Märkte

Nachfragesorgen setzen Ölpreis unter Druck

Der Brent-Ölpreis sackte Ende Mai und Anfang Juni innerhalb weniger Tage um 10 US-Dollar ab. Dabei ist der Ölmarkt wegen der niedrigen OPEC-Produktion und Lieferausfällen aus Russland weiterhin angespannt. Unter den Marktteilnehmern wächst allerdings die Sorge, dass der sich verschärfende Handelskonflikt zwischen den USA und China die Weltkonjunktur und damit auch die Ölnachfrage bremsen wird. Dies könnte zusammen mit der steigenden US-Ölproduktion zu einem erneuten Überangebot führen. Wir erachten diese Sorgen als übertrieben und rechnen mit einer Preiserholung auf 70 US-Dollar je Barrel bis zum Jahresende.

Innerhalb weniger Wochen hat sich die Wahrnehmung am Ölmarkt grundlegend geändert. Dominierten bis Anfang Mai Sorgen vor einer Angebotsknappheit, so haben mittlerweile Nachfragesorgen die Oberhand gewonnen. Die Ölpreise gerieten daraufhin Ende Mai/Anfang Juni kräftig unter Druck. Kostete Brent Ende Mai knapp 70 US-Dollar je Barrel, so waren es Anfang Juni nur noch 60 US-Dollar. Niedriger notierte Brent zuletzt im Januar (siehe Grafik 1). Selbst die Angriffe auf zwei Öltanker in der Nähe der für den Öltransport wichtigen Straße von Hormus führten Mitte Juni nur zu einem begrenzten kurzzeitigen Preisanstieg. Mit ölmarktspezifischen Daten bzw. Nachrichten lässt sich der Preisrutsch nur bedingt erklären. Die US-Rohöllagerbestände stiegen im Mai zwar gegen den saisonalen Trend deutlich, was auf ein lokales Überangebot hindeutet. Auf globaler Ebene blieb der Ölmarkt aber angespannt. Laut Internationaler Energieagentur IEA lag die OPEC-Ölproduktion auch im Mai deutlich unter der im zweiten Quartal benötigten Menge an OPEC-Öl. Insbesondere die Ölförderung im Iran ging deutlich zurück, nachdem das Land wegen der seit Anfang Mai geltenden verschärften US-Sanktionen kaum noch Käufer für sein Öl findet. Zudem förderte Russland im Mai, wenn auch unfreiwillig, erstmals weniger Rohöl als laut Kürzungsabkommen vorgesehen. Denn aufgrund einer Verunreinigung mit für den Raffinerieprozess gefährlichen Substanzen mussten die Öllieferungen durch die größte russische Ölpipeline nach Europa unterbrochen werden. Die Lieferprobleme hielten auch im Juni an, sodass die russische Ölproduktion zunächst noch weiter fiel. Die Internationale Energieagentur bezifferte die Ausfälle für die verschiedenen Abnehmerländer im Mai und Juni auf insgesamt 340.000 Barrel pro Tag, was einige Raffinerien zu Einschränkungen bei der Rohölverarbeitung gezwungen hat.

