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Newmont Goldcorp: Übernahme und Joint Venture werden sich auszahlen

Mit der Übernahme von Goldcorp zeigt Newmont ungewohnte »Aggressivität« und steigt zum größten Goldproduzenten auf. Die Übernahme dürfte sich langfristig auszahlen, da sie zu einem günstigen Preis stattfindet. Durch die Finanzierung via Aktientausch bleibt die Bilanz solide. Mit Goldcorp dürfte es Newmont leichterfallen, neue Projekte zu realisieren, die Produktionskosten dürften profitieren. Auch das Joint Venture mit Barrick Gold für die Minen in Nevada verspricht erhebliche Synergien.

Goldpreis mit guter Perspektive
Die protektionistischen Tendenzen und die Geopolitik sorgen für Wachstumsunsicherheit, während die Inflationserwartungen gestützt werden. Die Realzinsen dürften deswegen per saldo niedrig bleiben bzw. sinken. In Indien und China, den beiden größten Goldkonsumenten, dürfte die Unsicherheit ebenfalls die Investmentnachfrage anregen. Vor diesem Hintergrund sollte die Nachfrage nach Gold robust verlaufen. Das Goldangebot fällt gleichzeitig. Die Minenproduktion hat ihren Zenit aufgrund fehlender Investitionen und abnehmender Reserven erreicht. Sowohl von der Nachfrageseite als auch vom Angebot sind die Voraussetzungen für einen steigenden Goldpreis deswegen gut.

Struktureller Kostenanstieg zwingt zur Zusammenarbeit
Die Kostenentlastungen/-einsparungen für Minenunternehmen sind ausgereizt. Auch bei Newmont Mining hat der zyklisch sinkende Kostentrend einen Boden erreicht und der strukturell steigende Kostentrend beginnt sich wieder durchzusetzen. Newmont Mining liegt mit Produktionskosten (Basis AISC-Kosten, ohne Explorations- und Entwicklungskosten einer Mine) von 912 US-Dollar/Feinunze im Jahr 2016 und 924 US-Dollar/Feinunze im Jahr 2017 sowie 909 US-Dollar/Feinunze im Jahr 2018 und erwarteten 935 US-Dollar/Feinunze im laufenden Jahr im Branchendurchschnitt. Durch die Übernahme von Goldcorp (2018: 851 US-Dollar/Feinunze) dürften die Kosten 2019 auf ca. 890 US-Dollar/Feinunze fallen.

Nicht unerwartet hat Barrick Gold sein feindliches Übernahmeangebot für Newmont Mining zurückgezogen. Die beiden größten Goldproduzenten einigten sich stattdessen auf ein Joint Venture ihrer in die Jahre gekommenen Kernaktivitäten in Nevada. Die Produktion betrug dort 2018 insgesamt 3,8 Millionen Feinunzen (davon Barrick Gold 2,1 Millionen Feinunzen und Newmont Mining 1,7 Millionen Feinunzen). Barrick Gold wird daran einen Anteil von 61,5 Prozent erhalten und die operative Führung innehaben. Die Synergien könnten den steigenden Kostentrend stoppen – sie sollen für Newmont Mining die ersten fünf Jahre ca. 190 Millionen US-Dollar p.a. vor Steuern betragen.

Strukturell steigen die Kosten der Goldproduktion vor allem, da die Erzgehalte sinken. Aber auch andere Faktoren wie steigende Umweltschutzauflagen, zunehmende politische Risiken und technische Herausforderungen sorgen für einen steigenden Kostentrend. Da die Umweltauflagen global stetig verschärft werden, werden zum Beispiel die Stilllegungskosten tendenziell unterschätzt. So musste Newmont 2016 eine Abschreibung in Höhe von 970 Millionen US-Dollar auf die Yanacocca-Mine in Peru vornehmen. Nach der Fusion mit Goldcorp entfallen 72 Prozent der Produktion auf Amerika, 18 Prozent auf Australien und 10 Prozent auf Afrika. Die relative politische Sicherheit der Produktion ist ein Faktor, der zu einer höheren Bewertung führt.

