Märkte

Indexanpassung DAX

Potenzielle Auf- und Absteiger

Am 4. September 2019 findet die jährliche reguläre Überprüfung der DAX-Zusammensetzung statt. Mögliche Veränderungen werden zur Indexverkettung zusammen mit dem Update von Aktienanzahlen, Free-Float-Faktoren etc. am 20. September 2019 zum (Xetra-)Börsenschluss in den DAX eingearbeitet. Diesmal deutet sich eine DAX-Änderung an: thyssenkrupp sollte basierend auf der »Regular-Exit-Regel« aus dem DAX entnommen werden. Unter den zwei regelbasierten Indexnachrückern liegt in einem indextechnischen Kopf-an-Kopf-Rennen zurzeit MTU Aero Engines vor Deutsche Wohnen.

DAX-Entnahmekandidat: thyssenkrupp auf einer »Regular-Exit-Position«
Der deutsche Industrie- und Stahlkonzern thyssenkrupp (DAX-Position 30; Indexgewicht: 0,56 Prozent) war eines der dreißig Gründungsmitglieder des DAX, der am 1. Juli 1988 eingeführt wurde. Durch den deutlichen Kursrückgang von thyssenkrupp seit Mitte 2017 steht der Titel mit Blick auf die Anpassung im September 2019 in der DAX-Entnahmediskussion.

Bei der regulären jährlichen September-Überprüfung kann ein Titel per »Regular Exit« aus dem DAX entnommen werden, falls er auf der relevanten Deutschen Börse-Selektionsliste (Datenbasis Ende August 2019) in einem Ranking (Free-Float-Marktkapitalisierung oder 12-Monats-Liquiditätsranking) Position 41 oder schlechter belegt und auf der Gegenseite ein formaler Aufnahmekandidat vorliegt, der in beiden Rankings 35 oder besser belegt (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Mögliche DAX-Veränderungen im September 2019
Grafik 1: Mögliche DAX-Veränderungen im September 2019
Quelle: Commerzbank Research

Auf Basis aktueller Daten liegt thyssenkrupp (Free-Float-Marktkapitalisierung: 5,2 Milliarden Euro) auf einer geschätzten September-Selektionsliste auf Position 45 in der Free-Float-Marktkapitalisierung. Der Abstand zu Rang 40 (zurzeit Sartorius; Free-Float-Marktkapitalisierung: 6,0 Milliarden Euro) beträgt zurzeit 16 Prozent. Aufgrund des derzeitigen Abstands und der zum Teil schon abgelaufenen Berechnungsperiode ist die Wahrscheinlichkeit relativ gering, dass thyssenkrupp durch eine Outperformance im Vorfeld der Entscheidung noch mal Rang 40 erreicht. Daher dürfte der Titel per Regular Exit am 20. September 2019 (zum Xetra-Schlusskurs) nach 31 Jahren seine Indexmitgliedschaft im DAX verlieren (siehe Grafik 2).

Grafik 2: Marktkapitalisierungsränge ausgewählter DAX-Titel
Grafik 2: Marktkapitalisierungsränge ausgewählter DAX-Titel
Stand: August 2019; Quelle: Commerzbank Research; Daten: Deutsche Börse

