Märkte

Commerzbank Analysen

Metallmärkte – Viele dunkle Wolken aufgezogen

Die erneute Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China sowie schwache Konjunkturdaten aus den wichtigsten Wirtschaftsräumen haben die Aussichten für die Industriemetallpreise deutlich eingetrübt. In Anbetracht der immer größer werdenden Konjunktursorgen trauen wir den Metallen keine deutlichen Preissteigerungen mehr zu. Auch für das nächste Jahr sind wir mittlerweile pessimistischer eingestellt.

Der im Rahmen des G20-Gipfels in Osaka zwischen den Präsidenten der USA und China, Donald Trump und Xi Jinping, vereinbarte »Waffenstillstand« im Handelsstreit beider Länder hielt nicht einmal fünf Wochen. Trump kündigte Anfang August in einer Twitter-Tirade neue Strafzölle gegen China an. Zunächst sollten demnach ab 1. September die restlichen chinesischen Produkte im Umfang von 300 Milliarden US-Dollar, die bislang noch nicht von Zöllen betroffen waren, mit Importzöllen in Höhe von 10 Prozent belegt werden. Der Zollsatz könne sogar auf deutlich über 25 Prozent steigen, so Trump damals. Mittlerweile wurden zwar für einen Teil der chinesischen Güter die Zölle auf Mitte Dezember verschoben, der Schaden ist aber angerichtet. Und aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Schon kurz nach der Ankündigung von Trump, neue Zölle auf chinesische Güter zu erheben, hat die chinesische Zentralbank den Chinesischen Yuan deutlich abwerten lassen, um die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Firmen zu unterstützen. Er wurde am 5. August erstmals seit über elf Jahren über der Marke von 7 US-Dollar/Chinesischen Yuan fixiert, wo er seitdem auch notiert (siehe Grafik 1). Ein schwacher Chinesischer Yuan ist Trump aber schon lange ein Dorn im Auge, sodass er China schnell als Währungsmanipulator eingestuft und Konsequenzen angedroht hatte. China hatte anschließend verlauten lassen, die geplanten neuen US-Zölle stellten eine Verletzung des Abkommens zwischen Trump und Xi dar. Zudem signalisierte es seinen Willen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Diese hat das Reich der Mitte schließlich auch angekündigt und umgesetzt. Per September bzw. Mitte Dezember – also in Einklang mit den US-Zöllen – wurden bzw. werden neue Zölle auf US-Güter eingeführt bzw. bestehende erhöht. Trump reagierte daraufhin in einem Wutanfall mit einer Erhöhung von US-Zöllen auf chinesische Güter. Eine Einigung scheint vor diesem Hintergrund in weite Ferne gerückt zu sein. Die ursprünglich für September geplanten nächsten persönlichen Handelsgespräche zwischen beiden Parteien sollen nun Anfang Oktober stattfinden.

Grafik 1: Abwertung des Chinesischen Yuan belastet Metallpreise
Grafik 1: Abwertung des Chinesischen Yuan belastet Metallpreise
Stand: 6. September 2019; Quelle: LME, Bloomberg, Commerzbank Research

Der abermals eskalierte Handelsstreit hat die Sorgen der Marktteilnehmer verstärkt, er könne sich negativ auf die Realwirtschaft auswirken, also die Wirtschaft abwürgen. Zuletzt veröffentlichte Stimmungsindikatoren sowie »harte« Konjunkturdaten zeigen bereits Bremsspuren in den wichtigsten Wirtschaftsräumen (siehe Grafik 2). So bewegt sich der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (PMI) in China schon seit Mai unter der Schwelle von 50, die Expansion anzeigt. Sein US-Pendant befindet sich seit Monaten im Sinkflug und ist zuletzt ebenfalls unter die Marke von 50 gefallen. Und im Euroraum liegt der PMI auf einem Niveau, das sonst nur in Rezessionszeiten zu beobachten war. Nicht nur die Stimmung in der Industrie ist schlecht: In China ist die Industrieproduktion im Juli gegenüber dem Vorjahr nur noch um 4,8 Prozent gewachsen, der niedrigste Zuwachs seit über 17 Jahren. Auch die Anlageinvestitionen haben enttäuscht. In den USA blieb die Industrieproduktion im Juli ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. In den beiden für die Metallnachfrage wichtigsten Ländern sind die Auswirkungen des Handelsstreits also bereits zu spüren.

