Titelthema

Titelthema

Goldpreis auf Höhenflug

Gold ist Ende Juni auf ein 6-Jahres-Hoch gestiegen. Preistreiber sind Zinssenkungsspekulationen, die zu einem kräftigen Rückgang der Anleiherenditen geführt haben. Hinzu kam eine Verschärfung der Spannungen im Mittleren Osten. In der Folge stieg die Nachfrage der Finanzinvestoren spürbar. Wir erwarten einen weiteren Preisanstieg auf 1.500 US-Dollar je Feinunze bis zum Jahresende.

Der Goldpreis ist im Juni aus seiner Lethargie erwacht. Seit Ende Mai verteuerte sich Gold um mehr als 10 Prozent bzw. 150 US-Dollar. Mit 1.440 US-Dollar je Feinunze notierte Gold zwischenzeitlich so hoch wie zuletzt im Mai 2013 (siehe Grafik 1). In Euro gerechnet erreichte Gold mit 1.270 Euro je Feinunze das höchste Niveau seit sechseinhalb Jahren. Zum Allzeithoch aus dem Jahr 2012 fehlen Gold damit nur noch 110 Euro. In anderen wichtigen Währungen markierte Gold sogar bereits neue Allzeithochs, beispielsweise in australischen Dollar, in kanadischen Dollar oder in indischen Rupien.

Grafik 1: Goldpreis so hoch wie zuletzt vor mehr als sechs Jahren
Grafik 1: Goldpreis so hoch wie zuletzt vor mehr als sechs Jahren
Stand: 5. Juli 2019; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Historisch niedrige Zinsen geben Gold Auftrieb
Richtig Fahrt nahm der Preisanstieg auf, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi und der Fed-Vorsitzende Jerome Powell Mitte Juni die Tür für Zinssenkungen weit aufstießen. Der Markt rechnet mit einer ersten Fed-Zinssenkung Ende Juli und bis zu zwei weiteren Zinsschritten bis zum Jahresende. Die EZB dürfte den Einlagezins ebenfalls schon im Juli noch weiter in den negativen Bereich senken. Dadurch bedingt sind die ohnehin bereits merklich gesunkenen Anleiherenditen sowohl in den USA als auch in Europa nochmals stark gefallen. In den USA fiel die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen auf ca. 2 Prozent, das derzeitige Niveau der Inflationsrate. Bei US-Staatsanleihen mit einer Fälligkeit von zwei bis fünf Jahren waren die Realzinsen zwischenzeitlich bereits negativ. In Deutschland liegen die nominalen Anleiherenditen bis einschließlich einer Laufzeit von 15 Jahren im negativen Bereich. Dies gilt inzwischen auch für die Nominalrenditen von immer mehr Anleihen anderer Länder der Eurozone. Selbst in südeuropäischen Ländern liegen die Anleiherenditen teilweise schon unter 0 Prozent. Anfang Juli wiesen weltweit Anleihen mit einem Volumen von 13,4 Billionen US-Dollar eine negative Verzinsung auf, womit der bisherige Rekord von Juni 2016 inzwischen deutlich übertroffen wurde. Der daraus resultierende Anlagenotstand lässt die Anleger in andere Assetklassen ausweichen, was den Höhenflug der Aktienmärkte trotz mauer Konjunkturaussichten und den gleichzeitigen Goldpreisanstieg erklärt. Denn Gold als zinslose Anlage gewinnt durch die Negativzinsen ebenfalls an Attraktivität. Preistreibend für Gold war sicherlich auch, dass der US-Dollar wegen der Zinssenkungsspekulationen im Juni merklich abwertete.

(Geo-)Politische Spannungen begünstigen Gold
Hinzu kommen zunehmende Spannungen zwischen den USA und dem Iran, die Sorgen vor einer militärischen Auseinandersetzung in der politisch instabilen ölreichen Region schüren. Auslöser waren der Abschuss einer US-Drohne und Angriffe auf Öltanker in der Nähe der Straße von Hormus, durch die große Mengen Rohöl und Ölprodukte transportiert werden. Ein weiterer Krisenherd ist der ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China, schließlich sind die Konfliktparteien die beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Die Sorge vor einem durch den Handelsstreit ausgelösten konjunkturellen Abschwung war ein wesentlicher Grund für den bereits erwähnten Schwenk der Notenbanken und den starken Rückgang der Anleiherenditen. Auch wenn der Handelsstreit mit dem beim G20-Gipfel erreichten Burgfrieden etwas entschärft wurde, ist er nicht beigelegt. US-Präsident Donald Trump könnte jederzeit erneut mit weiteren Strafzöllen drohen, wenn die kommenden Gespräche nicht in seinem Sinne verlaufen sollten. Im Herbst könnte auch Europa in den Handelskonflikt hineingezogen werden, sollte US-Präsident Trump seine Drohung wahr machen und Importzölle auf Autos erheben. Trotz des inzwischen feststehenden neuen Spitzenpersonals bei wichtigen EU-Institutionen droht auch in Europa politisches Ungemach. Die bisherige deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wird im Herbst die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker antreten. Zudem soll die bisherige IWF-Chefin Christine Lagarde Nachfolgerin von EZB-Präsident Mario Draghi werden, wenn dessen Amtszeit ebenfalls im Herbst ausläuft. Lagarde dürfte die ultralockere Geldpolitik ihres Vorgängers aller Voraussicht nach fortsetzen, was für Gold sprechen sollte. Die politische Lage in Europa bleibt dessen ungeachtet schwierig. In Italien könnte der anhaltende Streit zwischen den beiden populistischen Regierungsparteien zu Neuwahlen und damit zu neuer Unsicherheit führen. Ende Oktober endet zudem die Brexit-Frist der EU. Ob der neue britische Premierminister Boris Johnson bis dahin mit der EU eine einvernehmliche Lösung finden wird, bleibt abzuwarten. Ansonsten droht ein ungeordneter Brexit, den Johnson auch nicht kategorisch ausschließen will. In diesem Fall könnte Europa in mehrfacher Hinsicht ein unruhiger Herbst bevorstehen. Gold als sicherer Hafen sollte daher gefragt bleiben.

