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Intel: Strategieschwenk für das Geschäft der Zukunft

Die Coronakrise bzw. die aufkommende Rezession belasten zunächst. Der Umbau des Konzerns weg vom PC-Anwendungsbereich ist aber inzwischen weit fortgeschritten und zahlt sich zunehmend aus. Intel-Produkte finden sich inzwischen im vielfachen industriellen Einsatz. Datacenter-Lösungen und das Ausrüstungsgeschäft rund um Netzwerke und das Internet der Dinge werden dabei immer wichtiger. Intel dürfte gerade von diesem Trend mittelfristig profitieren.

Dominanz im PC-Bereich
Intel kann mit seinem dominierenden Marktanteil bei PC-Prozessoren (weltweit rund 70 Prozent aller Computer laufen mit Intel-Prozessoren) punkten. Für Euphorie ist aber kein Anlass, denn der PC-Bereich entwickelte sich in den vergangenen Jahren eher schleppend. Allerdings schlug sich Intel dabei noch vergleichsweise gut. Die Hoffnungen ruhen immer wieder auf neuen und leistungsstärkeren Prozessoren.

Schwierige Situation bei Smartphones und Tablets
Die seit Jahren vergleichsweise schwache Position Intels im Bereich der Smartphones und Tablet-PCs konnte das Unternehmen nur teilweise verbessern. Die klassischen PCs (Notebook und Desktop) konkurrieren zunehmend mit den rasant aufstrebenden Tablet-Geräten und dem steigenden Anteil leistungsfähiger Smartphones.

Intel entwickelt ständig neue Speicherchip-Serien, die die Leistung von Computern, Smartphones und anderen Hightech-Produkten deutlich steigern. Aktuelle Chips sind bis zu tausend Mal schneller als die zuvor gebräuchlichen Flash-Memory-Chips, die derzeit noch in vielen mobilen Geräten Verwendung finden. Im Vergleich zu den bislang verwendeten dynamischen Arbeitsspeichern (DRAM-Chips) kann nun eine vervielfachte Menge an Daten gespeichert werden.

Damit unterstützten die Chips vor allem solche Anwendungen, die datenintensive Muster auswerten können. Mögliche Beispiele hierfür sind Spracherkennungsprogramme (unter Verwendung von künstlicher Intelligenz: »KI«), Anwendungen unter Einsatz virtueller Realität (VR) oder auch Analysetools in der Medizintechnik.

Grafik 1: Wertentwicklung der Intel-Aktie

Intels Stärke – stetig weiterentwickelte Prozessoren
Bei den seit vielen Jahren erfolgreichen Chips der »iCore«-Serie konnte mit jeder neuen Generation deutlich mehr Leistung bei niedrigerem Stromverbrauch erreicht werden. Intel hebt regelmäßig auch die Grafikleistung hervor, mit der mehrere Videoströme in extrem hoher Ultra-HD-Auflösung gleichzeitig verarbeitet werden können. Auch Computerspiele mit aufwendiger Rechenleistung hat das Unternehmen somit zunehmend im Visier.

Hauptkonkurrent Advanced Micro Devices (AMD) sorgt bereits seit einiger Zeit dafür, dass der Wettlauf um schnellere Prozessoren immer rasanter verläuft. Beide Hersteller überbieten sich mit neuentwickelten Zentralprozessoren (»CPUs«) für High-End-PCs.

Eine weitere große Hoffnung ruht auf der hauseigenen 10-Nanometer-Fertigung. Die Entwicklung der »Cannon Lake«-Baureihe war nun schon seit einiger Zeit in Vorbereitung, produktreife Auslieferungen haben sich aber immer wieder verzögert. Intel musste sogar eingestehen, dass die Serienfertigung für die 10-Nanometer-Zentralprozessoren (»10-nm-CPU«) erst Ende 2019 starten konnte. Nun wird schon die zweite Generation der CPUs entwickelt, die erste Generation der 10-nm-Chips steht hingegen unmittelbar vor der Serienfertigung.

