Märkte

Platin deutlich im Aufwind – Was ist mit Gold?

Platin hat sich seit Jahresbeginn deutlich verteuert und erreichte im Februar ein 6½-Jahres-Hoch. Zwar dürfte das Angebotsdefizit in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen, weil erheblich mehr Platin aus Südafrika an den Markt kommen sollte. Die ebenfalls kräftig steigende Nachfrage insbesondere aus der Automobilindustrie spricht aber für anhaltende Angebotsdefizite in den kommenden Jahren und damit auch für einen höheren Platinpreis.

Platin stieg Mitte Februar auf ein 6½-Jahres-Hoch von 1.340 US-Dollar je Feinunze (siehe Grafik 1). Ende des ersten Quartals notierte es gut 10 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Andere Edelmetallpreise handelten dagegen teilweise deutlich unter dem Jahreseinstandsniveau. Dies gilt insbesondere für Gold, das im selben Zeitraum ein Minus von 10 Prozent aufwies und damit den schlechtesten Jahresauftakt seit fast 40 Jahren verzeichnete. Der Preisabschlag von Platin zu Gold hat sich im Zuge dessen auf rund 500 US-Dollar verringert. Niedriger war er zuletzt im Mai 2019. Zu Jahresbeginn war Gold noch mehr als 800 US-Dollar teurer als Platin. Das lange Zeit vernachlässigte Platin hat in diesem Jahr somit ein beeindruckendes Comeback hingelegt, wobei der Grundstein dazu schon im vergangenen Herbst gelegt wurde. Damals revidierte der World Platinum Investment Council (WPIC) seine Prognose für das im Jahr 2020 zu erwartende Angebotsdefizit am weltweiten Platinmarkt nochmals deutlich auf rekordhohe 1,2 Millionen Unzen nach oben. In seiner im März veröffentlichten Prognose sagte der WPIC für 2020 weiterhin ein Rekorddefizit voraus. Es soll aber nicht mehr ganz so hoch ausfallen, sondern bei 932.000 Unzen liegen (siehe Grafik 2). Für 2021 geht der WPIC sogar nur noch von einem geringen Defizit von 60.000 Unzen aus, was ebenfalls unter der vorherigen Prognose liegt. Meldungen aus Russland sprechen dafür, dass das Defizit doch etwas größer ausfallen dürfte. Denn der dortige Produzent Nornickel hatte seine Produktionsprognose für Platinmetalle im März nach einem Wassereinbruch in zwei Minen um gut 700.000 Unzen nach unten revidiert. Mittlerweile beziffert das Unternehmen den daraus resultierenden Produktionsausfall zwar »nur« noch auf gut 500.000 Unzen. Bezogen auf Platin könnte das aber noch immer eine um 90.000 bis 100.000 Unzen niedrigere Produktion bedeuten.

Grafik 1: Platinpreis seit letztem Herbst deutlich gestiegen
Grafik 2: Platinmarkt weiterhin unterversorgt

