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Trübe Aussichten für das britische Pfund

Der Aufwertungstrend des britischen Pfunds dürfte vorerst vorbei sein, da die Unsicherheit über den weiteren Brexit-Verlauf wieder steigt und sich der fundamentale Ausblick eingetrübt hat.

Erster Brexit-Meilenstein erreicht
Zweieinhalb Jahre nach dem schicksalshaften Referendum wird Ende Januar aller Voraussicht nach nun tatsächlich ein erster Meilenstein im Brexit gesetzt. Das Vereinigte Königreich wird ab dem 31. Januar kein EU-Mitglied mehr sein, zumindest auf dem Papier. Der wirtschaftliche Status quo soll dagegen noch bis Ende dieses Jahres beibehalten werden. In dieser Zeit sollen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen stattfinden.

Das britische Pfund konnte im Zuge dieser Entwicklungen seit Mitte August um rund 10 Prozent zulegen. Allerdings dürfte der Aufwertungstrend nun vorbei sein. Kurzzeitig bestand die Hoffnung, dass Premierminister Boris Johnson mit seiner neuen komfortablen Mehrheit im Parlament womöglich einen pragmatischeren Ansatz in Sachen Brexit verfolgen könnte, was eine weitere Aufwertung des britischen Pfunds gerechtfertigt hätte. Doch diese Hoffnung zerstörte der Premier schnell, indem er erneut betonte, das Vereinigte Königreich werde keinesfalls die Handelsgespräche mit der EU über die derzeit vorgesehene Zeit verlängern, das heißt über dieses Jahr hinaus – und das, obwohl die EU bereits gewarnt hatte, dass diese Zeit nicht ausreiche, um ein umfangreiches Freihandelsabkommen auszuhandeln.

Unsicherheitsfaktor Johnson
Diese »Do-or-die«-Strategie des Premiers ist nicht neu. Johnson hatte schon im vergangenen Jahr versucht, das von ihm ausgehandelte EU-Austrittsabkommen mittels eines ähnlichen Ultimatums durch das britische Parlament zu drücken, womit er jedoch scheiterte und weshalb er am Ende doch – entgegen allen seinen Schwüren – eine Verschiebung des Brexit-Termins von Ende Oktober auf Ende Januar beantragte. Es liegt also nahe, dass Johnson das gleiche Spiel nun mit der EU spielen will.

Allerdings ist keinesfalls sicher, dass Johnson erneut blufft. Es ist nicht auszuschließen, dass der Premier nicht trotz, sondern gerade wegen der Mehrheit seiner Partei im Parlament dieses Mal an seiner harten Linie festhält und tatsächlich nicht plant, um eine Verlängerung der Handelsgespräche zu bitten, selbst wenn ein Freihandelsabkommen mit der EU mehr Zeit beanspruchen sollte. Die Möglichkeit eines harten Bruchs mit der EU, das heißt ein EU-Ausstieg ohne Handelsabkommen, ist also noch nicht vom Tisch.

Geld- und Fiskalpolitik werden zur Belastung
Auch aus fundamentaler Sicht sieht es nicht rosig aus für das britische Pfund. Lange Zeit hatte die Bank of England (BoE) im Falle eines geordneten Brexits eine Normalisierung ihrer Geldpolitik in Aussicht gestellt. Doch diese Pläne dürfte sie inzwischen aufgegeben haben. Sie erkennt mittlerweile an, dass die jüngste Wachstumsabschwächung nicht nur auf die Brexit-Unsicherheit zurückzuführen ist, sondern auch im Zusammenhang mit der globalen Konjunkturschwäche steht.

Zuletzt hat sich der Ausblick zudem weiter eingetrübt. So ist nicht nur der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Einklang mit dem globalen Trend deutlich gefallen. Mittlerweile liegt auch der Einkaufsmanagerindex für den weitaus wichtigeren Dienstleistungsbereich im Vereinigte Königreich auf dem tiefsten Niveau seit dem Einbruch im Zuge des EU-Referendums im Jahr 2016 (siehe Grafik 1). Darüber hinaus dürfte die Inflation in den nächsten Monaten wohl deutlich unter 2 Prozent verharren, da trotz niedriger Arbeitslosenquote kein signifikanter Lohndruck aufkommt. Wir gehen daher davon aus, dass die BoE ihre Zinsen noch vor Jahresmitte senken wird.

Auch die Regierung will auf die Wachstumsschwäche reagieren und hat entsprechend Stimulusmaßnahmen – darunter Steuersenkungen – in Aussicht gestellt. Am 11. März will Schatzkanzler Sajid Javid den detaillierten Haushaltsplan vorstellen. Kurzfristig mag dies die Notwendigkeit für eine aggressive geldpolitische Lockerung der BoE verringern und damit positiv für das britische Pfund gewertet werden. Doch schon jetzt zeigen sich Experten skeptisch hinsichtlich der Finanzierbarkeit der Ausgabenpläne der Regierung. Der positive Effekt des fiskalischen Impulses dürfte letztlich durch die mit ihm verbundenen höheren fiskalischen Risiken aufgewogen werden.

Grafik 1: Einkaufsmanagerindizes
Grafik 1: Einkaufsmanagerindizes
Stand: November 2019; Quelle: Markit

Britisches Pfund vorerst wieder schwächer
Die Aufwertung des britischen Pfunds seit dem Sommer war insofern gerechtfertigt, da mit dem Sieg der Tories in den Parlamentswahlen der Machtkampf innerhalb des britischen Unterhauses und mit der Regierung endlich enden sollte. Die britische Seite dürfte nun eine einheitlichere Haltung in Bezug auf den Brexit einnehmen. Das heißt jedoch nicht, dass der weitere Brexit-Prozess von nun an glatter verlaufen wird. Vielmehr dürfte sich der Konflikt lediglich von der heimischen Front auf die EU-Ebene verlagern.

Wegen des anhaltenden Risikos eines harten Brexits und einer zu erwartenden Abwärtskorrektur der Zinserwartungen prognostizieren wir eine Abwertung des britischen Pfunds im Laufe dieses Jahres.

Längerfristig sehen wir jedoch Erholungspotenzial, da wir davon ausgehen, dass die britische Regierung es nicht auf einen harten Brexit ankommen lassen wird und sich daher beizeiten mit der EU auf eine Fristverlängerung einigen wird. Zuvor dürfte es jedoch eine Phase der Unsicherheit geben, die für eine erhöhte Volatilität in den Britisches-Pfund-Wechselkursen sorgen sollte.

Anlageidee: Zertifikate und Optionsscheine auf das britische Pfund

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BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CL0 NL7

EUR/GBP

Call

0,6693 GBP

4,8

Unbegrenzt

20,62/20,65 EUR

CL0 2EY

EUR/GBP

Call

0,7847 GBP

14,1

Unbegrenzt

7,04/7,07 EUR

CJ9 1N2

EUR/GBP

Put

1,0779 GBP

3,6

Unbegrenzt

28,08/28,12 EUR

CU8 LN2

EUR/GBP

Put

0,9233 GBP

10,3

Unbegrenzt

9,70/9,73 EUR

Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CU2 XL3

EUR/GBP

Long

2

Unbegrenzt

8,95/8,98 EUR

CU5 4Y8

EUR/GBP

Short

–2

Unbegrenzt

11,08/11,13 EUR

CU2 XL5

EUR/GBP

Long

5

Unbegrenzt

7,36/7,44 EUR

CU5 4Y6

EUR/GBP

Short

–5

Unbegrenzt

12,73/12,86 EUR

Stand: 24. Januar 2020; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern, den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.