Märkte

Deutsche Börse – Profiteur der Unsicherheit

Nach gescheiterter Fusion mit der London Stock Exchange und den Querelen um den ehemaligen Chef Carsten Kengeter ist Ruhe an der Deutschen Börse eingekehrt. Geschäftliche Perspektiven (Ziel: zweistelliges Ergebniswachstum) stehen wieder im Fokus. Erfolge bei den strategischen Initiativen sind an stetigen und nachhaltigen Ertragszuwächsen ablesbar. Zukäufe sollten diese noch unterstützen. Weiteren Rückenwind dürfte es geben, wenn die Handelsaktivitäten von Investoren durch Ereignisse (Corona, Brexit, US-Wahlen) hoch bzw. erhöht bleiben (zyklische Ertragskomponente).

Breite Aufstellung ist hilfreich und ...
Die Deutsche Börse zeichnet sich durch eine breite Geschäftsbasis und eine tiefe Wertschöpfungskette aus. Vor allem die marktführenden Stellungen im Derivategeschäft (Terminbörse Eurex Exchange) und im Verwahrungsgeschäft (Clearstream) sind hervorzuheben.

Durch die Fokussierung auf stärker wachsende Segmente wie zum Beispiel das Servicegeschäft rund um Fonds (IFS), die als Leipziger Strombörse bekannte EEX (auch Handel von Gas- und CO2-Zertifikaten) und schließlich die in ein Gemeinschaftsunternehmen (Qontigo) eingebrachten Index- und Datenangebote verbreitert sich das Geschäft zugunsten weniger zyklischer Bereiche. Auch das Währungsgeschäft gehört in dieses Cluster, allerdings ist hier die Bedeutung für die Deutsche Börse noch gering.

Neben organischem Wachstum ergeben sich international durch Kooperationen neue Wachstumsfelder. Im Abwicklungs- und Verwahrgeschäft ist das Know-how der Börse gesucht. Gerade auch im Zuge der globalen Regulierungsbemühungen und dem Anliegen von Banken einer möglichst effektiven Kapitalverwendung eröffnen sich langfristig noch erhebliche Potenziale. Dazu sind Zukäufe zu erwarten, die auf die Skalierbarkeit des Geschäfts und damit Kostendegression abzielen.

Grafik 1: Wertentwicklung der Deutsche Börse-Aktie

… die Politik manchmal auch …
Zur Reduzierung des (nicht regulierten) außerbörslichen Handels hat die internationale Politik Initiativen gestartet, um diese Grauzone stärker zu kontrollieren und die Produkte/Volumina über die regulierten Börsen laufen zu lassen. So besteht zum Beispiel zunehmend die Pflicht, außerbörslich gehandelte Derivate (sogenannte OTC-Derivate) über einen zentralen Kontrahenten zu clearen.

Davon profitiert die Deutsche Börse, die durch europäische Richtlinien (EMIR) die Zulassung für dieses Geschäft erhalten hatte und so deutliche Marktanteilsgewinne beim Clearing von auf Euro nominierten Zins-Swaps (hier ist die Londoner Börse bisher uneingeschränkt führend) verzeichnen konnte. Einen weiteren Schub könnten Geschäftsverlagerungen wegen des möglichen harten Brexits (Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU) geben.

Mittlerweile reklamiert das unter Eurex zusammengefasste Derivate-Clearing durch eine kluge Geschäftsstrategie und quasi aus dem Nichts kommend einen Marktanteil von 18 Prozent (gemessen am ausstehenden europäischen Volumen). Mittelfristig hält die Deutsche Börse einen Marktanteil von 25 Prozent für realistisch.

… aber eben auch nicht immer: Gespenst Finanztransaktionssteuer
Die Diskussion um eine Finanztransaktionssteuer ist weiter virulent. Bisher scheiterte eine Einführung auch an der Uneinigkeit in Europa. Ob sie tatsächlich kommt und wie diese Steuer im Detail ausgestaltet sein könnte, ist noch offen. Eine Begrenzung der Zusatzlast auf Aktiendirektgeschäfte wäre aber zu verschmerzen, da die negativen Wirkungen auf Handelsumsätze und damit der Ertrag des Börsenbetreibers gering sein dürften. In jedem Fall ist das aber ein das Stimmungsbild belastender Faktor.

Kritik am Hochfrequenzhandel schon frühzeitig gekontert
Zahlreiche Transaktionen werden mittlerweile sowohl im Kassa- wie auch im Terminbereich durch Computer in Millisekunden durchgeführt, was die (Ertrags-)Relevanz für die Deutsche Börse hervorhebt. Die Deutsche Börse hat durch Sicherungsvorkehrungen bereits früh reagiert und bietet damit in der Diskussion keine offene Flanke. Damit sind gravierende politische Eingriffe im Hochfrequenzhandel unwahrscheinlicher geworden.

