Titelthema

US-Energiepolitik: Alles anders mit Biden?

Am 3. November entschieden die US-Amerikaner, dass Joe Biden der 46. US-Präsident wird. Biden tritt in der Energiepolitik für einen Wechsel zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz ein. Allerdings wird die Rolle der Präsidenten beim Thema Energie häufig überschätzt, da sie für die Durchsetzung ihrer Vorstellungen eine Mehrheit im Kongress benötigen.

Zudem haben die Bundesstaaten häufig eigene, vom Präsidenten abweichende Vorstellungen. So hielt beispielsweise Kalifornien in den vergangenen vier Jahren am zuvor eingeschlagenen Weg einer umwelt- und ressourcenschonenden Energiegewinnung fest und verkündete unlängst sogar den Ausstieg aus Verbrennungsmotoren bis zum Jahr 2035. Auch die Gesetze des Marktes kann ein US-Präsident nicht außer Kraft setzen. So setzte sich der Niedergang der Kohle unter Donald Trump fort, obwohl er vor der Wahl 2016 eine Renaissance der Kohle versprochen hatte und damit einige wichtige Bundesstaaten für sich gewinnen konnte. Übergeordnete Themen wie Rezessionen, geopolitische Spannungen und Ereignisse außerhalb des Einflusses des US-Präsidenten wie der Ausbruch der Coronapandemie in diesem Jahr üben ebenfalls Einfluss auf die Energiemärkte aus. Entsprechend gemischt fällt auch die Bilanz der US-Präsidenten seit 1945 bei der Ölpreisentwicklung und der US-Ölproduktion aus. Das gängige Mantra, wonach republikanische Präsidenten am Ölmarkt »besser« ankommen und damit tendenziell für höhere Ölpreise bzw. steigende Produktion stehen als demokratische Präsidenten, bestätigt sich nicht. Der Präsident mit dem stärksten Ölpreisanstieg war zwar der Republikaner Richard Nixon. Ihm folgte aber der Demokrat Jimmy Carter (siehe Tabelle). Diese beiden Präsidentschaften waren allerdings von den schweren Ölkrisen der Siebzigerjahre gekennzeichnet. Ronald Reagan und Donald Trump, beides Republikaner, verzeichneten während ihrer Amtszeit Preisrückgänge. Vor dem coronabedingten Preisabsturz im Frühjahr hatte es bei Trump noch nach einem Preisanstieg während seiner Amtszeit ausgesehen. Beim Blick auf die Produktion zeigt sich, dass hier Trumps Vorgänger Barack Obama, nicht unbedingt ein Freund der Ölindustrie, am erfolgreichsten war, gefolgt von Trump. Ohne den Produktionseinbruch in diesem Jahr hätte Trump möglicherweise vorne gelegen. Die Produktionsrückgänge der Siebziger-, Achtziger-, Neunziger- und 2000er-Jahre wurden mit Ausnahme von Bill Clinton von republikanischen Präsidenten »verantwortet«. Dagegen kann Carter während seiner Präsidentschaft mit einem Anstieg der US-Ölproduktion aufwarten.

Ölpreis und US-Ölproduktion unter den US-Präsidenten seit 1945 (Entwicklung in gesamter Amtszeit bzw. im Jahresdurchschnitt pro Amtszeit)

