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IndexSzenario: DAX 40 statt eines neuen DAX 30?

Die Deutsche Börse denkt über eine Indexreform ihrer Auswahlindizes nach, das heißt von DAX, MDAX, SDAX und TecDAX. Hierbei stehen neun zentrale Reformvorschläge im Fokus. Ob und in welcher Form genau die Indexregeln geändert werden sollen, berät die Deutsche Börse zurzeit in einer Marktkonsultation, die noch bis zum 4. November 2020 läuft.

Grafik 1: Indexanteile im Prime Segment

Derzeitige Zusammensetzung versus neuer DAX 30 zu neuem DAX 40 (jeweils inklusive Airbus)

Im Jahr 2021 sollte es dann zur Implementierung des neuen Indexsystems kommen. Als Termine bieten sich die Quartalsanpassungen (zum Beispiel im März 2021 oder im September 2021) an. Das größte Medienecho hat dabei der Vorschlag bekommen, den DAX von 30 auf 40 Werte auszuweiten und gleichzeitig den MDAX von 60 auf 50 Unternehmen zu reduzieren. Eine Detailanalyse zeigt jedoch, dass auch die anderen Reformvorschläge deutliche Auswirkungen auf die deutsche Indexlandschaft hätten und indextechnisch sinnvoller erscheinen.

Die Deutsche Börse schlägt unter anderem folgende zentrale Reformpunkte vor:
1) Notierung im regulierten Markt ausreichend für eine Indexaufnahme (Prime Standard nicht mehr erforderlich)
2) Einführung der Anforderung zur Vorlage eines testierten Jahresberichts mit Fast Exit bei Nichterfüllung
3) Einführung der Anforderung der vierteljährlichen Zwischenberichterstattung mit Fast Exit bei Nichterfüllung
4) Einführung der Anforderung, dass der Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat existiert und personell besetzt ist
5) Einführung der Profitabilitätsanforderung
6) Einführung des Ausschlusses der Beteiligung an umstrittenen Waffen (controversial weapons)
7) Streichung des Rangs Börsenumsatz als Selektionskriterium unter Hinzunahme einer Mindestliquidität
8) Optimale Anzahl Indexkonstituenten für den DAX, gegebenenfalls Erweiterung des DAX auf 40 und Reduzierung des MDAX auf 50 Titel
9) Einführung der regelmäßigen DAX-Überprüfung im März

Im ersten Moment mögen die Vorschläge für »Nicht-Index-Experten« kompliziert klingen. Ihre Kerngedanken sind jedoch einfach zu erklären.

Der erste Vorschlag (Abschaffung des Prime Standards als notwendige Bedingung für die Mitgliedschaft in DAX, MDAX, SDAX und TecDAX) würde es für Unternehmen deutlich einfacher machen, in die Auswahlindizes aufgenommen zu werden. Damit die Qualitätsstandards dadurch jedoch nicht zu stark gesenkt würden, werden in den Punkten 2 bis 4 wichtige Qualitätskriterien nochmals einzeln abgefragt. Aus indextechnischer Perspektive sollte unabhängig von der exakten Ausgestaltung der Punkte 1 bis 4 damit zu rechnen sein, dass alle Unternehmen diese Standards in Zukunft erfüllen können.

Punkt 5 (Profitabilitätsanforderung) wäre ein neuer Qualitätsstandard mit Blick auf die ökonomische Beurteilung der Unternehmensqualität. Die Sinnhaftigkeit dieser Regel wird bereits stark unter Marktteilnehmern diskutiert (Wie misst man Profitabilität? Was bedeutet dies für Start-ups? Ist zum Beispiel die bisherige Nicht-Indexaufnahme von Tesla in den S&P 500 (Index mit Profitabilitätskriterium) nicht ein negatives Beispiel für diese Regel?). Es bleibt daher abzuwarten, ob die Regel überhaupt eingeführt wird.

Punkt 6 greift einen »ethischen Aspekt« auf: Unternehmen, die sich unter anderem an der Produktion von Antipersonenminen, biologischen und chemischen Waffen, Streuwaffen, angereichertem Uran, Atomwaffen und Waffen mit weißem Phosphor beteiligen, könnten deshalb aus den Auswahlindizes verbannt werden. Ein externer Research-Provider würde die Unternehmen dahingehend regelmäßig prüfen. Mit Blick auf DAX und MDAX könnte dies gegebenenfalls den Ausschluss von Airbus nach sich ziehen.

Die Änderungen aus Punkt 7 (Liquiditätsregel) und Punkt 8 (Erweiterung des DAX auf 40 Titel) würden die Indexlandschaft der Deutschen Börse nachhaltig ändern. Und die Einführung einer zusätzlichen regulären Überprüfung im März würde für eine flexiblere Indexanpassung im DAX sorgen und die Überprüfungstermine des DAX mit den Terminen der übrigen Auswahlindizes angleichen.