Grafik 1: Brent-Ölpreis zuletzt stark unter Druck geraten
Grafik 1: Brent-Ölpreis zuletzt stark unter Druck geraten
Stand: 14. Juni 2019; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Der Preisrückgang war daher vor allem auf externe Faktoren zurückzuführen. Zu nennen ist hier in erster Linie der sich verschärfende Handelskonflikt zwischen den USA und China. Lange sah es danach aus, dass sich beide Seiten auf ein Handelsabkommen verständigen könnten. Im Mai verhärteten sich die Fronten allerdings. Die USA erhöhten Anfang Mai die bereits bestehenden Strafzölle auf Importgüter aus China von 10 Prozent auf 25 Prozent. China reagierte darauf mit einer Anhebung der Strafzölle für ausgewählte US-Güter auf ebenfalls 25 Prozent. Ende Mai setzte die US-Regierung zudem ein chinesisches Technologieunternehmen wegen Spionageverdachts auf eine Sanktionsliste, was einige US-Unternehmen die Zusammenarbeit mit diesem Unternehmen beenden ließ. China erwägt als Antwort darauf den Stopp der Exporte sogenannter Seltener Erden in die USA, die für technologische Anwendungen unverzichtbar sind. Zudem will jetzt auch China eine »Liste unzuverlässiger Unternehmen und Personen« erstellen, die die Interessen chinesischer Unternehmen schädigen. Anfang Juni drohten die USA trotz eines ausgehandelten Freihandelsabkommens auch noch Strafzölle gegen Mexiko an. Auch wenn diese abgewendet werden konnten, dürfte das US-Vorgehen auch China in den Verhandlungen mit den USA noch skeptischer machen. Eine baldige Lösung des Handelskonflikts ist dadurch illusorisch geworden. US-Präsident Donald Trump droht bereits offen mit einer Ausweitung der US-Strafzölle auf alle bestehenden Importe aus China, sollte es beim G20-Gipfel Ende Juni zu keinem Treffen mit dem chinesischen Präsidenten kommen. Damit wächst die Sorge, dass auch die Ölnachfrage Schaden nehmen könnte. Schließlich stellen die USA und China zusammen etwa ein Drittel der weltweiten Ölnachfrage und ca. die Hälfte des in diesem Jahr erwarteten Nachfrageanstiegs. Bis vor kurzem hatten die Strafzölle noch keine nennenswerten Abwärtsrevisionen bei der Ölnachfrage zur Folge (siehe Grafik 2). Die IEA senkte im Mai ihre Prognose für den Anstieg in diesem Jahr erstmals leicht, führte dies aber teilweise auf eine wegen des milden Winters geringere Nachfrage im ersten Quartal zurück. Die nochmalige Abwärtsrevision im Juni führte die IEA ebenfalls auf das schwache erste Quartal zurück. Für das zweite Halbjahr geht die IEA weiterhin von einer deutlich stärkeren Nachfragedynamik aus. Dem liegt allerdings die Annahme zugrunde, dass der Handelskonflikt nicht weiter eskaliert.

Grafik 2: Nachfrageprognosen lange Zeit stabil

Erwarteter Anstieg der globalen Ölnachfrage 2019 gegenüber Vorjahr, Prognose der IEA

Grafik 2: Nachfrageprognosen lange Zeit stabil
Stand: 14. Juni 2019; Quelle: IEA, Commerzbank Research

Daten zur Ölnachfrage sind im Gegensatz zu den Produktionsdaten zeitnah kaum verfügbar. Von daher reagierte der Markt sehr sensibel auf die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten aus den drei großen Wirtschaftsräumen USA, China und Europa. Insbesondere die Stimmung der konjunktursensiblen Industrieunternehmen hat sich dabei spürbar eingetrübt. Ein wichtiger Grund hierfür dürfte der bereits erwähnte Handelskonflikt sein. Es wäre daher nicht überraschend, wenn die IEA in den kommenden Monaten weitere Abwärtsrevisionen bei der Ölnachfrage vornimmt. Die zur Verfügung stehenden Daten aus den USA deuten auf eine schwächere Nachfragedynamik hin. Die Rohölverarbeitung liegt nach fünf Monaten leicht unter dem Vorjahresniveau (siehe Grafik 3). Eine starke Sommerfahrsaison kann dies allerdings noch ändern. Dafür sprechen unter anderem die robuste Arbeitsmarktsituation in den USA mit der niedrigsten Arbeitslosenquote seit fast 50 Jahren und die zuletzt stark gesunkenen Benzinpreise. In China erreichte die Rohölverarbeitung in den ersten vier Monaten des Jahres dagegen ein Rekordniveau. Dem stehen aber steigende Netto-Exporte von Ölprodukten, insbesondere von Diesel, gegenüber. In Singapur fielen die Margen für die Rohölverarbeitung im Mai auch deshalb auf das niedrigste Niveau für diese Jahreszeit seit 16 Jahren.

