Märkte

Coronakrise am Ölmarkt größtenteils überstanden

Der Brent-Ölpreis hat den Großteil des coronabedingten Absturzes vom Frühjahr bis zur Jahresmitte wettgemacht. Maßgeblich dazu beigetragen haben die disziplinierte Umsetzung der vereinbarten Produktionskürzungen seitens der OPEC+, der kräftige Rückgang der US-Ölproduktion und die Erholung der Nachfrage. Der Ölmarkt dürfte im zweiten Halbjahr ein Angebotsdefizit aufweisen. Wir erachten das Aufwärtspotenzial bei den Ölpreisen dennoch als ausgereizt.

Der Brent-Ölpreis hat sich abgesehen von einem kurzen Rücksetzer Mitte Juni oberhalb von 40 US-Dollar je Barrel etabliert. Brent erreichte dabei zuletzt das höchste Niveau seit Anfang März (siehe Grafik 1). Damals hatte die geplatzte Einigung der OPEC+ auf freiwillige Produktionseinschränkungen, die daraufhin einsetzende kräftige Ausweitung der Ölproduktion durch Saudi-Arabien und der gleichzeitige Einbruch der Ölnachfrage wegen der Coronakrise den Brent-Ölpreis innerhalb von sechs Wochen auf ein 21-Jahres-Tief von 16 US-Dollar je Barrel abstürzen lassen. Dass sich die Ölpreise seither deutlich erholten und sogar den stärksten Quartalsgewinn seit 30 Jahren verzeichneten, war insbesondere auf die massiven Produktionskürzungen zurückzuführen, auf die sich die OPEC und zehn verbündete Nicht-OPEC-Länder einschließlich Russland (OPEC+) zu Ostern verständigten. Die Ölproduktion der OPEC+ sollte zunächst im Mai und Juni um 9,7 Millionen Barrel pro Tag reduziert werden. Diese Kürzungen wurden laut Einschätzung des gemeinsamen Beobachtungskomitees der OPEC+ im Mai bereits zu 87 Prozent umgesetzt.

Grafik 1: Brent-Ölpreis vom coronabedingten Absturz weitgehend erholt

Saudi-Arabien und Russland, die ihre Produktion laut Vereinbarung jeweils um 2,5 Millionen Barrel pro Tag kürzen mussten, hatten diese Zusagen bereits im Mai (weitgehend) erfüllt. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait kürzten ihre Ölförderung im Juni freiwillig zusätzlich um mehr als 1 Million Barrel pro Tag. Die OPEC-Ölproduktion fiel daraufhin auf den tiefsten Stand in den vergangenen 20 Jahren, wenn man die Länder ausklammert, die die OPEC seither verlassen haben (siehe Grafik 2). Die Umsetzung der Produktionskürzungen stieg im Juni auf über 100 Prozent. Mit der spürbaren Anhebung seiner Verkaufspreise für Juli-Lieferungen an Abnehmer in Asien und Europa hatte Saudi-Arabien außerdem den im April begonnenen Preiskrieg um Marktanteile beendet.

Grafik 2: OPEC-Ölproduktion deutlich reduziert

ohne Indonesien, Katar und Ecuador

Einige Länder wie der Irak, Nigeria und Angola setzten die vereinbarten Produktionsdrosselungen im Mai dagegen nur unzureichend um. Sie haben sich aber dazu verpflichtet, dies in den kommenden Monaten durch stärkere Kürzungen auszugleichen, was im Juni bereits teilweise geschehen ist. Die zunächst für zwei Monate geltenden Produktionskürzungen im oben genannten Umfang wurden zudem von der OPEC+ um einen Monat bis Ende Juli verlängert. Erst dann sollen sie wie vorgesehen auf 7,7 Millionen Barrel pro Tag zurückgeführt werden, die Produktion also um 2 Millionen Barrel pro Tag steigen dürfen.

