Titelthema

Gewinner und Verlierer – Wie unterschiedlich Corona die Branchen trifft

Das Coronavirus hat die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal einbrechen lassen, und im April hat sich die Talfahrt vorerst fortgesetzt. Allerdings sind die einzelnen Branchen sehr unterschiedlich betroffen. So ist die Produktion im Automobilsektor zeitweise praktisch zum Stillstand gekommen, während sich der Rückgang im Chemiesektor noch halbwegs in Grenzen hielt. Auch bei der wohl seit Mai laufenden Erholung ist mit großen Unterschieden zu rechnen.

Starke Unterschiede zwischen den Sektoren
Die deutsche Wirtschaft ist im ersten gegenüber dem vierten Quartal um mehr als 2 Prozent geschrumpft, und für das zweite Quartal zeichnet sich ein noch wesentlich größerer Einbruch ab. Dabei gab es zwischen den einzelnen Sektoren der Wirtschaft und auch innerhalb der Industrie teilweise deutliche Unterschiede. So ist nach den Erhebungen des Ifo-Instituts die Kapazitätsauslastung zwar in den drei »großen« Sektoren der deutschen Industrie seit Anfang des Jahres gefallen. Allerdings war der Rückgang im Automobilsektor deutlich stärker als im Maschinenbau und bei der Chemie, was angesichts des weitgehenden Stillstands der Autoproduktion in der ersten Aprilhälfte wenig überraschend ist (siehe Grafik 1). Bemerkenswert ist aber, dass sowohl im Chemiesektor als auch im Maschinenbau die Auslastung noch deutlich höher war als am jeweiligen Tiefpunkt während der Finanzkrise 2008/2009, mit der die momentane Rezession häufig verglichen wird.

Grafik 1: Deutschland – Branchen bisher unterschiedlich stark von der Coronakrise getroffen

Kapazitätsauslastung entsprechend den Ergebnissen der Ifo-Umfrage

Autoindustrie schon vor Coronavirus im Abwärtstrend
Die besonders schwachen Zahlen für die Autoindustrie sind sicherlich vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich dieser Sektor bereits seit Mitte 2018 in einem klaren Abwärtstrend befand. Was mit Problemen bei der Umstellung auf den neuen Standard bei Emissionstests (WLTP) begann, wuchs sich zu einem nachhaltigen Rückgang der Produktion aus (siehe Grafik 2).

Grafik 2: Autoproduktion kommt im April praktisch zum Stillstand

Reale Auftragseingänge und Produktion im Automobilsektor (inklusive Autoteile)

Teilweise ist dies auf eine weltweit schwächere Nachfrage zurückzuführen, der Zyklus am Automarkt hat seinen Hochpunkt bereits seit Längerem überschritten. Insbesondere der Automarkt in China hat deutlich an Schwung verloren. Allerdings haben die deutschen Produzenten in den vergangenen beiden Jahren auch einen Teil der Produktion in andere Länder verlegt. Während ihre Produktion in Deutschland seit Mitte 2018 merklich zurückging, wurde sie in anderen europäischen Ländern und in den USA deutlich hochgefahren (siehe Grafik 3). Zu erklären ist dies zum einen durch die divergierende Nachfrage nach den einzelnen Modellen – so werden die zunehmend nachgefragten SUVs kaum in Deutschland produziert. Zum anderen dürfte aber auch die abnehmende Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland eine Rolle gespielt haben.

Grafik 3: Deutsche Autoindustrie verschiebt Produktion ins Ausland

Regionale Verteilung der von deutschen Autoherstellern hergestellten Autos

Nachdem die Produktion in Deutschland im April praktisch zum Stillstand gekommen war, ist sie im Mai wieder hochgefahren worden. Nach Angaben des VDA wurden in diesem Monat in Deutschland etwas mehr als 150.000 Autos produziert. Dies ist deutlich mehr als im April, als nur 11.000 Autos gefertigt wurden. Allerdings entspricht dies nur etwa 40 Prozent der durchschnittlichen Monatsproduktion im vergangenen Jahr.

