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DAX-Reform – Was ändert sich für Anleger?

Die Deutsche Börse hat jüngst ihre Indexreform bekannt gegeben. Die offensichtlichste Änderung ist die Anzahl der enthaltenen Werte in Deutschlands wichtigstem Börsenbarometer, dem DAX. Seit der Gründung im Jahr 1988 setzt sich der Index aus den 30 größten deutschen Aktien zusammen. Doch das wird sich im September 2021 ändern. Insgesamt zehn weitere Aktien werden in den Index aufgenommen und somit wird der DAX dann 40 Mitglieder beinhalten.

Historisch betrachtet ist es nicht ungewöhnlich, dass sich die Struktur von Indizes im Laufe der Zeit ändert. So bestand zum Beispiel einer der ältesten Indizes der Welt, der Dow Jones Industrial Average, nicht immer aus 30 Aktien. Noch bis ins Jahr 1928 zählte er nur 20 Werte, bevor er auf 30 erhöht wurde.

Die Indexreform der Deutschen Börse bezieht sich aber nicht nur auf die Zusammensetzung des DAX. Neben anderen Indizes wurden ebenfalls zahlreiche Regeln angepasst (siehe Kasten). Zum Beispiel verändern sich auch die Aufnahmekriterien. Bisher wurden die Börsenumsätze und die Marktkapitalisierung betrachtet. Daraus ergab sich jeweils ein Ranking und das war die Entscheidungsgrundlage für den Auf- oder Abstieg. Bei der neuen Zusammensetzung im September 2021 gilt allerdings nur noch die Marktkapitalisierung. Vor diesem Hintergrund wäre es sogar möglich, dass Unternehmen, die bisher im DAX 30 enthalten sind, im DAX 40 keinen Platz mehr finden. Wendet man die neuen Regeln allerdings schon heute an, gibt es Entwarnung. Nach derzeitiger Lage wären alle 30 DAX-Aktien auch im DAX 40 vertreten.

Neu aufgenommen werden im September 2021 zehn Werte, die zurzeit noch im MDAX notieren. Aus jetziger Sicht würden folgende Aktien neu in den DAX 40 aufgenommen:

Quelle: Commerzbank Index Research, 7. Dezember 2020

Knapp dahinter liegen drei Kandidaten, die noch gute Chancen haben, einen der bisher führenden zehn Werte zu überholen. Momentan sind das:

Quelle: Commerzbank Index Research, 7. Dezember 2020

Insgesamt wird der DAX durch die Änderung zulasten des MDAX gestärkt. Dieser verliert rund die Hälfte seines Gewichts. Bei einem Blick auf die Indexanteile am Prime Segment (nach Börsenwert) wird deutlich, dass der DAX 40 nicht nur ein Blue-Chip-Index wird, sondern auch ein Gesamtmarkt-Index. Die Bedeutung von MDAX, SDAX und den restlichen Aktien sinkt unter 20 Prozent.

Grafik 1: Indexanteile am Prime Segment (nach Börsenwert) vor der Reform
Grafik 2: Indexanteile am Prime Segment (nach Börsenwert) nach der Reform

Viele Anleger fragen sich jetzt, wie es mit Wertpapieren weitergeht, die sich auf den DAX 30 beziehen. Zunächst kann man den Index selbst betrachten. Er wird nicht etwa steigen, wenn er zehn zusätzliche Aktien erhält. Der DAX 40 wird mit genau dem Punktestand starten, den der DAX 30 an seinem letzten Handelstag zum Schluss auf der Kurstafel an der Frankfurter Börse anzeigt. Wenn der DAX 30 an seinem letzten Tag zum Beispiel mit 13.000 Punkten aus dem Handel geht, wird der DAX 40 mathematisch genau so angepasst, dass die Summe der 40 Aktien ebenfalls 13.000 Punkte ergibt.

Somit ist auch schnell klar, dass zum Beispiel Zertifikate und Optionsscheine nicht angepasst werden müssen. Das Einzige, was sich ändern wird, ist der Basiswert. Lautete er bis zur Umstellung noch DAX 30, wird er am ersten Handelstag danach DAX 40 heißen. Alle anderen wichtigen Parameter, wie zum Beispiel die Laufzeit, der Basispreis, der Cap oder die Knock-Out-Barriere, bleiben unangetastet. Auch der Preis des Zertifikats oder Optionsscheins wird sich nur wegen der Umstellung nicht ändern. Vor diesem Hintergrund können Anleger entspannt auf die Reform des DAX blicken. Es wird alles automatisch angepasst, ohne dass Handlungsbedarf entsteht.

Bei Société Générale ist der DAX nach wie vor der beliebteste Basiswert im Zertifikatebereich. Das momentane Angebot umfasst 15.268 unterschiedliche Wertpapiere. Neben dem Klassiker, einem Index-Zertifikat, werden vor allem Discount- und Bonus-Zertifikate auf den DAX nachgefragt. Im Bereich der Hebelprodukte stehen alle wichtigen Kategorien hoch im Kurs. Dazu zählen Standard-, Turbo-, Faktor- oder Inline-Optionsscheine. Auf der Website www.sg-zertifikate.de können sich Anleger über die verschiedenen Produkttypen informieren und nach Zertifikaten oder Optionsscheinen suchen. Bei Fragen stehen die Experten aus dem Handelssaal der Société Générale in Frankfurt börsentäglich von 8.00 bis 18.00 Uhr telefonisch, per E-Mail oder per Chat zur Verfügung.

Die wesentlichen Änderungen des Indexregelwerks

Ab September 2021 wird der Leitindex DAX um zehn Werte auf insgesamt 40 Werte erweitert. Damit wird er die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Im Gegenzug verkleinert sich der MDAX auf 50 statt bisher 60 Werte.

Ab Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen.

Ab März 2021 wird es Bestandteil der Indexmethodologie, dass zukünftig alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen müssen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss.

Infolgedessen entfällt für alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes die Pflicht zur Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Notierung im Regulierten Markt ist künftig ausreichend. Diese neue Regel wird eingeführt, um dem Indexanbieter zu ermöglichen, im Falle einer Regelverletzung unabhängig und schneller reagieren zu können.

Zusätzlich müssen ab März 2021 alle Neuzugänge zur DAX-Familie den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hinsichtlich eines Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat entsprechen. Für bestehende Mitglieder gilt eine Übergangsfrist, um Kontinuität in der DAX-Familie zu bewahren; sie müssen die Vorgabe ab September 2022 erfüllen.

Ab 2021 gibt es bei den DAX-Werten zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September). Zurzeit gibt es eine derartige Überprüfung nur im September.

Um die Regeln zu vereinfachen, ohne jedoch auf Investierbarkeit zu verzichten, werden ab der Überprüfung im September 2021 Indexmitglieder nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt; stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen.

Quelle: Deutsche Börse