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Depository Receipts

Von der ausländischen Aktie zum einheimischen Wertpapier

Erfolgreiche Unternehmen sind rund um den Globus angesiedelt. Doch nicht nur die Unternehmen, auch Investoren, ob Groß- oder Kleinanleger, finden sich über die ganze Welt zerstreut. Möchte man in Unternehmen investieren, denen man viel Potenzial zuweist, entscheidet man sich in der Regel für den Kauf von Aktien. Denn der Erfolg wird an der Börse gemessen. Je erfolgreicher ein Unternehmen ist, umso mehr sollte sein Aktienkurs steigen, was wiederum dessen Anteilseigner glücklich macht.

Die meisten Unternehmen sind (zunächst) an ihrer Heimatbörse gelistet. Viele Weltkonzerne haben ein Börsenlisting auch an fremden Börsen, um so ihre Liquidität zu erhöhen und attraktiver für ausländische Investoren zu sein. Wenn ein deutscher Anleger Google-Aktien kaufen möchte, muss er die Order nicht an der Nasdaq platzieren, da die Aktie auch (unter anderem) über Xetra in Frankfurt handelbar ist. Für viele nicht amerikanische Unternehmen ist wiederum ein Listing in den USA bzw. in US-Währung sehr interessant. Dennoch kann ein Auslandslisting sehr kostspielig und mit hohen Auflagen verbunden sein, beispielsweise an der New York Stock Exchange. Manchmal sind es auch rechtliche Auflagen, die für oder gegen ein Listing an der Auslandsbörse sprechen.

Eine Alternative zur Börsenzulassung im Ausland ist die Emission von Hinterlegungszertifikaten, sogenannten Depository Receipts (DR). Diese Depository Receipts, auch Hinterlegungsscheine genannt, verbriefen das Recht an genau einer Aktie oder einem Teil oder Vielfachen davon. Der Käufer von Hinterlegungsscheinen erwirbt quasi das Recht, diese jederzeit gegen die entsprechende Menge hinterlegter Aktien eintauschen zu können. Die Anleger können somit Unternehmensanteile aus den Ländern besitzen, die sie an der entsprechenden Heimatbörse nicht erwerben können. In der Praxis agieren oft Investmentbanken als intermediäre Handelspartner. Die Bank kauft im Heimatland die jeweiligen Aktien und lagert sie bei einer Depotbank, während dann im Ausland Hinterlegungsscheine von der Bank unter dem jeweiligen Landesrecht emittiert werden. Statt Depository Receipts wird oft auch der Begriff Depository Shares verwendet.

Der Handel von Depository Receipts kann nicht nur das Handelsvolumen im Auslands- und Heimatmarkt erhöhen, es steigert auch den Bekanntheitsgrad des jeweiligen Unternehmens, was insbesondere von Vorteil für Unternehmen aus den Schwellenländern ist. Dies ist auch für den Investor von Vorteil, da er so sein Portfolio diversifizieren und an einer etablierten Börse handeln kann, deren Regeln und Marktbedingungen er kennt.

Die ältesten Depository Receipts sind die American Depository Receipts (ADR), die bereits in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts eingeführt wurden. Zudem gibt es auch Global Depository Receipts (GDR), European Depository Receipts (EDR) sowie International Depository Receipts (IDR). Am häufigsten anzutreffen sind ADRs, die vor allem an den US-amerikanischen Börsen handelbar sind, und GDRs, die meistens an den europäischen Börsen (vor allem an der London Stock Exchange) notieren. Die gängigen ADRs und GDRs sind in US-Dollar denominiert. Der Preis eines Depository Receipt orientiert sich maßgeblich am Preis der jeweiligen Heimatbörse (nach dem Wechselkurs umgerechnet), auch wenn es dabei zu minimalen Preisunterschieden wegen Marktgegebenheiten und unterschiedlicher Liquidität kommen kann. Eine Aktie muss nicht notwendigerweise ein Heimatlisting haben, um als Depository Receipt handelbar zu werden. Ein gutes Beispiel ist die voxeljet AG, führender deutscher Hersteller industrietauglicher 3D-Drucksysteme. Die Aktie ist ausschließlich als American Depository Receipt gelistet (an den größten amerikanischen Börsen und in Berlin), um so die Gelder von amerikanischen Investoren anzuziehen, da diese viel mehr in innovative Unternehmen investieren, als es hierzulande der Fall ist.

Die Commerzbank bietet Optionsscheine und Zertifikate auf zahlreiche Basiswerte, die in Form von ADRs und GDRs handelbar sind. Samsung Electronics GDR, Infosys ADR und NetEase ADR sind nur einige von über 20 Basiswerten. Was ist bei einem Depository Receipt besonders zu beachten? Die Handelszeit des jeweiligen Depository Receipt orientiert sich an der Handelszeit der ausländischen Börse, an der es gehandelt wird, und nicht an der Handelszeit der Heimatbörse. So kann zum Beispiel ein Turbo Bull oder Turbo Bear auf den Samsung Electronics GDR nur zwischen 9.00 und 17.30 Uhr (zuzüglich Schlussauktion) ausknocken, da dieser an der London Stock Exchange gehandelt wird (während die Heimatbörse in Korea geschlossen ist).