Präsident

Amtszeit

Partei

Jahre

Ölpreis

Pro Jahr

Ölproduktion

Pro Jahr

Harry S. Truman

1945–1953

Demokrat

7,8

120 %

15,5 %

34,8 %

4,5 %

Dwight D. Eisenhower

1953–1961

Republikaner

8,0

3 %

0,4 %

12,5 %

1,6 %

John F. Kennedy

1961–1963

Demokrat

2,8

0 %

0,0 %

7,2 %

2,6 %

Lyndon B. Johnson

1963–1969

Demokrat

5,2

0 %

0,0 %

19,5 %

3,7 %

Richard Nixon

1969–1974

Republikaner

5,5

550 %

100,0 %

–9,0 %

–1,6 %

Gerald Ford

1974–1977

Republikaner

2,5

6 %

2,4 %

–6,0 %

–2,4 %

Jimmy Carter

1977–1981

Demokrat

4,0

178 %

44,5 %

5,7 %

1,4 %

Ronald Reagan

1981–1989

Republikaner

8,0

–59 %

–7,4 %

–5,3 %

–0,7 %

George Bush senior

1989–1993

Republikaner

4,0

12 %

3,1 %

–11,9 %

–3,0 %

Bill Clinton

1993–2001

Demokrat

8,0

25 %

3,1 %

–18,8 %

–2,4 %

George W. Bush junior

2001–2009

Republikaner

8,0

110 %

13,8 %

–14,1 %

–1,8 %

Barack Obama

2009–2017

Demokrat

8,0

31 %

3,9 %

77,0 %

9,6 %

Donald Trump

Seit 2017

Republikaner

4,0

–25 %

–6,1 %

29,4 %

7,4 %

Stand: 10. November 2020; Quelle: EIA, Bloomberg, Commerzbank Research

Unter Trump wurden die USA zum Netto-Öl- und -Gasexporteur
Die Energiepolitik während der vergangenen vier Jahre unter Trump lässt sich in folgenden Worten zusammenfassen: Energiedominanz, deutliche Bevorzugung fossiler Energieträger, insbesondere Öl und Gas, Förderung von erneuerbaren Energien nur dort, wo es ihm politisch nützlich erscheint, beispielsweise bei Biokraftstoffen. Unter Energiedominanz fällt dabei alles, was dazu beiträgt, die USA zum weltweit dominierenden Anbieter von Energierohstoffen zu machen. Blickt man auf die Zahlen, war Trumps Amtszeit diesbezüglich durchaus von Erfolg gekrönt. Im Jahr 2019 stiegen die USA zum weltgrößten Ölproduzenten auf, noch vor Russland und Saudi-Arabien. Die US-Rohölproduktion erreichte Ende 2019 ein Rekordniveau von knapp 13 Millionen Barrel pro Tag (siehe Grafik 1). Gegenüber seinem Amtsantritt im Januar 2017 bedeutet dies einen Anstieg um rund 4 Millionen Barrel pro Tag. Die von Trump initiierten Steuersenkungen, von denen auch die Öl- und Gasproduzenten profitierten, dürften den Produktionsanstieg sicherlich begünstigt haben. Wie stark der Einfluss auf die Ölproduktion tatsächlich war, lässt sich allerdings nicht beziffern. Wie bereits erwähnt, stieg die Ölproduktion schon unter Vorgänger Obama ohne derartige Unterstützung deutlich.

Grafik 1: US-Rohölproduktion schon unter Präsident Obama gestiegen

Die USA wurden durch die steigende Ölproduktion in den vergangenen Jahren auch zu einem führenden Rohöl-Exporteur. Die Rohölausfuhren erreichten dabei in der Spitze 4 Millionen Barrel pro Tag, womit die USA zwischenzeitlich sogar der weltweit drittgrößte Exporteur wurden, nur übertroffen von Saudi-Arabien und Russland. Den Grundstein hierfür legte aber Präsident Obama, der während seiner Amtszeit das zuvor bestehende Verbot von Rohölexporten aufhob. Die Importabhängigkeit der USA sank in der Folge deutlich. Die Netto-Rohölimporte fielen von rund 7 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2017 auf rund 2 Millionen Barrel pro Tag in diesem Jahr. Auch hier setzte der Rückgang schon unter Obama ein. Bezieht man die steigenden Netto-Exporte von Ölprodukten mit ein, sind die USA seit Ende 2019 sogar ein nennenswerter Netto-Ölexporteur (siehe Grafik 2). Zeitweise lagen die Netto-Exporte von Rohöl und Ölprodukten zusammengenommen bei mehr als 1,5 Millionen Barrel pro Tag, was bis vor wenigen Jahren undenkbar schien. Denn zu Beginn von Trumps Präsidentschaft lagen die Netto-Importe noch bei 4 bis 5 Millionen Barrel pro Tag.