Der Halbleitersektor bleibt in Bewegung
Intel überraschte positiv mit der Nachricht, künftig verstärkt mit AMD kooperieren zu wollen. Die beiden Unternehmen bündeln ihre Kräfte, um gemeinsam im Wettbewerb dem starken US-Konkurrenten Nvidia Paroli bieten zu können. AMD liefert künftig Grafikchip-Komponenten zu, die mit Intel-Core-Prozessoren kombiniert werden sollen.

Ohnehin ist die Chip-Branche seit Jahren in Bewegung. Wettbewerber Broadcom beabsichtigte, den Rivalen Qualcomm im Rahmen einer Fusion zu übernehmen. Die bisher größte geplante Übernahme im Sektor wurde allerdings untersagt und scheiterte. Unabhängig davon hat es in der jüngeren Vergangenheit mehrere Milliarden US-Dollar schwere Zusammenschlüsse gegeben.

Der weltweite Halbleiterboom der vergangenen Jahre ist jedoch zuletzt ins Stocken geraten. Dennoch hält das Unternehmen der Branche nicht davon ab, sich mit Zukäufen aus dem Sektor zu stärken und neu zu positionieren, auch um dabei nicht selbst zum Übernahmeziel zu werden. Mit einer weiteren Großtransaktion muss daher auch bei Intel jederzeit gerechnet werden. Die Bewertung für viele der potenziellen Übernahmeziele in der Halbleiterindustrie bleibt trotz zunehmend zyklischer Bedenken allerdings ambitioniert.

Großeinkäufer Apple zieht sich zurück
In einem langjährigen Patentstreit zwischen Apple und Qualcomm haben sich die beiden Unternehmen überraschend geeinigt. Damit wird Apple künftig wieder Qualcomm-Chips in den iPhones verbauen. Intel hatte hier in der Vergangenheit die Nachfragelücke geschlossen, hat nun aber bekannt gegeben, sich aus dem Modem-Geschäft zurückzuziehen. Während Qualcomm bereits 5G-Chips für die nächste Mobilfunkgeneration bereithält, befand sich Intel noch in der Entwicklungsphase, was bereits einen Schatten auf eine vorherige iPhone-Serie geworfen hatte. Für Intel sind die Auftragsvolumina in diesem Geschäft insgesamt zu vernachlässigen und kompensierbar. Ein Ausstieg ist daher nachvollziehbar.

Apple hat im Rahmen der Worldwide Developers Conference (WWDC) nun sogar verkündet, die eigenen Mac-Computer künftig nicht länger mit Intel-Prozessoren auszustatten, sondern auf ein gemeinsam mit ARM entwickeltes Chip-Design zu setzen. Die Nachricht kommt nicht unerwartet für Intel, auch bei mobilen Geräten war die Zusammenarbeit mit Apple schon beendet worden. Intel verliert zwar weitere Marktanteile beim Ausstattungsbedarf von PCs und Laptops, hat sein Portfolio aber längst auf lukrativere Absatzkanäle ausgerichtet.

Neue Führung = alte Führung
Bob Swan, zuvor Intel-Finanzvorstand und seit sieben Monaten bereits interimistischer Chef, wurde der neue CEO im Unternehmen. Swan war neun Jahre lang eBay-Finanzvorstand, bevor er sich im Private-Equity-Bereich engagierte und 2016 zu Intel kam. Damit bricht Intel allerdings auch mit der Tradition, dass das Unternehmen regelmäßig von Ingenieuren geleitet wurde, die zuvor jahrzehntelang im eigenen Unternehmen Expertise aufgebaut haben.

Auch haben nicht wenige Investoren mit einem externen Kandidaten gerechnet oder einen solchen sogar bevorzugt, die Suche blieb am Ende aber erfolglos. Swan hat Intel zuletzt souverän durch schwierige Monate geführt und gilt nicht als schlechte Wahl. Der erfahrene Manager steht jetzt vor allem für Kontinuität.