Grafik 2: Stimmung in der Industrie hat sich deutlich eingetrübt
Grafik 2: Stimmung in der Industrie hat sich deutlich eingetrübt
Stand: 3. September 2019; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Die chinesische Regierung könnte der sich abzeichnenden schwächeren Wirtschaftsdynamik mit Konjunkturprogrammen entgegenwirken, hält sich mit solchen aber noch zurück. Sie möchte offenbar ihr Pulver angesichts der Handelsunsicherheiten jetzt noch nicht komplett verschießen. Zudem haben sich die Stimulierungsmaßnahmen vom Frühjahr – unter anderem wurde ein Steuersenkungspaket in historischem Ausmaß implementiert – bislang noch nicht positiv ausgewirkt. Unsere Volkswirte haben kaum Hoffnung, dass sich die chinesischen Zahlen in den nächsten Quartalen deutlich erholen. Wir sind der Meinung, dass die chinesische Regierung den Wachstumsverlust akzeptiert, den der Handelsstreit mit sich bringt. Da China gegenüber den USA offenbar nicht klein beigeben möchte, könnte der Handelsstreit ein Dauerzustand werden. Daher gehen wir mittlerweile nicht mehr davon aus, dass sich die chinesische Konjunktur nennenswert belebt. Die nachlassende Nachfrage aus China hat auch Auswirkungen auf andere Regionen bzw. Länder, insbesondere auf solche, die stark exportabhängig sind. Davon wird zum Beispiel Deutschland betroffen sein – und damit die gesamte Eurozone. Auch die USA dürften darunter leiden. Allerdings wurde dort die Obergrenze für diskretionäre Staatsausgaben deutlich angehoben, was den negativen Effekt des Handelsstreits zumindest teilweise abfedern sollte.

Ein schwächeres globales Wirtschaftswachstum dürfte sich unter anderem in einer moderateren Nachfrage nach Industrierohstoffen widerspiegeln. Die Metallpreise haben nach einer zwischenzeitlichen Erholung auch entsprechend auf die trüberen Aussichten reagiert: Der LME-Industriemetallindex (LMEX) ist Anfang August auf den tiefsten Stand seit über zwei Jahren gefallen. Dass die Metallpreise nicht noch stärker gefallen waren, lag wohl daran, dass die Marktteilnehmer zuvor nicht euphorisch auf den »Waffenstillstand« beim G-20-Gipfel reagiert hatten – fast so, als hätten sie schon etwas geahnt. Hatten wir vor einigen Monaten noch Hoffnung, dass der Handelsstreit nicht weiter eskaliert und Ruhe in die Metallmärkte einkehrt, wurde diese durch die Geschehnisse der vergangenen Wochen enttäuscht. Rein aus makroökonomischen Gesichtspunkten trauen wir den Metallpreisen nicht mehr zu, bis zum Jahresende deutlich zu steigen. Auch für das nächste Jahr sind wir mittlerweile pessimistischer eingestellt, zumal sich das Wirtschaftswachstum auf globaler Ebene 2020 weiter verlangsamen soll.

Bei den einzelnen Metallen selbst hat sich in den vergangenen Monaten gar nicht so viel verändert. Die mitunter preisstützenden Mikrodaten werden durch übergeordnete Faktoren weitgehend überlagert. Wir werfen hier noch einen Blick auf Kupfer, das in den vergangenen Monaten besonders stark vom Handelsstreit beeinflusst wurde.

