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Infineon – Mit der Neuaufstellung gut gerüstet für die Zukunft

Infineon hat sich mit den Themen Mobilität, Sicherheit und Energieeffizienz erfolgreich repositioniert. Bei der Konsolidierung des Sektors spielt man eine aktive Rolle, um nicht selbst übernommen zu werden. Trotz Anzeichen konjunktureller Abkühlung liefert Infineon regelmäßig überzeugende Ergebnisse ab. Die Cypress-Übernahme sollte der weiterhin intakten Investmentstory einen zusätzlichen positiven Schub geben.

In den vergangenen Jahren erheblicher Konzernumbau
Im Sommer 2009 stand Infineon kurz vor der Insolvenz, die damals nur gerade so durch eine deutliche Kapitalerhöhung verhindert werden konnte. Durch den Umbau des Konzerns (unter anderem Verkäufe von Geschäftssparten), ein Kostensenkungsprogramm sowie wegen der wieder anziehenden Nachfrage (zum Beispiel im Automotive-Bereich) konnte der Cashflow in den Folgequartalen erheblich verbessert werden und der Turnaround so gelingen.

Nicht mehr so zyklisch wie früher
Die erhöhte Kostenflexibilität ermöglicht schnellere Reaktionen auf Nachfrageschwankungen. Das Unternehmen hat sich dazu strategisch konsequenter auf Zukunftstrends ausgerichtet als bisher. Im Themenfeld Energieeffizienz ist Infineon mit seinen Angeboten (Halbleiter, Mikrocontroller und Sensoren) gut positioniert. Gleiches gilt für das Thema Mobilität. In einem Auto werden immer mehr Spezialchips verbaut. Auch hier profitiert Infineon von verschärften Abgas- und Verbrauchsnormen. Insbesondere das Marktsegment Automobil verspricht wegen der guten Autokonjunktur hohes Wachstum in der Zukunft.

Der Bereich Sicherheit mit entsprechenden Produktlösungen könnte auch angesichts der mittlerweile ständig wiederkehrenden Meldungen über Hackerangriffe an Nachfrage gewinnen. Infineon ist wegen seiner Konzentration auf die genannten Schwerpunkte deutlich weniger zyklisch als »klassische« Halbleiterunternehmen. Bessere Wachstumsraten und damit verbundene Marktanteilsgewinne gegenüber der Konkurrenz unterstreichen das. Die Aktie hat sich aber noch nicht völlig vom Image eines extrem zyklischen Halbleiterherstellers gelöst.

Investition in neue Technologien und Wachstumsmärkte
Infineon hat sich in der jüngeren Vergangenheit systematisch auf neue Technologien und Wachstumsmärkte konzentriert. In den relevanten Märkten nimmt das Unternehmen inzwischen jeweils eine führende Position hinsichtlich Technologievorsprung und Marktanteilsbesitz ein. Dies gilt zum Beispiel bei der Herstellung von Leistungshalbleitern, wo Infineon seinen Marktanteil als weltweiter Marktführer ausbauen konnte. Der Wettbewerbsvorsprung resultiert aus einem breiten Produktportfolio, mit dem viele Anwendungsbereiche der Kunden abgedeckt werden können. Infineon verweist zudem auf seine »Fertigungskompetenz«. Das Unternehmen verfügt über eine Fertigungsmöglichkeit für Halbleiter auf Siliziumscheiben mit einem 300-Millimeter-Durchmesser. Durch den Effekt, dass bei der Fertigung zusätzlicher Platz für mehr Chips je Wafer bereitgestellt wird, ergeben sich Kostenvorteile und Produktivitätssteigerungen.

Grafik 1: Wertentwicklung der Infineon-Aktie

Großinvestition in Österreich setzt neue Maßstäbe
Infineon wird 1,6 Milliarden Euro in eine neue Chipfabrik investieren. Neben der bereits bestehenden Produktion entsteht im österreichischen Villach bis zum Jahr 2021 eine voll automatisierte 300-Millimeter-Fertigung für die Herstellung von Leistungshalbleitern. Das Umsatzpotenzial der neuen Fabrik beläuft sich auf rund 1,8 Milliarden Euro pro Jahr. Infineon hat bislang die 300-Millimeter-Technologie am Standort Dresden ausgeweitet.

Das österreichische Werk soll mittelfristig die sich weiter abzeichnende Rekordnachfrage nach Leistungshalbleitern bedienen und damit künftiges Unternehmenswachstum sicherstellen. Infineons Spezial-Halbleiter finden zunehmend Verwendung in vernetzten Elektrofahrzeugen, batteriebetriebenen Geräten, Rechenzentren und bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien.

