Märkte

Britisches Pfund: Zwischen Brexit und Corona

Das britische Pfund hat nicht an der jüngsten Marktrally teilgenommen. Grund ist wieder einmal das steigende Risiko eines No-Deal-Brexits, was das britische Pfund auch im weiteren Verlauf des Jahres belasten dürfte.

Das Pfund nimmt nicht an der Marktrally teil ...
Das britische Pfund hat im Mai und Anfang Juni im Gegensatz zu den meisten anderen Währungen kaum von der verbesserten Marktstimmung profitiert. Lediglich gegenüber den sicheren Währungshäfen japanischer Yen, Schweizer Franken und US-Dollar konnte das britische Pfund etwas Boden gutmachen. Aber auch das ist eher einer ausgeprägten Schwäche dieser Währungen und nicht einem stärkeren britischen Pfund zuzuschreiben.

Gleich mehrere Faktoren haben der britischen Währung zugesetzt:

  • Großbritannien hatte sich zeitweise zum Corona-Brennpunkt innerhalb Europas entwickelt, wodurch Zweifel an der Fähigkeit der Regierung aufkamen, das Virus effektiv einzudämmen.
  • Die Bank of England (BoE) hat angesichts des coronabedingten Wirtschaftseinbruchs weitere Stimulusmaßnahmen in Aussicht gestellt.
  • Das Risiko eines No-Deal-Brexits zum Ende dieses Jahres ist deutlich gestiegen, nachdem die Verhandlungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich über ein Handelsabkommen in einer Sackgasse zu stecken scheinen.

... weil die Brexit-Unsicherheit wieder einmal steigt
Mittlerweile meldet aber auch Großbritannien, wie der Rest Europas, fallende Infektionsraten und hat entsprechend ebenfalls deutliche Lockerungen der Coronaregeln in Aussicht gestellt. Sofern nicht wider Erwarten eine zweite Infektionswelle ausbricht, sollte von dieser Seite kein neuer Gegenwind für die britische Währung aufkommen.

Die Bank of England hat derweil in der Tat ihre Geldpolitik nochmals gelockert und im Juni ihre Anleihekäufe weiter aufgestockt. Der Markt spekuliert darüber hinaus darauf, dass die BoE ihren Leitzins in den negativen Bereich senken könnte.

Zwei MPC-Mitglieder (Monetary Policy Committee) hatten schon in der vergangenen Sitzung für einen solchen Schritt gestimmt. Der Markt spekuliert darüber hinaus darauf, dass die BoE ihren Leitzins bis Ende des Jahres in den negativen Bereich senken wird. Insbesondere Äußerungen von BoE-Gouverneur Andrew Bailey, der zunächst Negativzinsen ausgeschlossen hatte, sich aber mittlerweile dem Instrument offen gegenüber zeigt, hatten die Spekulationen angeheizt. Wir halten die Wahrscheinlichkeit momentan allerdings für gering, dass die Notenbank ihre Zinsen tatsächlich in den negativen Bereich senken wird.

Die Zinssenkungsspekulationen sind jedoch ohnehin nicht ausschlaggebend für die Schwäche des britischen Pfunds. Schließlich ist die BoE nicht die einzige Notenbank, die weitere expansive Schritte in Aussicht gestellt hat. Vielmehr sind es wieder einmal vor allem Sorgen rund um den Brexit, die die Währung zuletzt deutlich belastet haben.

Es droht der No-Deal-Brexit
Seit Ende Januar 2020 ist das Vereinigte Königreich formal gesehen kein EU-Mitglied mehr. Allerdings hatten sich die Führung in London und Brüssel auf eine Übergangszeit geeinigt, in der die Handelsbeziehungen beibehalten würden und in der ein Handelsabkommen ausgehandelt werden sollte. Diese Übergangszeit wird Ende dieses Jahres enden, sofern sich die beiden Seiten nicht im Juni noch einvernehmlich auf eine Verlängerung einigen. Dies lehnt die britische Seite vehement ab und hat das Fristende sogar per Gesetz verankert. Da die Handelsgespräche bisher keinerlei Fortschritte erzielt haben – laut EU-Verhandlungsführer Michel Barnier sogar eher Rückschritte gemacht wurden –, erscheint eine Einigung bis Ende des Jahres zunehmend unwahrscheinlich. Ohne ein Abkommen würde der Handel ab kommendem Jahr nach WTO-Regeln abgewickelt, was realwirtschaftlich für beide Seiten ein herber Einschnitt wäre, jedoch vor allen Dingen für die britische Wirtschaft, für die die EU der weitaus größere Handelspartner ist als andersherum.

Alles nur ein Bluff?
Bislang war der Markt wohl davon ausgegangen, dass die britische Regierung unter Premier Boris Johnson nur bluffen würde. So hatte Johnson schon im vergangenen Jahr hoch und heilig versprochen, das Vereinigte Königreich werde Ende Oktober aus der EU ausscheiden. Quasi in letzter Sekunde beantragte er dann doch eine Verschiebung des Austrittstermins auf Ende Januar. Es ist daher nicht abwegig anzunehmen, dass die Regierung lediglich Druck auf die EU ausüben möchte, am Ende aber erneut einknicken wird, sollte keine Einigung zustande kommen.

Doch die jüngste Schwäche des britischen Pfunds zeigt, dass sich der Markt nicht mehr sicher ist, dass die britischen Politiker tatsächlich einen No-Deal-Brexit um jeden Preis verhindern werden. Dabei werden die verstärkten Vorbereitungen auf dieses Szenario seitens der Regierung aufgeführt. So hat sie Banken dazu aufgefordert, sich auf den No-Deal-Brexit vorzubereiten sowie ein neues Zollsystem angekündigt, das bei Ablauf der Übergangszeit in Kraft treten würde. Ähnliche Warnungen aus London gab es allerdings schon vergangenes Jahr im Vorfeld der Oktober-Brexit-Deadline.

Ein wesentlicher Unterschied zum vorigen Jahr ist jedoch, dass die britische Regierung dieses Mal nicht im Zwist mit dem Parlament steht. Man sollte nicht vergessen: Johnson hatte die Verschiebung des Brexit-Termins lediglich auf Druck der Parlamentarier beantragt. Doch seit die konservative Partei unter Johnson ihre Mehrheit in den Parlamentswahlen im Dezember zurückgewinnen konnte, ist kaum mehr Kritik an der Brexit-Strategie der Regierung aus den eigenen Reihen zu hören.

Erhebliche Abwertungsrisiken für das britische Pfund
Da das Vereinigte Königreich und die EU angesichts der ohnehin bereits coronabedingt schwierigen wirtschaftlichen Lage ein starkes Interesse an einem Freihandelsabkommen haben sollten, sind wir zuversichtlich, dass eine Verlängerung der Gespräche in der zweiten Jahreshälfte möglich bleibt. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit für einen No-Deal-Brexit deutlich gestiegen. Auch aus diesem Grund prognostizieren wir kurzfristig eher ein schwächeres britisches Pfund und eine nur sehr moderate Erholung im weiteren Verlauf des Jahres. Tatsächlich ist das Risiko hoch, dass das britische Pfund wegen steigender Brexit-Risiken zwischenzeitlich sogar deutlich herbere Rückschläge erleidet, als unsere Prognosen nahelegen. Insbesondere zum Ende des Jahres droht eine schwierige Phase, wenn der tatsächliche Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt ansteht.

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Stand: 23. Juni 2020; Quelle: Société Générale

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