Die jüngste Entwicklung in China macht eigentlich Hoffnung auf eine schnelle Erholung des Marktes. So lagen dort die Verkaufszahlen zuletzt bereits wieder auf oder sogar leicht über dem Niveau des Vorjahres. Auch in Deutschland dürfte die Produktion in den kommenden Monaten – gerade im Vergleich zu dem katastrophalen Aprilwert – wieder deutlich zulegen. Eine schnelle Rückkehr zum Vorkrisenniveau ist aber unwahrscheinlich. Hierfür spricht zum einen der Abwärtstrend vor dem Ausbruch der Krise. Zum anderen dürfte die Krise in vielen Ländern am Arbeitsmarkt nachhaltige Folgen zeigen, was die Einkommen drücken und damit die Nachfrage nach Autos vorerst bremsen wird. Hinzu kommen die strukturellen Probleme im Zuge des Umstiegs auf alternative Antriebsformen.

Maschinenbau: Das Tief kommt erst noch
Auch den anderen zentralen Sektor der deutschen Industrie – den Maschinenbau – hat die Coronakrise hart getroffen. Allerdings war der Einbruch im März und April nicht ganz so gravierend wie im Autosektor.

Auch im Maschinenbau hatte der Trend in den vergangenen eineinhalb Jahren bereits nach unten gezeigt (siehe Grafik 4). War hierfür zunächst eine schwächere Auslandsnachfrage vor allem aus Asien ausschlaggebend gewesen, hatte in der zweiten Jahreshälfte 2019 zunehmend auch die Inlandsnachfrage nachgelassen.

Grafik 4: Maschinenbau – Corona macht aus Abwärtstrend Absturz

Reale Auftragseingänge und Produktion im Maschinenbau

Während sich die Coronakrise zunächst in erster Linie in Problemen bei den Lieferketten niedergeschlagen hatte, rückt nun mehr und mehr die schwächere Nachfrage in den Mittelpunkt. Damit spricht einiges dafür, dass die Auftragsbestände in den kommenden Monaten vorerst weiter deutlich fallen werden. Da viele Unternehmen derzeit noch mit dem Abarbeiten alter Aufträge beschäftigt sind, könnte die Produktion auch noch weiter nachgeben.

Sehr belastend für die Unternehmen war bisher auch, dass die bestehenden Reisebeschränkungen das Servicegeschäft für bestehende Anlagen deutlich erschweren oder sogar weitgehend lahmlegen. Dieses steht zwar zumeist nur für einen kleineren Teil des Umsatzes, weist aber in der Regel eine deutlich höhere Marge auf, sodass die Auswirkungen der Reisebeschränkungen auf die Gewinne beträchtlich ist. Dies gilt umso mehr, als auch die Lieferung (und Einrichtung) von neuen Anlagen durch die Reisebeschränkungen spürbar behindert wird.

Wir gehen davon aus, dass die Erholung im Maschinenbau später einsetzen und langsamer verlaufen wird als in vielen anderen Industriesektoren. Denn die Kunden werden wegen einer geringeren Kapazitätsauslastung Investitionen zunächst einmal aufschieben. Nach Überwindung der Krise dürften sich viele zudem zunächst darauf konzentrieren, die wegen der jüngsten massiven Umsatzausfälle kräftig gestiegene Verschuldung wieder zu verringern. Zudem dürfte das Servicegeschäft vorerst weiter unter Reisebeschränkungen leiden. Darum gehen wir davon aus, dass die Umsätze der Unternehmen erst 2022 wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen werden.

