Exkurs

Die mRNA-Technologie hat das Potenzial die Medizin zu revolutionieren

 Die neuen „mRNA-Impfstoffe“ gelten nicht nur als ein großer Meilenstein im Kampf gegen die Corona-Pandemie - die dahinterstehende Technologie könnte sogar eine völlig neue Wirkstoffklasse begründen und die Medizin mit dieser revolutionieren. Die mRNA gilt bildlich gesprochen als eine Art „Software des Lebens“, mit der anhand von Proteinen (quasi die „Applikationen“) alles im Körper gesteuert wird (die DNA wäre dementsprechend das Speichermedium, um in dieser Analogie zu bleiben). Durch den wissenschaftlichen Fortschritt weiß man nun, wie diese Software entsprechend zu schreiben ist und in die Körperzelle eingebracht werden kann, sie lässt sich zudem vergleichsweise einfach und maßgefertigt herzustellen. Die menschliche Zelle kann somit gewissermaßen in eine miniaturisierte Wirkstofffabrik umgewandelt werden. Im Prinzip lassen sich mit mRNA alle möglichen Proteine in den Zellen der Patienten erzeugen, darunter auch Eiweißmoleküle, die mit herkömmlichen Methoden nicht produziert oder als Arzneiwirkstoffe in die Zellen gebracht werden können. Somit würden sich völlig neue Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten eröffnen. Längst arbeitet die Arzneiindustrie nicht nur an Impfstoffen gegen weitere Infektionskrankheiten wie Zika etc., sondern auch an therapeutischen Impfstoffen mit dem Ziel, das Immunsystem gegen Tumorzellen zu aktivieren. Autoimmunkrankheiten wie Rheuma, das Nervenleiden Multiple Sklerose, Erbkrankheiten oder Diabetes könnten möglicherweise in der Zukunft viel effektiver behandelt oder sogar geheilt werden. Zwar wird dies noch ein langer Weg, doch er lohnt sich. Die Zeit wird es zeigen, aber die Hoffnungen sind jüngst aus guten Gründen deutlich gestiegen. Zu Risiken und Nebenwirkungen ist derzeit nichts signifikant Nachteiliges bekannt. 

Wissenschaftler entdeckten die mRNA (englisch; messenger RNA, im Deutschen auch Boten-RNA genannt) erstmals im Jahr 1961. Etwa 30 Jahre später fanden Forscher heraus, wie man mRNA so herstellen kann, dass sie lebende Zellen anweist, bestimmte Proteine zu produzieren. Im Jahr 2005 entdeckte die ungarische Biochemikerin Katalin Karikó wie man mRNA so konfigurieren kann, dass sie an der natürlichen Abwehr des Körpers vorbeischlüpft und damit eine negative Immunreaktion verhindert. Dies ebnete nicht nur den Weg zu einer völlig neuen Art von Impfstoffen, die heute im Kampf gegen SARS-CoV-2 (Corona-Virus) zum Einsatz kommen, sondern möglicherweise wird die Medizin damit um die völlig neue Wirkstoffklasse der mRNA-basierten Medikamente erweitert. Vieles spricht dafür, dass die Technologie einen disruptiven Effekt u.a. auf Teile der Arzneimittelproduktion haben könnte, da sie neue Möglichkeiten eröffnet und dabei etablierte Verfahren verdrängt