Grafik 3: US-Raffinerien verarbeiten weniger Rohöl als im Vorjahr
Grafik 3: US-Raffinerien verarbeiten weniger Rohöl als im Vorjahr
Stand: 7. Juni 2019; Quelle: EIA, Bloomberg, Commerzbank Research

Sollte die globale Ölnachfrage weniger stark zulegen als bislang erwartet, könnte dem Ölmarkt Ende des Jahres ein erneutes Überangebot drohen, selbst wenn die OPEC ihre Produktion vom aktuellen Niveau nicht erhöht. Dies scheint der Markt zu antizipieren. Denn der Bedarf an OPEC-Öl geht wegen der steigenden US-Ölproduktion am Jahresende spürbar zurück und soll laut Schätzung der IEA von Mai im vierten Quartal nur noch bei 29,9 Millionen Barrel pro Tag liegen. Das sind ca. 1 Millionen Barrel pro Tag weniger als im dritten Quartal und entspricht in etwa der derzeitigen OPEC-Produktion (siehe Grafik 4). Wir erwarten daher, dass die OPEC und die mit ihr verbündeten Nicht-OPEC-Länder (»OPEC+«) das zur Jahresmitte auslaufende Kürzungsabkommen bis Ende 2019 verlängern. Dies sollte eine Preiserholung im zweiten Halbjahr begünstigen. Nach dem jüngsten Preisrutsch dürfte eine spürbare Abschwächung der Ölnachfrage bereits eingepreist sein. Stellt sich diese Sorge als unbegründet heraus, sollten die Preise wieder steigen. Ansonsten dürfte die OPEC, angeführt von Saudi-Arabien, bei den Produktionskürzungen nochmals nachlegen, um ein Überangebot zu verhindern und höhere Preise sicherzustellen. Wir erwarten einen Brent-Ölpreis von 70 US-Dollar je Barrel am Jahresende.

Grafik 4: OPEC produziert zurzeit weniger als benötigt, am Jahresende droht allerdings neuerliches Überangebot
Grafik 4: OPEC produziert zurzeit weniger als benötigt, am Jahresende droht allerdings neuerliches Überangebot
Stand: 14. Juni 2019; Quelle: IEA, Reuters, Commerzbank Research

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Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

FXopt

Geld-/Briefkurs

CJ3 D4Y

Brent-Öl Future

Long

3

Unbegrenzt

Nein

2,94/2,95 EUR

CJ3 D4E

WTI-Öl Future

Long

3

Unbegrenzt

Nein

2,47/2,48 EUR

CJ3 D47

Brent-Öl Future

Short

–3

Unbegrenzt

Nein

3,86/3,88 EUR

CJ3 D4P

WTI-Öl Future

Short

–3

Unbegrenzt

Nein

4,12/4,13 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Quanto

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CJ8 TS7

Brent-Öl Future

Call

55,011 USD

6,4

Ja

Unbegrenzt

10,03/10,05 EUR

CJ8 PLE

WTI-Öl Future

Call

46,236 USD

5,1

Ja

Unbegrenzt

11,19/11,21 EUR

CU0 L2Z

Brent-Öl Future

Call

58,244 USD

9,5

Nein

Unbegrenzt

5,99/6,00 EUR

CJ8 TSS

WTI-Öl Future

Call

49,371 USD

7,1

Nein

Unbegrenzt

7,11/7,12 EUR

CU2 QHF

Brent-Öl Future

Put

72,473 USD

8,1

Ja

Unbegrenzt

7,91/7,93 EUR

CU3 AS7

WTI-Öl Future

Put

67,629 USD

5,4

Ja

Unbegrenzt

10,66/10,68 EUR

CU3 AZK

Brent-Öl Future

Put

70,595 USD

10,7

Nein

Unbegrenzt

5,34/5,35 EUR

CU8 G7K

WTI-Öl Future

Put

62,262 USD

10,7

Nein

Unbegrenzt

4,70/4,71 EUR

Stand: 21. Juni 2019; Quelle: Commerzbank AG
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.