Wissen

Investieren in Rohstoffe mit Unlimited Partizipations-Zertifikaten

Wie geeignet sind die Rohstoff-Tracker?

Für den Ölpreis war es ein turbulentes Jahr. Besonders der Drohnenangriff auf die weltgrößte Ölraffinerie in Saudi-Arabien sorgte für Aufregung am Markt. Inzwischen hat sich der Ölpreis wieder etwas stabilisiert. Grund genug, Ihnen eine Möglichkeit vorzustellen, wie Sie an Ölpreisveränderungen partizipieren können.

In den vergangenen Wochen befanden sich die beiden Ölsorten Brent und WTI in einer Aufwärtsbewegung. Der im Dezember 2019 fällige Brent-Future-Kontrakt notiert inzwischen wieder oberhalb der 60-US-Dollar-Marke, während der nächstfällige WTI-Future kurzfristig 55,00 US-Dollar überschritten hat. Damit befindet sich der Ölpreis derzeit auf einem ähnlichen Niveau wie vor den Drohnenangriffen Mitte September.

Für Anleger, die auf einen langfristigen Anstieg eines Basiswerts setzen, eignen sich grundsätzlich sogenannte Unlimited Index- bzw. Partizipations-Zertifikate. Diese Zertifikate werden ohne Laufzeitbeschränkung und mit oder ohne Währungsabsicherung begeben und ermöglichen (in der Regel) eine Eins-zu-eins-Partizipation an dem zugrunde liegenden Basiswert. Viele Anleger kennen bereits die am Markt etablierten Unlimited Index-Zertifikate auf den DAX, Dow Jones oder Nikkei 225-Index. Die Indexstände werden während der Handelszeit der jeweiligen Börse oder nach Börsenschluss indikativ von der Emittentin kontinuierlich publiziert, sodass sich der entsprechende Zertifikatspreis für Anleger leicht ermitteln lässt (Preis des Zertifikats = (Indexstand x Bezugsverhältnis) / Währungskurs). Bei Performanceindizes muss zusätzlich die Dividendenbesteuerung berücksichtigt werden.

Wie ermittelt sich der Preis eines Unlimited Zertifikats auf Rohstoffe?
Zunächst muss man wissen, welchem Basiswerttyp das Zertifikat zugrunde liegt. Während Unlimited Index-Zertifikate sich auf den aktuellen Indexstand (den sogenannten Spot-Preis) beziehen, referenzieren Unlimited Zertifikate auf Rohstoffe auf sogenannte Future-Kontrakte. Der Hintergrund dessen liegt darin, dass es beispielsweise bei Rohöl oder Erdgas keinen aktiven Spotmarkt (Kassamarkt) gibt, über den die Emittentin die entsprechenden Zertifikate abbilden kann. Rohstoffe werden aktiv ausschließlich über die Terminbörse gehandelt, sodass ein aktiver Handel in den entsprechenden Future-Kontrakten auf den jeweiligen Rohstoff möglich ist. Entsprechend bezieht sich der Basiswert von Unlimited Zertifikaten auf Rohstoffe der Commerzbank immer auf Rohstoff-Futures.

Anlegern sollte bewusst sein, dass es zwischen Zertifikaten auf Indizes und Zertifikaten auf Futures wesentliche Unterschiede gibt. Denn Future-Kontrakte haben immer eine feste Laufzeit, was bei einem Index nicht der Fall ist. Für Rohstoffe existieren somit Future-Kontrakte mit verschiedenen Laufzeiten. Bei Rohöl liegt die Bandbreite an Laufzeiten zwischen einem Monat und mehreren Jahren. Während die Intercontinental Exchange (ICE) Future-Kontrakte auf Brent mit einer maximalen Laufzeit von sieben Jahren anbietet, werden an der NYMEX sogar WTI-Futures mit einer maximalen Laufzeit von neun Jahren gehandelt.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass es theoretisch am besten wäre, wenn einem unbegrenzt laufenden Zertifikat ein Rohstoff-Future-Kontrakt mit möglichst langer Laufzeit zugrunde liegt. Doch es gibt Folgendes zu beachten: Zum einen haben langlaufende Kontrakte eine sehr geringe Liquidität. Zum anderen spiegeln sie die Markterwartung in der »weiteren« Zukunft wider. So können die Preise von diesen Future-Kontrakten aufgrund von Contango oder Backwardation sehr stark vom aktuellen Spot-Preis abweichen. Aufgrund dieser Problematiken beziehen sich die Unlimited Zertifikate auf Rohstoffe in der Regel auf den Future-Kontrakt mit der kürzesten Laufzeit. Der Vorteil bei Kontrakten mit kürzerer Laufzeit liegt darin, dass sie die höchste Liquidität an der jeweiligen Terminbörse aufweisen und die Preisabweichungen zum Spot-Preis in der Regel gering sind. Aufgrund dieser beiden Gegebenheiten wird deren Preis auch häufig von Marktteilnehmern quasi als »Spot-Ersatz« genutzt.

