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Qiagen – Übernahme nur aufgeschoben?

Eine Gewinnwarnung und der Abgang des Konzernchefs sorgten im Herbst 2019 für einen Kurseinbruch der Qiagen-Aktie. Danach kam Übernahmefantasie auf, was zu einer entsprechenden Kursrally führte. Nachdem Qiagen von sich aus die Übernahmegespräche beendet hatte, brach die Aktie wiederum ein. Der Titel ist unseres Erachtens nicht überteuert. Eine spätere Übernahme erscheint uns zwar wahrscheinlich, kurzfristig ist sie jedoch nicht zu erwarten.

Die Qiagen-Produkte sind nicht nur bei den »CSI-Serien« begehrt
Die Produkte von Qiagen finden nicht nur in Universitäten und Pharmaunternehmen Anwendung, sondern auch in der Forensik/Gerichtsmedizin sind Diagnosegeräte und Verbrauchsmaterialien des Biotechunternehmens essenzieller Bestandteil der Ausstattung, weswegen der Unternehmensname auch in den amerikanischen CSI-Serien regelmäßig werbewirksam auftaucht. Aber auch im richtigen Leben könnten der ehemalige Footballstar O.J. Simpson oder Monica Lewinsky die Diagnosegenauigkeit von Qiagen bestätigen ...

QIAsymphony: »iPad der Biotechnologie«
Das Laborgerät »QIAsymphony« (eine Art iPad der Biotechnologie: dient der Automatisierung der gesamten Arbeitsabläufe im Labor von der anfänglichen Probenvorbereitung bis zum finalen Ergebnis, dabei intuitive Bedienbarkeit) verkauft sich hervorragend und übertrifft alle Absatzziele der Sparte. Dieses Alleskönner-Diagnosegerät ist derzeit einer der Wachstumstreiber des Unternehmens.

»Personalisierte Medizin« ist ein Megatrend der Pharmabranche
Besonders spannend ist unseres Erachtens die Sparte »Personalisierte Medizin«: bereits jetzt ein Megatrend der Pharmabranche, die kommenden Wachstumsraten gelten als überdurchschnittlich. Qiagen baut den Wachstumsmotor sowohl organisch als auch durch gezielte Akquisitionen weiter systematisch aus.

Grenzen zwischen Diagnostik und Therapie verschwimmen
Da jeder Krebs einen »genetischen Fingerabdruck« aufweist, lässt sich mithilfe moderner Diagnostikverfahren feststellen, ob der Patient/Krebs auf die geplante Therapie adäquat ansprechen wird oder nicht. Die Diagnosen erfolgen somit sicherer (Ausschluss von Fehldiagnosen), schneller und effektiver. Aber auch die Therapien werden immer zielgerichteter, sogar die richtige Dosis wird ermittelt, was Nebenwirkungen reduziert. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen Diagnostik und Therapie weiter. Bisher konkurrieren in diesem Geschäftsfeld nur wenige große Spieler (wie beispielsweise der Pharmakonzern Roche). Der potenzielle Markt ist enorm.

»Liquide Biopsie«
Vereinfacht ausgedrückt ist die »liquide Biopsie« eine nicht invasive Alternative zu traditionellen Methoden, bei denen Körpergewebe entnommen werden muss. Bei diesem innovativen Diagnoseansatz wird zum Beispiel Blut des Patienten auf Tumore in dessen Körper getestet, da Krebszellen genetisches Material in den Blutkreislauf abgeben. Die Datensammlung wird deutlich vereinfacht, die Belastung für den Patienten gesenkt. Die Technologie wird auch Einzug in andere Anwendungen wie der Urologie halten und verspricht ein sehr großes Marktpotenzial. Qiagen gilt auch in diesem Bereich als einer der Technologieführer.