Marktbilanz

Mit dem für dieses Jahr prognostizierten Angebotsdefizit wäre der Platinmarkt das dritte Jahr in Folge unterversorgt. Zudem stellt der WPIC für die kommenden Jahre wieder höhere Defizite in Aussicht. Denn der WPIC rechnet damit, dass die Nachfrage weiter stark zulegt, während das Angebot kaum ausgeweitet werden dürfte. Eine wachsende Bedeutung kommt dabei der Wasserstofftechnologie zu. Dort kommt Platin in Brennstoffzellen zum Einsatz, sodass es den anstehenden Übergang vom Verbrennungsmotor zu alternativen Antriebsformen ohne größere Einbußen bei der Nachfrage überstehen dürfte. Das in diesem Jahr deutlich geringere Angebotsdefizit ist außerdem im Zusammenhang mit dem Rekorddefizit im Vorjahr zu sehen, das auf Sonderfaktoren zurückzuführen war, die in diesem Jahr wegfallen. So fiel die Platinminenproduktion in Südafrika 2020 um 26 Prozent auf weniger als 3,3 Millionen Unzen, das niedrigste Niveau seit mehr als 20 Jahren. Grund hierfür waren zwischenzeitliche Minenschließungen zur Eindämmung des Coronavirus und der zweimalige Ausfall einer großen Verarbeitungsanlage. Die Anlage ist seit Dezember wieder in Betrieb. Daher ist in diesem Jahr mit einer deutlich höheren Produktionsmenge in Südafrika zu rechnen. Der WPIC erwartet einen Anstieg um fast 30 Prozent auf 4,2 Millionen Unzen. Damit würde die Produktion aber noch immer ca. 200.000 Unzen unter dem Niveau von 2019 bleiben. Gleichzeitig soll auch das Platinangebot aus Recycling in diesem Jahr um 6,4 Prozent steigen. Das Platinangebot insgesamt dürfte daher 16,5 Prozent höher ausfallen als im Vorjahr und fast wieder 8 Millionen Unzen erreichen (siehe Grafik 3). Zum Niveau von 2019 fehlen aber auch hier mehr als 300.000 Unzen.

Grafik 3: Platinangebot dürfte 2021 deutlich steigen

Das vom WPIC für dieses Jahr erwartete Nachfragewachstum bleibt mit 3,3 Prozent klar hinter dem Anstieg des Angebots zurück, was das deutlich geringere Marktdefizit erklärt. Auch bei der Nachfrage kommt es teilweise zu einer Normalisierung nach den besonderen Umständen im Ausnahmejahr 2020. Dies betrifft vor allem die Investmentnachfrage, die in diesem Jahr mit 756.000 Unzen nur etwa halb so hoch ausfallen soll wie im Vorjahr. Damit wäre sie aber noch immer deutlich höher als in den Jahren vor 2019. Der größte Teil des Rückgangs erklärt sich mit dem Wegfall der Einlieferungen in die Börsenlager, die 2020 laut WPIC immerhin knapp ein Drittel der Investmentnachfrage stellten. Auch bei den ETFs dürfte es nach den sehr hohen Zuflüssen in den vergangenen beiden Jahren eine Beruhigung geben. Der WPIC unterstellt für das gesamte Jahr 250.000 Unzen. Dies scheint realistisch. Bis Ende März verzeichneten die von Bloomberg erfassten Platin-ETFs bereits Zuflüsse von rund 80.000 Unzen, auch wenn es Mitte Februar sogar schon 100.000 Unzen waren. Weiterhin auf hohem Niveau von knapp 500.000 Unzen soll dagegen die physische Investmentnachfrage nach Barren und Münzen bleiben.

Dass die Gesamtnachfrage trotz merklich rückläufiger Investmentnachfrage dennoch steigen soll und der Markt damit unterversorgt bleibt, ist vor allem einer deutlich stärkeren Nachfrage aus der Automobilindustrie zu verdanken. Diese soll laut Prognose des WPIC 2021 um 25 Prozent auf 3 Millionen Unzen steigen (siehe Grafik 4). Damit würde der coronabedingte Rückgang im Vorjahr mehr als wettgemacht. Der WPIC führt dazu mehrere Gründe an. So dürften die Produktionszahlen im Pkw-Segment steigen und fast wieder das Niveau vor dem Ausbruch der Coronakrise erreichen. Hinzu kommt ein verstärkter Platineinsatz in den Katalysatoren aufgrund strengerer Abgasvorgaben in Europa und in China. Dritter Faktor ist die einsetzende Substitution des noch immer doppelt so teuren Palladiums durch Platin in neuen Fahrzeugmodellen in allen drei wichtigen Automärkten, also Nordamerika, Europa und China. Der WPIC schätzt, dass dadurch in den nächsten drei bis vier Jahren jährlich 1 Million Unzen mehr Platin nachgefragt werden könnten.

