Titelthema

Das Technische-Analyse-Sommercamp – Teil 1: Basiswissen

Machen Sie sich fit für die Charts

Nicht nur die großen Fußballclubs werden bald schon wieder in die Trainingslager aufbrechen. Auch viele Breitensportler nutzen die Sommerzeit, um sich in ihren Disziplinen weiter zu verbessern. Diese Chance möchten wir auch den ideas-Lesern geben. Bei unserem Technische-Analyse-Sommercamp lernen Sie in zwei Teilen alles rund um die Technische Analyse.

In der vorliegenden Ausgabe bringen wir Ihnen die Grundlagen der Welt der Charts näher. Erfahren Sie mehr darüber, was der Grundgedanke der Technischen Analyse ist, welche Charttypen es gibt, wie sich Chartformationen erkennen lassen und wie Sie Indikatoren nutzen können.

Warum Technische Analyse?
Wenn man sich mit dem Thema Trading beschäftigt, wird man als Anleger über kurz oder lang auch auf das Thema Technische Analyse stoßen. Der technisch orientierte Trader untersucht mit den Methoden der Technischen Analyse die vorherrschenden Trends an den Finanzmärkten und versucht, an diesen Trends zu partizipieren. Wir möchten Ihnen im Rahmen des Technische-Analyse-Sommercamps die wichtigsten Methoden und Handwerkzeuge näherbringen, die dabei angewendet werden.

Der Kerngedanke, der der Technischen Analyse zugrunde liegt, ist, dass sich in der Kursentwicklung eines Basiswerts alle preisrelevanten Informationen bereits widerspiegeln. Entsprechend reicht auch das Studium dieser Bewegung aus, um sich ein hinreichendes Bild über die fundamentalen, psychologischen und sonstigen Faktoren zu machen, die die zugrunde liegenden Treiber einer Kursbewegung sind. An erster Stelle der Analysearbeit steht immer die Feststellung der vorherrschenden Trends. Diese Trends werden nach der Art und nach der Dauer unterschieden.

Der Markt kann sich in einem Aufwärtstrend, einem Abwärtstrend oder in einem Seitwärtstrend befinden. Welcher der drei Zustände vorliegt, bestimmt sich aus der Abfolge von Hoch- und Tiefpunkten in der Preiskurve im jeweils beobachteten Zeithorizont. Die Sequenz von steigenden Hoch- und Tiefpunkten definiert den Aufwärtstrend, die Sequenz fallender Hoch- und Tiefpunkte den Abwärtstrend und etwa gleich hohe Hoch- und Tiefpunkte den Seitwärtstrend (siehe Grafiken 1, 2 und 3).

Grafik 1: Aufwärtstrend
Grafik 1: Aufwärtstrend
Quelle: Commerzbank AG
Grafik 2: Abwärtstrend
Grafik 2: Abwärtstrend
Quelle: Commerzbank AG
Grafik 3: Seitwärtstrend
Grafik 3: Seitwärtstrend
Quelle: Commerzbank AG

Mit Blick auf die zeitliche Kategorisierung hat sich die Einteilung in langfristige, mittelfristige und kurzfristige Trends durchgesetzt. Demnach weisen langfristige Trends eine Dauer von mindestens zwölf Monaten auf. Mittelfristige Trends dauern zwischen drei Wochen und mehreren Monaten. Als kurzfristig gelten alle Bewegungen, die weniger als drei Wochen anhalten.

Hat der Anleger die Trends in den verschiedenen Zeitfenstern untersucht, so weiß er nun, wohin der Weg des geringsten Widerstands in diesen zeitlichen Ebenen weist. Ein Handeln in Richtung des dominanten Trends ist also erfolgversprechender, als sich gegen die vorherrschende Marktrichtung zu stemmen.