Neben den freiwilligen Produktionseinschränkungen der OPEC+ spielt auch der unerwartet kräftige Rückgang der US-Ölproduktion eine wichtige Rolle bei der deutlichen Preiserholung seit Ende April. Die US-Energiebehörde EIA schätzt, dass das Produktionsniveau im Oktober 1,7 Millionen Barrel pro Tag niedriger sein wird als im März (siehe Grafik 3). Die Schieferölproduktion soll zwischen April und August um mehr als 1,6 Millionen Barrel pro Tag fallen. Hintergrund ist der starke Rückgang der Bohraktivität. Diese ist seit Mitte März um mehr als 70 Prozent gesunken. Die Zahl der aktiven Ölbohrungen lag Anfang Juli bei weniger als 200 auf dem niedrigsten Niveau seit elf Jahren. Der deutliche Preisanstieg im Mai und Juni hat den Abwärtstrend bei der Bohraktivität lediglich verlangsamt. Offensichtlich wirkt der Schock nach dem Preiseinbruch im März und April noch nach. Zudem zollen die massiven Einschnitte bei den Investitionsbudgets und Pleiten der Schieferölunternehmen ihren Tribut. So meldete auch ein bekanntes Frackingunternehmen der ersten Stunde Insolvenz an. Vollkommen außer Acht lassen sollte man den Einfluss der wieder höheren Preise auf die Ölproduktion jedoch nicht. Das nach Produktion größte US-Schieferölunternehmen hat im Juni angekündigt, seine Produktion wieder hochfahren zu wollen. Zudem gab es Meldungen, wonach die Schieferölproduktion in den kommenden Monaten um etwa eine halbe Million Barrel pro Tag steigen könnte. Da es nach wie vor einen hohen Bestand an gebohrten, aber noch nicht fertiggestellten Bohrungen gibt, wären dafür nicht einmal neue Ölbohrungen erforderlich. Auch in Kanada ist die Ölproduktion wegen der zwischenzeitlich sehr niedrigen Preise kräftig gefallen. Die IEA beziffert den Rückgang in den ersten fünf Monaten des Jahres auf ca. 1 Million Barrel pro Tag, erwartet ab Juli aber wieder einen merklichen Anstieg der Ölproduktion.

Grafik 3: US-Ölproduktion wegen niedriger Preise eingebrochen

ab Juli 2020 Prognose der EIA

Das fallende Angebot wäre allein für die Preiserholung nicht ausreichend gewesen. Ebenso wichtig ist, dass sich die Ölnachfrage vom coronabedingten Absturz im Frühjahr spürbar erholt hat (siehe Grafik 4). Den Tiefpunkt erreichte die Nachfrage im April. Die IEA beziffert das Minus in jenem Monat auf 21,6 Millionen Barrel pro Tag gegenüber dem Vorjahr. Zwei Monate zuvor rechnete die IEA für April sogar mit einem noch stärkeren Einbruch um gut 25 Millionen Barrel pro Tag. Laut dem Rohstoffhändler Trafigura soll die globale Ölnachfrage im Juni bereits wieder bei 90 Prozent des normalen Niveaus gelegen haben. Damit wäre bereits mehr als die Hälfte des coronabedingten Einbruchs aufgeholt. In China lag die Ölnachfrage im Juni bereits wieder auf dem Vorkrisenniveau. Die US-Benzinnachfrage hatte Ende Juni etwa drei Viertel ihres Einbruchs vom Frühjahr wieder wettgemacht. Für das Gesamtjahr prognostiziert die IEA einen weiterhin beträchtlichen Nachfragerückgang um 7,9 Millionen Barrel pro Tag, wobei dieses Minus vor allem auf das extrem schwache zweite Quartal zurückzuführen ist, in dem die Nachfrage um 16,4 Millionen Barrel pro Tag gefallen sein soll. Die Erholung der Ölnachfrage sollte sich im zweiten Halbjahr fortsetzen, sofern es wegen der stark steigenden Zahl an Neuinfektionen in einigen US-Bundesstaaten und in anderen bedeutenden Ölverbrauchsländern wie Indien nicht zu neuerlichen weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens kommt. Die IEA sieht darin ein Abwärtsrisiko für ihre Prognose. Die Dynamik der Nachfrageerholung dürfte sich im Jahresverlauf allerdings auch so abflachen. Am Jahresende soll sich der Rückstand gegenüber dem Vorjahr laut Einschätzung der IEA noch immer auf 3,7 Millionen Barrel pro Tag belaufen und auch Ende 2021 noch rund 2 Millionen Barrel pro Tag unter dem Niveau von Ende 2019 liegen. Dieses dürfte erst 2022 oder gar 2023 wieder erreicht werden. Insbesondere der Flugverkehr dürfte die Folgen der Coronakrise noch für lange Zeit spüren und entsprechend weniger Kerosin nachfragen.