Wieder ein Zukauf in Israel
Intel hat kurz vor Ende des Jahres 2019 das Start-up Habana Labs für rund 2 Milliarden US-Dollar gekauft. Das israelische Unternehmen ist Spezialhersteller für Mikroprozessoren unter Verwendung künstlicher Intelligenz (KI). Intel kann mit dem Erwerb seine Aktivitäten bei KI-Siliziumprodukten ausbauen und das Geschäftsportfolio entsprechend weiter sinnvoll diversifizieren. Ausreichend Liquidität für derartige Zukäufe ist auch künftig vorhanden.

Und auch 2020 noch mal auf Einkaufstour
Intel hat auch für 900 Millionen US-Dollar das israelische Unternehmen Moovit gekauft, das sich auf die Entwicklung von Mobilitätssoftware spezialisiert hat. Moovit ist ein Start-up, das künstliche Intelligenz und Big-Data-Analysen einsetzt, um Verkehrsströme zu verfolgen. Nach Auswertung der Daten werden zum Beispiel geeignete Routenempfehlungen über eine App bereitgestellt. Die Moovit-App kann außerdem Pendlern oder Touristen den besten Weg zu einem Ziel vorschlagen, indem es den Nutzern Bus- und Bahnstrecken, Radwege und Fahrgemeinschaften anzeigt.

Im Jahr 2017 konnte Intel bereits Mobileye erwerben. Die ebenfalls in Israel ansässige Tochterfirma entwickelt sogenannte visionsbasierte Fahrassistenzsysteme zur Vorwarnung und Vermeidung von Kollisionen. Mobileye trug zuletzt rund eine viertel Milliarde US-Dollar zum Intel-Gesamtumsatz bei (Q1: insgesamt 19,8 Milliarden US-Dollar). Zusammen mit Moovit wird Mobileye nun zu einem »vollständigen Mobilitätsanbieter«. Konkret dürfte es um die beschleunigte Entwicklung und Verwirklichung von Modulen bzw. Dienstleistungen für sogenannte Robo-Taxis gehen.

Intel geht bis zum Jahr 2030 für das Geschäftsfeld von einem Marktpotenzial in der Größenordnung von rund 160 Milliarden US-Dollar aus. Wir halten den Moovit-Erwerb für sinnvoll und rechnen mit einer schnellen und reibungslosen Zusammenführung mit den Mobileye-Aktivitäten.

Aktienrückkauf gestoppt – aber keine Gewinnwarnung
Auch Intel setzt wie viele US-Unternehmen im Zuge der Coronakrise sein Aktienrückkaufprogramm derzeit aus. Bislang war ein Anteilserwerb im Volumen von bis zu 20 Milliarden US-Dollar geplant, in den vergangenen Monaten wurden so bereits Intel-Aktien im Wert von rund 7,6 Milliarden US-Dollar gekauft. Intel plant jedoch nicht, die Dividende zu ändern. Die Marktteilnehmer nahmen es gleichzeitig aber mehr als erleichtert auf, dass das Unternehmen trotz der Coronapandemie keine Umsatz- bzw. Gewinnwarnung ausgesprochen hat.

Sehr guter Jahresauftakt trotz Corona – das zweite Quartal wird aber schwach
Intel konnte mit einem besser als erwarteten Auftaktquartal positiv überraschen. Umsatz und Ergebnis waren trotz Corona deutlich besser als angenommen. Das Ergebnis je Aktie (EPS) lag mit 1,45 US-Dollar 18 US-Cent besser als der Konsensus. Besonders stark waren die Kennzahlen der Data Center Group (DCG). Intel generiert immer mehr Chips für 5G-Netzwerktechnik wie auch Komponenten, die in der Industrie bei Cloud, Internet-of-Things-Anwendungen und künstlicher Intelligenz Verwendung finden. Selbst das klassische Geschäft im PC-Centric Business (CCG) war besser als erwartet.

