Märkte

Eine Art »Amazon« unter den Laborausstattern

Thermo Fisher ist der weltweit führende Laborausstatter. Der Produktkatalog des Konzerns ist das Referenzwerk für die Branche bzw. seine Kunden; der Konzern gilt als eine Art Amazon unter anderem für die Kunden aus dem Forschungsbereich. Das operative Geschäft weist ein solides und relativ stetiges Wachstum auf, die Aktie kann seit vielen Jahren den S&P 500-Index outperformen. Wir sehen den Titel grundsätzlich sehr positiv, wegen des extremen Kursanstiegs wächst jedoch das temporäre Rückschlagrisiko.

Geschäftsbereiche bilden gut diversifiziertes Portfolio
Thermo Fisher ist in vier Geschäftsbereiche gegliedert. Rund 40 Prozent des Umsatzes entfallen auf Laboratory Products and Services. Unter anderem bietet das Unternehmen hier eine Basisausrüstung für Labore an. Vertrieben werden Equipment (zum Beispiel Kühlschränke und Filtersysteme), Verbrauchsgüter (zum Beispiel Kolben und Objektträger) und Chemikalien (zum Beispiel Lösungsmittel und Reagenzien).

Wachsende Bedeutung kommt der Entwicklung und Produktion von Arzneien im Auftrag von Kunden aus der Pharmabranche zu, da sie dies zunehmend ausgliedern. Der größte Anteil des Umsatzes in diesem Bereich entfällt jedoch auf den Vertrieb von weit über hunderttausend Produkten, die über eine effiziente Lieferkette dem Kunden in kürzester Zeit zur Verfügung gestellt werden können. Darüber hinaus werden verschiedene Serviceleistungen angeboten, wie zum Beispiel die Pflege/Wartung von Geräten. Die operative Marge in diesem Geschäftsbereich liegt bei 12,5 Prozent.

Life Science Solutions zeichnet sich für ein Viertel des Umsatzes verantwortlich und ist mit einer operativen Marge von ca. 34,5 Prozent der margenstärkste Geschäftsbereich. Hier werden Instrumente sowie größtenteils Reagenzien und andere Verbrauchsgüter angeboten. Abnehmer sind vorwiegend Forschungseinrichtungen in den Bereichen Biowissenschaften (Erforschung von Prozessen und Strukturen von Lebewesen, umfasst neben der Biologie zum Beispiel Bereiche der Medizin, Pharmazie, Chemie und Bioinformatik), Genforschung und Bioproduktion.

Auch die Genom-Editierung (Techniken zur zielgerichteten Veränderung der DNA) basierend auf CRISPR/Cas (»Genschere«) gehört zum Angebot des Unternehmens. Große Chancen sieht das Unternehmen für diese Sparte auch in den Wachstumsmärkten China, Indien und Korea.

Der Bereich Analytical Instruments trägt zu rund 21 Prozent zum Umsatz bei und weist eine operative Marge von 22,8 Prozent auf. Einen Großteil des Budgets für Forschung und Entwicklung investiert das Unternehmen in diesen Bereich. Hergestellt und vertrieben werden hauptsächlich Instrumente wie Massenspektrometer (Instrument zur Analyse der durch Strahlung hervorgerufenen Spektren zur Bestimmung der chemischen Zusammensetzung eines Stoffes) oder Chromatographen (Instrumente zur Identifikation und quantitativen Messung von Substanzen durch Auftrennung von Stoffgemischen). Fast die Hälfte des Umsatzes erzielt das Unternehmen auf stark wachsenden Märkten in Schwellenländern.

Specialty Diagnostics erzielt rund 14 Prozent des Gesamtumsatzes und ist somit der kleinste Geschäftsbereich gemessen am Umsatz. Die operative Marge liegt bei 25,6 Prozent. Zurzeit stammen rund 60 Prozent der Einnahmen aus den USA, wobei sich das Unternehmen besonders in den Schwellenländern weitere Wachstumschancen verspricht. Die Sparte konzentriert sich auf kleinere Nischenmärkte, in denen das Unternehmen überwiegend Verbrauchsgüter absetzt, die in der Diagnostik Anwendung finden.

Grafik 1: Wertentwicklung der Thermo Fisher-Aktie

Stabile Absatzmärkte
In den vergangenen Jahren entwickelte sich Pharma & Biotech zum wichtigsten Absatzmarkt des Unternehmens. Inzwischen werden 40 Prozent des Umsatzes dort generiert. Auf den Märkten »Diagnostics & Healthcare«, »Industrial & Applied« und »Academic & Government« werden jeweils 20 Prozent abgesetzt. Betrachtet man den Absatz der angebotenen Produkte und Dienstleistungen, entfällt mehr als die Hälfte des Umsatzes auf Verbrauchsgüter und knapp ein Viertel auf Serviceleistungen.