Grafik 1: Entwicklung Newmont Goldcorp
Grafik 1: Entwicklung Newmont Goldcorp
Stand: 21. Juni 2019; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Durch Übernahme von Goldcorp Aufstieg zur Nummer 1
Die Wachstumsaussichten von Newmont Mining sind wegen einer sinkenden Produktion der älteren Minen und abnehmender Reserven gedämpft. Newmont förderte ohne Goldcorp nach 5,3 Millionen Feinunzen 2017 im Jahr 2018 5,1 Millionen Feinunzen und erwartet 2019 5,2 Millionen Feinunzen sowie 2020 4,9 Millionen Feinunzen. 2021 bis 2023 sollen dann 4,4 bis 4,9 Millionen p.a. bei stabilen Kosten von 875 bis 975 US-Dollar/Feinunze gefördert werden. Deswegen hat man nach einigen kleineren Zukäufen in den vergangenen Jahren (Criple Creek Mine für 820 Millionen US-Dollar, Continental Gold für 109 Millionen US-Dollar, Galore Creek für bis zu 275 Millionen US-Dollar) Goldcorp übernommen.

Die Aktionäre von Goldcorp erhielten je Goldcorp-Aktie 0,3280 Newmont-Aktien plus 0,02 US-Dollar. Dies war eine Prämie von 17 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vor der Absichtserklärung. Die Goldcorp-Aktionäre halten dadurch 35 Prozent des fusionierten Unternehmens mit dem Namen Newmont Goldcorp. Der Wert der Transaktion belief sich auf 10 Milliarden US-Dollar (Aktienbasis) bzw. 12,5 Milliarden US-Dollar inklusive Schulden. Goldcorp war mit einer Produktion von 2,3 Millionen Feinunzen (2018) in Kanada und Lateinamerika der nach Marktkapitalisierung viertgrößte Goldproduzent.

Mit einer Goldproduktion von ca. 6,7 Millionen Feinunzen im laufenden Jahr ist Newmont Goldcorp der mit Abstand größte Goldproduzent. Die Produktionskosten von Goldcorp (2018: 851 US-Dollar/Feinunze) liegen unter denjenigen von Newmont Mining (2018: 909 US-Dollar/Feinunze). Für 2019 sind kombinierte Kosten von 890 US-Dollar/Feinunze zu erwarten. Freilich können sich diese Zahlen durch Minenverkäufe verschieben. In den nächsten zwei Jahren sollen für 1,0 bis 1,5 Milliarden US-Dollar Minen verkauft werden, die Gesamtproduktion dadurch 6 bis 7 Millionen Feinunzen betragen. Infrage kommen dafür wohl kostenintensivere Minen (Red Lake, Musselwhite, Porcupine, KCGM) bzw. Minen, in denen hohe Investitionen (Yanacocha, Pueblo Viejo) anfallen.

Die geplanten Synergien der Fusion in Höhe von jährlich 100 Millionen US-Dollar sind freilich nicht allzu hoch. Der größte Vorteil ist neben den voraussichtlich etwas geringeren Produktionskosten vor allem die Bündelung der Finanzkraft, um die raren und immer aufwendigeren neuen Projekte zu entwickeln. Der Zeitpunkt ist für Newmont zudem günstig, da der Kurs von Goldcorp sich in den vergangenen Jahren relativ schwach entwickelt hat und die Preise für Goldproduzenten insgesamt noch günstig sind.

Substanz steigt mit Goldpreis
Die Substanz liegt vor allem in den Goldreserven. Diese fielen zum 31. Dezember 2018 bei einem Goldpreis von 1.200 US-Dollar/Feinunze im Vorjahresvergleich um 3,1 Millionen auf 65,4 Millionen Feinunzen bei Newmont Mining. Die laufende Produktion konnte also nicht ganz ersetzt werden. Bei einem Goldpreis von 1.400 US-Dollar/Feinunze würden die Reserven 75 Millionen Feinunzen betragen, bei 1.000 US-Dollar/Feinunze 50 Millionen Feinunzen. Bei der Berechnung hat Newmont für die Kosten einen Ölpreis von 65 US-Dollar/Fass und 0,75 Australische Dollar/US-Dollar angesetzt. Der durchschnittliche Goldgehalt liegt bei 1,19 Gramm/Tonne nach 1,14 Gramm/Tonne im Vorjahr, was etwa im Industriedurchschnitt liegt.

Goldcorp bringt 53 Millionen Feinunzen an Reserven (bei einem Goldpreis von 1.200 US-Dollar/Feinunze) ein, sodass Newmont Goldcorp mit 118 Millionen Feinunzen auch die mit Abstand höchsten Goldreserven besitzt.

