Interview

Jan-Kas van der Stelt, Geschäftsführer Jaguar Land Rover Deutschland GmbH

Elektroautos bedeuten Fahrspaß pur

ideas: Herr van der Stelt, was sind für Sie die drei Topargumente für ein E-Auto?
Jan-Kas van der Stelt: Elektromobilität ist eine tolle Sache und eigentlich gibt es dafür eine Menge guter Argumente: Erstens ist E-Mobilität umweltfreundlich und nachhaltig, denn im Fahrbetrieb stößt ein reines Elektroauto keinerlei Emissionen aus. Zweitens erzeugen E-Autos kaum Fahrgeräusche. Beides ist besonders für den dichten Stadtverkehr von Bedeutung. Und darüber hinaus machen Elektroautos einfach Spaß. Dadurch, dass die Leistung sofort verfügbar ist, fahren sie dynamisch und gleichzeitig sehr geschmeidig. Unser Jaguar I-PACE bietet beispielsweise eine Beschleunigung von 0 auf 100 in 4,8 Sekunden, was echte Sportwagenwerte für einen SUV sind.

Wie unterscheidet sich ihr erstes E-Auto – der I-PACE – zum Beispiel hinsichtlich Design im Vergleich zum »klassischen« Jaguar?
Elektroautos, die eigenständig entwickelt werden wie der Jaguar I-PACE, lassen Designern erheblich mehr Spielraum in der Gestaltung, weil Elektromotoren deutlich weniger Platz benötigen. Das kommt den Passagieren zugute. Ich denke aber, dass ein spezielles E-Auto-Design gar nicht sinnvoll ist. Elektroautos müssen ebenso modern und praktisch gestylt sein wie konventionelle Autos. Der I-PACE präsentiert die typische Jaguar-Designsprache – dramatische Linien und markante Proportionen. Er ist inspiriert von der Jaguar-Supersportwagen-Studie C-X75. Seit seiner Einführung im vorigen Jahr hat der I-PACE weltweit 62 Preise gewonnen – darunter auch den World Car Design of the Year Award. Das zeigt uns, dass wir im Design beim I-PACE alles richtig gemacht haben.

Das E-Auto ist in den vergangenen Jahren immer populärer geworden. Nichtsdestoweniger spricht für viele die vermeintlich schlechte Reichweite gegen ein E-Auto. Wie haben Fans des klassischen Jaguars auf das neue Modell reagiert?
Sehr gut. Bislang wurde der Jaguar I-PACE weltweit über 11.000 Mal an Kunden ausgeliefert. Der Jaguar I-PACE verfügt je nach Ausstattung über eine zertifizierte Reichweite von bis zu 470 Kilometern im WLTP-Zyklus. Und je nach Fahrbedingungen bedeutet dies im Alltag ca. 350 km, womit auch längere Touren mit einer »Tankfüllung« kein Problem sind. Darüber hinaus haben wir herausgefunden, dass 85 Prozent aller I-PACE-Besitzer europaweit ihre wöchentliche Fahrstrecke mit maximal zwei Ladungen abdecken. 54 Prozent kommen sogar mit nur einer Ladung aus.

Wie unterstützt Jaguar seine Kunden beim Strom«-tanken«?
Wir machen den Alltag rund um das Strom»-tanken« für einen Jaguar I-PACE-Besitzer sehr leicht: Unser neuer Online-Reichweitenrechner zeigt dem Fahrer jederzeit, wie unterschiedliche Faktoren Reichweite und Betriebskosten beeinflussen. Und mithilfe der Jaguar-Public-Charging-App findet der I-PACE-Besitzer per Klick mehr als 15.000 Ladepunkte in Deutschland und über 110.000 Anschlüsse in Europa. Vor Antritt einer Fahrt gleicht das Navigationssystem des I-PACE die eingegebene Route mit dem Ladezustand der Batterie ab. Ist offensichtlich, dass die Fahrt nicht ohne einen »Tankstopp« zu absolvieren sein wird, schlägt das System die am günstigsten gelegene Lademöglichkeit vor. Auch das Zahlen lässt sich dank eines Ladeschlüssels oder der Jaguar-Public-Charging-App sowie eines optionalen monatlichen Abonnements schnell erledigen.

Auch unterstützt unsere neue Go-I-PACE-App: Sie kalkuliert individuell mögliche Kosteneinsparungen, wie viel Batterieladung pro Fahrt verbraucht und wie oft der Akku zum Beispiel pro Woche neu aufgeladen wird.

Wie lange lädt der Akku?
Den Jaguar I-PACE versorgen Sie an einer Schnellladestation im öffentlichen Netz in rund 45 Minuten wieder mit 80 Prozent Batteriekapazität. 15 Minuten Ladung reichen für etwa 100 Kilometer Reichweite – also die Zeitspanne einer Kaffeepause. Das ist für die meisten Fahraufgaben genug. Zu Hause kann der I-PACE mit einer Wallbox über Nacht vollgeladen werden.

Was können Sie uns über die Unterhaltskosten eines Elektroautos sagen?
Bei den Unterhaltskosten sind Elektroautos günstiger als Benzin- oder Dieselmodelle, denn sie werden steuerlich gefördert. Auch muss der Jaguar I-PACE nur alle zwei Jahre oder nach 34.000 Kilometern zum Service. Die ersten drei Services sind bei Jaguar ohnehin frei und der Serviceaufwand ist bei E-Fahrzeugen wesentlich geringer und damit kostengünstiger.

Warum fahren nicht noch mehr Leute in Deutschland ein E-Auto?
Wir stehen erst am Anfang der Elektromobilität. Aber mit der steigenden Anzahl an Modellen und besseren Rahmenbedingungen werden es deutlich mehr werden. Die Erfahrung zeigt, dass sich der- oder diejenige, die sich einmal für ein Elektroauto entschieden hat, nie mehr zu einem Verbrenner greift.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft der E-Mobilität? Was können wir in Zukunft noch erwarten?
Unser CEO von Jaguar Land Rover, Prof. Dr. Ralf Speth, hat es so formuliert: »Komfort und Erschwinglichkeit sind die beiden wichtigsten Voraussetzungen, um Elektrofahrzeuge auf das Niveau zu bringen, das wir alle brauchen.« Ich denke, damit hat er das wichtigste Ziel der E-Mobilität umrissen: Das Laden muss noch einfacher und die Batterietechnologie muss preiswerter werden. Im Hinblick auf die Klimaziele sind wir davon überzeugt, dass sich der Trend zum Elektroauto verstärken wird. Wir bei Jaguar Land Rover haben uns das Ziel gesetzt, ab 2020 jedes neue Modell mit einer elektrifizierten Variante anzubieten. Heute haben wir neben dem vollelektrischen Jaguar I-PACE den Range Rover und Range Rover Sport mit Plug-in-Hybrid. Der Range Rover Evoque und Land Rover Discovery Sport werden mit Mildhybrid-Antrieb angeboten und kommen Anfang 2020 auch als Plug-in-Hybride.

Vielen Dank für das Gespräch.