Grafik 4: Nachfrage aus der (Auto-)Industrie erholt sich

Auch die industrielle Nachfrage außerhalb des Automobilsektors dürfte in diesem Jahr einen positiven Beitrag zur Gesamtnachfrage leisten. Der WPIC erwartet hier ein Plus von 10,5 Prozent auf knapp 2,2 Millionen Unzen. Damit würde sogar das Niveau vor dem Ausbruch der Coronakrise übertroffen. Die größten Impulse sollen dabei von der Glasindustrie und dem Ölsektor ausgehen. Zurückzuführen ist dies auf fortgesetzte Kapazitätsausweitungen, die teilweise wegen der Coronakrise aufgeschoben wurden. Angesichts der bereits bestehenden Überkapazitäten im Raffineriebereich und entsprechend niedriger Verarbeitungsmargen überrascht dies im Fall der Ölindustrie zumindest etwas. Hier soll es unter anderem zu neuerlichen Kapazitätsausweitungen in China kommen, das bereits deutlich mehr Rohöl verarbeitet, als es selbst benötigt, und daher zu einem bedeutenden Netto-Exporteur von Ölprodukten geworden ist.

Ein deutliches Plus erwartet der WPIC in diesem Jahr auch bei der Schmucknachfrage, die um 13 Prozent auf 2,05 Millionen Unzen steigen und damit fast wieder das Niveau von 2019 erreichen soll. Die Schmucknachfrage dürfte dabei von der verbesserten Einkommensentwicklung durch die Konjunkturerholung nach dem coronabedingten Einbruch profitieren. Zudem hat sich während der Coronapandemie ein gewisser Teil der Nachfrage aufgestaut, der nun nachgeholt werden dürfte (zum Beispiel Hochzeiten). Die Schmucknachfrage in China profitiert darüber hinaus von neuen Produkten und Marketingaktivitäten, in Indien von einer Absenkung der Importsteuer auf Platin. Möglicherweise trägt auch der jüngste Preisanstieg dazu bei, dass die Nachfrage nach Platinschmuck zunimmt. Denn die über mehrere Jahre andauernde Preisschwäche hat Schmuckkonsumenten eher von Käufen abgehalten, da sie die Werthaltigkeit von Platin anzweifelten.

Die deutliche Erholung der Nachfrage aus der Automobilindustrie und das erneute Angebotsdefizit dürften dem Platinpreis weiter Auftrieb geben. Das spürbar höhere Platinangebot aus Südafrika und die schwächere Investmentnachfrage begrenzen allerdings das Aufwärtspotenzial. Wir rechnen mit einem Platinpreis von 1.350 US-Dollar je Feinunze am Jahresende. Höhere Preise sind denkbar, wenn es zu stärkerer Substitution in der Automobilindustrie und/oder einer erneuten positiven Überraschung bei der Investmentnachfrage kommt. Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass der Platinmarkt in einen kleinen Angebotsüberschuss dreht, sollte die Investmentnachfrage deutlich niedriger ausfallen. Dann würde der Preis weniger stark steigen.

Gold fiel Ende März noch einmal auf das 9-Monats-Tief von 1.680 US-Dollar je Feinunze zurück, konnte sich seither aber spürbar erholen. Auch sehr robuste US-Konjunkturdaten wie ein deutlich stärker als erwartet ausgefallener Arbeitsmarktbericht und auf mehrjährige Höchststände gestiegene Einkaufsmanagerindizes führten nicht mehr zu einem erneuten Preisrückgang. Denn die US-Notenbank Fed hat deutlich gemacht, an ihrer ultralockeren Geldpolitik noch für längere Zeit festhalten zu wollen. Das limitiert das Aufwärtspotenzial für den US-Dollar und die Anleiherenditen, deren Anstieg der wesentliche Treiber des Goldpreisrückgangs im Februar und März war. Zugleich steigt das Risiko, dass die US-Wirtschaft dank des massiven Schubs durch die Finanzpolitik überhitzt, die Inflationsrisiken deutlich zunehmen und die Fed »hinter die Kurve« fällt. In diesem Fall wäre Gold als Inflationsschutz und wertstabile Anlage der große Gewinner. Dies scheinen auch einige osteuropäische Zentralbanken so zu sehen. Die ungarische Zentralbank gab Anfang April bekannt, ihre Goldreserven binnen knapp drei Jahren auf 94,5 Tonnen verdreifacht zu haben. Sie steht mit ihren Goldkäufen in der Region nicht allein. Im März hatte bereits Polens Zentralbankchef angekündigt, seine Institution wolle die Goldreserven in den nächsten Jahren um weitere 100 Tonnen erhöhen. Dies zeigt die wachsende Bedeutung von Gold in den Überlegungen von Zentralbanken nicht nur in Ländern wie China, Russland und der Türkei, die ihre Goldreserven in den vergangenen Jahren deutlich aufgestockt haben.