Allerdings dämpfte das Management die Erwartungen an das laufende Quartal (Umsatz 17,9 Milliarden US-Dollar, erwartet: 18,5 Milliarden US-Dollar; EPS 1,10 US-Dollar, erwartet: 1,17 US-Dollar). Intel verzichtet wegen der Coronapandemie und der damit verbundenen erheblichen wirtschaftlichen Unsicherheit auf eine Umsatzprognose für das Gesamtjahr. Die Dividende soll aber weiter gezahlt werden und der Aktienrückkauf soll auch nur temporär unterbrochen werden. Der schwache Ausblick bzw. die fehlende Gesamtjahresprognose belasteten.

Auch überraschte eine Nachricht, dass Apple ab 2021 für die eigenen Computer auf Intel-Chips verzichten und einen eigenen Prozessor in Zusammenarbeit mit Taiwan Semiconductor entwickeln könnte. Das Unternehmen ist sehr gut aufgestellt und dürfte nach der Krise entsprechend früh von einem Wirtschaftsaufschwung profitieren.

Anlageidee: PARTIZIPIEREN SIE AN DER ENTWICKLUNG DER INTEL-AKTIE

Nutzen Sie die Experten-Einschätzungen und partizipieren Sie an der Entwicklung der Intel-Aktie. Ganz gleich, ob Sie mit Hebelprodukten auf schnelle und kurzfristige Marktveränderungen setzen möchten oder mit Anlageprodukten eine intelligente Alternative zum reinen Aktieninvestment suchen, bei der Société Générale werden Sie fündig. Ein Überblick über das gesamte Produktspektrum an Zertifikaten und Optionsscheinen steht Ihnen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung.

Aber Achtung: Da die von der Société Générale angebotenen Produkte in Euro notieren, der Handelspreis der zugrunde liegenden Aktie in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko. Ein steigender Euro/US-Dollar-Wechselkurs wirkt sich negativ auf den Wert des Produkts aus. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Société Générale in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto) Variante an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Produkts mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Quanto

Geld-/Briefkurs

SR8 KA4

Intel

75,00 USD

4,55 %

40,25 %

19.03.2021

Nein

50,71/50,73 EUR

SR8 KDU

Intel

75,00 USD

3,86 %

39,35 %

19.03.2021

Ja

57,74/57,76 EUR

CL8 DWS

Intel

60,00 USD

12,75 %

19,19 %

19.03.2021

Nein

46,22/46,24 EUR

CL8 C7M

Intel

60,00 USD

12,12 %

18,18 %

19.03.2021

Ja

52,74/52,76 EUR

CL8 DWV

Intel

45,00 USD

29,04 %

7,49 %

19.03.2021

Nein

37,57/37,58 EUR

CL8 C7V

Intel

45,00 USD

28,64 %

6,47 %

19.03.2021

Ja

42,88/42,90 EUR

Unlimited Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock- Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Quanto

Geld-/Briefkurs

CJ5 MF8

Intel

Call

39,00/40,22 USD

2,8

Unbegrenzt

Nein

1,87/1,89 EUR

SB0 ZYS

Intel

Call

47,98/49,36 USD

4,9

Unbegrenzt

Nein

1,07/1,08 EUR

SB0 ZYT

Intel

Call

52,85/54,36 USD

8,2

Unbegrenzt

Nein

0,64/0,65 EUR

CL2 08W

Intel

Put

82,76/80,16 USD

2,7

Unbegrenzt

Nein

1,99/2,00 EUR

CJ5 MRG

Intel

Put

72,35/70,14 USD

4,9

Unbegrenzt

Nein

1,08/1,09 EUR

SB1 3YY

Intel

Put

67,15/65,14 USD

8,4

Unbegrenzt

Nein

0,63/0,64 EUR

Stand: 23. Juni 2020; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern, den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.