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Warum der DAX noch keinen neuen Rekord aufgestellt hat

Viele werden die Nachricht wohlwollend zur Kenntnis genommen haben: Am 7. Januar 2021 erreichte der DAX das erste Mal in seiner Geschichte den Wert von 14.000 Punkten und stellte damit ein neues Allzeithoch auf. Damit folgte letztendlich auch der deutsche Aktienmarkt der Rekordjagd an den Börsen in den USA. Große Indizes wie Dow Jones, Nasdaq 100 oder S&P 500 haben bereits seit einiger Zeit immer wieder neue Rekordstände verzeichnet.

Doch das Bild trügt etwas, da der DAX anders berechnet wird als die meisten Indizes auf der Welt. Es gibt einen Unterschied, der dem DAX einen Vorteil verschafft, den die US-Konkurrenz nicht hat – Dividenden. Aktienindizes wie der DAX oder der Dow Jones bestehen aus einem Korb von Aktien. Diese Aktien schütten Dividenden aus, die dem Aktionär zugutekommen. Dabei verringert sich der Kurs einer Aktie am Tag der Dividendenzahlung rechnerisch um den Ausschüttungsbetrag. Notiert die Aktie bei 100 Euro und zahlt 10 Euro Dividende, dann liegt der Aktienkurs danach bei nur noch 90 Euro, bei sonst unveränderten Rahmenbedingungen. Genau dieser Effekt wirkt sich auch auf einen Index, wie beispielsweise den Dow Jones, aus. Der Index verliert an Wert, wenn ein Unternehmen eine Dividende ausschüttet.

US-Unternehmen zahlen in der Regel viermal im Jahr eine Dividende. Deutsche Unternehmen hingegen schütten meist nur einmal im Jahr ihre Dividende an die Anteilseigner aus. Somit ist die Dividendenzahlung deutscher Konzerne meist höher als bei den US-Instituten. Da die Unternehmen auch nicht gleichzeitig die Dividende ausschütten, verteilen sich die Ausschüttungen beim Dow Jones auf 30 Unternehmen und mehrere Tage im Quartal. Anleger sehen deshalb meist nicht, dass der Kurs des Index aufgrund einer Dividendenzahlung geringer notiert. Die Kursentwicklungen im Tagesverlauf überdecken diesen Effekt.

Doch genau in diesem Effekt zeigt sich der Unterschied zwischen dem DAX und den US-Indizes. Der deutsche Leitindex berücksichtigt im Gegensatz zum Dow Jones die gezahlten Dividenden der Unternehmen. Der DAX reinvestiert sogar 100 Prozent der Dividende und lässt mögliche Steuereffekte außen vor. Den Unterschied in der Entwicklung kann man am Kursindex des DAX ablesen. Das ist auch der DAX, allerdings ohne die Berücksichtigung von Dividenden (siehe Grafik 1). Das Modell des Kursindex entspricht viel eher dem Modell anderer großer Indizes wie dem Dow Jones oder S&P 500.

Grafik 1: Vergleich DAX als Performanceindex und als Kursindex

Beide Indizes (Performance- und Kursindex) sind am 30. Dezember 1987 bei 1.000 Punkte gestartet. Immer, wenn ein Unternehmen im DAX eine Dividende zahlte, sank der Kursindex um ein paar Punkte. Der DAX-Performanceindex hingegen reinvestierte die Dividende. Somit profitierte er doppelt. Auf der einen Seite wurde der Indexwert durch die Zahlung der Dividende nicht reduziert, und auf der anderen Seite erhöhte sich der Berechnungsanteil des Unternehmens, das Dividende gezahlt hatte. Somit profitierte der DAX-Performanceindex von zukünftigen Kurssteigerungen stärker als der DAX-Kursindex.

Heute, mehr als ein Vierteljahrhundert später, liegt der DAX-Performanceindex bei rund 14.000 Punkten. Demgegenüber notiert der DAX-Kursindex zurzeit bei nur etwa 6.000 Punkten. Der Unterschied beläuft sich mittlerweile auf 8.000 Indexpunkte. Da die Dividenden nicht auf die Seite gelegt, sondern reinvestiert werden, verändert sich der Unterschied, je nachdem, ob der DAX steigt oder fällt (siehe Grafik 2). Bei der Reinvestition der Dividende haben Anleger den Vorteil, wenn es gut läuft, sehr viel stärker von Kursgewinnen zu profitieren. Demgegenüber sinkt der Wert der reinvestierten Dividende, wenn der Index fällt. So lag der Unterschied zwischen DAX-Kursindex und Performanceindex zum Tiefpunkt im März 2020 bei nur rund 4.600 Punkten.

Grafik 2: Unterschied zwischen DAX-Performanceindex und DAX-Kursindex

Ganz egal, welche Index-Berechnungsmethode favorisiert wird, im internationalen Vergleich werden nahezu alle großen Indizes in der Form eines Kursindex berechnet. Wer heute demzufolge den Dow Jones und den DAX vergleicht, der müsste fairerweise den DAX-Kursindex heranziehen, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Nicht nur, dass der DAX-Kursindex sich nicht annähernd so gut entwickelt hat wie der Dow Jones. Der DAX-Kursindex hat sich gemessen an den Kursen rund um das Jahr 2000 nicht verändert (siehe Grafik 3). Demgegenüber konnte sich der Dow Jones fast verdreifachen. Die Berichterstattung über die 30 größten deutschen Konzerne würde vermutlich deutlich zurückhaltender ausfallen, wenn der DAX-Kursindex als Grundlage gewählt würde. Und ein neues Allzeithoch hat der DAX-Kursindex, wenn auch nur ein paar 100 Punkte fehlen, im Anschluss an die Coronakrise immer noch nicht wieder erreicht.

Grafik 3: Vergleich zwischen DAX-Kursindex und Dow Jones IA

Seit 30. Dezember 1987

Aus Handelsgesichtspunkten ist für Anleger in Deutschland jedoch weiterhin der DAX-Performanceindex entscheidend. Da sich nahezu alle Derivate an der Eurex auf den DAX-Performanceindex beziehen, werden demzufolge auch alle Zertifikate und Optionsscheine von Société Générale auf den DAX-Performanceindex angeboten.

Wie unsere aktuelle Statistik zeigt, liegt der DAX weiterhin auf Platz 1 der Beliebtheitsskala bei deutschen selbstentscheidenden Privatanlegern. Weit vorne liegt unter anderem ein Index-Zertifikat auf den DAX-Performanceindex (WKN: CJ8 M7K). Es bildet den Index nahezu eins zu eins ab. Weitere Zertifikate und Optionsscheine auf den DAX und viele weitere Indizes und Aktien finden Interessierte im Internet unter www.sg-zertifikate.de.