Charttypen
Die meisten technisch orientierten Trader verwenden bei der Analyse nicht den klassischen Linienchart, der durch die simple Verbindung der Schlusskurse einer Zeitperiode entsteht. Durchgesetzt haben sich vielmehr die Chartdarstellungen Balkenchart und später Kerzenchart (Candlestick-Chart). Diese haben den Vorteil, dass sie mehr Informationen enthalten. Beide zeigen die vier Informationen Eröffnungskurs, Höchstkurs, Tiefstkurs und Schlusskurs. Da der Kerzenchart visuell ansprechender ist als der Balkenchart, fand er in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Anhänger. Bereits ein schneller Blick auf eine solche Kerze verrät dem Anleger viel über die Marktpsychologie in der entsprechenden Zeitperiode (siehe Grafik 4).

Grafik 4: Candlestick-Chart
Grafik 4: Candlestick-Chart
Quelle: Commerzbank AG

Unterstützung und Widerstand
Nach der Feststellung der vorherrschenden Trends richtet sich der Blick auf die sogenannten Unterstützungen und Widerstände. Als Unterstützung sehen Technische Analysten ein Kursniveau unterhalb des aktuellen Niveaus an, wo das Kaufinteresse der Marktakteure stark genug ist, um das Verkaufsinteresse zu übersteigen. Die Folge ist, dass der Kursverfall gestoppt wird und die Notierung wieder anfängt zu steigen. In einer solchen Region ergibt sich aus Trading-Sicht die Möglichkeit, antizyklisch in den identifizierten Aufwärtstrend einzusteigen. Der Widerstand ist das genaue Gegenteil der Unterstützung. Entsprechend ist der Widerstand ein Kursniveau oberhalb des aktuellen Niveaus, wo das Verkaufsinteresse stark genug ist, um das Kaufinteresse zu übersteigen. In einem Abwärtstrend hält der technisch orientierte Trader bei Widerständen Ausschau nach Gelegenheiten, einen Basiswert zu verkaufen oder auf fallende Notierungen zu spekulieren.

Die wichtigste und zugleich am einfachsten festzustellende Art von Unterstützungen und Widerständen ergibt sich aus vergangenen Tief- und Hochpunkten im Chart. Diese Kurstäler und Gipfel sind es auch, die in ihrer Abfolge die Frage der Existenz eines Trends beantworten. Sie kennzeichnen Regionen, in denen es in der Vergangenheit aufgrund der Veränderung des Kräfteverhältnisses zwischen der Angebots- und Nachfrageseite zu Wendepunkten gekommen ist. Je häufiger eine Unterstützung bzw. ein Widerstand seine Eigenschaft als solche bewiesen hat, desto zuverlässiger und bedeutender wird der Bereich (siehe Grafik 5).

Grafik 5: Unterstützungszone
Grafik 5: Unterstützungszone
Quelle: Commerzbank AG

Als Anleger sollten Sie sich bewusst sein, dass Unterstützungen und Widerstände als Zonen aufzufassen sind und nicht als exakte Punkte. Es bedarf entsprechend einer nachhaltigen und nicht etwa nur geringfügigen oder kurzzeitigen Unterschreitung bzw. Überschreitung, um ein verlässliches Signal zu erhalten, dass die Zone ihre Eigenschaft als Unterstützung oder Widerstand verloren hat. Werden eine Unterstützung bzw. ein Widerstand nachhaltig verletzt, kommt es anschließend zu einer Vertauschung der Rollen. Aus der ehemaligen Unterstützung wird ein Widerstand und aus dem ehemaligen Widerstand wird eine Unterstützung. Dieses sogenannte Prinzip der wechselnden Polarität findet auf alle Arten von Widerständen und Unterstützungen Anwendung.

Trendlinien
Die Trendlinien stellen für Anleger ein weiteres wichtiges Technische-Analyse-Werkzeug dar. Eine Aufwärtstrendlinie ist eine gerade Linie, die entlang steigender Tiefpunkte im Kursverlauf des Basiswerts gezogen wird. Eine Abwärtstrendlinie ist eine gerade Linie, die entlang fallender Hochpunkte gezogen wird. Die praktische Aufgabe einer Trendlinie ist es, zum einen die Steilheit eines existierenden Trends zu visualisieren, und zum anderen, Unterstützungen bzw. Widerstände im Trendverlauf aufzuzeigen. Der Bruch einer Trendlinie ist nicht gleichzusetzen mit dem Bruch des zugrunde liegenden Trends, stellt jedoch ein wichtiges Warnsignal dar, dass es auch zu einem Trendbruch kommen könnte.

