungen geraten. Im Fall der geplanten globalen Mindeststeuer liegt Amazon eigentlich unter der Schwelle einer operativen Mindestgewinnmarge von unter 10 Prozent (lediglich die Cloudsparte liegt mit 30 Prozent deutlich darüber). Eine Lex Amazon könnte (abgesehen von juristischen Problemen) dazu führen, dass AWS oder ein Teil davon aus dem Unternehmen herausgelöst würde. Ein Börsengang würde den Bewertungsabschlag, der einer Holdingkonstruktion üblicherweise innewohnt, vermindern und somit dem Aktienkurs helfen. Die politischen Spannungen könnten nach dem Präsidentenwechsel in den USA im internationalen Handel ab-, national aber auch zunehmen (Regulierung).

Die Plattform wird immer breiter
Trotz eines anhaltend hohen Umsatzwachstums und einer bemerkenswerten Größe und Reife erzielte das Unternehmen lange Zeit kaum Gewinne. Hauptgrund dafür sind/waren hohe Investitionen in ständig neue Dienste, Produkte und auch in die eigene Logistik. Zahlreiche Geräte (Kindle, Fire TV und die Fire Tablets, Echo/Alexa) dienen letztendlich als Portale dazu, reale und digitale Produkte zu verkaufen und die Menschen an die Plattform zu binden.

Aus diesem Grund investiert Amazon auch in eigene Medieninhalte (TV-Serien, Kinofilme, Sportevents, Videospiele). Ab der Saison 2021/2022 wird Amazon dienstags das Spitzenspiel der Champions League in Deutschland übertragen und ab nächstem Jahr bis 2033 das Donnerstagsspiel der NFL (Football). Zuletzt hat sich Amazon die Fußballrechte in Frankreich gesichert sowie die MGM-Studios für knapp 8,5 Milliarden US-Dollar übernommen.

Mit einer eigenen Werbeplattform drängt Amazon auch stärker auf Googles Heimatdomäne. Bei den »intelligenten« Lautsprechern versuchen Google und Apple, auf Amazon aufzuschließen, allerdings mit begrenztem Erfolg.

Zurzeit stößt das Unternehmen in einigen Ballungsräumen in den Onlinehandel mit frischen Lebensmitteln vor (Amazon Fresh) und weitet nach erfolgreichen Experimenten auch die kassenlosen automatisierten Geschäfte aus. Das läuft nicht überall reibungslos, wie der Ausstieg der Deutschen Post aus dem Lebensmittel-Versandgeschäft zeigt. Klar scheint, dass Amazon den Weg des reinen Internetanbieters für einige Produktkategorien verlassen und physische Präsenzen aufbauen wird, besonders im Lebensmittelbereich. Er ist ein Investitionsschwerpunkt.

Das bestätigt auch die Übernahme des US-Lebensmittelhändlers Whole Foods Markets für knapp 14 Milliarden US-Dollar. Das Management hat die Transparenz des Unternehmens erhöht. Dazu gehört der gesonderte Ausweis des Cloud-Geschäfts (Datencenter- Dienstleistungen). Die Sparte ist der profitabelste Bereich von Amazon und kann trotz eines hohen Preiswettbewerbs eine hohe Dynamik beibehalten. Ein großer Pentagon-Auftrag wurde nach dem Zuschlag aber neu an IBM vergeben, offensichtlich eine Folge des Clinches zwischen dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump und Jeffrey Bezos. Der Fall ist Teil einer rechtlichen Auseinandersetzung. Immer wieder gibt es Spekulationen, Amazon könne oder solle den Bereich abtrennen, um den Wert transparenter zu machen.

Erstes Quartal: »Wow« geht weiter
Amazon hat die Markterwartung an das Auftaktquartal in der Breite geschlagen. Sowohl der Umsatz (+44 Prozent) als auch der Gewinn lagen deutlich über dem Konsens, aber auch die einzelnen Einheiten überzeugten. Sowohl das Geschäft auf eigene Rechnung und für Dritte (Marktplatz) als auch die Cloudsparte AWS (+32 Prozent) und die sonstigen Umsätze (vor allem Werbung) übertrafen die Erwartung. Lediglich die Abonnementgebühren kamen wie erwartet, die »physischen« Geschäfte lagen marginal darunter. Das starke Wachstum spiegelt sich sowohl auf dem Heimatmarkt als auch im internationalen Geschäft. Der Gewinn je Aktie lag mit 15,79 US-Dollar fast 50 Prozent über der Prognose.

