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DDV-Emittenten-Umfrage 2019/2020

2020 steht im Zeichen der Nachhaltigkeit

In diesem Jahr können Anleger aus einer steigenden Anzahl nachhaltiger strukturierter Wertpapiere auswählen. Das zeigt die aktuelle Emittenten-Umfrage des Deutschen Derivate Verbands (DDV) unter 20 Instituten, die für 95 Prozent des Gesamtmarktvolumens stehen. Demnach planen rund zwei Drittel der befragten Banken, 2020 nachhaltige Produkte aufzulegen.

Nachdem die Europäische Kommission ihren Aktionsplan »Financing Sustainable Growth« vorgelegt hat, wird das Thema Nachhaltigkeit für strukturierte Wertpapiere in den kommenden Jahren auch auf regulatorischer Ebene eine zentrale Rolle spielen. »Für unsere Branche ist das eine Chance«, sagt Dr. Henning Bergmann, geschäftsführender Vorstand des DDV. »Der verstärkte Anlegerfokus auf nachhaltige Investments gibt uns neue Impulse. Für strukturierte Wertpapiere werden sich neue Branchenstandards herausbilden.«

Grafik 1: Planen Sie, 2020 nachhaltige Produkte aufzulegen?
Grafik 1: Planen Sie, 2020 nachhaltige Produkte aufzulegen?
Stand: 18. Dezember 2019; Quelle: Deutscher Derivate Verband (DDV)

Die politische Nachhaltigkeitsagenda bringt einen erneuten regulatorischen Eingriff in bestehende Systeme mit sich und entsprechend Umsetzungskosten für die Finanzbranche. Der DDV-Umfrage zufolge rechnen Emittenten ohnehin mit steigenden Kosten infolge neuer oder veränderter Finanzmarktregelwerke. »Jetzt gilt es, das Kind nicht mit einer überhasteten und in Teilen zu bürokratischen Regulierung mit dem Bade auszuschütten«, so Bergmann. Es gelte, den Anleger in den Mittelpunkt zu stellen – und ihn so zu motivieren, mit seiner Vermögensanlage den Wandel zu einer nachhaltigen Welt mitzufinanzieren.

Grafik 2: Wie wird sich das Geschäft mit strukturierten Produkten in Ihrem Haus 2020 entwickeln?
Grafik 2: Wie wird sich das Geschäft mit strukturierten Produkten in Ihrem Haus 2020 entwickeln?
Stand: 18. Dezember 2019; Quelle: Deutscher Derivate Verband (DDV)

Der Aktionsplan »Financing Sustainable Growth« wird unter anderem zu Änderungen an der Finanzmarktrichtlinie MiFID II führen, die von diesem Jahr an überarbeitet werden soll. Das 2018 in Kraft getretene Regelwerk sollte eigentlich für einen besseren Schutz von Anlegern und mehr Transparenz in den Märkten sorgen. Es verpflichtet Anbieter von Finanzprodukten unter anderem, klar zu definieren, für welche Zielgruppen sich ihre jeweiligen Produkte eignen. Der Anleger muss zudem über die Kostenbestandteile informiert werden. ln der Praxis führten diese und weitere Vorschriften jedoch zu einem Zustand, in dem immer mehr Kunden mit der Fülle der ihnen vorgesetzten Informationen überfordert sind. Gleichzeitig sind die Abläufe beim Wertpapierkauf umständlicher und zeitraubender geworden. Für die Kreditinstitute bewirken diese Neuerungen teils große praktische Schwierigkeiten.

Grafik 3: Rechnen Sie 2020 mit steigenden Kosten infolge neuer oder veränderter Finanzmarktregelwerke?
Grafik 3: Rechnen Sie 2020 mit steigenden Kosten infolge neuer oder veränderter Finanzmarktregelwerke?
Stand: 18. Dezember 2019; Quelle: Deutscher Derivate Verband (DDV)

»Es ist entscheidend, dass die Überarbeitung durchdacht erfolgt, und dieses Mal wirklich den Anleger so in den Mittelpunkt stellt, dass er einen Mehrwert bekommt«, sagt Bergmann. »Momentan belasten viele Vorschriften sowohl Privatanleger als auch die beratenden Institute, sodass beide Gruppen sich tendenziell aus dem Markt zurückziehen. Das ist fatal. Für den privaten Vermögensaufbau ist der Kapitalmarkt unerlässlich.«

Grafik 4: Wie schätzen Sie die Angebotsveränderung von strukturierten Wertpapieren 2020 tendenziell ein?
Grafik 4: Wie schätzen Sie die Angebotsveränderung von strukturierten Wertpapieren 2020 tendenziell ein?
Stand: 18. Dezember 2019; Quelle: Deutscher Derivate Verband (DDV)

Trotz der Schwierigkeiten, die Anleger und beratende Institute mit dem derzeit gültigen Rechtsrahmen haben, erwarten die vom DDV befragten Emittenten in diesem Jahr ein stabiles Marktvolumen sowie eine in etwa gleichbleibende Produktanzahl.