Zukunftstrend »Bioinformatik«
Qiagen hat in den vergangenen Jahren einen starken Umbau erlebt, wobei durch Akquisitionen beispielsweise der Bioinformatikanteil (Erwerb von CLC oder Ingenuity) deutlich ausgebaut wurde. Daraus resultieren wichtige Markteinführungen in den Bereichen Genomsequenzierung und Bioinformatik, von denen wir uns langfristig großes Potenzial versprechen. So werden nicht nur die diagnostischen Tests angeboten, sondern die daraus gewonnenen Informationen analysiert und interpretiert, was die Geschwindigkeit und Genauigkeit des gesamten Prozesses weiter erhöht. Qiagen gilt in diesem Bereich bereits heute als einer der Weltmarktführer.

Weitere Anwendungsfelder
Weitere Anwendungsfelder wie die Tiermedizin, sonstige Agrarwirtschaft, Umweltschutz oder der Lebensmittelbereich sind ebenfalls milliardenschwere Märkte, in denen Qiagen-Technologie zunehmend zum Einsatz kommt.

Abschreibungen dürften noch andauern
Aufgrund der regen Übernahmetätigkeit in den vergangenen Jahren muss der Konzern allerdings recht hohe Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte vornehmen. Die Markteintrittsbarrieren sind bei dieser Technologie jedoch recht hoch, mit einer Eigenentwicklung anstelle der Akquisitionen wäre man vermutlich chancenlos am Markt (unter anderem zu lange Entwicklungszeiten), weswegen die Abschreibungen als ein notwendiges Übel zu betrachten sind, auch wenn der Gewinn dadurch noch einige Quartale geringer ausfällt.

Potenzieller Übernahmekandidat
Qiagen hat eine hervorragende Ausgangsposition, was das Unternehmen auch selbst zu einem Übernahmeziel macht. Die Aktie ist mit Blick auf die Aktionärsstruktur breit gestreut. Der Konzern ist allerdings eine Stiftung niederländischen Rechts und von daher vor einer feindlichen Übernahme relativ gut geschützt. Mit dem Abgang von Ex-Chef Peer M. Schatz, der stets die Eigenständigkeit des Konzerns betont hat, wurde der Weg für eine freundliche Übernahme jedoch frei. Prompt meldeten sich dann auch Interessenten bei Qiagen, entsprechende Verhandlungen wurden aufgenommen und bestätigt.

In einer Pressemitteilung vom 24. Dezember 2019 erklärten die Qiagen-Gremien schließlich, dass die Übernahmegespräche mit den potenziellen Bietern gescheitert seien. Nach Meinung des Vorstands und des Aufsichtsrats bietet die Eigenständigkeit des Unternehmens angeblich das höchste Potenzial für Wertsteigerungen. Konkrete Gründe für das Scheitern der Gespräche wurden zwar nicht genannt. Allerdings ist die wahrscheinlichste Variante die, dass der Aufsichtsrat eine höhere Preiserwartung hatte als das Niveau, das die Interessenten angeboten haben.

Vormals signifikantes »Key-person-risk« (Einzelpersonenrisiko)
Qiagen-Chef Peer M. Schatz hat den Konzern von einem Umsatz in Höhe von wenigen Millionen US-Dollar auf über 1,5 Milliarden US-Dollar aufgebaut. Qiagen war seinerzeit eher ein Start-up, heute ist er einer der führenden Konzerne in seinen Geschäftsfeldern. Zudem sorgte Schatz für die Börsennotierung. Sein Abgang hat daher die Aktie kurzfristig stark belastet. Damit öffnete sich jedoch auch die Tür für eine Übernahme. Das verbliebene Einzelpersonenrisiko ist mit dem Abgang nun nicht mehr kursrelevant.

Grafik 1: Entwicklung der Qiagen-Aktie
Grafik 1: Entwicklung der Qiagen-Aktie
Stand: 24. Januar 2020; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Perspektiven und Bewertung
Qiagen sieht zwar Herausforderungen im Brexit, den Währungsschwankungen sowie durch die Handelskonflikte, geht aber davon aus, dass der starke Absatz von Produkten wie Quantiferon (Test auf latente Tuberkulose) in den USA dies mehr als überkompensiert. Die Nachfrage nach Qiagen-Produkten aus den Pharmafirmen, den universitären Einrichtungen und Diagnostiklaboren entwickelt sich robust.