Chemie: Krise bisher recht glimpflich verlaufen
Der Chemiesektor ist zumindest bisher deutlich besser durch die Krise gekommen als der Autosektor und der Maschinenbau. So waren die Auftragseingänge im April auch hier um 18 Prozent niedriger als im Februar, womit das Minus aber deutlich geringer war als im Autosektor oder dem Maschinenbau (siehe Grafik 5). Auch die Produktion ist in deutlich geringerem Ausmaß gefallen als in den beiden anderen Sektoren oder dem Durchschnitt der gesamten deutschen Industrie. Allerdings gab es hier deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Unterbranchen. So standen insbesondere die Lieferanten der Autoindustrie und Unternehmen im »Upstream-Bereich« unter Druck, während Unternehmen, die insbesondere den Pharmasektor, das Ernährungsgewerbe und die Landwirtschaft beliefern, gegenüber dem Vorjahr zulegen konnten.

Grafik 5: Chemie bisher relativ glimpflich durch die Krise gekommen

Reale Auftragseingänge und Produktion im Chemiesektor

Am weltweiten Chemiemarkt zeigt sich besonders deutlich, in welch unterschiedlichen Phasen sich die Coronakrise in den verschiedenen Weltregionen befindet. So hat in China die Nachfrage zuletzt bereits wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Hingegen gibt es in Westeuropa und Nordamerika weiterhin beträchtliche Minuszeichen, und während in Europa bereits zarte Anzeichen einer Erholung zu sehen sind und der Rückgang gegenüber dem Vorjahr zuletzt etwas nachgelassen hat, ist hiervon in den USA noch nichts zu spüren. Bezogen auf den Weltmarkt deuten Aussagen einzelner Unternehmen darauf hin, dass der Tiefpunkt Mitte April durchschritten wurde. Da die Impulse derzeit aber hauptsächlich aus China kommen, ist dies eher für die weltweit agierenden Unternehmen als für die Konjunktur in Deutschland eine positive Nachricht. Allerdings dürfte sich auch die Lage hier dadurch verbessern, dass mit dem Autosektor ein wichtiger Kunde – er steht für etwa 20 Prozent der Umsätze in Deutschland – seine Produktion allmählich wieder hochfährt.

Das Anziehen der Produktion könnte auch dadurch beschleunigt werden, dass die Abnehmer anscheinend mit relativ geringen Lagerbeständen an Chemieprodukten in die Krise gegangen sind. Denn viele hatten während des Abschwungs im vergangenen Jahr ihre Lager bereits merklich geleert. Manche waren hierbei wohl sogar über das Ziel hinausgeschossen und mussten deshalb ihre Bestände wieder auffüllen, was wohl auch ein Grund für die recht positive Entwicklung in den ersten beiden Monaten des Jahres war. Zumindest dürfte dieser Effekt dafür sorgen, dass die Ausschläge deutlich geringer ausfallen werden als während der Finanzkrise, in die viele Unternehmen mit hohen Lagerbeständen an Chemieprodukten hereingeschlittert waren.

Technologiesektor: Teilweise ein Profiteur der Krise?
Der Technologiesektor ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen. Er profitierte von mehreren Megatrends wie der Digitalisierung. Hieran wird auch die Coronakrise wohl kaum etwas ändern. Vielmehr könnten einige Aspekte der Krise wie die größere Bedeutung des Homeoffice sogar den Übergang zu einer neuen, stärker technologieorientierten Welt beschleunigen.

Am wenigsten betroffen von der Krise ist der Softwarebereich. Denn er profitiert nun besonders vom in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Anteil des Cloud-Geschäfts, das wiederkehrende und krisensichere Umsätze generiert. Auch wenn das Neu- und Projektgeschäft vorerst unter Druck stehen wird, dürften die meisten Softwareunternehmen unveränderte bis leicht wachsende Umsätze verzeichnen, was im derzeitigen Umfeld ohne Frage ein Erfolg wäre.

Etwas schwieriger dürfte es für IT-Dienstleistungsunternehmen werden, trotz eines starken ersten Quartals. Denn sie dürften – ähnlich wie der Maschinenbau – unter der Investitionszurückhaltung vieler Unternehmen leiden. Eine stärkere Kontrolle der Versorgungsketten, besser integrierte Prozesse und flexiblere Arbeitsbereiche dürfte aber den Weg für eine Erholung im Jahr 2021 und darüber hinaus ebnen.

