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Dividendeneffekt – Rekordstände dank Ausschüttungen

Erneut können viele Aktienindizes weltweit neue Rekordstände vermelden. Da stellt auch der DAX keine Ausnahme dar. Mit mehr als 15.500 Punkten lag das deutsche Börsenbarometer so hoch wie noch nie. Doch der Schein trügt, denn der DAX wird als sogenannter Performanceindex berechnet. Das bedeutet, dass Dividenden der 30 DAX-Aktien in den Index wieder eingerechnet werden. Das ist allerdings nicht der Standard. Fast alle großen Aktienindizes weltweit werden ohne Dividenden berechnet, ein Index wird dann als Kursindex bezeichnet. So sind zum Beispiel Dow Jones, S&P 500 oder der Nikkei 225 allesamt Kursindizes.

Auch für den DAX gibt es einen Kursindex. Er heißt schlicht »DAX-Kursindex« und wird genauso wie sein Pendant der Deutschen Börse berechnet und veröffentlicht. Dieser Index spiegelt die Aktienkursentwicklung der 30 DAX-Titel wider, jedoch ohne Dividende. Der Index startete ebenfalls im Jahr 1988 bei 1.000 Punkten und liegt heute bei »nur« rund 6.650 Punkten. Das sind rund 9.000 Punkte weniger als bei seinem großen Bruder. Ganz besonders beachtlich ist die Entwicklung des DAX-Kursindex seit dem Jahr 2000. Damals erreichte er einen Höchstkurs von 6.266 Punkten. Somit liegt der Index heute nur rund 6 Prozent über seinem Höchstkurs vom 7. März 2000.

Bei der Betrachtung des Dow Jones Industrial Average stellt sich eine deutlich bessere Kursentwicklung der 30 größten US-Unternehmenskurse in den vergangenen 20 Jahren dar. Der Index kletterte um rund 190 Prozent nach oben, verglichen mit dem Höchstkurs aus dem Jahr 2000. Und das ist nicht auf einen Dividendeneffekt zurückzuführen, denn der Dow Jones wird als Kursindex berechnet. Sobald ein Unternehmen im Index eine Dividende zahlt, sinkt der Wert um ein paar Punkte. Und trotzdem konnte der US-Index sich fast verdreifachen, wohingegen der DAX ohne Dividenden kaum vom Fleck gekommen ist.

Tabelle 1: Vergleich der Höchststände der Jahre 2000 und 2021

2000

2021

Differenz

DAX-Performanceindex

8.136 Pkt.

15.501 Pkt.

91 %

DAX-Kursindex

6.266 Pkt.

6.661 Pkt.

6 %

Dow Jones IA

11.750 Pkt.

34.257 Pkt.

192 %

Stand 16. April 2021; Quelle: Société Générale

Beim Vergleich des DAX mit und ohne Dividenden wird demzufolge schnell klar, dass die Ausschüttung von Unternehmen durchaus einen bedeutenden Einfluss auf die Kursentwicklung haben kann. Wer sich Kurse einzelner Aktien anschaut, wird ebenfalls feststellen, dass der Kurs der Unternehmen ohne Dividenden dargestellt wird. Am Beispiel der Deutschen Post erläutern wir den Dividendeneffekt:

Rein rechnerisch fällt der Kurs einer Aktie, wenn das Unternehmen eine Dividende ausschüttet. Zum Beispiel zahlt die Deutsche Post am 7. Mai 2021 eine Dividende in Höhe von voraussichtlich 1,35 Euro. Dieser Betrag wird erst auf der Hauptversammlung final festgelegt und diese findet einen Tag vorher statt. Der Schlusskurs am Vortag weist somit noch keinen Dividendeneffekt auf. Erst am nächsten Tag, wenn die Dividende an die Aktionäre ausgezahlt wird, wird der Aktienkurs angepasst. Wenn die Aktie am Vortag bei zum Beispiel 48,35 Euro notiert hat, liegt sie am nächsten Tag nur noch bei 47,00 Euro. Der Aktienkurs wurde rechnerisch um die Dividende in Höhe von 1,35 Euro reduziert. Die Aktie ist zwar 2,78 Prozent im Minus, doch jeder Aktionär hat an diesem Tag je Aktie die Dividende erhalten. Wirtschaftlich ist das für den Aktionär demzufolge ein Nullsummenspiel. Um das zu erkennen, werden die Kurse der Aktie an diesem Tag besonders gekennzeichnet als »ex Dividende«. Börsianer erkennen so mit einem Blick, dass die Aktie einen Dividendenabschlag hat und nicht etwa wegen schlechter Nachrichten im Minus notiert. Natürlich wird sich der Kurs der Deutschen Post am 7. Mai 2021 nicht exakt um 1,35 Euro im Minus befinden, da der Handel mit der Aktie »normal« weitergeht. Anleger werden trotzdem den Dividendeneffekt sehen können.