Bei Anwendung der vorgeschlagenen neuen Regeln aus Punkt 7 und unter der Annahme, dass Airbus weiterhin für die Auswahlindizes zur Verfügung steht, deuten sich auf Basis aktueller Daten drei Wechsel für den neuen DAX 30 an. Neu aufgenommen würden Airbus, Symrise und Zalando. Demgegenüber sollten auf Basis der neuen Regeln MTU, Covestro und HeidelbergCement in den MDAX 60 wechseln. Es ist zu berücksichtigen, dass es durch die Kursentwicklung sowie durch Änderungen in den Aktienanzahlen und/oder der Free-Float-Faktoren bei den einzelnen Titeln bis zur Entscheidung über die Zusammensetzung des neuen DAX 30 zu mehr oder weniger Wechseln bzw. auch zu anderen Titeln kommen kann. Die Bedeutung des DAX 30 – gemessen am Anteil des deutschen Prime Segments – würde von 74,6 Prozent auf 76,7 Prozent ansteigen. Die Reform der Liquiditätsregel würde das Indexsystem der Deutschen Börse an internationale Standards angleichen und ist daher zu begrüßen.

Tabelle 1: Bei einer Ausweitung des DAX auf 40 Titel könnten folgende Titel in den Index aufsteigen

Erweiterter Rang

DAX 40-Titel

Erweiterter Rang

DAX 40-Titel

11

Airbus

31

Qiagen

23

Symrise

34

Siemens Healthineers

28

Zalando

35

Brenntag

29

Sartorius Vz.

36

LEG Immobilien

30

Siemens Energy

37

Hannover Rück

Stand: Oktober 2020; Quelle: Commerzbank Index Research

Während die Anzahl der Titel im Index um 33 Prozent (von 30 auf 40) stiege, würde die Free-Float-Marktkapitalisierung nur um ca. 10 Prozent ansteigen. Gleichzeitig würde die Dominanz des DAX für den deutschen Aktienmarkt deutlich zunehmen (Prime-Standard-Anteil des DAX steigt in dem Fall von 74,6 Prozent auf 83,0 Prozent), wobei die Free-Float-Marktkapitalisierung des kleinsten Titels im neuen DAX 40 bei nur ca. 8 Milliarden Euro liegen würde. Als Konsequenz hätte der DAX eher den Charakter eines Gesamtmarktindex und nicht mehr den eines Blue-Chip-Index, zumal einige Titel im internationalen Vergleich den Charakter von Mid-Caps hätten. Gleichzeitig würde die Bedeutung des MDAX (der von 60 auf 50 Titel schrumpft) deutlich reduziert.

Beim vorgeschlagenen Indexszenario eines DAX 40 überwiegen die indextechnischen Nachteile gegenüber einem neuen DAX 30 (mit oder ohne Airbus). Die Indexqualität eines DAX 40 (zum Beispiel Repräsentanz, Investierbarkeit, Eignung als Underlying für Derivate) wäre gegenüber dem derzeitigen DAX 30 und einem neuen DAX 30 kaum erhöht. Gleichzeitig würde nach 25 Jahren die Erfolgsstory des MDAX mit einer Verzwergung zurückgedreht. Als Konsequenz wäre der neue MDAX 50 der große »Reformverlierer«. Das Interesse am MDAX 50 und seine »Handelbarkeit« dürften durch die Abgabe von zehn großen liquiden Titeln an den DAX 40 stark abfallen.

Hinweis
Offenlegung möglicher Interessenkonflikte:
4. Die Commerzbank AG agiert für Siemens Energy AG, Symrise AG als Designated Sponsor, Broker und/oder Berater.
7. Die Commerzbank AG hat innerhalb der letzten zwölf Monate als Manager oder Co-Manager für Covestro AG, Siemens Energy AG, Hannover Rueck SE, LEG Immobilien AG, MTU Aero Engines AG, Symrise AG eine Emission von Finanzinstrumenten durchgeführt.
8. Die Commerzbank AG hat innerhalb der letzten zwölf Monate Investmentbanking-Dienstleistungen für Covestro AG, Siemens Energy AG; Hannover Rueck SE, LEG Immobilien AG, MTU Aero Engines AG, Symrise AG erbracht oder vereinbart, solche zu erbringen, für die sie Einkünfte erhalten hat bzw. wird.
12. Die Commerzbank AG ist Market Maker in den Finanzinstrumenten von Symrise AG.
13. Der bzw. die Ersteller oder ansonsten an der Erstellung mitwirkende Personen halten selbst Positionen in Airbus SE, HeidelbergCement AG, MTU Aero Engines AG.
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Stand: 23. Oktober 2020; Quelle: Société Générale

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