Wichtiger Zukauf in den USA
Infineon hat 2015 den US-Konzern International Rectifier übernommen. Die Amerikaner sind im Bereich Power Management und in Teilen des Halbleitermarkts engagiert. Durch den Zukauf, der eine sinnvolle Ergänzung des Geschäftsportfolios darstellte, verstärkte Infineon zudem die Ausrichtung auf die Märkte in den USA und Asien. Allerdings hatte dies einen hohen Preis (3 Milliarden US-Dollar). Der Zukauf galt seinerzeit als nicht günstig und die Margen des erworbenen Geschäfts lagen in den ersten Quartalen nach der Übernahme deutlich unter den vergleichbaren Infineons. Gleichwohl wirkt der Erwerb inzwischen längst ergebnissteigernd.

Weitere Akquisition scheitert
Infineon hatte 2016 angekündigt, vom amerikanischen LED-Spezialisten Cree das Geschäft mit Leistungshalbleitern (»Wolfspeed«) übernehmen zu wollen. Zielkunden von Wolfspeed tummeln sich vor allem in den Bereichen Automobil und erneuerbare Energien. Diese Aktivitäten hätten sehr gut zur vorhandenen Ausrichtung Infineons gepasst. Cree hat den geplanten Verkauf seiner Tochter an Infineon aber abgesagt. Die Sicherheitsbedenken der amerikanischen Behörden hinsichtlich einer Übernahme galten als so schwerwiegend, dass die Transaktion nicht länger verfolgt werden konnte. Infineon musste eine kleine und zu verkraftende Vertragsstrafe (12,5 Millionen US-Dollar) zahlen. In der Folge kündigte Infineon an, sich nun zwangsläufig nach einem neuen Übernahmeziel umzusehen, um am Ende nicht selbst von einem der Wettbewerber geschluckt zu werden.

Megaübernahme in den USA
Infineon kauft den US-Chiphersteller Cypress Semiconductor für umgerechnet 9 Milliarden Euro. Gezahlt werden 23,85 US-Dollar je Cypress-Aktie, was einer Prämie von 46 Prozent auf den 30-tägigen volumengewichteten Durchschnittskurs entspricht. Infineon erwirbt ein komplementäres Portfolio für die Herstellung von Mikroprozessoren. Geplant sind jährliche Kosteneinsparungen von 180 Millionen Euro plus langfristige Umsatzsynergien in Milliardenhöhe. Das Unternehmen wird hoch bewertet, die größte Übernahme in der Geschichte Infineons belastete zunächst den Kurs deutlich. Zur Mitfinanzierung der Übernahme wurden im Rahmen einer Kapitalerhöhung rund 1,5 Milliarden Euro eingesammelt. Die Aktien wurden dabei zu 13,70 Euro je Stück platziert.

Refinanzierung der Cypress-Übernahme steht
Infineon hat erstmalig eine zwei Tranchen umfassende Hybridanleihe im Wert von 1,2 Milliarden Euro ausgegeben. Damit ist die Refinanzierung der anstehenden Cypress-Übernahme weitgehend abgeschlossen. Zum Closing der Transaktion ist final eine abschließende Kapitalerhöhung zu erwarten. Bereits frühzeitig hatte sich Infineon die notwendigen Bankkredite gesichert. Die Übernahme verläuft nach Plan, die Transaktion soll bis zum Frühjahr 2020 abgeschlossen werden.

Kritischer Blick auf die Nachfrage des Automobilsektors – Cypress-Übernahme weltweit genehmigt
Das Management sorgt sich um die Nachfragesituation aus dem Automobilsektor, sieht auf der anderen Seite aber auch mögliches Aufwärtspotenzial in Bereichen wie dem Ausstattungsbedarf von Servern. Die Zulieferkette wird grundsätzlich als intakt angesehen, Probleme könnten jedoch in Malaysia entstehen. Infineon behält im Zuge der Coronakrise die Flexibilität seines Betriebsmodells bei und behält sich vor, Produktionsanlagen weiter herunterzufahren oder sogar temporär zu schließen. Das Unternehmen hat viele Lehren aus der Finanzkrise 2009 gezogen und fühlt sich mit seinem Krisenmanagement gut aufgestellt.