Grafik 2: USA wurden unter Trump zum Netto-Ölexporteur

Saldo Importe und Exporte von Rohöl und Ölprodukten

Der Ölpreisabsturz im März und April und der daraufhin einsetzende scharfe Rückgang der (Schiefer-)Ölproduktion waren ein Rückschlag für Trump, da die USA daraufhin zwischen Mitte Mai und Anfang Juli wieder mehr Rohöl importierten und wegen der schwächeren Nachfrage im Ausland zudem weniger Ölprodukte exportierten. Allerdings war dies nur eine kurzzeitige Episode. Seit Mitte Juli überwiegen wieder die Netto-Ölexporte. Ende September erreichten sie sogar wieder das Niveau von April. Dabei spielte sicherlich auch eine Rolle, dass die US-Nachfrage noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau liegt, was den Importbedarf schmälert. Zudem hat sich die Ölproduktion vom Tief im Mai inzwischen wieder etwas erholt. Der deutliche Rückgang der Abhängigkeit von ausländischem Öl entlastete auch das US-Handelsbilanzdefizit. Seit Anfang 2020 ist die US-Ölhandelsbilanz durchweg positiv. Monatsdurchschnittlich wurde ein Überschuss beim Handel mit Öl von 1,6 Milliarden US-Dollar erzielt. 2008 wurde dagegen noch ein Defizit von monatlich 32 Milliarden US-Dollar verzeichnet.

Auch am Gasmarkt sind die USA inzwischen Netto-Exporteur. Schon im ersten Amtsjahr Trumps übertrafen die Gasexporte erstmals seit knapp 60 Jahren wieder die Importe. Bis Ende vergangenen Jahres wurden die Erfolge weiter ausgebaut: 2019 verbuchten die USA neue Rekorde bei Produktion, Verbrauch und Brutto-Exporten (siehe Grafik 3). Am Ende hatten vor allem steigende Flüssigerdgas(LNG)-Exporte das Exportwachstum angeschoben und die USA zum drittgrößten LNG-Exporteur der Welt aufsteigen lassen, bis dann im Frühjahr coronabedingt die Nachfrage in den Auslandsmärkten weggebrochen ist. Auch wenn es sich dabei um einen temporären Effekt handeln und auch saisonbedingt die Nachfrage wieder anziehen dürfte, wird der deutliche Einbruch der Bohrungen das Produktionswachstum in naher Zukunft begrenzen. Ohne Makel ist also auch hier die Bilanz der vier Amtsjahre nicht.

Grafik 3: USA exportierten 2019 mehr Gas als je zuvor

Renaissance der Kohle blieb Wunschdenken
»Renaissance der fossilen Energieträger« – so hatten wir vor vier Jahren das Wahlprogramm von Donald Trump zusammengefasst. Wie erging es der Kohleindustrie in den vergangenen vier Jahren? Schaut man ausschließlich auf Kohleproduktion und -beschäftigung, so war die Talfahrt in den ersten beiden Trump-Jahren tatsächlich sogar zum Stehen gekommen. Doch von einer nachhaltigen Erholung ist die Kohleindustrie weit entfernt. Im Gegenteil: 2019 setzte die Talfahrt wieder ein, sodass im vierten Quartal 2019 ein Minus von 17 Prozent verglichen mit dem Niveau drei Jahre zuvor zu Buche stand. Im ersten Quartal 2020 rutschte die Kohleförderung sogar 25 Prozent unter das Jahresschlussquartal 2016. Komplettiert wird das Bild einer weiterhin stark angeschlagenen Kohleindustrie durch zahlreiche Insolvenzen: So musste unter anderem im Herbst 2019 der größte private Kohlekonzern des Landes und ein großer Unterstützer von Donald Trump Zahlungsunfähigkeit anmelden. Größte Bremse für die Kohleindustrie bleibt, dass Kohle im US-Strommix weiter an Bedeutung verliert. Im laufenden Jahr soll die Kohlekraft laut Einschätzung der Energy Information Administration (EIA) gerade mal noch 20 Prozent des US-Strommix stemmen; die Bedeutung hat sich in den vergangenen sechs Jahren halbiert bzw. ist seit Trumps Amtsantritt um 10 Prozentpunkte gesunken (siehe Grafik 4). Mindestens 40 Kohlekraftwerke haben seither ihre Abschaltung angekündigt: Laut EIA wurden in dieser Zeit 37 Gigawatt vom Netz genommen; zum Vergleich: In den acht Amtsjahren von Präsident Obama waren es nur gut 10 Gigawatt mehr. Das günstige Gas, aber auch die von Trump kaum unterstützten erneuerbaren Energien haben Kohle in der Stromerzeugung immer weiter zurückgedrängt. Kohle ist zwar je Energieeinheit mmBtu weiterhin billiger als Gas, aber weil Gas effizienter genutzt werden kann, sind die Kosten der gasbasierten Stromerzeugung teilweise sogar niedriger als die der Kohlekraft. Die kohlebasierte Stromerzeugung fiel 2019 auf den niedrigsten Stand seit 1976. Es wurde auch infolgedessen erstmals seit 130 Jahren in den USA wieder mehr Energie aus erneuerbaren Energien gewonnen als aus Kohle. Auch im Ausland wurde zuletzt immer weniger US-Kohle abgesetzt: Der Export der Kohle wurde durch die mangelnde preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber konkurrierenden Anbietern wie Australien oder Indonesien sowie dem Umstand erschwert, dass Kohle auch in vielen anderen Ländern bei der Stromerzeugung mehr und mehr zurückgedrängt wird. Diejenigen Länder, die noch nennenswert Kohle für die Stromerzeugung benötigen, wie Indien und China, bauen diese größtenteils im eigenen Land ab oder setzen auf preisgünstigere Lieferanten. Die Kohleexporte der USA sind nach einem kleinen Boom zu Beginn von Trumps Amtszeit seit Frühjahr 2018 wieder rückläufig. Trump konnte also den strukturellen Bedeutungsverlust der Kohle nicht aufhalten.