Investmentnachfrage zieht spürbar an
Die Finanzinvestoren haben angesichts der genannten Faktoren nach Monaten des Desinteresses Gold als Anlage wiederentdeckt. Die spekulativen Anleger weiteten ihre Netto-Long-Positionen in den vergangenen Wochen auf knapp 194.000 Kontrakte aus (siehe Grafik 2). Mitte April bestanden hier noch Netto-Short-Positionen. Dieser Schwenk entspricht Käufen von mehr als 700 Tonnen Gold über den Terminmarkt. Die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs verzeichneten im Juni Zuflüsse von knapp 110 Tonnen, was dem stärksten Monatszufluss seit drei Jahren entspricht. Im April und Mai gab es dagegen noch merkliche Abflüsse. Etwa die Hälfte der Zuflüsse im Juni entfiel auf den SPDR Gold Trust in den USA. Dieser wird vor allem von institutionellen Investoren mit einem häufig kurzfristigen Anlagehorizont als Anlagevehikel genutzt. Da der Preisanstieg somit auch spekulativ getrieben war, sind jederzeit Rücksetzer möglich.

Grafik 2: Investoren entdecken Gold wieder
Grafik 2: Investoren entdecken Gold wieder
Stand: 5. Juli 2019; Quelle: CFTC, Bloomberg, Commerzbank Research

Nachfrage in Asien wegen hoher Preise gedämpft
Der stark gestiegene Goldpreis – in Indien erreichte er in lokaler Währung ein Rekordniveau, in China ein 6-Jahres-Hoch – dürfte außerdem die physische Nachfrage in Asien merklich bremsen. Laut Aussage eines Industrievertreters könnte die Goldnachfrage in Indien auf ein 3-Jahres-Tief fallen. Die Goldpreise handeln dort bereits mit einem deutlichen Abschlag gegenüber dem Weltmarktpreis, was auf eine schwache Nachfrage schließen lässt. Die von der indischen Regierung verkündete Anhebung der Goldimportsteuer dürfte die Goldnachfrage zusätzlich belasten. In China liegen die Goldimporte via Hongkong nach fünf Monaten fast 30 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Die chinesischen Goldimporte aus der Schweiz liegen in diesem Zeitraum sogar mehr als 60 Prozent im Minus.

Umfangreiche Goldkäufe der Zentralbanken
Die Nachfrageschwäche in China und Indien wird neben den Investoren auch durch umfangreiche Goldkäufe der Zentralbanken mehr als ausgeglichen. In den ersten fünf Monaten summierten sich die Zentralbankkäufe laut World Gold Council bereits auf mehr als 250 Tonnen, nachdem sie im vergangenen Jahr mit 650 Tonnen bereits so hoch waren wie noch nie seit dem Ende von Bretton Woods (siehe Grafik 3). In der genannten Zahl für 2019 sind die Käufe der polnischen Zentralbank noch nicht berücksichtigt. Diese berichtete unlängst, in diesem Jahr bereits 100 Tonnen Gold gekauft zu haben. Offensichtlich verfolgen viele Zentralbanken das Ziel, ihre Währungsreserven zu diversifizieren und weniger abhängig vom US-Dollar zu machen. Dabei dürfte eine wesentliche Rolle spielen, dass die US-Regierung den US-Dollar mittels ihrer Sanktionspolitik immer rücksichtsloser zur Durchsetzung ihres Willens bzw. ihrer Interessen einsetzt. Nicht zufällig gehören die Zentralbanken Russlands, Chinas und der Türkei zu den größten Goldkäufern. Mit jenen Ländern führten die USA in letzter Zeit besonders harte Auseinandersetzungen inklusive der Verhängung von Sanktionen und Strafzöllen.

