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Japanischer Yen: Fundamentaler Aufwertungsdruck steigt

Für den Markt wird immer offensichtlicher, dass sich die Bank of Japan mehr Sorgen über die negativen Auswirkungen der niedrigen Zinsen für den Bankensektor macht, als dass sie Wege sucht, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Im momentanen Umfeld kommt das dem Yen zugute.

Fundamentaler Aufwertungsdruck nimmt zu
Der japanische Yen hat seit Frühjahr dieses Jahres deutlich aufgewertet. Der wesentliche Grund hierfür war die hohe Nachfrage nach dem japanischen Yen als sicherer Währungshafen im Zuge der Eskalation im US-chinesischen Handelsstreit. Zuletzt wertete der japanische Yen jedoch weniger aufgrund externer Faktoren, sondern vielmehr wegen des heimischen geldpolitischen Ausblicks auf. So hat sich der Fokus des Marktes aufgrund zunehmender globaler Rezessionsängste und weltweit fallender Zinsen zuletzt auf die Geldpolitik in Japan verlegt. Hier wird immer klarer, dass die Bank of Japan (BoJ) nicht nur ihre Zinsen nicht mehr weiter senken kann und will, sondern dass sie sogar dagegen ankämpft, dass die Marktzinsen insbesondere am langen Ende zu weit fallen und sich die Zinskurve infolgedessen zu stark verflacht.

BoJ bemüht sich um eine steilere Zinskurve – ohne Erfolg
Die Bemühungen der Bank of Japan, die langfristigen Zinsen auf höheren Niveaus zu stabilisieren, begannen im Herbst 2016 mit der Einführung der Zinskurvenkontrolle. Damals waren die Zinsen am langen Ende deutlich gefallen, wodurch sich die Zinskurve aus Sicht der BoJ zu stark verflacht hatte. Dies erachtete sie insbesondere als Problem für den Bankensektor, der unter einem höheren Margendruck zu leiden hatte, was wiederum die Stabilität des Finanzsektors längerfristig gefährdet hätte. Aus diesem Grund beschloss sie, einen Zielbereich für die Rendite 10-jähriger japanischer Staatsanleihen (JGB) zu definieren, der zu einer Versteilerung der Zinskurve führte.

Da sie dies offensichtlich noch nicht als ausreichende Entlastung für den Bankensektor erachtete, erhöhte die BoJ den Toleranzbereich um das 0-Prozent-Renditeziel im Jahr 2018 um 0,1 Prozentpunkte zu jeder Seite. Der Zielbereich wurde damit von –0,1 Prozent bis +0,1 Prozent auf –0,2 Prozent bis +0,2 Prozent ausgeweitet. Implizites Ziel war es vor allem, auf der Oberseite mehr Flexibilität zuzulassen, um so den Margendruck im Bankensektor weiter zu reduzieren. Der Schritt ergab damals Sinn, da allgemein mit einer Normalisierung der Geldpolitik gerechnet wurde und sich die Zinsen global im Aufwärtstrend befanden. Dieser Trend hat sich wegen der globalen Wachstumsschwäche über das vergangene Jahr allerdings komplett umgekehrt. Die 10-jährige JGB-Rendite ist im Einklang mit dem globalen Trend gefallen und notiert infolgedessen mittlerweile sogar unter dem Zielbereich der BoJ. Damit ist wohl das genaue Gegenteil dessen eingetroffen, was die BoJ beabsichtigt hatte: Die Zinskurve hat sich nicht versteilert, sondern invertiert.

Grafik 1: Zinsen fallen unter die Toleranzgrenze der BoJ

Rendite 10-jähriger japanischer Staatsanleihen

Grafik 1: Zinsen fallen unter die Toleranzgrenze der BoJ
Stand: 11. Oktober 2019; Quelle: Bloomberg, Bank of Japan

Was kann die BoJ noch tun?
Theoretisch müsste die Bank of Japan ihre Anleihenkäufe am langen Ende einstellen oder sogar JGBs verkaufen, um zu verhindern, dass die 10-jährige Rendite deutlich unter die Toleranzgrenze von –0,2 Prozent fällt. Aber das wäre – angesichts einer Inflation, die weiterhin nahe null liegt – ein vollkommen unangebrachtes restriktives Signal, das den Aufwertungsdruck auf den japanischen Yen erheblich verstärken würde. Die BoJ hat kürzlich ihre Käufe am langen Ende etwas reduziert, doch ein nennenswerter Effekt auf die Zinskurve blieb aus. Und am kurzen Ende wird der Abwärtsspielraum durch den Leitzins begrenzt. Natürlich könnte die BoJ ihn senken. Möchte sie jedoch die sich daraus ergebenden Kosten für den Finanzsektor begrenzen, müsste sie auch die Ausnahmeregelungen für Bankeinlagen anpassen und damit die effektive expansive Wirkung dieses Schrittes wieder begrenzen. Seit die Bank of Japan die Kosten für den Finanzsektor in ihre geldpolitischen Erwägungen aufgenommen hat, ist eine weitere dauerhafte Lockerung der japanischen Geldpolitik – soweit sie überhaupt möglich ist – nicht glaubhaft. Stattdessen wird der Markt immer schnell auf eine mögliche Normalisierung der Geldpolitik spekulieren, sobald sich das konjunkturelle Umfeld auch nur ein wenig aufhellt – was dann auch wieder den japanischen Yen aufwerten lassen würde.

Zeichen stehen weiter auf Aufwertung
Angesichts der momentanen Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft ist der japanische Yen auf der einen Seite als sicherer Hafen gefragt, auf der anderen Seite dürfte im Zuge der Lockerungsbemühungen anderer Zentralbanken immer offensichtlicher werden, dass die BoJ ihre Geldpolitik kaum glaubhaft weiter lockern kann. Die BoJ dürfte damit insbesondere im Vergleich zur Fed restriktiver werden, weshalb wir eine deutliche Aufwertung des japanischen Yen gegenüber dem US-Dollar erwarten. Da die EZB in einem ähnlichen Dilemma wie die BoJ steckt und ihr geldpolitisches Arsenal praktisch ausgetrocknet ist, erwarten wir beim Euro/japanischer Yen-Wechselkurs eher eine Seitwärtsbewegung.

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Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CU2 XMC

EUR/JPY

Long

3

Unbegrenzt

9,24/9,29 EUR

CU5 4ZF

EUR/JPY

Short

–3

Unbegrenzt

9,71/9,76 EUR

CU2 XK9

USD/JPY

Long

3

Unbegrenzt

7,97/8,07 EUR

CU5 4YF

USD/JPY

Short

–3

Unbegrenzt

8,12/8,22 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CU6 881

EUR/JPY

Call

109,2460 JPY

10,2

Unbegrenzt

9,59/9,62 EUR

CU3 SHV

EUR/JPY

Put

131,2424 JPY

11,5

Unbegrenzt

8,66/8,69 EUR

CU6 885

USD/JPY

Call

98,0841 JPY

11,5

Unbegrenzt

8,64/8,67 EUR

CU6 888

USD/JPY

Put

119,6494 JPY

10,8

Unbegrenzt

9,25/9,28 EUR

Stand: 22. Oktober 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.