Im Hardwarebereich dürfte es größere Unterschiede geben. Während sich Produkte für Rechenzentren und Halbleiter für Spielkonsolen auch in diesen Tagen einer starken Nachfrage erfreuen, werden andere Märkte wie der Automobilsektor und in gewissem Maße auch die Unterhaltungselektronik durch Betriebsschließungen, eine schwächere Nachfrage und Probleme in der Lieferkette belastet, da die Werke geschlossen werden oder auf niedrigem Produktionsniveau laufen. Angesichts in den kommenden Wochen wohl steigender Lagerbestände dürfte die Erholung hier im zweiten Halbjahr eher verhaltener ausfallen als von manchem erhofft. Im positiven Fall sollte die Nachfrage ausreichen, um die Kosten zu decken, und Innovationen sollten es einigen Akteuren ermöglichen, auf dem Wachstumspfad zu bleiben.

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Index-Zertifikat

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CJ8 V3N

TecDAX

100:1

Unbegrenzt

29,83/29,85 EUR

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CL8 EMJ

BMW

53,00 EUR

17,24 %

8,90 %

19.03.2021

48,64/48,66 EUR

SB0 19K

Daimler

42,00 EUR

10,31 %

33,31 %

19.03.2021

33,53/33,55 EUR

CL8 HSX

Volkswagen Vz.

125,00 EUR

17,83 %

16,73 %

19.03.2021

110,91/110,96 EUR

SR9 A3D

Deutz

3,70 EUR

18,09 %

10,41 %

19.03.2021

3,42/3,43 EUR

CL8 FK9

Dürr

20,00 EUR

22,39 %

12,68 %

19.03.2021

18,23/18,24 EUR

SR9 BGX

Jungheinrich

18,00 EUR

14,19 %

11,94 %

19.03.2021

16,50/16,51 EUR

CL8 EHG

BASF

42,00 EUR

22,75 %

7,17 %

19.03.2021

39,82/39,84 EUR

CL8 GMU

Linde

180,00 EUR

12,42 %

11,76 %

19.03.2021

165,20/165,27 EUR

CL8 FPY

Evonik Industries

21,00 EUR

16,46 %

8,94 %

19.03.2021

19,66/19,67 EUR

SR9 Y4V

Dialog Semiconductor

32,00 EUR

23,41 %

13,43 %

19.03.2021

29,08/29,09 EUR

CL8 F96

Infineon

17,00 EUR

25,67 %

12,70 %

19.03.2021

15,50/15,51 EUR

CL8 D0M

NVIDIA

300,00 USD

28,07 %

11,54 %

19.03.2021

241,75/244,19 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

SR8 CQ3

EURO STOXX Automobiles & Parts

Call

299,90 Pkt.

4,6

Unbegrenzt

8,38/8,42 EUR

CL2 5ME

EURO STOXX Automobiles & Parts

Put

434,07 Pkt.

7,4

Unbegrenzt

5,17/5,21 EUR

CL9 F4G

EURO STOXX Chemicals

Call

893,53 Pkt.

5,4

Unbegrenzt

2,02/2,03 EUR

CJ9 ZYF

EURO STOXX Chemicals

Put

1.284,51 Pkt.

5,5

Unbegrenzt

1,92/1,93 EUR

CL9 F23

TecDAX

Call

2.674,69 Pkt.

8,7

Unbegrenzt

3,35/3,45 EUR

CJ1 4PT

TecDAX

Put

3.488,60 Pkt.

6,0

Unbegrenzt

4,91/5,01 EUR

CL7 3TM

Nasdaq 100

Call

8.142,32 Pkt.

4,9

Unbegrenzt

18,36/18,37 EUR

CU7 43T

Nasdaq 100

Put

11.816,83 Pkt.

6,3

Unbegrenzt

14,35/14,36 EUR

Stand: 23. Juni 2020; Quelle: Société Générale

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