Grafik 3: Zentralbanken kaufen Gold wie lange nicht
Grafik 3: Zentralbanken kaufen Gold wie lange nicht
Stand: 31. Dezember 2018; Quelle: GC, Commerzbank Research

Goldpreisanstieg dürfte sich fortsetzen
Auch wenn nach dem zuletzt starken Preisanstieg kurzzeitige Rücksetzer nicht auszuschließen sind, bleibt das Umfeld für Gold positiv. Die anhaltend niedrigen Zinsen und die zahlreichen politischen Risiken dürften die Investmentnachfrage weiterhin anschieben und damit die schwächere physische Nachfrage in Asien ausgleichen. Zudem erwarten unsere Währungsstrategen einen schwächeren US-Dollar, da die Fed deutlich mehr Spielraum für Zinssenkungen besitzt als die EZB. Wir revidieren daher unsere Goldpreisprognose spürbar nach oben und erwarten einen Preis von 1.500 US-Dollar je Feinunze am Jahresende (bisher 1.400 US-Dollar). Für 2020 erwarten wir einen weiteren, wenn auch moderaten Preisanstieg.

Silber, Platin, Palladium
Silber und Platin haben den jüngsten Goldpreisanstieg kaum nachvollzogen. Silber handelt mit gut 15 US-Dollar je Feinunze noch deutlich unter dem im Februar verzeichneten 2019er-Hoch. Das Gold/Silber-Verhältnis stieg deshalb auf ein 27-Jahres-Hoch von mehr als 93. Platin notiert mit knapp 850 US-Dollar je Feinunze ebenfalls deutlich unter dem 2019er-Hoch von Anfang April. Die Preisdifferenz zwischen Gold und Platin hatte sich zwischenzeitlich auf mehr als 600 US-Dollar je Feinunze ausgeweitet. Weder Silber noch Platin profitierten von kräftigen ETF-Zuflüssen. Preisbelastend waren die zunehmenden Konjunktursorgen und der damit einhergehende Preisrückgang bei Industriemetallen. Dies hätte eigentlich auch für Palladium gelten müssen, was den Preis jedoch nicht daran hinderte, deutlich zu steigen und das Rekordniveau von Ende März bei 1.615 US-Dollar je Feinunze wieder in Angriff zu nehmen. Mitte Juli fehlten dazu nur noch ca. 20 US-Dollar. Insbesondere dank strengerer Emissionsvorschriften dürfte die Palladiumnachfrage aus der Automobilindustrie trotz stagnierender Pkw-Absatzzahlen hoch bleiben. Wir behalten unsere Preisprognosen für Silber und Platin bei und erwarten am Jahresende weiterhin einen Silberpreis von 16,50 US-Dollar sowie einen Platinpreis von 950 US-Dollar je Feinunze. Die von uns erwartete Preiskorrektur bei Palladium findet voraussichtlich etwas später statt, weshalb wir unsere Jahresendprognose auf 1.350 US-Dollar je Feinunze nach oben revidieren. Dies wäre aber noch immer ca. 250 US-Dollar weniger als momentan.

Anlageidee: Zertifikate und ETCs auf Gold

Sie möchten von der künftigen Wertentwicklung von Gold profitieren? Mit Zertifikaten und ETCs der Commerzbank haben Sie die Möglichkeit, an steigenden oder fallenden Notierungen des glänzenden Edelmetalls zu partizipieren. Ein Überblick über das gesamte Spektrum an Optionsscheinen und Zertifikaten auf Gold steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, die Preise von Gold allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko, wenn der Euro/US-Dollar-Wechselkurs steigen sollte. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Commerzbank in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto/FXopt) Variante an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Zertifikats mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

Partizipations-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU0 V6T

Gold

10:1

Ja

139,75/139,80 EUR

CU0 QXV

Gold

10:1

Nein

125,41/125,44 EUR

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU4 RGJ

Gold

1.450 USD

1,68 %

4,49 %

09.06.2020

Ja

139,31/139,36 EUR

CU4 RDP

Gold

1.375 USD

6,90 %

4,57 %

16.06.2020

Nein

117,90/117,94 EUR

Faktor-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

FXopt

Geld-/Briefkurs

CU0 E6M

Gold Future

Long

3

Nein

5,66/5,67 EUR

CJ7 RLQ

Gold Future

Long

6

Nein

16,23/16,33 EUR

CJ7 RLH

Gold Future

Short

–3

Nein

6,13/6,15 EUR

CU3 THC

Gold Future

Short

–6

Nein

8,28/8,32 EUR

ETCs (Exchange Traded Commodities) mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Strategie

Hebel

Quanto

Geld-/Briefkurs

ETC 011

Gold Future

Daily Long

1

Nein

62,66/62,72 EUR

ETC 015

Gold Future

Daily Short

–1

Nein

96,43/96,53 EUR

Stand: 23. Juli 2019; Quelle: Commerzbank AG
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.