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Was nun, OPEC+?

Die Produktionseinschränkungen der OPEC+ und unfreiwillige Produktionsausfälle in Venezuela haben zu einer Verknappung des Ölangebots geführt und die Ölpreise merklich steigen lassen. Kurzfristig dürfte sich der Ölmarkt wegen der US-Sanktionen gegen den Iran noch weiter anspannen. Saudi-Arabien dürfte dies nur teilweise ausgleichen. Bei einer unkoordinierten Produktionsausweitung würden im zweiten Halbjahr ein erneutes Überangebot und ein neuerlicher Preisrutsch drohen. Wir erwarten daher eine Verlängerung des Kürzungsabkommens und einen Ölpreis von 70 US-Dollar je Barrel am Jahresende.

Der Brent-Ölpreis ist Ende April auf ein 6-Monats-Hoch von 75 US-Dollar je Barrel gestiegen. Seit Jahresbeginn verteuerte sich Brent damit um fast 40 Prozent (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Brent-Ölpreis seit Jahresbeginn deutlich im Aufwind
Grafik 1: Brent-Ölpreis seit Jahresbeginn deutlich im Aufwind
Stand: 17. Mai 2019; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Die Strategie der OPEC und einiger verbündeter Nicht-OPEC-Länder (OPEC+), mittels einer freiwilligen Einschränkung des Ölangebots den Ölmarkt zu verknappen und dadurch einen höheren Ölpreis zu erreichen, ist somit aufgegangen.

Den aktuellen Zahlen der Internationalen Energieagentur IEA zufolge ist der Ölmarkt im zweiten Quartal deutlich unterversorgt. Wichtigster Grund hierfür ist der spürbare Rückgang der OPEC-Ölproduktion im März und April auf 30,2 Millionen Barrel pro Tag. Insbesondere Saudi-Arabien hat die Produktion deutlich stärker reduziert, als es laut »OPEC+«-Abkommen eigentlich müsste. Der größte OPEC-Produzent förderte im März/April nur noch 9,8 Millionen Barrel pro Tag und damit ca. 500.000 Barrel weniger, als im Kürzungsabkommen vorgesehen. In Venezuela, das nicht am Kürzungsabkommen beteiligt ist, sorgten Stromausfälle und die US-Sanktionen für einen Produktionseinbruch auf nur noch 830.000 Barrel pro Tag. Diese unfreiwilligen Produktionsausfälle trugen zusätzlich zum Rückgang der OPEC-Produktion bei. Darüber hinaus setzten die Nicht-OPEC-Länder ihre zugesagten Kürzungen im April deutlich besser um. Diese summierten sich laut IEA auf knapp 600.000 Barrel pro Tag, was einer Umsetzung von 150 Prozent entsprach. Im ersten Quartal lag die Umsetzung nicht einmal bei 50 Prozent. Behält die OPEC ihre Produktionsmenge konstant auf dem Niveau von April, so fehlen dem Markt im zweiten Quartal durchschnittlich 700.000 Barrel Rohöl pro Tag. Denn der von der IEA geschätzte Bedarf an OPEC-Öl liegt in diesem Zeitraum bei 30,9 Millionen Barrel pro Tag (siehe Grafik 2).

Grafik 2: OPEC produziert bereits weniger Öl, als in den kommenden Monaten benötigt wird
Grafik 2: OPEC produziert bereits weniger Öl, als in den kommenden Monaten benötigt wird
Stand: 15. Mai 2019; Quelle: IEA Commerzbank Research

Die Lücke könnte sogar noch größer werden, wenn es in Libyen wegen der dortigen Kämpfe zu neuerlichen Produktionsausfällen kommen sollte. Dank der Wiederinbetriebnahme des größten Ölfelds hatte sich die libysche Produktion erst im März normalisiert.

