Märkte

Delivery Hero – Wettlauf mit der Zeit

Der ständige Investitions-/Kapitalbedarf kann das Erreichen der Gewinnschwelle zwar weiter verschieben, Delivery Hero operiert aber in einem interessanten Wachstumsmarkt und trifft mit der auf die zeitkritische Belieferung von warmen Speisen spezialisierten IT-Plattform den Nerv der Zeit. Enormes Potenzial versprechen auch neue Produktkategorien. Die hartnäckiger als gedachte Pandemie spielt dem Unternehmen außerdem in die Hände.

Ein aussichtsreicher Markt
Um dem Kunden das Leben so angenehm wie möglich zu machen, liefern sich die großen Onlinehändler einen harten Kampf in puncto Belieferung. Delivery Hero hat sich in einem ersten Schritt auf die Logistik zwischen der Gastronomie und dem Endkunden spezialisiert. Was die Gastronomie beim Lieferservice zuvor selbst organisieren musste (Bestellung und Belieferung), kann sie nun an Delivery Hero outsourcen. Das bringt einen höheren Komfort sowohl für den Gastronomen (auch Reichweite) als auch für den Kunden. Übernommen wird dafür der Bestellprozess über App/Internet sowie die Belieferung mit eigenem Personal, was die Lieferqualität sichert. Die besondere Stärke des Unternehmens besteht darin, vergleichsweise kurze Strecken kostengünstig und mit zeitkritischer Ware (warmes Essen) zu beliefern. Strukturell wächst der Markt dadurch, dass immer mehr online bestellt wird und kleinere und jüngere Haushalte immer seltener selbst kochen.

Grafik 1: Wertentwicklung der Delivery Hero-Aktie

Seit Börsengang am 30. Juni 2017

Mit der Logistikplattform im Rücken bietet auch die Expansion in andere Produktgruppen enormes Potenzial. Denn auch der Serviceanspruch der Kunden an den klassischen stationären Einzelhandel wächst stetig und lokalen Einzelhändlern könnte der Anschluss an das Internetzeitalter erleichtert werden. In einigen Ländern werden bereits Arzneien, Blumen, Elektrogeräte usw. ausgeliefert. Andererseits sind Personalmanagement und CO2-Fußabdruck Schwachpunkte im Sinne des Nachhaltigkeitsmanagements. Um mit Amazon & Co. Schritt halten zu können, will Vorstandschef Niklas Östberg signifikante Investitionen tätigen und das Produktangebot ständig erweitern.

Dazu werden auch kleinere Lager aufgebaut (»Dmart«), mit denen Delivery Hero auf eigene Rechnung als Lieferant für seine Kunden (Gastronomen) auftritt. Letzteres sehen wir mit gemischten Gefühlen, denn es erhöht den Kapitalbedarf, das Lagerrisiko und kann das Erreichen der Gewinnschwelle immer weiter verzögern. Nicht zuletzt verwässern die ausgegebenen Wandelanleihen zukünftige Gewinne.

Langfristziele und Philosophie vom Gründer geprägt
Der Unternehmensgründer Niklas Östberg führt das Unternehmen als Vorstandschef von Beginn an und hat es auf einen sehr erfolgreichen Wachstumstrend geführt. Delivery Hero investiert sukzessive und fokussiert sich auf Märkte in Wachstumsregionen, in denen innerhalb von spätestens zehn Jahren die marktführende Position erreicht werden kann. Dementsprechend war es konsequent, sich 2018 von den deutschen Aktivitäten wegen des starken Wettbewerbs zu trennen. Allerdings bringt die regionale Ausrichtung auf teilweise politisch »instabilere« Regionen auch Risiken mit sich.

In 90 Prozent der Märkte, in denen Delivery Hero aktiv ist, ist das Unternehmen führend, 80 Prozent des Bestellvolumens wird in diesen Ländern generiert. Die Marktführerschaft ist sehr entscheidend, da sie in der Regel aufgrund der besten Kostenstruktur den Löwenanteil des Profit-Pools auf sich vereinigt.