DAX-Aufnahmekandidaten: MTU Aero Engines und Deutsche Wohnen
Um sich per »Regular Entry« aus eigener Kraft für eine DAX-Aufnahme zu qualifizieren, muss ein Aufnahmekandidat in beiden Rankings Rang 30 oder besser erreichen. Zurzeit erfüllt kein Titel diesen »Regular-Entry«-Status. Stattdessen qualifizieren sich momentane DAX-Kandidaten nur dann als DAX-Nachrücker (sogenannte formale Gegenkandidaten, die in beiden Rankings mindestens Rang 35 erreichen), falls ein Regular-Exit-Titel vorliegt. Für eine geschätzte September-Selektionsliste befinden sich MTU Aero Engines und Deutsche Wohnen in einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen für die Position als indextechnisch bester Gegenkandidat. Mit Blick auf das Free-Float-Marktkapitalisierungsranking liegt dabei MTU Aero Engines (geschätzter Free-Float-Marktkapitalisierungsrang: 27; derzeitige Free-Float-Marktkapitalisierung ca. 12,1 Milliarden Euro) vor Deutsche Wohnen (geschätzter Free-Float-Marktkapitalisierungsrang: 28; derzeitige Free-Float-Marktkapitalisierung 10,9 Milliarden Euro). Dabei gilt es zu beachten, dass für die Berechnung der September-Selektionsliste ein Durchschnitt über die VWAP-Schlusskurse (volumengewichteter Durchschnittspreis) der letzten 20 Handelstage im August verwendet wird. Der relevante Berechnungszeitraum ist bereits am 5. August 2019 gestartet und MTU hat seitdem seinen Vorsprung gegenüber Deutsche Wohnen gefestigt.

Mit Blick auf das Liquiditätsranking ist MTU (erwartetes Liquiditätsranking: 35) gegenüber Deutsche Wohnen (erwartetes Liquiditätsranking: 32) nur dann der indextechnisch bessere Kandidat, wenn MTU das Mindestaufnahmekriterium von Rang 35 erreicht. Da beim Liquiditätsranking die Abstände im Umfeld von Rang 35 relativ eng sind, würde ein Rutsch auf Rang 36 oder schlechter die DAX-Aufnahmechance von MTU beenden. Nach unserer Schätzung ist MTU – vor dem Hintergrund zuletzt leicht anziehender Volumina bei steigenden Kursen – auf einem sehr guten Weg, Rang 35 im Liquiditätsranking auf der September-Selektionsliste zu behaupten.

Der indextechnisch nächstbeste Kandidat Symrise spielt – trotz einer ansprechenden Free-Float-Marktkapitalisierung – aufgrund einer zurzeit zu geringen 12-Monats-Liquidität für 2019 noch keine Rolle im DAX-Rennen (siehe Grafik 3 und Grafik 4).

Grafik 3: Marktkapitalisierungsränge möglicher DAX-Aufnahmekandidaten
Grafik 3: Marktkapitalisierungsränge möglicher DAX-Aufnahmekandidaten
Stand: August 2019; Quelle: Commerzbank Research; Daten: Deutsche Börse
Grafik 4: Liquiditätsränge erweiterter Kreis DAX-Aufnahmekandidaten
Grafik 4: Liquiditätsränge erweiterter Kreis DAX-Aufnahmekandidaten
Stand: August 2019; Quelle: Commerzbank Research; Daten: Deutsche Börse

Erwartete Indexgewichte nach der Anpassung
Bei einem DAX-Aufstieg würde MTU auf Basis aktueller Daten an Position 26 mit einem DAX-Indexgewicht von 1,29 Prozent einsteigen. Sollte Deutsche Wohnen den Aufstieg schaffen, würde der Titel im DAX auf Position 26 mit einem Indexgewicht von 1,17 Prozent liegen.

Exkurs: RWE – Zusammenlegung der Stamm- und Vorzugsaktien
Der DAX wurde am 1. Juli 1988 offiziell eingeführt. Die RWE AG war ein Mitglied der Startzusammensetzung. Bereits zu diesem Zeitpunkt lag die Aufteilung in Stamm- und Vorzugsaktien vor, wobei den Stammaktien als liquidere und größere Aktiengattung eine höhere Bedeutung für den DAX zukam. Bis zur Indexreform im Sommer 2002 hatten auch die RWE-Vorzugsaktien einen kleinen Einfluss auf das DAX-Indexgewicht. Bis dahin stellte die Indexberechnung auf die Gesamtmarktkapitalisierung beider Aktiengattungen ab, wobei alle für den Handel zugelassenen Aktien zusammengezählt und mit dem Kurs der liquideren Aktiengattung multipliziert wurden (im Fall von RWE mit dem Kurs der Stammaktien, da dies die liquidere Aktiengattung war). Mit der Indexreform im Juni 2002 stellte die Deutsche Börse die Indexberechnung auf Free-Float-Marktkapitalisierung um, wobei für die Ermittlung der Aktienanzahl nur noch die liquidere Aktiengattung herangezogen wird. Durch diese Umstellung reduzierte sich die zur Berechnung verwendete Aktienanzahl der RWE AG von 570 Millionen auf 531 Millionen Aktien. Das DAX-Indexgewicht sank in der Indexreform von 3,42 Prozent auf 3,0 Prozent. Ab dem Sommer 2002 waren die Tage der Indexrelevanz für die RWE-Vorzugsaktien vorbei.