Grafik 4: Kohle verliert im Strommix weiter an Bedeutung

Anteil der Energieträger an der US-Stromerzeugung

Biden will USA bis 2050 klimaneutral und US-Stromproduktion bis 2035 CO-frei machen
Wie sehen die energiepolitischen Pläne des designierten Präsidenten Joe Biden aus? Oberstes Ziel Bidens ist es, die USA bis 2050 klimaneutral zu machen (Netto-Emissionen von null, siehe Grafik 5). Besonders ambitioniert scheint dabei das Vorhaben, die Stromerzeugung in den USA schon ab 2035 ohne jeglichen CO₂-Ausstoß zu bewerkstelligen. Dafür sollen allein in den nächsten fünf Jahren 500 Millionen Solarmodule und 60.000 Windturbinen installiert werden. Kohlekraft hätte dann sogar schneller ausgedient als in Deutschland. Auch wenn Kohlendioxid-Abspaltung und -Speicherung Teil des Plans sind, könnte dies selbst die künftige Rolle von Erdgas im US-Strommix infrage stellen, das derzeit immerhin einen Anteil von 40 Prozent bei der Stromerzeugung stellt. Gleichzeitig müsste die Atomenergie eine weiterhin wichtige Rolle spielen (zurzeit ca. 20 Prozent Anteil an der Stromerzeugung), wobei demnächst viele ältere Reaktoren vom Netz gehen werden, was die Bedeutung der Atomkraft ohne den Bau neuer Reaktoren mindern würde. Dass es Biden mit seinen energiepolitischen Plänen durchaus ernst meint, zeigt das geplante Investitionsvolumen von 2 Billionen US-Dollar, das in seiner ersten Amtszeit für eine klimafreundliche Energiepolitik vorgesehen ist. Zum Vergleich: Vor einem Jahr wollte Biden für diese Zwecke weniger Geld über einen längeren Zeitraum ausgeben. Vor acht Jahren, als Obamas Vizepräsident, sollten über zehn Jahre 150 Milliarden US-Dollar für klimafreundliche Investitionen ausgegeben werden. Zudem will Biden den von Trump erklärten Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen wieder rückgängig machen.

Grafik 5: Biden plant die klimaneutrale US-Wirtschaft

CO₂-Emissionen der USA; gestrichelte Linie: indikativer Reduktionsplan Bidens

Forcierung von Elektromobilität und Kraftstoffeffizienz
Im Rahmen seiner Pläne für eine saubere Energie will Biden neben der Wiederanhebung der Kraftstoffverbrauchsstandards im Transportwesen die Elektromobilität direkt fördern. Als Impuls soll beispielsweise die Fahrzeugflotte öffentlicher Behörden sauberer werden und drei Millionen in den USA gefertigte »saubere« Fahrzeuge sollen angeschafft werden. Um die Infrastruktur für Elektromobilität auszubauen, sollen 500.000 Ladestationen errichtet werden. Zudem sollen durch Beibehaltung bzw. Ausweitung von Steuergutschriften Anreize gesetzt werden, ältere Fahrzeuge mit höherem Verbrauch durch neue Elektroautos zu ersetzen. Insgesamt sollen so in der Autoindustrie, bei ihren Zulieferern und der entsprechenden Infrastruktur eine Million neue Jobs entstehen.