Solange eine Trendlinie lediglich auf zwei Auflagepunkten basiert, wird sie auch als versuchsweise Trendlinie oder vorläufige Trendlinie bezeichnet. Mit dem dritten erfolgreichen Test wandelt sie sich begrifflich mit der dann vorliegenden Bestätigung zur gültigen Trendlinie. Grundsätzlich gilt: Je häufiger eine Trendlinie getestet wurde und je länger sie intakt war, desto bedeutender wird sie als Unterstützung oder Widerstand. Und umso charttechnisch bedeutender würde natürlich auch das von einem Bruch der Trendlinie ausgehende Signal. Solange die Trendlinie intakt ist, ermöglicht sie dem Anleger den antizyklischen Einstieg in eine Trendrichtung, falls sich die Kurse der Linie annähern. Bei einem nachhaltigen Bruch der Trendlinie können bestehende Positionen geschlossen oder Positionen in Ausbruchsrichtung eröffnet werden (siehe Grafik 6).

Grafik 6: Aufwärtstrendlinie
Grafik 6: Aufwärtstrendlinie
Quelle: Commerzbank AG

Chartformationen
Neben der Untersuchung des Trends und der Identifizierung von Unterstützungen und Widerständen stellt die Formationsanalyse ein weiteres wichtiges Werkzeug in der Hand des technisch orientierten Anlegers dar. Grundlage der Formationsanalyse ist die Beobachtung, dass sich bestimmte Muster in den Charts beständig wiederholen. Diese Muster können bullish, bearish oder neutral sein. Im letztgenannten Fall ergibt sich erst mit dem Ausbruch aus der Formation eine echte analytische Aussagekraft, was die weitere Kursentwicklung betrifft. Erfolgt der Ausbruch aus einer Formation, wird diese hierdurch bestätigt. Das Handelsvolumen spielt dabei ebenfalls eine bedeutende Rolle bei der Validierung des Ausbruchs. Es sollte mit dem Verlassen des Musters deutlich anziehen. Nach dem Ausbruch entsteht eine Arbeitshypothese für entweder die Fortsetzung des mit der Formation unterbrochenen Trends oder die Umkehr dieses Trends. Ferner existieren Regeln für Kursziele, die einen wertvollen Anhaltspunkt für das zu erwartende Potenzial der Kursbewegung liefern.

Das Doppeltop ist eine der verlässlichsten Chartformationen. Dieses Muster signalisiert eine bearishe Trendwende. In einem Aufwärtstrend markieren die Kurse bei in der Regel zunehmendem Volumen ein neues Hoch bei Punkt A. Anschließend fallen die Kurse bei nachlassendem Volumen bis zum Punkt B. Der nachfolgende Kursaufschwung führt die Notierung zurück auf die Höhe des Punktes A, wo Gipfel C ausgebildet wird. Für gewöhnlich erreicht das Volumen dabei nicht mehr die Größenordnung wie bei der ersten Rally an dieses Kursniveau. Punkt A wird nicht mehr signifikant überschritten und die Kurse fallen erneut in Richtung Punkt B. Ab diesem Zeitpunkt kann von einem potenziellen Doppeltop gesprochen werden. Wichtig ist nun, dass Punkt B per Schlusskurs unterschritten wird. Erst dann liegt ein vollendetes bzw. bestätigtes Doppeltop vor. Vorher wäre auch die Ausbildung einer trendbestätigenden Seitwärtskonsolidierung denkbar. Der Durchbruch bei Punkt B sollte bei steigendem Volumen stattfinden, um das Risiko von Fehlsignalen zu verringern. Häufig kommt es anschließend bei abnehmendem Volumen zu einer Rückkehrbewegung (Pullback) in Richtung des Durchbruchspunkts, der nun als Widerstand fungiert. Danach sollte sich der etablierte Abwärtstrend bei wiederum steigendem Volumen fortsetzen. Das analytische Mindestkursziel aus dem Doppeltop ergibt sich aus der Spiegelung der Formationshöhe am Punkt B nach unten (siehe Grafik 7).