Belastet hatte unter anderem die zweite Umsatzwarnung innerhalb kurzer Zeit. In beiden Fällen führt das Management unter anderem ein geringer als erwartet ausgefallenes Wachstum in China als Grund an. Hier fehlen weiterhin tiefergehende Hintergrundinformationen. Derzeit hat sich noch nicht klar herauskristallisiert, inwieweit die dortige Wachstumsabschwächung unternehmensspezifisch ist. Die Umsatzwarnung und der überraschende Abgang des Vorstandsvorsitzenden führten zu einem massiven Kurseinbruch.

Schnell setzte jedoch eine Übernahmefantasie ein. Die Wahrscheinlichkeit einer Akquisition von Qiagen stufen wir grundsätzlich als recht hoch ein. Qiagen würde beispielsweise strategisch hervorragend zum US-Konzern Thermo Fisher Scientific passen, der eine Art Amazon unter anderem für Kunden aus dem Forschungsbereich formen könnte. Mit dem Technologieführer in der Gensequenzierung, Illumina, ist Qiagen jedoch eine tiefgehende Kooperation eingegangen. Sollte der Hildener Konzern von Thermo Fisher Scientific gekauft werden, hätte dies operativ negative Auswirkungen auf Illumina. Insofern dürfte also auch Illumina ein Interesse an einer Übernahme haben.

Von den Bewertungskennziffern her liegt Qiagen derzeit klar unter dem Niveau des Life-Science-Sektors. Die Enttäuschung über die gescheiterte Übernahme könnte den Qiagen-Kurs jedoch noch einige Zeit belasten. Sehr langfristig gedacht rechnen wir zwar mit einer Übernahme des Konzerns, hiermit ist in den nächsten Monaten allerdings nicht zu rechnen, da eine feindliche Übernahme nahezu ausgeschlossen ist. In der Summe sehen wir jedoch auch aufgrund der Marktpositionierung von Qiagen und der Bewertungssituation der Aktie ein positives Chancen-Risiken-Profil.

Anlageidee: Optionsscheine und Zertifikate auf Qiagen

Nutzen Sie die Einschätzungen unserer Experten und partizipieren Sie an der Entwicklung der Qiagen-Aktie. Ganz gleich, ob Sie mit Hebelprodukten auf schnelle und kurzfristige Marktveränderungen setzen möchten oder mit Anlageprodukten eine intelligente Alternative zum reinen Aktieninvestment suchen, bei der Commerzbank werden Sie fündig.

Ein Überblick über das gesamte Produktspektrum an Zertifikaten steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CL1 1MY

Qiagen

32,00 EUR

10,14 %

19,41 %

18.09.2020

28,30/28,31 EUR

CL1 N0D

Qiagen

30,00 EUR

13,34 %

14,79 %

18.09.2020

27,28/27,29 EUR

CL1 DKD

Qiagen

28,00 EUR

17,16 %

10,90 %

18.09.2020

26,08/26,09 EUR

CL1 DKA

Qiagen

25,00 EUR

23,91 %

6,40 %

18.09.2020

23,95/23,96 EUR

CL1 DJ8

Qiagen

23,00 EUR

29,00 %

4,19 %

18.09.2020

22,36/22,37 EUR

Unlimited Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/ Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CL0 73W

Qiagen

Call

21,27/22,79 EUR

3,1

Unbegrenzt

1,02/1,03 EUR

CL0 F7Y

Qiagen

Call

26,75/28,65 EUR

6,6

Unbegrenzt

0,47/0,48 EUR

CL2 ZH1

Qiagen

Call

28,65/30,65 EUR

10,8

Unbegrenzt

0,28/0,29 EUR

CL0 HV3

Qiagen

Put

43,61/40,53 EUR

2,6

Unbegrenzt

1,21/1,22 EUR

CL0 74G

Qiagen

Put

38,23/35,53 EUR

4,5

Unbegrenzt

0,69/0,70 EUR

CL3 DXJ

Qiagen

Put

36,04/33,53 EUR

6,8

Unbegrenzt

0,45/0,46 EUR

Stand: 24. Januar 2020; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern, den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.