Gleiches gilt in diesem Fall für den DAX-Kursindex. Wenn die Deutsche Post eine Dividende zahlt, wird der Index genau um diesen Betrag sinken. Angenommen, das Gewicht der Aktie liegt bei 3,8 Prozent, dann wird der Index an diesem Tag um rund 7 Punkte fallen. Bei einem Indexstand von rund 6.650 Punkten und 29 anderen Aktien, die sich ebenfalls bewegen, verpufft dieser einzelne Dividendeneffekt und wird nicht wie bei der Aktie explizit sichtbar. Doch wie der Vergleich mit dem viel bekannteren DAX-Performanceindex zeigt, ist der Effekt auf lange Sicht sehr groß. Der DAX-Performanceindex reinvestiert die Dividende zu 100 Prozent. Ein Szenario, das die meisten Anleger wegen der Steuern nicht nachbilden könnten, selbst wenn sie wollten. Allerdings führt das dazu, dass der DAX-Performanceindex nicht fällt, wenn ein Unternehmen im Index eine Dividende ausschüttet.

Grafik 1: DAX und Dow Jones im Vergleich seit 2000

Relative Performance, jeweils Kursindex

Zertifikate werden unter Umständen ebenfalls angepasst, wenn ein Unternehmen eine Dividende zahlt. Dabei können grob zwei Gruppen unterschieden werden: Bei der einen Gruppe werden die Dividenden nicht angepasst, da Dividendenzahlungen bereits zu Beginn der Laufzeit in den Konditionen der Zertifikate berücksichtigt werden. So liegt die maximale Rendite von Discount-Zertifikaten auf Aktien höher, wenn während der Laufzeit eine Ausschüttung stattfindet. Zum Zeitpunkt der Dividendenzahlung verändert sich der Preis dieser Produkte dann in der Regel nicht mehr.

Bei Wertpapieren der anderen Gruppe werden verschiedene Kennzahlen angepasst, sodass der Dividendeneffekt berücksichtigt wird. So ist es zum Beispiel nicht möglich, mit einem Turbo-Put-Optionsschein auf die Deutsche Post von einem Dividendenabschlag in der Aktie zu profitieren. Am Tag der Dividendenzahlung werden der Basispreis und die Knock-Out-Barriere um den Dividendenbetrag gekürzt. Somit liegt der Kurs der Deutschen Post-Aktie zwar rund 1,35 Euro im Minus, durch die Veränderung der Werte bleibt der Preis des Turbo-Optionsscheins konstant. Gleiches gilt generell auch für Turbo-Call-Optionsscheine. Hier wird allerdings ein Steuereffekt berücksichtigt, sodass die Dividende nicht zu 100 Prozent angepasst werden kann.

Exemplarisch werden in Tabelle 2 die gängigsten Zertifikatstypen und deren generelle Anpassung bei einer Dividendenzahlung dargestellt.

Tabelle 2: Zertifikatstypen und Anpassung bei einer Dividendenzahlung

Produkttyp

Anpassung bei Dividendenzahlung*

Discount-Zertifikate

Dividende wird nicht angepasst, ist bereits zu Beginn in die Konditionen mit eingerechnet

Bonus-Zertifikate

Dividende wird nicht angepasst, ist bereits zu Beginn in die Konditionen mit eingerechnet

Faktor-Optionsscheine

Dividendeneffekt wird berücksichtigt und entsprechend angepasst

Turbo-Optionsscheine

Dividendeneffekt wird berücksichtigt und entsprechend angepasst

Standard-Optionsscheine

Dividende wird nicht angepasst, ist bereits zu Beginn in die Konditionen mit eingerechnet

Hierbei handelt es sich um eine stark vereinfachte Darstellung. Die Anpassung kann im Einzel- und Sonderfall von der hier vorgestellten Methode abweichen. *Bei konkreten Fragen zur Dividendenanpassung von Zertifikaten oder Optionsscheinen steht das Expertenteam von Société Générale börsentäglich von 8.00 bis 18.00 Uhr zur Verfügung. Entweder per E-Mail (service.zertifikate@sgcib.com) oder über den Chat auf der Website www.sg-zertifikate.de oder über das Telefon unter 0800 818 30 50.