Für das zweite Quartal liegt Amazon mit einem erwarteten Umsatzwachstum von 24 bis 30 Prozent oberhalb und mit einem operativen Gewinn von 4,5 bis 8,0 Milliarden US-Dollar in der Mitte der Spanne etwas unterhalb der Marktprognose. Dabei wird der Prime Day diesmal auf das zweite Quartal vorgezogen. Beim Gewinnausblick ist das Management schon fast traditionell sehr konservativ, zumal hier noch 1,5 Milliarden US-Dollar pandemiebedingte Zusatzkosten eingerechnet sind.

Die Nachricht, dass sich Unternehmensgründer Jeffrey Bezos vom Vorstandschefposten zurückzieht, hat nur kurz irritiert. Jeffrey Bezos wird als Verwaltungsratschef weiterhin die Toppersonalien und die Strategie des Unternehmens bestimmen. Sein Nachfolger im Vorstand wird Andy Jassy, der das Cloud-Geschäft verantwortet, sodass die neue Konstellation für wenig Turbulenzen gesorgt hat. Außerdem soll Bezos bereits seit Jahren einen Großteil der operativen Tätigkeiten delegiert haben, sodass sich insgesamt wenig ändern dürfte. Allerdings hat er sich zuletzt von einem größeren Aktienpaket in Milliardenhöhe getrennt. Das dürfte dem anhaltenden Siegeszug des Unternehmens wenig anhaben.

Hinweis
Offenlegung möglicher Interessenkonflikte:
8. Die Commerzbank hat innerhalb der letzten zwölf Monate Investmentbanking-Dienstleistungen für Amazon.com erbracht oder vereinbart, solche zu erbringen, für die sie Einkünfte erhalten hat bzw. wird. Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Anlageidee: PARTIZIPIEREN SIE AN DER ENTWICKLUNG VON AMAZON

Nutzen Sie die Experten-Einschätzungen und partizipieren Sie an der Entwicklung von Amazon. Ganz gleich, ob Sie mit Hebelprodukten auf kurzfristige Marktveränderungen setzen möchten oder mit Anlageprodukten eine Alternative zum reinen Aktieninvestment suchen, bei Société Générale werden Sie fündig. Ein Überblick über das gesamte Produktspektrum an Zertifikaten und Optionsscheinen steht Ihnen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung.

Aber Achtung: Da die von Société Générale angebotenen Produkte in Euro notieren, der Handelspreis von Amazon in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko. Ein steigender Euro/US-Dollar-Wechselkurs wirkt sich negativ auf den Wert des Produkts aus. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet Société Générale in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto) Variante an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Produkts mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Quanto

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

SD3 NNG

Amazon

3.000,00 USD

17,26 %

5,94 %

Ja

18.03.2022

286,96/287,06 EUR

SD3 NK7

Amazon

3.000,00 USD

17,71 %

6,69 %

Nein

18.03.2022

239,66/239,74 EUR

SD3 NNK

Amazon

3.600,00 USD

7,42 %

15,94 %

Ja

18.03.2022

320,99/321,12 EUR

SD3 NLA

Amazon

3.600,00 USD

7,98 %

16,83 %

Nein

18.03.2022

267,98/268,09 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock- Out-Barriere

Hebel

Quanto

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

SB0 7CQ

Amazon

Call

2.557,17 USD

3,7

Nein

Unbegrenzt

0,77/0,78 EUR

SD8 WHP

Amazon

Call

2.976,40 USD

6,8

Nein

Unbegrenzt

0,42/0,43 EUR

SD7 D3V

Amazon

Call

3.074,70 USD

8,6

Nein

Unbegrenzt

0,33/0,34 EUR

SD7 6W6

Amazon

Call

3.173,01 USD

11,2

Nein

Unbegrenzt

0,25/0,26 EUR

SB8 NKZ

Amazon

Put

4.509,87 USD

3,3

Nein

Unbegrenzt

0,87/0,88 EUR

SB9 0UD

Amazon

Put

4.111,87 USD

5,3

Nein

Unbegrenzt

0,54/0,55 EUR

SB4 YRS

Amazon

Put

3.811,82 USD

9,7

Nein

Unbegrenzt

0,29/0,30 EUR

SB9 VQ4

Amazon

Put

3.711,54 USD

13,2

Nein

Unbegrenzt

0,21/0,22 EUR

Stand: 21. Juni 2021; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.

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