Grafik 7: Doppeltop
Grafik 7: Doppeltop
Quelle: Commerzbank AG

Der Doppelboden stellt das bullishe Gegenstück zum Doppeltop dar. Das Aussehen ergibt sich spiegelbildlich zum Doppeltop. Zu beachten ist jedoch, dass, wie allgemein bei unteren Umkehrformationen, das Volumen eine noch wichtigere Rolle spielt als bei oberen Umkehrformationen. Dies ergibt sich daraus, dass Märkte dazu neigen, quasi aufgrund ihres eigenen Gewichts zu fallen. Hingegen bedarf es einer signifikanten Zunahme des Kaufdrucks, um einen Bullenmarkt ins Laufen zu bringen. Daher sollte das Volumen beim Doppelboden deutlich ansteigen, wenn der Anstieg über den Durchbruchspunkt B stattfindet (siehe Grafik 8).

Grafik 8: Doppelboden
Grafik 8: Doppelboden
Quelle: Commerzbank AG

Bei einer Kopf-Schulter-Formation als bearishe Umkehrformation weist der Trend zunächst nach oben. Am Punkt A kommt es dann zur Ausbildung eines Hochs und es folgt eine Korrektur im Aufwärtstrend. Nach der Ausbildung eines Tiefs bei Punkt B arbeitet sich die Notierung auf ein neues Verlaufshoch (Punkt C) vor. Häufig geschieht dies mit geringerem Handelsvolumen als beim vorausgegangenen Schub zu Punkt A, was für den technisch orientierten Anleger bereits ein erstes Warnsignal darstellt. Ebenfalls häufig liegt dann bei Punkt C eine sogenannte negative Divergenz in momentumbasierten Indikatoren (zum Beispiel RSI) vor, was einen Verlust an Schwungkraft signalisiert. Nun fallen die Kurse zum Punkt D und unterschreiten damit die Unterstützung von Punkt A, was ein weiteres Warnsignal darstellt. Anschließend klettern die Kurse zu Punkt E. Dies geschieht idealerweise mit geringerem Volumen als der Abschwung zu D. Bei Punkt E bildet sich dann ein tieferes Hoch aus, das sich in etwa auf der Höhe des Punktes A befindet. Der Rutsch unter die sogenannte Nackenlinie, die aus der Verbindung der Punkte B und D resultiert, vervollständigt die bearishe Trendwende. Diese Nackenlinie kann – je nach Lage von B und D – ansteigen (Regel), horizontal verlaufen oder abfallen (seltener). Beim Durchbruch sollte das Volumen deutlich anziehen. Häufig kommt es dann noch zu einer von niedrigem Volumen begleiteten Rückkehrbewegung an die Nackenlinie, bevor die Kurse wieder südwärts drehen und das tiefere Tief bei Punkt F unterschreiten. Das Mindestkursziel aus der Formation ergibt sich aus der Projektion des als Lot ermittelten Abstands vom Gipfel C zur Nackenlinie am Durchbruchspunkt. Das bullishe Gegenstück – die inverse Kopf-Schulter-Formation – ergibt sich einfach aus der Spiegelung der Kopf-Schulter-Formation. Als Besonderheit ist hier nur zu beachten, dass zum einen das Handelsvolumen eine noch wichtigere Rolle als bei einer bearishen Trendumkehr besitzt – es sollte daher in jedem Fall zumindest beim Durchbruch über die Nackenlinie deutlich anziehen. Zum anderen ist die Nackenlinie bei einer inversen Kopf-Schulter-Formation häufig nach unten geneigt. Aber auch hier sind horizontale und fallende Nackenlinien durchaus zulässig. Als mögliche Variante sowohl der Kopf-Schulter-Formation als auch der inversen Kopf-Schulter-Formation kommt es gelegentlich zu einer komplexen Ausgestaltung mit mehreren linken oder rechten Schultern (siehe Grafiken 9 und 10).