Neben einem Investitionsschwerpunkt in die Technologieplattform sind auch internationale Akquisitionen an der Tagesordnung. Nachdem die Übernahme der gemessen am Bruttowarenwert in Südkorea etwa fünfmal größeren Woowa-Brothers für (ursprünglich) 3,6 Milliarden Euro formal vollzogen ist, scheint der als Bedingung der dortigen Kartellwächter geforderte Verkauf der eigenen Plattform YoGiYo mit einem kolportierten möglichen Verkaufspreis von 1,8 Milliarden US-Dollar anscheinend auf großes Interesse zu stoßen. Angesichts der Größenverhältnisse wäre dies ein attraktiver Preis, auch wenn das Delivery Hero-Management bei einem deutlich höheren Aktienkurs aufgrund der Kaufpreisentrichtung in eigenen Aktien vor einer möglichen nicht cashwirksamen Abschreibung über 1,4 Milliarden Euro gewarnt hatte. Diese sollte nun aber geringer ausfallen. Delivery Hero steigt direkt zum Marktführer im weltweit drittgrößten Speisen-Belieferungsmarkt auf und hat inzwischen erfreuliche Eckdaten zum Geschäftsverlauf der neuen Tochter veröffentlicht.

Als Herausforderung für stark wachsende und akquisitorische junge Unternehmen haben sich auch immer wieder die dauerhaft erfolgreiche Integration sowie der Aufbau funktionierender Strukturen erwiesen. Ein erheblicher Kostenblock sind auch Aufwendungen für Marketing und Werbung. Dazu gehört die Akquise neuer Gastronomiebetriebe mit Gutscheinen und deren Unterstützung durch temporär kostenlose Belieferungen.

Der Investitionszwang lässt erahnen, dass sich die Gewinnschwelle aufgrund von Opportunitäten immer weiter nach hinten verschieben kann. Dennoch will Delivery Hero die Profitabilität durch Skalierung und Automatisierung steigern und strebt langfristig eine operative Marge von 5 bis 8 Prozent des Bestellvolumens an.

Bewertung schwierig
Da das Unternehmen die Gewinnschwelle wohl nicht vor 2023 erreichen wird, ist eine Gewinnbewertung auf Basis aktueller Zahlen nicht möglich. Die Einschätzungen basieren daher zum Beispiel eher auf Vergleichsmultiplikatoren (Kurs/Umsatz) ähnlicher Unternehmen bzw. Schätzungen, die sehr weit in der Zukunft liegen und damit einer erhöhten Unsicherheit unterworfen sind.

Der hohe Investitionsbedarf kann die Erreichung der Gewinnschwelle weiter nach hinten schieben. Das könnte so lange vom Kapitalmarkt toleriert werden, wie das Wachstum erheblich bleibt (Amazon hat erst nach ca. 20 Jahren angefangen, konsistent Gewinne zu erzielen). Mit der Kapitalerhöhung im Januar über 1,2 Milliarden Euro (ca. 4,7 Prozent) nutzte Delivery Hero die sehr gute Aktienkursentwicklung, das beschleunigte Platzierungsverfahren war innerhalb weniger Stunden abgeschlossen.

Mit dem Belieferungsangebot ist das Unternehmen ein klarer Krisengewinner. Bei einer Normalisierung entfiele zwar die Sonderkonjunktur, allerdings erweist sich die Pandemie als hartnäckiger als gedacht und daher dürften die Wachstumsraten auch länger auf einem erhöhten Niveau bleiben.

Delivery Hero – Just Eat Takeaway.com, eine Unternehmensfreundschaft
Delivery Hero hat 2018 das Deutschlandgeschäft an die niederländische Takeaway.com gegen eine Beteiligung veräußert und sich damit aus dem wettbewerbsintensiven Markt zurückgezogen. Offensichtlich gibt es aber kleinere Reibereien, nachdem diese sich mit der britischen Just Eat zusammengeschlossenen hat und Delivery Hero die Verletzung einer Stillhalteverpflichtung vorwirft.

