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Commerzbank Analysen – Johnson & Johnson

»Dividendenaristokrat« mit günstiger Bewertung

Wegen der Qualität der Bilanz, der breiten Diversifizierung und der starken Cashflow-Generierung verdient die Aktie von Johnson & Johnson einen Bewertungsaufschlag zum Branchendurchschnitt. Derzeit notiert sie jedoch unterhalb des Sektordurchschnitts. Hintergrund hierfür sind zahlreiche Klageverfahren. Am Ende dürften jedoch für den Konzern wirtschaftlich tragbare Vergleiche stehen, was sich positiv auf die Aktie auswirken sollte.

Neues aus der Pharmasparte ...
Historisch betrachtet war Johnson & Johnson (J&J) eine recht stetige Wachstumsstory (die Umsätze und Gewinne steigen nahezu ohne Unterbrechung seit fast 80 Jahren), dieser Prozess wies aber in den Nullerjahren deutliche Bremsspuren auf. Neben dem leicht veralteten Produktportfolio in der Pharmasparte (das wichtige Medikament Remicade zur Behandlung rheumatischer Arthritis kämpft beispielsweise mit starken Umsatzrückgängen) haben auch die signifikanten Qualitätsprobleme in der Medizintechniksparte zwischenzeitlich ihren Preis gefordert. Seit einiger Zeit hat sich die Wachstumsdynamik aber klar verbessert, auch weil die Pharmasparte nun wieder konstanter liefert:

Zuletzt gab es hier zahlreiche Erfolgsmeldungen. Relativ neu in den Markt eingeführte Medikamente wie Stelara (Schuppenflechte), Zytiga (Prostatakrebs), Invega Sustenna (Schizophrenie), Invokana (Diabetes), Simponi (Arthritis) und Darzalex (Blutkrebs) verzeichnen hohe Zuwächse.

Die Pharmatochter von Johnson & Johnson hat zudem von der US-Zulassungsbehörde FDA für das Medikament Niraparib zur Behandlung bestimmter Prostatakrebspatienten die Einstufung als bahnbrechende Therapie erhalten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Therapie auch auf weitere Indikationen im Prostatakrebsbereich ausgedehnt werden kann. Krebs der Vorsteherdrüse ist eine der häufigsten Krebsarten bei Männern, dem Medikament Niraparib wird daher zugetraut, künftig hohe Umsätze zu generieren.

Der Konzern kann derzeit eine gute Pharmapipeline vorweisen, aussichtsreiche Produktentwicklungen stehen kurz- und mittelfristig vor der Markteinführung. Eine Vielzahl von Blockbustern und ein robustes Konsumentengeschäft können derzeit sowohl vereinzelte Schwachstellen im Bereich Medizintechnik als auch Patentabläufe von Umsatzträgern wie dem Rheumamittel Remicade überkompensieren. Durch die Übernahme des Schweizer Biotechspezialisten Actelion kann man zudem in neue Indikationsgebiete vordringen.

... und der Medizintechniksparte
Durch Kooperationen mit IT-Unternehmen wie IBM, Google oder Apple hat Johnson & Johnson frühzeitig seine Fühler in Richtung E-Health (elektronisches Gesundheitswesen) ausgestreckt und verfügt heute über eine sehr starke Position in diesem Gebiet. Innerhalb der Medizintechniksparte gerieten zwar wichtige Orthopädiesegmente wie die Bereiche Knie und Hüfte unter verstärkten Konkurrenzdruck. Neue Produktgenerationen dürften aber Abhilfe schaffen und zusammen mit einem Kostensenkungsprogramm die Sparte wieder anschieben.

Grafik 1: Wertentwicklung der Johnson & Johnson-Aktie
Grafik 1: Wertentwicklung der Johnson & Johnson-Aktie
Stand: 19. November 2019; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Künstliche Intelligenz sucht alternative Anwendungsfelder für gescheiterte Präparate
Viele Wirkstoffe, die die klinische Testphase I bereits durchlaufen haben, zeigen bei weiteren Tests keine Wirkung bei den Krankheiten, für die sie entwickelt wurden. Bisher mussten diese Wirkstoffe in den meisten Fällen abgeschrieben werden – ein teurer und ineffektiver Vorgang. Mithilfe künstlicher Intelligenz untersucht der Konzern, ob sich diese Wirkstoffe in anderen Krankheitsfeldern anwenden lassen. Bei Erfolg kann der Testprozess dramatisch verkürzt werden und Präparate können direkt in die Phase II der klinischen Studien einsteigen. Erste Erfolge konnte J&J bereits bei einem Medikament gegen Schläfrigkeit bei Parkinson-Patienten erzielen.

Gute Zahlen drittes Quartal, Ausblick auf Gesamtjahr 2019 angehoben
J&J konnte im dritten Quartal 2019 den Umsatz um knapp 1,9 Prozent steigern. Der Gewinn je Aktie legte sogar um 25,7 Prozent zu. Während die Konsumgüter- und besonders die Pharmasparte beim Umsatz zulegen konnten, verzeichnete der Bereich Medizinprodukte einen leichten Erlösrückgang. Die Umsatz- und Ergebniszahlen haben die Markterwartung klar übertroffen.