Grafik 9: Kopf-Schulter-Formation
Grafik 9: Kopf-Schulter-Formation
Quelle: Commerzbank AG
Grafik 10: Inverse Kopf-Schulter-Formation
Grafik 10: Inverse Kopf-Schulter-Formation
Quelle: Commerzbank AG

Das ansteigende Dreieck bzw. Aufwärtsdreieck weist eine steigende untere Begrenzungslinie sowie eine horizontale obere Begrenzungslinie auf. Die Minimalanforderung sind vier alternierende Umkehrpunkte zur Definition des Dreiecks. Häufig sind es jedoch fünf oder sechs. Die Formation besitzt einen Prognosewert dergestalt, dass die meisten Ausbrüche nach oben erfolgen, sodass sie als bullish gilt. Statistisch gesehen kommt es in etwa 62 Prozent aller Aufwärtsdreiecke zu einem Ausbruch über die horizontale Dreieckslinie und damit zu einem Kaufsignal. Als Daumenregel sollte ein Ausbruch frühestens nach der Hälfte der Strecke von der Basis des Dreiecks bis zur Spitze und spätestens nach dreiviertel der Strecke stattfinden, wenn er zuverlässig sein soll. Die statistisch gesehen besten Ausbrüche ergeben sich im Bereich zwischen 60 und 65 Prozent. Das zu erwartende Mindestkursziel aus dem Dreieck ergibt sich aus der Projektion der Höhe des Dreiecks an der horizontalen Begrenzungslinie. In etwas mehr als der Hälfte aller Fälle kommt es nach dem Ausbruch zu einer Rückkehrbewegung an den Ausbruchspunkt. In etwa einem Drittel aller Fälle erfolgt entgegen der klassischen Erwartungshaltung ein Ausbruch nach unten und damit ein Verkaufssignal (siehe Grafik 11). Das fallende Dreieck bzw. Abwärtsdreieck unterscheidet sich vom steigenden Dreieck äußerlich lediglich durch eine fallende obere Begrenzungslinie. Diese Formation weist eine grundsätzlich negative Implikation auf. Da sie tatsächlich aber nur in etwa 55 Prozent aller Fälle nach unten aufgelöst wird, bedarf es auch hier einer Bestätigung mittels eines Schlusskurses unterhalb der horizontalen Begrenzungslinie. Das Mindestkursziel ergibt sich auch hier aus der Formationshöhe (siehe Grafik 12).

Grafik 11: Ansteigendes Dreieck
Grafik 11: Ansteigendes Dreieck
Quelle: Commerzbank AG
Grafik 12: Absteigendes Dreieck
Grafik 12: Absteigendes Dreieck
Quelle: Commerzbank AG

Symmetrische Dreiecke können sowohl in einem Aufwärtstrend als auch in einem Abwärtstrend vorkommen. Sie bestehen aus zwei konvergierenden Trendlinien, wobei die obere Linie fällt und die untere Linie steigt. Als Mindestvoraussetzung, dass ein Dreieck definiert werden kann, gilt somit, dass vier Umkehrpunkte vorhanden sein müssen. Ansonsten ließen sich keine zwei Trendlinien zeichnen. Mit dem anschließenden Ausbruch aus dem Dreieck wird ein Signal in Ausbruchsrichtung generiert. Etwa dreiviertel aller symmetrischen Dreiecke werden in Richtung des vorausgegangenen Trends aufgelöst. Daher gelten sie als tendenziell trendbestätigend. Doch können sie sich auch als Trendumkehrformationen herausstellen. Gewissheit darüber besteht erst mit einem nachhaltigen Ausbruch per Schlusskurs aus dem Muster.