Solide Ertragsentwicklung, aber Produktionsrisiken nehmen zu
Das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis von Newmont Mining lag im ersten Quartal mit 0,33 US-Dollar/Aktie (176 Millionen US-Dollar) wie auch die letzten Quartale über der Markterwartung (0,27 US-Dollar/Aktie), aber wegen des um 26 US-Dollar/Feinunze niedrigeren erlösten Goldpreises knapp unter Vorjahresniveau (0,35 US-Dollar/Aktie). Das Produktionsergebnis war mit 1,23 Millionen Feinunzen bei stabil niedrigen Kosten von 907 US-Dollar/Feinunze (2018, erstes Quartal: 1,23 Millionen Feinunzen bei 900 US-Dollar/Feinunze) auf Vorjahresniveau. Für 2019 erwartet Newmont weiterhin eine Goldproduktion von 5,2 Millionen Feinunzen bei Kosten von 935 US-Dollar/Feinunze.

Nachdem die Fusion mit Goldcorp im Mai vollzogen wurde, zählen vor allem die Gesamtzahlen. Für Goldcorp gibt es aber keine Detailzahlen über die Entwicklung im ersten Quartal. Es gibt zunächst nur eine vage Prognose vom März für das Gesamtjahr 2019 und langfristig. Die gemeinsame Goldproduktion soll 2019 bis 2025 rund 7,0 Millionen Feinunzen betragen und die Kosten bei 810 bis 945 US-Dollar/Feinunze liegen. Es deutet sich aber an, dass mit der Übernahme von Goldcorp die Produktionsrisiken steigen. So gab es einen Brand in der Musselwhite-Mine in Kanada. Über möglicherweise andauernde Produktionsausfälle der Mine, die ca. 200.000 Feinunzen Gold p.a. produziert, gibt es bisher keine Meldungen.

Aufgrund einer seit 27. März andauernden Blockade durch Fahrer eines Lkw- Subunternehmens und Anwohner hat Newmont Goldcorp zudem die Produktion der wichtigen Penasquito-Mine vorübergehend eingestellt. 2018 produzierte die Mine 272.000 Feinunzen Gold, wird aber derzeit ausgebaut und soll 2020 ca. 600.000 Feinunzen fördern. Sie ist die wertvollste Mine im Portfolio. Wir gehen davon aus, dass man eine Einigung erzielen wird, allerdings zeigt die Eskalation, dass die Gespräche festgefahren sind. Zumindest das zweite Quartal dürfte für Newmont Goldcorp daher produktionstechnisch schwächer verlaufen.

Anlageidee: Partizipieren Sie an der Entwicklung der Newmont Goldcorp-Aktie

Nutzen Sie die Einschätzungen unserer Experten und partizipieren Sie an der Entwicklung der Newmont Goldcorp-Aktie. Ganz gleich, ob Sie mit Hebelprodukten auf schnelle und kurzfristige Marktveränderungen setzen möchten oder mit Anlageprodukten eine intelligente Alternative zum reinen Aktieninvestment suchen, bei der Commerzbank werden Sie fündig. Ein Überblick über das gesamte Produktspektrum an Zertifikaten steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, der Handelspreis der zugrunde liegenden Aktie in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko. Ein steigender Euro/US-Dollar-Wechselkurs wirkt sich negativ auf den Wert des Zertifikats aus. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Commerzbank in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto) Variante an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Zertifikats mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der nicht währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

Discount-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap

Discount

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU3 SG0

Newmont Goldcorp

30,00 USD

20,30 %

2,81 %

20.09.2020

Nein

26,14/ 26,34 EUR

CU3 SG1

Newmont Goldcorp

32,00 USD

15,30 %

4,64 %

20.09.2020

Nein

27,76/ 27,96 EUR

CU3 SG2

Newmont Goldcorp

34,00 USD

10,95 %

8,19 %

20.09.2020

Nein

29,24/ 29,44 EUR

CU3 SG3

Newmont Goldcorp

36,00 USD

7,14 %

14,16 %

20.09.2020

Nein

30,48/ 30,68 EUR

CU3 SG4

Newmont Goldcorp

38,00 USD

4,29 %

23,51 %

20.09.2020

Nein

31,41/ 31,61 EUR

Unlimited Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Laufzeit

Quanto

Geld-/Briefkurs

CJ6 R14

Newmont Goldcorp

Call

14,73/15,50 USD

1,6

Unbegrenzt

Nein

1,99/2,01 EUR

CU3 SHS

Newmont Goldcorp

Call

29,21/30,66 USD

4,5

Unbegrenzt

Nein

0,71/0,73 EUR

CU9 JAP

Newmont Goldcorp

Put

51,44/48,87 USD

2,6

Unbegrenzt

Nein

1,24/1,26 EUR

CU3 SHP

Newmont Goldcorp

Put

43,05/40,90 USD

6,5

Unbegrenzt

Nein

0,49/0,51 EUR

Stand: 21. Juni 2019; Quelle: Commerzbank AG
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.