Für das Restjahr zeigt sich das Management nun etwas optimistischer und hat die Unternehmensprognose entsprechend angehoben. Im Gesamtjahr rechnet der Gesundheitskonzern nun mit 81,8 bis 82,3 Milliarden US-Dollar Umsatz (bisher: 80,8 bis 81,6 Milliarden US-Dollar) und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 8,62 bis 8,67 US-Dollar (bisher: 8,53 bis 8,63 US-Dollar). Bezüglich der zahlreichen Klageverfahren bleiben wir optimistisch, dass J&J am Ende tragbare Vergleiche schließen kann.

Allerdings hat das Management nur kurz nach ihrer Verkündung die Quartalszahlen beim Gewinn wieder deutlich (um rund 60 Prozent bzw. 3 Milliarden US-Dollar) nach unten revidiert. Hintergrund ist ein möglicher Vergleich bei den Opioid-Klagen, den J&J nun bereits vorsorglich in seine Zahlen eingerechnet hat.

Asbestverdacht bei Babypuder
Die Johnson & Johnson-Aktie erlitt am 7. Dezember 2018 einen starken Kurseinbruch (–10 Prozent, entspricht einer Marktkapitalisierung von rund 40 Milliarden US-Dollar), nachdem laut Medienberichten der Verdacht aufkam, dass im Babypuder des Konzerns zeitweise Asbest enthalten gewesen sein soll. Der Konzern bestreitet diese Vorwürfe. Auch wenn sich diese als substantiiert erweisen sollten, ist es schwer vorstellbar, dass mögliche Strafzahlungen tatsächlich in Höhe des durch den Kursrückgang ausgelösten Werteverlusts zu leisten wären.

Rückruf von Babypuder wegen Asbestrisiken
Johnson & Johnson ruft eine Charge seines Babypuders wegen Asbestrisiken zurück, da die Gefahr einer minimalen Kontamination (<0,00002 Prozent, gefunden in einer einzelnen Flasche des Produkts) mit dem unter anderem krebsauslösenden Silikatmineral bestehe. Der Konzern begründet seine Maßnahme mit einem »Übermaß an Vorsicht«.

Problematisch sind dabei nicht die durch den Rückruf verursachten Kosten, sondern, dass dies als Steilvorlage von den Klägeranwälten in den bereits laufenden Prozessen wegen des Babypuders ausgenutzt wird. Bei diesen Verfahren geht es um mögliche Krebsrisiken durch eben jenes Produkt, dabei spielt auch der Vorwurf eine Rolle, dass das enthaltene Talkum in der Vergangenheit möglicherweise mit Asbest verunreinigt war. Die Nachricht führte entsprechend zu deutlichen Abgaben in dem Titel.

Klagen wegen Opioid-Krise belasten
Die sogenannte Opioid-Epidemie, die seit Jahren in den USA wütet, zieht immer weitere Kreise. Selbst US-Bundesstaaten klagen, so hat beispielsweise Oklahoma ein Verfahren gegen J&J eröffnet. Zwar gilt der Konzern nicht als der Hauptverantwortliche (hier steht vor allem die Firma Purdue Pharma in der Kritik), aber auch gegen J&J gibt es schwere Vorwürfe. Dem Konzern wird im Zusammenhang mit dieser Epidemie unter anderem eine regelrechte »Gehirnwäsche-Kampagne« vorgeworfen.

Angeblich nun doch kein Asbest im Babypuder
Die Vorwürfe der US-Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde FDA, Babypuder von Johnson & Johnson sei mit Asbest kontaminiert, haben wie beschrieben die Aktie des Pharma-, Medizintechnik- und Konsumgüterkonzerns belastet. Untersuchungen haben nun ergeben, dass bei den Tests gleich mehrfach gegen das vorgegebene Testprozedere verstoßen wurde und die festgestellte Verunreinigung angeblich von einer mobilen Klimaanlage stammte. Erneute Tests haben nun erwiesen, dass sich im Babypuder selbst kein Asbest befindet. Die FDA wiederum bleibt – trotz dieser neuen Erkenntnisse – vorerst bei ihrer Einschätzung.

Milliardenschwerer Strafschadenersatz wegen angeblicher Nebenwirkungen des Antidepressivums Risperdal
Eine Geschworenenjury hat den Konzern zu Strafschadenersatz in Höhe von 8 Milliarden US-Dollar verurteilt. Der Vorwurf lautet, dass das Unternehmen Nebenwirkungen des Antidepressivums Risperdal verschwiegen hat, die angeblich zu unerwünschten Brustvergrößerungen bei männlichen Patienten führen. Dieser Strafschadenersatz darf im US-Recht als Zusatzsanktion in besonders schweren Fällen verhängt werden. Es gibt jedoch Obergrenzen in Relation zum jeweiligen zugesprochenen Schadenersatz, von daher werden die 8 Milliarden US-Dollar durch einen Richter noch extrem abgesenkt werden müssen.