Keine Genehmigungen für neue Öl- und Gasbohrungen auf bundeseigenem Territorium
Ein generelles Frackingverbot soll es unter Biden zwar nicht geben. Dies hatte beispielsweise der unterlegene Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders gefordert. Allerdings will Biden die Genehmigung von neuen Öl- und Gasbohrungen auf bundeseigenem Land bzw. in Gewässern verbieten, was im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen bereits zu einem starken Anstieg von (genehmigten) Bohranträgen für derartige Gebiete geführt hat. Im größten US-Schieferölvorkommen Permian Basin wurden bis Ende August innerhalb von drei Monaten laut Daten des auf die Öl- und Gasindustrie spezialisierten Daten- und Softwareanbieters Enverus 80 Prozent mehr entsprechende Bohrgenehmigungen erteilt als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Im Zeitraum von Jahresbeginn bis Ende August waren es fast schon genauso viele wie im gesamten Jahr 2019. Nahezu gleichzeitig fiel die Bohraktivität in den USA auf ein Rekordtief. Die Anträge wurden also offensichtlich als Vorsichtsmaßnahme im Fall eines späteren Verbots gestellt. Dafür spricht auch, dass etwa 85 Prozent der in diesem Jahr erteilten Bohrgenehmigungen dem Energieberatungsunternehmen Rystad Energy zufolge Liegenschaften im Bundeseigentum betraf. Dagegen wurde ein Rückgang bei den Bohrgenehmigungen auf Privatbesitz oder im Besitz von Bundesstaaten verzeichnet. Denn hier drohen nach der Wahl keine derartigen Einschränkungen. Die demokratische Gouverneurin von New Mexico will im Fall der Fälle um Ausnahmen von einem möglichen Verbot von Bohrgenehmigungen auf bundeseigenen Flächen ersuchen. Denn 65 Prozent der Ölbohrungen in diesem Bundesstaat befinden sich auf Bundeseigentum. Das von Biden angestrebte Verbot trifft also nicht auf uneingeschränkte Zustimmung in seiner eigenen Partei.

Ebenfalls betroffen von einem derartigen Verbot wäre die US-Ölproduktion im Golf von Mexiko und in Alaska. Rystad Energy schätzt, dass die auf Bundeseigentum befindlichen wirtschaftlich abbaubaren Ölreserven in diesen beiden Regionen 42,4 Milliarden Barrel betragen, von denen 6,4 Milliarden Barrel in bereits produzierenden Feldern liegen. Je nachdem, wie restriktiv das Verbot von Ölbohrungen bzw. Produktion ausgelegt wird, könnten laut Rystad Energy zwischen 16,2 Milliarden Barrel und die gesamte Menge nicht mehr für die Produktion zur Verfügung stehen. Im Falle eines Frackingverbots lediglich auf bundeseigenen Gebieten rechnet Rystad Energy auf mittlere Sicht dennoch nicht mit nennenswerten Auswirkungen auf die Öl- und Gasproduktion in den USA insgesamt. Anders sähe es bei einem umfassenden Frackingverbot aus. Dann wäre mit einem rapiden Rückgang der Produktion von leichtem Schieferöl von gut 7 Millionen Barrel pro Tag am Jahresende auf weniger als 3 Millionen Barrel pro Tag Ende 2023 zu rechnen. Die Produktion von Schiefergas und Begleitgas würde laut Rystad Energy im selben Zeitraum von 78 Milliarden auf 40 Milliarden Kubikfuß pro Tag sinken. Die erst vor kurzem errungene Position der USA als Netto-Öl- und -Gasexporteur wäre dann wohl bereits wieder Geschichte.