Im Gegensatz zum Verkauf von Instrumenten, die den restlichen Umsatz generieren, werden diese Leistungen in regelmäßigen Abständen nachgefragt und bilden somit ein beständiges Absatzvolumen. Das Unternehmen ist weltweit tätig und produziert in über 25 Ländern. Die Hälfte der Einnahmen stammt aus den USA, ein Viertel aus Europa, der Rest aus den Schwellenländern. In den vergangenen sieben Jahren konnte das Unternehmen den Absatz in China mehr als verdoppeln, sodass China nach den USA zum mittlerweile zweitwichtigsten Absatzmarkt wurde. Für China wird ein weiterhin großes Wachstumspotenzial gesehen.

Starkes Wachstum
Der jährliche Umsatz liegt derzeit bei rund 25 Milliarden US-Dollar. In den Jahren von 2014 bis 2019 steigerte Thermo Fisher Scientific im Durchschnitt den Umsatz um beachtliche 9 Prozent pro Jahr. Gestärkt wurde das Wachstum durch diverse Übernahmen. Doch auch das organische Wachstum fiel stark aus. Das Unternehmen strebt ein langfristiges Umsatzwachstum von 5 bis 7 Prozent an, während damit gerechnet wird, dass der Markt »lediglich« mit 3 bis 5 Prozent jährlich zulegt.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung steigerte das Unternehmen fortwährend auf momentan 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr. Ziel des Unternehmens ist es, die operative Konzern-Marge, die zuletzt bei 22,7 Prozent lag, im Schnitt um 0,5 Prozent p.a. zu verbessern. Dabei wirkt der steigende Umsatz als Hebel, um Kosten- und Preisvorteile weiter auszunutzen. Zusätzlich profitierte das Unternehmen in der Vergangenheit signifikant von der stetigen Optimierung der Geschäftsprozesse, die durch konsequente Anwendung des unternehmenseigenen PPI-Prozesses (»Practical Process Improvement«) erfolgen. PPI erstreckt sich auf alle Tätigkeitsfelder und wird vermehrt auch in Verbindung mit Data Science genutzt.

Beispielsweise dauert die Durchführung klinischer Studien sowie die Registrierungs- und Zulassungsphase für gewöhnlich viele Jahre. Durch das PPI konnte ein standardisierter und stetig optimierter Prozess eingeführt werden, der im Schnitt die Zeit, bis ein Produkt auf den Markt gelangt, bereits um 20 Prozent verringert hat.

Strategische Übernahmen
Thermo Fisher Scientific setzt nicht nur auf organisches Wachstum, sondern wächst auch durch eine Vielzahl an strategischen Übernahmen. Die Entstehung der heutigen Produktpalette ist selbst  ein Produkt diverser Übernahmen und Zusammenschlüsse. In den vergangenen drei Jahren gab das Unternehmen mehr als 12 Milliarden US-Dollar für Übernahmen aus.

In den kommenden Jahren wird angestrebt, einen hohen Prozentsatz des verfügbaren Kapitals in weitere Übernahmen zu stecken, der restliche Anteil soll vorwiegend in Aktienrückkäufe fließen. Das Unternehmen selbst prognostiziert den gesamten Kapitaleinsatz für 2020 bis 2022 auf 29 Milliarden US-Dollar. Neben Thermo Fisher Scientific und einigen wenigen großen Konkurrenten sind viele Absatzmärkte stark fragmentiert, sodass Zukäufe relativ leichtfallen. Bei den Akquisitionen verfügt das Unternehmen über einen hervorragenden Track Rekord. Derzeit versucht der Konzern, Qiagen zu übernehmen, die strategisch hervorragend zu Thermo Fisher passen.

Starke Marktposition
Thermo Fisher verfügt über eine sehr starke Marktposition; der Konzern gilt als eine Art Amazon unter anderem für Kunden aus dem Forschungsbereich. Die Bedrohung durch neue Wettbewerber ist relativ gering, weil unter anderem die Markteintrittsbarrieren recht hoch sind (ein umfangreiches Service- und Logistiknetz ist notwendig, Medizintechnikprodukte müssen ebenfalls von den Gesundheitsbehörden genehmigt werden etc.). Da die Abnehmer der Produkte auf eine perfekte Produkt- und Lieferqualität angewiesen sind, wofür Thermo Fisher zweifellos steht, stufen wir auch die Substitutionsgefahr als vergleichsweise gering ein.

Die Kundenbasis ist extrem breit und kein einzelner Kunde hat einen prozentual nennenswerten Anteil am Umsatz und Ergebnis des Konzerns. Dies spricht für eine verhältnismäßig hohe Preissetzungsmacht der Unternehmen in dieser Branche im Allgemeinen und bei Thermo Fisher aufgrund seiner dominanten Marktposition im Besonderen.

Finanzen
Die Verschuldungssituation bewegt sich im Rahmen. Die Ratingagentur S&P stuft die langfristige Bonität des Medizintechnikunternehmens seit dem 1. Mai 2018 dennoch nur mit BBB+ ein, der Ausblick lautet »stabil«. Somit gelten Anleihen des Unternehmens zwar als »sichere Anlage«, man befindet sich jedoch damit im sogenannten »lower medium grade«.

