Technische Analyse

Technische Analyse verstehen

Der Einstieg in den Trend mit Bollinger-Bändern – Teil 2

Nachdem wir in der vorherigen Ausgabe eine Strategie für den prozyklischen Einstieg in den Trend besprochen haben, betrachten wir nun eine antizyklische Einstiegsvariante.

Kombination mit anderen Methoden
Bei der Verwendung der Bollinger-Bänder für den antizyklischen Einstieg in einen Basiswert ist es essenziell, diesen Indikator nicht isoliert zu nutzen, sondern immer in Kombination mit anderen technischen Werkzeugen. Vom Grundsatz her gilt ein Basiswert als überkauft, wenn er sich am oberen Band befindet und als überverkauft, wenn er am unteren Band notiert. Ferner fungiert das obere Band als Widerstand und das untere Band als Unterstützung. Beide Aussagen sollten allerdings eingeschränkt werden, um die Zuverlässigkeit zu erhöhen. Zum einen darf die Volatilität derzeit nicht gering sein, sprich die Bollinger-Bänder dürfen sich nicht in einem Zustand der Verengung befinden. Zum anderen ist ein Trendfilter anzulegen. In einem Aufwärtstrend soll demnach nur die Funktion des unteren Bands als Unterstützung und in einem Abwärtstrend die Funktion des oberen Bands als Widerstand beachtet werden. Für den Bereich des Tagescharts kann der Anleger hier wieder der Einfachheit halber die 200-Tage-Linie zurate ziehen: Befindet sich der Wert oberhalb einer steigenden 200-Tage-Linie, wird das Vorliegen eines Aufwärtstrends unterstellt, während sich ein Wert unterhalb einer fallenden 200-Tage-Linie in einem Abwärtstrend befindet.

Erreicht der Wert nun im Rahmen einer technischen Gegenbewegung zum vorherrschenden Trend die Unterstützung des unteren Bollinger-Bands (im Aufwärtstrend) oder den Widerstand des oberen Bollinger-Bands (im Abwärtstrend), so wird nach Bestätigungen für eine mögliche Umkehr Ausschau gehalten. Die Zuverlässigkeit der Unterstützung bzw. des Widerstands ist erhöht, falls sich im Dunstkreis des Bands noch andere potenzielle Unterstützungen bzw. Widerstände befinden. Dies können beispielsweise gleitende Durchschnittslinien, vergangene Hoch- oder Tiefpunkte, Trendlinien oder Fibonacci-Retracements sein. Dass der untersuchte Basiswert das so ermittelte relevante Preisniveau im konkreten Einzelfall auch tatsächlich als Unterstützung oder Widerstand respektiert, kann entweder mit Umkehrsignalen im Kerzenchart oder mit einer Trendumkehr in einem kürzerfristigen Chart (beispielsweise Stundenchart) bestätigt werden. Nach einer solchen Bestätigung kann der Anleger auf ein mögliches Ende der Korrekturbewegung und eine Wiederaufnahme des übergeordneten Trends spekulieren.

Grafik 1: Bollinger-Band – antizyklische Strategie 1
Grafik 1: Bollinger-Band – antizyklische Strategie 1
Quelle: Commerzbank AG

Trade-Management
Im Vergleich zum prozyklischen Einstieg bei einem Ausbruch in Richtung des Trends ermöglicht der antizyklische Einstieg in aller Regel einen engeren anfänglichen Stop-Loss und damit auch ein vorteilhafteres Chance-Risiko-Verhältnis. Der schützende Stop zur Verlustbegrenzung kann knapp unterhalb der erreichten Unterstützung platziert werden. Ein Nachziehen des Stops kommt beispielsweise nach dem Erreichen des gegenüberliegenden Bollinger-Bands in Betracht. In der weiteren Entwicklung des Trades kann das Band, an dem der Einstieg vorgenommen wurde, als beweglicher Stop zur Sicherung aufgelaufener Gewinne verwendet werden. Entsprechend würde der Anleger in diesem Fall bei einem Schlusskurs jenseits des Bands die Position veräußern. Möchte der Anleger dem Trade weniger Luft geben, kommt auch ein Schlusskurs jenseits der Mittellinie des Bollinger-Bands (im Tageschart: 20-Tage-Linie) als beweglicher Stop infrage.

Grafik 2: Bollinger-Band – antizyklische Strategie 2
Grafik 2: Bollinger-Band – antizyklische Strategie 2
Quelle: Commerzbank AG