Für das symmetrische Dreieck lassen sich methodisch zwei (Mindest-)Kursziele ermitteln. Nach der ersten Methode wird die Höhe des Dreiecks, das heißt der vertikale Abstand vom ersten Auflagepunkt des Dreiecks zur anderen Dreiecksbegrenzungslinie, vom Ausbruchspunkt in Ausbruchsrichtung projiziert. Bei der zweiten Methode wird eine parallele Linie zur Dreiecksbegrenzungslinie gezogen, die nicht die durchbrochene Linie ist. Dies entspricht praktisch dem Anlegen eines Trendkanals mit der Rückkehrlinie als Kursziel (siehe Grafiken 13 und 14).

Grafik 13: Symmetrisches Dreieck (Trendfortsetzung)
Grafik 13: Symmetrisches Dreieck (Trendfortsetzung)
Quelle: Commerzbank AG
Grafik 14: Symmetrisches Dreieck (Trendumkehr)
Grafik 14: Symmetrisches Dreieck (Trendumkehr)
Quelle: Commerzbank AG

Indikatoren
Technische Indikatoren sind mathematische Berechnungen auf der Basis von Kurszeitreihen oder Volumenzeitreihen. Der Relative Strength Index (RSI) ist einer der populärsten und ältesten sogenannten Kontratrendindikatoren. Der Indikator oszilliert zwischen 0 und 100. Grundsätzlich gelten Werte über 70 als überkauft und Werte unter 30 als überverkauft. In einer überkauften Marktsituation ist der Basiswert anfällig für eine Abwärtsbewegung, während eine überverkaufte Situation den Wert anfällig für eine Kurserholung macht. Das eigentliche Signal für eine mögliche Trendwende im Basiswert liegt in einem Verlassen des überverkauften Bereichs (Kaufsignal) bzw. des überkauften Bereichs (Verkaufssignal). Signale, die in Richtung des übergeordneten Trends weisen, sind zuverlässiger als solche, die komplett antizyklisch sind. Diese Aussage trifft allgemein auf alle technischen Indikatoren zu (siehe Grafik 15).

Grafik 15: Der RSI-Indikator
Grafik 15: Der RSI-Indikator
Quelle: Commerzbank AG

Der MACD ist ein sehr populärer sogenannter trendfolgender Indikator. Zu seiner Berechnung werden zwei unterschiedlich lange exponentielle gleitende Durchschnitte verwendet. Die sich aus der Differenz der beiden Durchschnitte ergebende Linie wird als MACD-Linie bezeichnet. Auf diese MACD-Linie wird anschließend noch ein exponentieller gleitender Durchschnitt berechnet und abgebildet. Diese Linie wird als Signallinie oder Triggerlinie bezeichnet. Häufig wird sie als gestrichelte oder gepunktete Linie dargestellt. Durch ein Kreuzen der MACD-Linie mit der Triggerlinie entstehen Kauf- und Verkaufssignale. Schneidet die MACD-Linie die Triggerlinie von unten nach oben, entsteht ein Kaufsignal. Im umgekehrten Fall eines Schneidens von oben nach unten enthält man entsprechend ein Verkaufssignal. Entstehen die genannten Signale nach einer Divergenz zwischen der Preiskurve des Basiswerts und der MACD-Linie, gelten sie als noch zuverlässiger. Eine positive bzw. bullishe Divergenz wird dadurch ersichtlich, dass der beobachtete Basiswert ein neues Verlaufstief im Rahmen des etablierten Abwärtstrends markiert, während die MACD-Linie ein gegenüber ihrem letzten Tief gleich hohes oder höheres Tief markiert. Eine bearishe oder negative Divergenz liegt vor, wenn der im Aufwärtstrend befindliche Basiswert ein neues Verlaufshoch erreicht, die MACD-Linie jedoch nur ein gleich hohes oder tieferes Hoch ausbildet (siehe Grafik 16).

Grafik 16: MACD-Indikator
Grafik 16: MACD-Indikator
Quelle: Commerzbank AG

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