Kommen wir nun zum Preis des Unlimited Zertifikats
Betrachtet man beispielsweise das am 31. Januar 2019 emittierte Quanto-Zertifikat auf den Brent Crude Oil Future (WKN: CU0 L1R), bezog es sich zum Zeitpunkt der Emission zunächst auf den April-2019-Future, der am 28. Februar 2019 verfiel. Bei einem Preis des Futures von 62,00 US-Dollar am 31. Januar 2019 betrug der Emissionspreis des währungsgesicherten Zertifikats 62,00 Euro. Da der Brent-Future monatlich fällig wird, muss kurz vor dem nächsten Fälligkeitstermin bzw. spätestens am Fälligkeitstag des ausgewählten Future-Kontrakts in den nächstfälligen »gerollt« werden. Für die Emittentin bedeutet das, die abgesicherte Position des April-2019-Future zu verkaufen und die Position im Mai-2019-Future aufzubauen. 

Wenn zum Beispiel am Tag der Future-Rolle der auslaufende Future bei 65,00 US-Dollar notiert und der neu gewählte Future beispielsweise 0,50 US-Dollar höher bei 65,50 US-Dollar liegt, muss der Vorgang für den Anleger wertneutral durchgeführt werden, damit der Preis des Zertifikats weiterhin bei 65,00 US-Dollar liegt. In diesem Fall entsteht ein sogenannter Bereinigungsbetrag in Höhe von 0,50 US-Dollar. Dieser Bereinigungsbetrag wird nach dem Rollvorgang vom neuen Future-Kontrakt abgezogen, um den Preis des Zertifikats zu ermitteln. Über die Laufzeit hinweg spiegelt dieser Bereinigungsbetrag die angefallenen Future-Roll-Over-Kosten und -Erträge und variiert von Monat zu Monat. Im Falle eines Quanto-Zertifikats beinhaltet der Bereinigungsbetrag auch die Kosten und Erträge aus der Währungsabsicherung. So würde beispielsweise ein Unlimited Zertifikat auf den Brent-Future mit Bereinigungsbetrag von 19,50 US-Dollar zurzeit bei 41,50 Euro notieren. Der Preis des Zertifikats entspricht somit der Differenz aus dem Dezember-2019-Brent-Future und dem Bereinigungsbetrag ((41,50 EUR = 61,00 USD – 19,50 USD), da es sich um ein Quanto-Zertifikat handel, gilt 1 EUR = 1 USD).

Dieser Bereinigungsbetrag, der vor allem durch die Future-Rolle entsteht, ist somit eine Folge des Investments in Futures und lässt sich nicht vermeiden. Ein Problem für den Anleger kann allerdings erst dann entstehen, wenn dieser Betrag entsprechend hoch ist. Denn ein hoher Bereinigungsbetrag kann dazu führen, dass das Zertifikat nicht mehr eins zu eins mit dem Basiswert mitläuft. Aus diesem Grund emittiert die Commerzbank regelmäßig neue Unlimited Zertifikate auf Rohstoffe und kündigt gelegentlich die alten Zertifikate mit höheren Bereinigungsbeträgen. Somit sollte der Investor seine Anlage im Unlimited Zertifikat auf Brent-, WTI- oder Natural-Gas-Future im Auge behalten und gegebenenfalls die Position selbst rollen: das alte Zertifikat verkaufen und das neue kaufen.

Neue Partizipations-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU0 L1R

Brent Crude Oil Future

1:1

Ja

64,05/64,07 EUR

CU0 L1S

Brent Crude Oil Future

1:1

Nein

57,50/57,51 EUR

CU0 JR8

WTI Light Crude Oil Future

1:1

Ja

52,60/52,62 EUR

CU0 GKM

WTI Light Crude Oil Future

1:1

Nein

47,95/47,96 EUR

CU4 88B

Natural Gas Future

1:1

Nein

2,12/2,13 EUR

Stand: 20. November 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern, den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.