RWE: Indexeffekte DAX im September 2019
Der Börsenhandel der RWE-Vorzugsaktien wurde zum 28. Juni ganz eingestellt. Anfang Juli 2019 hat die RWE AG ihre ca. 39 Millionen Vorzugsaktien im Verhältnis 1:1 ohne Zuzahlung in stimmberechtigte Stammaktien umgewandelt. Die Zusammenlegung der beiden Aktiengattungen wird mit Blick auf den DAX zur nächsten Indexverkettung am 20. September 2019 eingearbeitet und zum 23. September 2019 aktiv. Das DAX-Indexgewicht von RWE sollte – basierend auf aktuellen Kursen und unter der Annahme einer DAX-Entnahme von thyssenkrupp und einem DAX-Aufstieg von MTU Aero Engines – von zurzeit 1,5 Prozent auf 1,6 Prozent steigen. RWE sollte dadurch einen Rang im DAX gewinnen und dann auf Position 21 liegen (siehe Grafik 6).

Grafik 5: Die DAX-Aufnahmeregeln
Grafik 5: Die DAX-Aufnahmeregeln
Stand: August 2019; Quelle: Commerzbank Research; Daten: Deutsche Börse AG
(Technical Analysis & Index Research)
Grafik 6: RWE – Ausstehende Aktienanzahl seit 2004
Grafik 6: RWE – Ausstehende Aktienanzahl seit 2004
Stand: August 2019; Quelle: Commerzbank Research; Daten: Deutsche Börse

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Ein Überblick über das gesamte Produktspektrum an Zertifikaten steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

Unlimited Index-Zertifikat

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CJ8 M7K

DAX

100:1

Unbegrenzt

117,66/117,69 EUR

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CU5 PT6

thyssenkrupp

7,10 EUR

36,18 %

4,50 %

19.06.2020

6,83/6,84 EUR

CJ7 FXL

thyssenkrupp

12,50 EUR

9,63 %

35,15 %

19.06.2020

9,63/9,64 EUR

CU3 ZLK

Deutsche Wohnen

27,00 EUR

14,76 %

4,84 %

19.06.2020

25,93/25,94 EUR

CU3 ZLU

Deutsche Wohnen

36,00 EUR

3,19 %

26,35 %

19.06.2020

29,44/29,45 EUR

CU3 ZRV

MTU Aero Engines

210,00 EUR

17,24 %

2,60 %

19.06.2020

205,41/205,48 EUR

CU5 NZS

MTU Aero Engines

260,00 EUR

5,38 %

12,57 %

19.06.2020

234,88/234,98 EUR

Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CU4 ZP5

thyssenkrupp

Long

4

Unbegrenzt

8,08/8,11 EUR

CJ2 2DR

thyssenkrupp

Short

–4

Unbegrenzt

1,23/1,24 EUR

CU0 BZV

Deutsche Wohnen

Long

4

Unbegrenzt

2,09/2,10 EUR

CJ8 JT0

Deutsche Wohnen

Short

–4

Unbegrenzt

4,95/4,99 EUR

CJ2 35C

MTU Aero Engines

Long

4

Unbegrenzt

8,54/8,60 EUR

CJ2 3UK

MTU Aero Engines

Short

–4

Unbegrenzt

0,88/0,89 EUR

Stand: 23. August 2019; Quelle: Commerzbank AG
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.