Mittelfristige Zielplanung ruht auf mehreren Säulen
Die sogenannte Roadmap 2020 (Ablösung durch Strategieplan Compass 2023, der coronabedingt erst im vierten Quartal 2020 vorgestellt werden soll) sieht ein organisches Wachstum von mindestens 5 Prozent vor, das sich über alle Bereiche (Pre-Trading, Trading & Clearing, Post-Trading) erstreckt. Neben diesem strukturellen Wachstum, das sich unter anderem im Fremdwährungshandel oder nachgelagerten Prozessen (zum Beispiel Fonds-Service) ergeben soll, sieht das Management auch Chancen für zyklisches Wachstum (rund 3 Prozent), das durch erhöhte Handelsaktivitäten erreicht werden könnte. Dabei setzt das Management die Ertragsgenerierung in Bezug zur Kostenentwicklung. Wenn sich die Einnahmen »nur« um 5 Prozent verbessern, sollen die Kosten unverändert bleiben. Steigen diese um 10 Prozent, dann werden Investitionen erhöht und die Kosten dürfen bis maximal 5 Prozent steigen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 folgte die tatsächliche Entwicklung aber nicht den Vorgaben. Strukturelle Erlöstreiber sorgten für einen 5-Prozent-Zuwachs, die Konsolidierung steuerte zusätzlich 1 Prozentpunkt bei, allerdings blieb das zyklische Wachstum (0 Prozent) wegen der niedrigen Volatilität hinter den Annahmen zurück. Operative Kosten (+5 Prozent) wurden noch durch Ausgaben für die Konsolidierung der Zukäufe (+3 Prozent) erhöht.

Ausschüttung: Über Dividende, Aktienrückkäufe und neue Aktien
Die Ausschüttung soll zwischen 40 und 60 Prozent des Ergebnisses ausmachen (2019: 48 Prozent). Solange sich größere Wachstumschancen ergeben (vor allem mit Blick auf potenzielle Zukäufe), ist das Erreichen des oberen Wertes der Spanne eher unwahrscheinlich. Gleiches gilt für Aktienrückkäufe, für die wiederum die Verschuldungsquote bei Clearstream insbesondere relevant sein dürfte. In diesem Geschäft (unter anderem als Kontrahent und Verwahrer) spielt das Rating (zurzeit AA) naturgemäß eine große Rolle. Dazu blickt das Unternehmen intensiv auf das Verhältnis von Bruttoverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis (EBITDA), das kleiner als 1,5-fach ausfallen sollte.

Daher könnte es bei größeren Zukäufen durchaus möglich sein, dass neue Aktien emittiert werden. Derzeit hält die Deutsche Börse rund 2 Milliarden Euro freie Mittel für Zukäufe vor, bei Kaufpreisen oberhalb dieser Größenordnung dürften zur Finanzierung neue Aktien ausgegeben werden.

Hinweis
Offenlegung möglicher Interessenkonflikte:
7. Die Commerzbank hat innerhalb der letzten zwölf Monate als Manager oder Co-Manager für Deutsche Börse AG eine Emission von Finanzinstrumenten durchgeführt.
8. Die Commerzbank hat innerhalb der letzten zwölf Monate Investmentbanking-Dienstleistungen für Deutsche Börse AG erbracht oder vereinbart, solche zu erbringen, für die sie Einkünfte erhalten hat bzw. wird.

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

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Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

SB0 2AA

Deutsche Börse

170,00 EUR

6,48 %

16,69 %

19.03.2021

150,92/150,98 EUR

SR9 ZFS

Deutsche Börse

160,00 EUR

9,54 %

12,68 %

19.03.2021

145,96/146,02 EUR

CL8 Q5W

Deutsche Börse

150,00 EUR

13,32 %

9,56 %

19.03.2021

139,82/139,88 EUR

CL8 E8W

Deutsche Börse

140,00 EUR

17,64 %

7,08 %

19.03.2021

132,84/132,89 EUR

CL8 E8Y

Deutsche Börse

130,00 EUR

20,20 %

3,74 %

19.03.2021

128,74/128,76 EUR

CL8 E83

Deutsche Börse

120,00 EUR

27,65 %

3,76 %

19.03.2021

116,63/116,67 EUR

CL8 E88

Deutsche Börse

110,00 EUR

33,15 %

2,70 %

19.03.2021

107,78/107,81 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock- Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CL9 4VJ

Deutsche Börse

Call

108,93 EUR

3,1

Unbegrenzt

5,24/5,25 EUR

CL9 FCU

Deutsche Börse

Call

127,77 EUR

4,8

Unbegrenzt

3,37/3,38 EUR

CL9 YTK

Deutsche Börse

Call

135,74 EUR

6,3

Unbegrenzt

2,56/2,57 EUR

CL0 11R

Deutsche Börse

Put

198,23 EUR

4,3

Unbegrenzt

3,71/3,72 EUR

CL9 4VF

Deutsche Börse

Put

181,49 EUR

7,9

Unbegrenzt

2,04/2,05 EUR

CU7 9B6

Deutsche Börse

Put

173,43 EUR

12,9

Unbegrenzt

1,24/1,25 EUR

Stand: 23. Juni 2020; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern, den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.