Grafik 4: Ölnachfrage hat Tiefpunkt durchschritten

IEA-Prognose

Das im zweiten Quartal noch riesige Überangebot am globalen Ölmarkt von schätzungsweise 9,5 Millionen Barrel pro Tag dürfte wegen der massiven Angebotseinschränkungen und der Erholung der Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte verschwinden und einem Angebotsdefizit weichen (siehe Grafik 5). Unterstellt man, dass die OPEC+ ihre Produktionskürzungen wie vorgesehen umsetzt und sich Nachfrage und Nicht-OPEC-Angebot wie von der IEA erwartet entwickeln, ist der Ölmarkt im dritten und vierten Quartal durchschnittlich ca. 4,5 Millionen Barrel pro Tag unterversorgt. Der im zweiten Quartal verursachte Lageraufbau würde also im zweiten Halbjahr nicht vollständig wieder rückgängig gemacht. Damit ist erst im nächsten Jahr zu rechnen, vorausgesetzt, die OPEC+ setzt die Produktionskürzungen auch dann vereinbarungsgemäß um und sowohl Nachfrage als auch Nicht-OPEC-Angebot entwickeln sich wie von der IEA unterstellt. Eine zweite Corona-Infektionswelle, die die Ölnachfrage erheblich bremsen würde, eine wieder steigende US-Ölproduktion und eine nachlassende Förderdisziplin der OPEC+ gelten dabei als die größten Risikofaktoren.

Grafik 5: Ölmarkt zurück auf dem Weg ins Gleichgewicht

IEA-Prognose; OPEC kürzt Produktion wie vorgesehen

Wir erachten das Aufwärtspotenzial bei den Ölpreisen nach dem kräftigen Anstieg im Mai und Juni als ausgereizt. Die sich abzeichnende Markteinengung dürfte in den Preisen bereits berücksichtigt sein. Bei WTI halten die spekulativen Finanzanleger bereits beträchtliche Netto-Long-Positionen. Sollte der WTI-Preis für längere Zeit oberhalb von 40 US-Dollar verharren, droht ein Anstieg der US-Ölproduktion, wodurch der oben erwähnte Marktausgleich erschwert würde.

Laut einer Umfrage der Dallas Fed erwartet knapp die Hälfte der befragten US-Ölunternehmen, dass die zuvor stillgelegte Ölproduktion bei Preisen von 40 US-Dollar wieder aufgenommen wird. Bei 45 US-Dollar steigt der Anteil auf drei Viertel der Befragten, bei 50 US-Dollar sogar auf 94 Prozent. Der überwiegende Teil der Befragten rechnet dabei mit einer Produktionsaufnahme bis spätestens September. Die Raffinerien dürften wegen der stark gefallenen Verarbeitungsmargen und hoher Lagerbestände für Ölprodukte noch für längere Zeit weniger Rohöl verarbeiten als normal, was den Abbau der rekordhohen Ölvorräte bremsen wird. Wir sehen daher in den Sommermonaten Korrekturpotenzial und einen Preisrückgang bei Brent auf 35 US-Dollar je Barrel. Bis zum Jahresende dürfte Brent wieder auf 40 USDollar steigen.

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Aber Achtung: Da die von der Société Générale angebotenen Produkte in Euro notieren, der Handelspreis von Brent und WTI allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko, wenn der Euro/US-Dollar-Wechselkurs steigen sollte. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Société Générale in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto/FXopt) Variante an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Zertifikats mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

Tracker-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU0 L1R

Brent-Öl-Future

1:1

Ja

43,42/43,44 EUR

CU0 L1S

Brent-Öl-Future

1:1

Nein

37,30/37,31 EUR

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

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Max. Rendite p.a.

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Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

SB2 TF8

Brent-Öl-Future

35,00 USD

26,96 %

7,84 %

Ja

26.01.2021

33,51/33,61 EUR

SB2 TFB

Brent-Öl-Future

35,00 USD

27,26 %

8,66 %

Nein

26.01.2020

28,80/28,89 EUR

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WTI-Öl-Future

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23,03 %

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17.02.2021

32,94/33,04 EUR

SB2TGQ

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35,00 USD

23,37 %

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Typ

Basispreis/Knock- Out-Barriere

Hebel

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Laufzeit

Geld-/Briefkurs

SB9 B6U

Brent-Öl-Future

Call

38,394 USD

6,7

Nein

Unbegrenzt

5,69/5,70 EUR

CL4 501

Brent-Öl-Future

Put

48,026 USD

11,6

Nein

Unbegrenzt

3,31/3,32 EUR

SB9 B6M

WTI-Öl-Future

Call

36,231 USD

6,7

Nein

Unbegrenzt

5,46/5,47 EUR

CL5 MVL

WTI-Öl-Future

Put

45,249 USD

12,3

Nein

Unbegrenzt

2,96/2,97 EUR

Stand: 23. Juli 2020; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern, den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.