Zudem wird J&J in Berufung gehen, für gewöhnlich werden die Urteile in den höheren Instanzen noch deutlich nach unten revidiert. Am Ende steht dann im Regelfall ein Vergleich der Beteiligten. Dennoch ist der US-Konzern bezüglich Risperdal mit zahlreichen weiteren Klagen konfrontiert, hinzu kommt die Klageflut aufgrund der Opioid-Krise und angeblicher Krebsrisiken von J&J-Babypuder. Diese Vorgänge belasten die J&J-Aktie schon seit geraumer Zeit, auch wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die tatsächlichen monetären Belastungen aus den Klagen am Ende verkraftbar für das Unternehmen sein werden.

»Dividendenaristokrat«
Der Konzern steigert nun seit weit über 50 Jahren in Folge seine Dividende. Johnson & Johnson zählt damit unverändert zu den »Dividendenaristokraten«, also Unternehmen, die seit mindestens 25 Jahren ihre Dividende jedes Jahr erhöht haben. Seit der Erstnotiz im Jahr 1944 schüttet das Unternehmen zudem ununterbrochen eine Dividende aus.

Bewertung
Der Konzern kämpft derzeit mit einer Vielzahl von Klageverfahren, unter anderem wegen seiner künstlichen Hüften oder seines Babypuders. Im Pharmabereich belastet die anhaltende Debatte über die Höhe der Medikamentenpreise in den USA und die Sorgen um einen zunehmenden Wettbewerb durch Generika bei einigen seiner umsatzstarken Produkte, da diese den Patentschutz verloren haben oder bald verlieren werden. Diese Belastungsfaktoren sind jedoch hinlänglich bekannt und sollten mittlerweile weitestgehend eingepreist sein.

Die Aktie notiert zurzeit mit einem historisch hohen Abschlag zum inneren Wert, viele Bewertungskennziffern bewegen sich derzeit unterhalb des Sektordurchschnitts, dabei verdient die Aktie unter anderem wegen des stabilen und starken Cashflows, der hohen Dividendenausschüttung, der umfangreichen Pipeline und der relativ geringen Konjunkturabhängigkeit eigentlich einen Bewertungsaufschlag. Ein künftiger Aktiensplit könnte den Titel zudem wieder »günstiger« aussehen lassen. Wir halten außerdem die Wahrscheinlichkeit für relativ hoch, dass die zahlreichen Klageverfahren in einem absehbaren Zeitraum mit einem wirtschaftlich vertretbaren Vergleich beigelegt werden.

Darüber hinaus gilt die Aktie bei vielen Investoren – wegen der recht sicheren und hohen Dividenden – auch als Alternative zu festverzinslichen Anleihen. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinspolitik der US-Notenbank sehen viele Investoren in den USA die J&J-Aktie als einen attraktiven Bond-Ersatz.

Anlageidee: Partizipieren Sie an der Entwicklung der Johnson & Johnson-Aktie

Nutzen Sie die Einschätzungen unserer Experten und partizipieren Sie an der Entwicklung der Johnson & Johnson-Aktie. Ganz gleich, ob Sie mit Hebelprodukten auf schnelle und kurzfristige Marktveränderungen setzen möchten, oder mit Anlageprodukten eine intelligente Alternative zum reinen Aktieninvestment suchen, bei der Commerzbank werden Sie fündig. Ein Überblick über das gesamte Produktspektrum an Zertifikaten steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, der Handelspreis der zugrunde liegenden Aktie in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko. Ein steigender Euro/US-Dollar-Wechselkurs wirkt sich negativ auf den Wert des Zertifikats aus. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Commerzbank in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto) Variante an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Zertifikats mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Quanto

Geld-/Briefkurs

CL1 QC5

J&J*

120,00 USD

16,79 %

7,11 %

18.12.2020

Nein

101,06/101,11 EUR

CL1 ZLL

J&J*

120,00 USD

14,72 %

4,49 %

18.12.2020

Ja

114,78/114,83 EUR

CL1 QC6

J&J*

130,00 USD

12,09 %

9,77 %

18.12.2020

Nein

106,70/106,76 EUR

CL1 ZLM

J&J*

130,00 USD

9,89 %

6,45 %

18.12.2020

Ja

121,26/121,32 EUR

CL1 QC7

J&J*

140,00 USD

8,57 %

12,31 %

18.12.2020

Nein

111,07/111,13 EUR

CL1 ZLN

J&J*

140,00 USD

6,20 %

9,75 %

18.12.2020

Ja

126,27/126,33 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Quanto

Geld-/Briefkurs

CL0 PQ2

J&J*

Call

109,94 USD

5,4

Unbegrenzt

Nein

2,25/2,26 EUR

CL0 PQ1

J&J*

Call

120,23 USD

9,1

Unbegrenzt

Nein

1,32/1,33 EUR

CL0 PPM

J&J*

Put

161,11 USD

5,0

Unbegrenzt

Nein

2,40/2,41 EUR

CL0 PPL

J&J*

Put

151,07 USD

8,1

Unbegrenzt

Nein

1,50/1,51 EUR

Stand: 20. November 2019; *Johnson & Johnson; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern, den Basisprospekt und die Endültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.