Infineon hat die Genehmigung der US-Behörde CFIUS zur Übernahme von Cypress Semiconductor inzwischen erhalten. Das Infineon-Management hatte zuletzt immer wieder beteuert, hier auf einem sehr guten Weg zu sein. Zeitweise gab es jedoch Meldungen, der Deal könne noch überraschend scheitern. Und auch die chinesischen Behörden haben die Freigabe für die Cypress-Transaktion erteilt. Eine Kapitalmaßnahme in der Größenordnung von 500 bis 600 Millionen Euro ist nun noch ausstehend. Die restliche Finanzierung der Übernahme (insgesamt rund 2,7 Milliarden Euro) ist vor allem auch durch mittel-/langfristige Bankdarlehen gesichert. Mit Cypress ergänzt Infineon sein Produktportfolio um weitere Mikrocontroller und Komponenten für die Datenübertragung. Infineon ist künftig in der Lage, komplette – und nicht nur für die Automobilindustrie geeignete – Systemlösungen auf den Markt zu bringen. Zusammen mit Cypress dürfte Infineon hervorragend für die Zeit nach der Coronakrise aufgestellt sein.

Corona verursacht Umsatz- und Gewinnwarnung – kein neuer Ausblick
Infineon hat – wie von den Marktteilnehmern erwartet – die eigene Prognose für das Geschäftsjahr 2019/2020 (Umsatzwachstum +5 Prozent; Marge 16 Prozent) wegen der aktuellen Ereignisse rund um die Corona-Pandemie zurückgezogen und schließt auch einen Umsatzrückgang nicht mehr aus. Vor allem die wegbrechende Nachfrage des Automobilsektors (Betriebsschließungen) zeigt deutlich negative Auswirkungen. Unterauslastung wird auch mangels Aufträgen der Industrie bzw. des Investitionsgüterbereichs erwartet. Hingegen dürften sich die Ordereingänge für Serverbedarf und Kommunikationssysteme, die im Zusammenhang mit dem weltweit steigenden Datenverkehr stehen dürften, robust entwickeln.

Im laufenden Quartal könnte Infineon noch mit einem blauen Auge davonkommen, hier wird die Umsatzentwicklung immer noch am unteren Ende der vorgesehenen Spanne (bei rund +3 Prozent) erwartet. Infineon betonte, die Entwicklung der Märkte sei sehr dynamisch und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise sind daher nicht verlässlich abzuschätzen. Schritte zur Sicherung der Profitabilität und zur Stärkung des Cashflows stehen nun zunächst im Fokus. Die langfristigen strukturellen Wachstumstreiber – Elektromobilität, Internet der Dinge und erneuerbare Energien – sind laut Infineon intakt. Das Unternehmen hält es aber für möglich, dass sich nach Überwindung der Coronakrise die Kerngeschäfte wieder beschleunigt entwickeln werden.

Hinweis
Offenlegung möglicher Interessenkonflikte:
7. Die Commerzbank hat innerhalb der letzten zwölf Monate als Manager oder Co-Manager für Infineon Technologies AG eine Emission von Finanzinstrumenten durchgeführt.
8. Die Commerzbank hat innerhalb der letzten zwölf Monate Investmentbanking-Dienstleistungen für Infineon Technologies AG erbracht oder vereinbart, solche zu erbringen, für die sie Einkünfte erhalten hat bzw. wird.
12. Die Commerzbank ist Market Maker in den Finanzinstrumenten von Infineon Technologies AG.

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

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Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CJ8 AGH

Infineon

13,50 EUR

16,68 %

25,61 %

18.12.2020

11,30/11,31 EUR

CJ8 AGJ

Infineon

14,50 EUR

13,12 %

29,57 %

18.12.2020

11,83/11,84 EUR

CJ8 AGK

Infineon

15,50 EUR

10,01 %

34,95 %

18.12.2020

12,23/12,24 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock- Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CL5 XWP

Infineon

Call

8,46 EUR

2,6

Unbegrenzt

5,20/5,21 EUR

CL5 XWT

Infineon

Call

9,50 EUR

3,2

Unbegrenzt

4,16/4,17 EUR

CL5 YHD

Infineon

Call

10,00 EUR

3,7

Unbegrenzt

3,68/3,69 EUR

CL4 5KW

Infineon

Put

17,74 EUR

3,2

Unbegrenzt

4,19/4,20 EUR

CL4 7LD

Infineon

Put

16,54 EUR

4,5

Unbegrenzt

3,00/3,01 EUR

CL5 F4L

Infineon

Put

16,15 EUR

5,2

Unbegrenzt

2,61/2,62 EUR

Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CJ8 GW6

Infineon

Long

2

Unbegrenzt

4,37/4,38 EUR

CJ8 GXR

Infineon

Long

3

Unbegrenzt

1,86/1,87 EUR

CJ2 3VX

Infineon

Short

–2

Unbegrenzt

4,46/4,47 EUR

CJ8 GZW

Infineon

Short

–3

Unbegrenzt

5,27/5,29 EUR

Stand: 27. März 2020; Quelle: Société Générale, Commerzbank
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern, den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.