Das chronische Angebotsdefizit am globalen Kupfermarkt sollte in diesem Jahr laut Einschätzung der International Copper Study Group wegen einer höheren Produktion eigentlich deutlich sinken (siehe Grafik 3). Seit Jahresbeginn ist der Markt aber von Problemen in Minen und bei Schmelzen geprägt, sodass die Produktion sogar leicht rückläufig war. Daher gab es in den ersten fünf Monaten des Jahres schon ein saisonbereinigtes Angebotsdefizit von 160.000 Tonnen. Dabei ist vor allem der Markt für Erz und Konzentrat knapp, also dem Vorprodukt für Kupferraffinade. Neben Streiks und operativen Problemen spielt hierbei eine Rolle, dass zwei große Kupferminen derzeit vom Tagebau in den Untertagebau übergehen, wodurch viel Produktion verloren geht. Die geringere Kupferminenproduktion spiegelt sich in niedrigen Schmelz- und Verarbeitungsgebühren wider (siehe Grafik 4). Diese lagen in China, dem größten Kupferraffinadeproduzenten, Ende August nur noch bei rund 55 US-Dollar je Tonne, nach über 90 US-Dollar zu Jahresbeginn. Schmelz- und Verarbeitungsgebühren sind aber die Haupteinnahmequelle der Schmelzen. Mit den niedrigeren Gebühren sinkt also die Profitabilität der Schmelzen, sodass sie sich gezwungen sehen könnten, ihre Produktion zu drosseln. Daher dürfte die Kupferraffinadeproduktion im weiteren Jahresverlauf begrenzt sein, zumal die von den USA ausgehenden Handelsspannungen und die niedrigen Kupferpreise dringend benötigte Investitionen in neue große Kupferprojekte gebremst haben. Gleichzeitig hat sich die Nachfrage bis zuletzt noch relativ solide gezeigt, da der noch gut florierende Bausektor der größte Nachfrager nach Kupfer ist. Wir sehen den globalen Kupfermarkt auf absehbare Zeit unterversorgt. Das Defizit für sich allein betrachtet würde unserer Meinung nach deutlich höhere Kupferpreise rechtfertigen. Da jedoch der Handelsstreit und die daraus resultierenden Konjunktursorgen schwer auf dem Kupferpreis lasten, gibt es unseres Erachtens kurz- bis mittelfristig nur wenig Spielraum für höhere Preise.

Grafik 3: Bislang geringeres Defizit am Kupfermarkt erwartet

(Angebot minus Nachfrage) 

Grafik 3: Bislang geringeres Defizit am Kupfermarkt erwartet
Stand: 13. Mai 2019; Quelle: ICSG, Commerzbank Research
Prognosen sind kein Indikator für die künftige Entwicklung.
Grafik 4: Stark fallende Schmelzgebühren für Kupferkonzentrat
Grafik 4: Stark fallende Schmelzgebühren für Kupferkonzentrat
Stand: 30. August 2019; Quelle: SMM, Bloomberg, Commerzbank Research

Anlageidee: Zertifikate und Optionsscheine auf Kupfer

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Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, die Preise von Kupfer allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko, wenn der Euro/US-Dollar-Wechselkurs steigen sollte.

Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

FXopt

Geld-/Briefkurs

CJ3 D7H

Kupfer-Future

Long

4

Unbegrenzt

Nein

3,10/3,13 EUR

CJ3 D7K

Kupfer-Future

Long

6

Unbegrenzt

Nein

2,18/2,21 EUR

CJ3 D7Q

Kupfer-Future

Short

–4

Unbegrenzt

Nein

4,49/4,53 EUR

CJ3 D7S

Kupfer-Future

Short

–6

Unbegrenzt

Nein

3,80/3,85 EUR

Unlimited Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU2 REV

Kupfer-Future

Call

1,677/1,712 USD

2,8

Unbegrenzt

Nein

8,53/8,56 EUR

CJ4 QNV

Kupfer-Future

Call

2,167/2,212 USD

5,7

Unbegrenzt

Nein

4,10/4,12 EUR

CU0 437

Kupfer-Future

Call

2,366/2,416 USD

10,3

Unbegrenzt

Nein

2,27/2,30 EUR

CJ7 XLX

Kupfer-Future

Put

3,532/3,460 USD

2,8

Unbegrenzt

Nein

8,36/8,39 EUR

CU2 REX

Kupfer-Future

Put

3,017/2,955 USD

6,3

Unbegrenzt

Nein

3,70/3,72 EUR

CU2 REW

Kupfer-Future

Put

2,917/2,857 USD

8,4

Unbegrenzt

Nein

2,80/2,83 EUR

Stand: 19. September 2019; Quelle: Commerzbank AG
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.