Höhere Steuern, mehr Regulierung, keine neuen Pipelines
Auch aus einem anderen Grund könnte die Ölproduktion unter Biden Gegenwind erfahren. Denn Biden will zur Finanzierung seiner Vorhaben die Unternehmenssteuern erhöhen, was die Ölunternehmen zusätzlich belasten würde. Schon der Ölpreiseinbruch hat die Branche schwer getroffen und zu zahlreichen Insolvenzen und Übernahmen geführt. Insbesondere Frackingunternehmen mit wenig Kapitalpuffer könnten dann in neue finanzielle Schwierigkeiten geraten und aus dem Markt ausscheiden. Inwieweit sich dies dämpfend auf die US-Ölproduktion auswirkt, dürfte wesentlich vom Ölpreisniveau abhängen. Die Aussichten zu Nachfrage und Angebot lassen hier aber keine größeren Sprünge erwarten. Auch den Raffinerien und Pipelinebetreibern dürfte unter Biden wegen strengerer Umweltauflagen und Regulierung der Wind stärker ins Gesicht wehen. Die Raffinerien leiden schon jetzt an niedrigen Verarbeitungsmargen und einer schwachen Nachfrage. Der ohnehin stockende Bau neuer Pipelines dürfte bei einem Präsidenten Biden noch schwerer werden. Der seit Jahren durch Umweltverbände und Gerichtsurteile ausgesetzte Bau der Keystone-XL-Pipeline wäre vermutlich vollends vom Tisch.

Biden würde vieles anders machen als Trump, aber nicht alles
Was würde Biden sonst noch anders machen als Trump? In einer Stellungnahme Ende August sprach sich Joe Biden eindeutig für die Förderung und den Ausbau von Biokraftstoffen wie Ethanol aus. Er würdigte dabei die entscheidende Rolle der Biokraftstoff-Industrie bei der Unterstützung der ländlichen Wirtschaft und die führende Rolle, die die amerikanische Landwirtschaft im Kampf gegen den Klimawandel spielen wird. Biden kritisierte dabei auch die schwankende Position von Trump, der häufig zwischen den Interessen der Agrarlobby und der Öllobby lavierte. In dieser Frage ist Biden also deutlich stärker als Trump aufseiten der Biokraftstoffproduzenten und Landwirte, die eigentlich eine Kernwählerklientel von Trump gewesen sind.

Eine Richtungsänderung könnte es bei internationalen Abkommen geben. Wie bereits erwähnt, dürften die USA in das Pariser Klimaabkommen zurückkehren, aus dem sie einen Tag nach der Wahl offiziell ausgetreten waren. Gleiches wäre auch für das Internationale Atomabkommen mit dem Iran vorstellbar. Schließlich war Biden als Vizepräsident ein hochrangiger Vertreter der Obama-Regierung, die das Atomabkommen mit ausgehandelt hatte. Sollten in diesem Fall auch die US-Sanktionen gegen den Iran gelockert werden und der Iran daraufhin seine Ölproduktion erhöhen, würde das im gegenwärtigen Marktumfeld zu einem Überangebot am Ölmarkt führen und die Ölpreise belasten. Ähnliches war auch Anfang 2016 zu beobachten, als Obama die Iran-Sanktionen nach der Unterzeichnung des Atomabkommens aufhob.

Wenig Hoffnungen sollte man sich dagegen auf eine Annäherung beim Handelskonflikt mit China machen. Auch die Demokraten sehen in China einen Konkurrenten für die Vormachtstellung der USA in der Welt, den es einzudämmen gilt. Zudem gelten die Demokraten als grundsätzlich protektionistischer als die Republikaner. Am Ton gegenüber China könnte sich möglicherweise bei einer von Biden angeführten Regierung etwas ändern, an der Handelspolitik dagegen vermutlich wenig. Gleiches gilt auch für das europäisch-russische Pipelineprojekt Nord Stream 2. Dieses sehen die Demokraten im US-Kongress genauso kritisch wie die Republikaner. Nicht von ungefähr stimmten Abgeordnete beider Parteien im US-Kongress für die verschiedenen Sanktionsgesetze gegen Nord Stream 2. Dies gilt erst recht vor dem Hintergrund, dass die Demokraten Russland für die Wahlniederlage Hillary Clintons gegen Trump vor vier Jahren mitverantwortlich machen.