Die Mehrheit der Medizintechnikkonzerne in den USA wird bezüglich ihrer Bonität mit »BBB« eingestuft, Thermo Fisher liegt somit eine Stufe darüber. Der Laborausrüster hat von der Ratingeinstufung her unserer Einschätzung nach durchaus Luft nach oben. Die Rentabilität ist überdurchschnittlich. Die Unternehmenskommunikation gegenüber dem Finanzmarkt gilt als vergleichsweise klar und transparent.

Coronapandemie führt zu starker Nachfrage nach Produkten des Konzerns
Der Konzern ermöglicht durch seine Instrumente, Verbrauchsmaterialien etc. überhaupt erst in vielen Bereichen die Forschung am SARS-CoV-2-Virus, an potenziellen Therapieansätzen hierzu sowie der entsprechenden Impfstoffentwicklung. Zudem haben die Amerikaner ein Testverfahren auf Corona-Antikörper entwickelt, das bereits breite Anwendung findet. Insofern erachten wir Thermo als relativ resilient bezüglich des Coronavirus.

Bewertung
Die Bewertungsrelationen in der Medizintechnikbranche bewegen sich seit geraumer Zeit oberhalb des Durchschnitts des Healthcare-Sektors. Begründet wird dies unter anderem mit den relativ stabilen Cashflows, da die Geschäftsmodelle recht wenig mit der Konjunkturentwicklung korrelieren und auch nicht so stark im Fokus der Regulierungsbehörden stehen wie beispielsweise der Pharmabereich. Innerhalb der Branche bewegen sich viele Bewertungskennziffern von Thermo Fisher um den Durchschnitt herum. Die Dividendenrendite ist jedoch bescheiden. Eine wesentliche Anhebung der Ausschüttungen steht derzeit zudem nicht auf der Agenda des Vorstands.

Thermo Fisher Scientific ist ein Qualitätsunternehmen mit attraktiven Wachstumschancen. Das Unternehmen gewinnt seit Jahren Marktanteile hinzu, zudem sehen wir weiteres Kostensenkungspotenzial. Die ohnehin schon starke Cash-Generierung dürfte sich daher weiter verbessern. Die Thermo Fisher-Aktie hat nach unserer Einschätzung wegen ihrer hervorragenden Ausgangsposition in den Geschäftsfeldern einen Bewertungsaufschlag gegenüber dem Medizintechniksektor verdient, notiert derzeit jedoch nur im Rahmen der Vergleichsgruppe. Wir sehen daher ein positives Chancen-Risiken-Verhältnis für den Titel. Sorgen bereitet höchstens die zuletzt extrem starke Kursentwicklung der Aktie.

ANLAGEIDEE: PARTIZIPIEREN SIE AN DER ENTWICKLUNG DER THERMO FISHER-AKTIE

Nutzen Sie die Experten-Einschätzungen und partizipieren Sie an der Entwicklung der Thermo Fisher-Aktie. Ganz gleich, ob Sie mit Hebelprodukten auf schnelle und kurzfristige Marktveränderungen setzen möchten oder mit Anlageprodukten eine intelligente Alternative zum reinen Aktieninvestment suchen, bei der Société Générale werden Sie fündig. Ein Überblick über das gesamte Produktspektrum an Zertifikaten und Optionsscheinen steht Ihnen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung.

Aber Achtung: Da die von der Société Générale angebotenen Produkte in Euro notieren, der Handelspreis der zugrunde liegenden Aktie in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko. Ein steigender Euro/US-Dollar-Wechselkurs wirkt sich negativ auf den Wert des Zertifikats aus.

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Quanto

Geld-/Briefkurs

SB2 749

Thermo Fisher

440,00 USD

6,01 %

18,03 %

19.03.2021

Nein

339,27/339,47 EUR

SB2 748

Thermo Fisher

420,00 USD

8,34 %

14,53 %

19.03.2021

Nein

330,86/330,99 EUR

SB2 747

Thermo Fisher

400,00 USD

11,15 %

11,64 %

19.03.2021

Nein

320,62/320,74 EUR

SB2 746

Thermo Fisher

380,00 USD

13,40 %

9,17 %

19.03.2021

Nein

308,97/309,08 EUR

SB2 745

Thermo Fisher

360,00 USD

17,55 %

7,75 %

19.03.2021

Nein

295,77/295,87 EUR

SB2 744

Thermo Fisher

340,00 USD

21,54 %

6,07 %

19.03.2021

Nein

282,30/232,39 EUR

Unlimited Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock- Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU2 RBU

Thermo Fisher

Call

166,64/173,54 USD

1,7

Unbegrenzt

Nein

2,15/2,16 EUR

SB0 Z7X

Thermo Fisher

Call

245,22/255,29 USD

2,4

Unbegrenzt

Nein

1,48/1,49 EUR

SB0 Z70

Thermo Fisher

Call

303,04/315,42 USD

3,6

Unbegrenzt

Nein

0,98/0,99 EUR

SB2 GQR

Thermo Fisher

Call

342,16/355,20 USD

5,5

Unbegrenzt

Nein

0,64/0,65 EUR

SB2 N5C

Thermo Fisher

Call

361,24/375,20 USD

7,5

Unbegrenzt

Nein

0,47/0,48 EUR

Stand: 23. Juli 2020; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern, den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.