Vorläufige Eckdaten zum Abschlussquartal leicht besser als erwartet
Delivery Hero hat im Abschlussquartal einen Umsatz von 933 Millionen Euro erzielt (Vorjahr 483 Millionen Euro) und die Markterwartung um 3 Prozent übertroffen, ebenso das über die Plattform gehandelte Geschäftsvolumen von knapp 3,9 Milliarden Euro. Die Anzahl der Bestellungen hat sich im Jahresvergleich ebenfalls auf 423 Millionen fast verdoppelt. Das lag wie erwartet. Die bereinigte operative Marge für das Gesamtjahr 2020 soll mit –16 Prozent genau in der Mitte der eigenen Prognosespanne liegen. Damit fiele der operative Verlust etwas geringer aus als zuvor vom Markt prognostiziert. Während Asien leicht enttäuschte, entwickelten sich die anderen Regionen besser als gedacht, auch das eigene Handelskonzept Dmart.

Inzwischen hat Delivery Hero auch Zahlen der neuen Tochter Woowa-Brothers für das Abschlussquartal 2020 und das Gesamtjahr veröffentlicht, die sowohl bei Umsatz (2020: +23 Prozent), Bruttowarenwert (+78 Prozent), Orderzahl (+75 Prozent) als auch beim bereinigten operativen Gewinn (Kerngeschäft Korea wieder profitabel) deutlich stärker ausgefallen sind als erwartet. Letzteres wurde allerdings durch hohe Investitionen in das internationale Geschäft (zum Beispiel Vietnam) und eigene Märkte (BMart) überkompensiert, sodass der Gewinn unter dem Strich marginal unter der Prognose lag.

Für die nächsten zehn Jahre ist Delivery Hero sehr optimistisch, alle in der Vergangenheit gesetzten Ziele mit der neuen Tochter zu übertreffen, allerdings werden auch anhaltend hohe Investitionen angekündigt. Eine Jahresprognose für 2021 unter Einbeziehung von Woowa will das Unternehmen Ende April mit dem endgültigen Jahresabschluss 2020 abgeben.

Delivery Hero bleibt operativ wohl mindestens bis 2022 defizitär. Neben den strukturellen Wachstumsmöglichkeiten dürfte aber auch die länger als erwartete Pandemie dem Krisengewinner in die Hände spielen und das Wachstum sollte hoch bleiben.

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Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

SD3 8VA

Delivery Hero

80,00 EUR

31,66 %

8,11 %

17.12.2021

75,35/75,38 EUR

SD3 H8L

Delivery Hero

100,00 EUR

19,11 %

15,98 %

17.12.2021

89,18/89,22 EUR

SD3 H8P

Delivery Hero

130,00 EUR

7,52 %

35,83 %

17.12.2021

102,28/102,32 EUR

Capped Bonus-Zertifikate

WKN

Basiswert

Bonuslevel/Cap

Barriere

Bonusrendite p.a.

Abstand zur Barriere

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

SD3 9FA

Delivery Hero

124,00 EUR

84,00 EUR

11,19 %

24,13 %

17.12.2021

114,22/114,26 EUR

SD3 186

Delivery Hero

134,00 EUR

90,00 EUR

22,36 %

18,70 %

17.12.2021

114,61/114,64 EUR

SD2 09J

Delivery Hero

164,00 EUR

80,00 EUR

35,46 %

27,80 %

17.12.2021

129,22/129,32 EUR

Faktor-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

SB0 BQT

Delivery Hero

Long

2

Unbegrenzt

13,63/13,68 EUR

SB0 CHZ

Delivery Hero

Long

5

Unbegrenzt

6,24/6,30 EUR

SD2 YB5

Delivery Hero

Long

9

Unbegrenzt

0,64/0,65 EUR

SR8 VRV

Delivery Hero

Short

–2

Unbegrenzt

3,10/3,12 EUR

SD0 6M9

Delivery Hero

Short

–5

Unbegrenzt

2,19/2,21 EUR

SD2 YDM

Delivery Hero

Short

–9

Unbegrenzt

9,22/9,37 EUR

Stand: 23. März 2021; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.

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