Grafik 5: Kräftiger Rückgang der Gold-ETF-Bestände seit Jahresbeginn

Das Bild für Gold hat sich zuletzt aufgehellt, auch wenn dies noch nicht am Verhalten der ETF-Anleger ablesbar ist. Die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs verzeichneten bis Anfang April nahezu ununterbrochen Abflüsse. Deutlich robuster entwickelte sich zuletzt dagegen die Münznachfrage. Die australische Perth Mint verkaufte im ersten Quartal mehr als 330.000 Unzen an Goldmünzen, was einem Rekordwert entsprach. Die US-Münzanstalt berichtete für das erste Quartal einen Goldmünzenabsatz von 412.000 Unzen und damit knapp der Hälfte des gesamten Vorjahresabsatzes. Die von Perth Mint und U.S. Mint im ersten Quartal verkauften Münzen entsprechen allerdings nur 10 bzw. 13 Tonnen. Zum Vergleich: Die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs verzeichneten im ersten Quartal Abflüsse von 215 Tonnen (siehe Grafik 5). Ohne eine Trendwende bei den Gold-ETFs dürfte es daher dem Goldpreis schwerfallen, wieder das Niveau vom Jahresbeginn zu erreichen. Damit rechnen wir im Laufe des zweiten Halbjahrs.

Anlageidee: Optionsscheine und Zertifikate auf Platin und Gold

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Aber Achtung: Da die von Société Générale angebotenen Produkte in Euro notieren, die Preise der Edelmetalle allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko, wenn der Euro/US-Dollar-Wechselkurs steigen sollte. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet Société Générale in der Regel eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto) Variante an.

Partizipations-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU0 QXV

Gold

10:1

Nein

144,20/144,23 EUR

CU0 V6T

Gold

10:1

Ja

167,56/167,59 EUR

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Quanto

Geld-/Briefkurs

SB3 B1A

Gold

1.725,00 USD

5,76 %

3,88 %

17.12.2021

Ja

168,04/168,11 EUR

SB3 CKQ

Gold

1.725,00 USD

6,33 %

4,81 %

17.12.2021

Nein

138,62/138,68 EUR

SB3 B1C

Gold

1.775,00 USD

4,23 %

5,81 %

17.12.2021

Ja

170,75/170,82 EUR

SB3 CKS

Gold

1.775,00 USD

4,85 %

6,78 %

17.12.2021

Nein

140,80/140,86 EUR

Unlimited Turbo-Optionsscheine mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock- Out-Barriere

Hebel

Quanto

Geld-/Briefkurs

SD9 91T

Platin

Call

1.077,1382/1.105,00 USD

9,1

Nein

1,09/1,10 EUR

SD8 HLL

Platin

Put

1.327,9949/1.293,00 USD

9,4

Nein

1,06/1,07 EUR

SD5 E02

Gold

Call

1.571,7040/1.593,98 USD

8,4

Nein

17,65/17,67 EUR

SD5 DMG

Gold

Put

1.958,1082/1.930,60 USD

10,2

Nein

14,50/14,52 EUR

Stand: 22. April 2021; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.

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