Differenzierter Preisausblick für die Zeit nach den Wahlen
Bidens Pläne sollten die Ölpreise eher langfristig belasten, da sich die Nachfrageperspektiven aufgrund der energiepolitischen Agenda in den kommenden Jahren verschlechtern dürften. Allerdings steht Biden vor dem Problem, dass er für die vollständige Umsetzung seiner Pläne die Zustimmung im Kongress benötigt. Hierfür müssten die Demokraten nach der Stichwahl Anfang Januar die Mehrheit im Senat erlangen, was eher unwahrscheinlich ist. Zudem stoßen seine Vorhaben auch in der eigenen Partei nicht auf ungeteilte Zustimmung. Die ölpreisbelastenden Auswirkungen von Bidens Energiepolitik auf der Nachfrageseite könnten in der kurzen Frist durch die Erwartung einer sinkenden US-Ölproduktion wegen des möglichen Verbots von Ölbohrungen, höherer Steuern und mehr Regulierung abgefedert werden, sodass wir zunächst nicht mit einer negativen Preisreaktion rechnen. Dies würde sich allerdings ändern, sollte Biden tatsächlich die Sanktionen gegen den Iran lockern. Der US-Gaspreis, der trotz zunehmender Bedeutung des Exportgeschäfts noch immer primär vom heimischen Angebot und der Nachfrage abhängig ist, dürfte vom Wahlsieg Bidens mittelfristig eher profitieren. Wie bei Öl dürften höhere Steuern und strengere Bohrauflagen die Produktion tendenziell bremsen, während ein forcierter Ausstieg aus der Kohlekraft die Gasnachfrage der Stromerzeuger weiter anschieben sollte. Und Verlierer aus eben diesem Grund ist Kohle.

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WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU0 L1S

Brent-Öl-Future

1:1

Nein

34,38/34,39 EUR

CU0 L1R

Brent-Öl-Future

1:1

Ja

40,75/40,77 EUR

SB5 KF5

WTI-Öl-Future

1:1

Nein

34,93/34,94 EUR

SB5 KF6

WTI -Öl-Future

1:1

Ja

41,34/41,36 EUR

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

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Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Quanto

Geld-/Briefkurs

SD0 J4E

Brent-Öl-Future

38,00 USD

22,77 %

8,17 %

26.10.2021

Nein

29,74/29,81 EUR

SD0 J40

Brent-Öl-Future

38,00 USD

22,16 %

7,26 %

26.10.2021

Ja

35,46/35,54 EUR

SD0 J56

WTI-Öl-Future

36,00 USD

23,30 %

8,07 %

16.11.2021

Nein

28,04/28,11 EUR

SD0 J5L

WTI-Öl-Future

36,00 USD

22,61 %

7,16 %

16.11.2021

Ja

33,49/33,57 EUR

Unlimited Turbo-Optionsscheine mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Quanto

Geld-/Briefkurs

SD0 2ZL

Brent-Öl-Future

Call

37,1169/38,1700 USD

6,1

Nein

6,20/6,21 EUR

CL9 HSG

Brent-Öl-Future

Put

50,6464/49,1000 USD

7,0

Nein

5,38/5,39 EUR

SD0 3VV

Brent-Öl-Future

Call

36,8455/37,8800 USD

5,8

Ja

7,61/7,63 EUR

CL9 7W6

Brent-Öl-Future

Put

50,6477/49,1000 USD

7,0

Ja

6,36/6,38 EUR

SD0 31L

WTI-Öl-Future

Call

35,4901/36,4900 USD

6,5

Nein

5,46/5,47 EUR

CL9 HSM

WTI-Öl-Future

Put

48,2895/46,8200 USD

6,4

Nein

5,52/5,53 EUR

SD0 2XQ

WTI-Öl-Future

Call

35,6577/36,6500 USD

6,7

Ja

6,23/6,25 EUR

CL7 MRV

WTI-Öl-Future

Put

48,2087/46,7500 USD

6,5

Ja

6,44/6,46 EUR

SB5 HVG

Natural Gas Future

Call

2,2904/2,3850 USD

6,5

Nein

0,34/0,35 EUR

SD1 GRJ

Natural Gas Future

Put

3,1097/2,9800 USD

5,8

Nein

0,38/0,39 EUR

Stand: 19. November 2020; Quelle: Société Générale

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