Interview

Strategie finden, den Markt schlagen

INTERVIEW MIT BASTIAN GALUSCHKA, STELLV. CHEFREDAKTEUR GODMODETRADER

Herr Galuschka, Sie sind stellvertretender Chefredakteur des Portals GodmodeTrader und seit über 20 Jahren an der Börse aktiv. Wann und wie sind Sie zum Trading gekommen?
Ein Kollege meines Vaters steckte im Jahr 1999 zunächst ihn und dann auch mich mit dem Börsenfieber an. Bekanntermaßen war das damals eine äußerst wilde Zeit an den Börsen. Die Neue-Markt-Euphorie erreichte ihren Höhepunkt. Ich startete mit dem Handel noch als Schüler im März 1999 und es lief ein Jahr lang hervorragend. Dann folgte der Absturz der Börsen und ich traute meinen Augen kaum. Ich glaube, eine lehrreichere Zeit für den Startschuss an der Börse kann es gar nicht geben. Und natürlich prägt so etwas bis heute.

Was reizt Sie besonders am Traden und gibt es Märkte, auf die Sie sich besonders fokussieren?
Ein zentraler Faktor, der für mich den Reiz beim Trading ausmacht, ist es, Strategien zu entwickeln und Überlegungen anzustellen, mit dem Ziel, schlussendlich den Markt zu schlagen. Das bereitet mir einfach eine riesige Freude. Diese Eigenschaft begleitet mich auch im privaten Bereich. So habe ich zum Beispiel auch ein Faible für Strategiespiele. Zudem beschäftige ich mich einfach gerne mit den fundamentalen Daten der Unternehmen, in die ich investiere.

Dabei setze ich meinen Fokus stark auf Aktien und hier auf Wachstumsunternehmen und Small Caps. Interessante Wachstumswerte findet man natürlich vorrangig in den USA, die Recherche ist allerdings nicht immer ganz einfach. Durch die Jahre als Redakteur bei einem bekannten Anlegermagazin hatte ich aber auch die Gelegenheit, mich in zahlreiche deutsche Nebenwerte einzuarbeiten und mir eine große Expertise in diesem Bereich aufzubauen. Mein Ansporn ist es, auch nach über zehn Jahren Redaktionstätigkeit immer wieder interessante, möglichst noch unentdeckte Storys am Markt auszugraben.

Wie würden Sie Ihre Trading-Strategie in wenigen Sätzen beschreiben?
Ich suche als Stockpicker Aktien, die sich in der Korrektur möglichst stabil halten und bei freundlichen Märkten stärker als die Benchmark ansteigen. Ist das nicht möglich, weil der Markt starke Korrekturtendenzen aufweist und alles fällt, reduziere ich das Risiko deutlich und baue hohe Cashquoten auf. Aufs Gesamtdepot gerechnet ist es somit das Ziel, die Rückgänge möglichst klein zu halten. Das ist im Übrigen der große Vorteil von aktiven gegenüber passiven Strategien, bei denen man Rückschläge am Gesamtmarkt immer voll mitgehen müsste.

Was war der größte Fehler in Ihrer bisherigen Trading-Karriere und was haben Sie aus ihm gelernt?
Der größte Fehler war sicherlich in der Euphorie der Tech-Hausse Ende der Neunzigerjahre, ohne große eigene Recherche Internettitel wie Commerce One oder CMGI zu Mondpreisen zu kaufen, nur weil ein Anlegermagazin diese Aktien mit fünf Sternen bewertete. Ich hatte damals aber auch zugegebenermaßen keinen Schimmer von fundamentaler Aktien- oder auch Risikoanalyse. Dank der Erfahrungen aus dem Crash der Tech-Titel zur Jahrtausendwende habe ich mir eine gehörige Portion Skepsis bewahrt. Nicht hinter jeder hochgejubelten Aktie steckt auch immer etwas Handfestes.

Was muss ein erfolgreicher Trader auf jeden Fall beherrschen? Welche Eigenschaften sollte er haben?
Als Trader muss man eine für sich passende Strategie finden. Und das kann eine ganze Weile dauern und durchaus auch eine Stange Geld kosten. Wichtig: Nicht jeder Ansatz ist für jeden Typ geeignet. Ist diese Strategie schlussendlich gefunden, kommt eine zweite wichtige Komponente ins Spiel: Man muss sich an die Regeln der Strategie halten, die natürlich auch das Risiko- und Moneymanagement beinhalten. Und damit haben beim Trading sicherlich die meisten zu kämpfen.

Hatten Sie schon einmal den Wunsch, vom Trading leben zu können?
Trading ist ein Hobby von mir, kein Beruf. Man könnte es vielleicht als Berufung überschreiben. Ich arbeite seit dem Jahr 2007 hauptberuflich als Finanzredakteur und könnte mir keinen schöneren Job vorstellen. Wenn im Trading nebenbei noch ein Zusatzverdienst herausspringt, reicht mir das völlig. Man darf nicht vergessen, dass Fulltime-Trading auch ein absoluter Knochenjob sein kann. Die psychische Belastung ist immens. Daher ist die von mir gewählte Lösung für mich jedenfalls perfekt.

Haben Trader wie Sie auch einmal Urlaub und was ändern Sie dann an Ihren Positionen?
Natürlich muss auch Urlaub sein. Derzeit stellt sich das Verreisen ja sowieso schwer dar. Aber wenn es wieder möglich ist, versuche ich, vor einer Reise kurzfristige Positionen glattzustellen. Langfristige Positionen, die ich als Investor halte, bleiben dagegen unangetastet.

Bleiben wir noch kurz beim Thema Freizeit. Wodurch finden Sie einen Ausgleich zum Trading-Alltag?
Ich bin ein absoluter Familienmensch. Der Tag kann noch so aufregend verlaufen sein, wenn mich meine Frau und unsere Tochter beispielsweise am Abend begrüßen, ist meist aller Stress verflogen und ich kann entspannen.

Das Interview führte der Deutsche Derivate Verband (DDV).