Zudem haben die USA die Ölsanktionen gegen den Iran Anfang Mai deutlich verschärft, da die acht wichtigen Abnehmern gewährten Ausnahmen nicht mehr verlängert wurden. Staaten und Unternehmen, die sich nicht daran halten und weiterhin iranisches Öl kaufen, drohen dann US-Sanktionen. Im März lagen die iranischen Ölexporte laut Bloomberg-Daten bei 1,3 Millionen Barrel pro Tag, wobei die EU und Südkorea in den vergangenen Monaten kein iranisches Öl mehr kauften (siehe Grafik 3).

Grafik 3: Iranische Ölexporte wegen US-Sanktionen unter Druck
Grafik 3: Iranische Ölexporte wegen US-Sanktionen unter Druck
Stand: 30. April 2019; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Im April sanken die iranischen Öllieferungen auf weniger als 1 Million Barrel pro Tag, weil sich die verbliebenen Käufer im Vorfeld der schärferen US-Sanktionen zurückhielten. Fraglich ist, ob China seine Käufe von iranischem Öl vollständig einstellen wird. In einer ersten Reaktion wies China das Ansinnen der USA zurück. Fallen die iranischen Öllieferungen wie von den USA beabsichtigt tatsächlich vollständig weg, würde sich das Defizit am Ölmarkt auf bis zu 2 Millionen Barrel pro Tag ausweiten. Die USA setzen darauf, dass Saudi-Arabien und andere Anbieter in die Bresche springen und die Verluste ausgleichen.

Saudi-Arabien ist dazu aber nur bereit, wenn tatsächlich Nachfrage dafür besteht. Die saudischen Entscheidungsträger dürften sich dabei sehr genau an das Vorjahr erinnern, wenn sie über eine Produktionsausweitung zum Ausgleich sanktionsbedingter Angebotsausfälle aus dem Iran nachdenken. Im Sommer 2018 verständigten sich Saudi-Arabien und Russland zunächst darauf, die Produktion anzuheben, um den damals einsetzenden Rückgang der Ölproduktion in Venezuela auszugleichen. Als der Ölpreis wegen der drohenden US-Sanktionen gegen den Iran immer weiter stieg, erhöhten Saudi-Arabien und Russland die Produktion immer mehr, bis der Markt letztlich deutlich überversorgt war und die Preise im vierten Quartal abstürzten. Es erforderte letztlich ein neuerliches Kürzungsabkommen, um den Preisverfall zu stoppen. Noch lässt sich nicht genau sagen, wie viel iranisches Öl wegen der US-Sanktionen zusätzlich wegfallen wird. Da China seine Käufe kaum nennenswert reduzieren wird, dürfte sich der Rückgang verglichen mit März auf ca. 500.000 bis 800.000 Barrel pro Tag belaufen.

Bei einem Treffen des Gemeinsamen Komitees von Ministern der an den Produktionskürzungen beteiligten Länder (JMMC) wurde Mitte Mai darüber beraten, wie es angesichts der momentanen Marktentwicklungen weitergehen soll. Der saudi-arabische Energieminister Khalid Al-Falih hat dabei einer kurzfristigen Anhebung der Fördermenge eine Absage erteilt. Zudem deutet vieles auf eine Verlängerung des Kürzungsabkommens bis Jahresende hin. Denn trotz der derzeitigen Markteinengung ist es für die OPEC+ weiterhin ratsam, an den Produktionsbeschränkungen über die Jahresmitte hinaus festzuhalten. Dabei könnten die Produktionsziele nach oben angepasst werden, um die unfreiwilligen Angebotsausfälle in Venezuela, dem Iran und möglicherweise auch Libyen zu berücksichtigen. Ohne diese schwer zu quantifizierenden Ausfälle hätten die OPEC und Russland ohnehin keinen Spielraum, die Produktion nennenswert anzuheben. Der Ölmarkt würde sonst schnell wieder ein Überangebot aufweisen. Die Internationale Energieagentur senkte im Mai ihre Schätzung für den Bedarf an OPEC-Öl im Jahr 2019 und sieht den Ölmarkt bei der derzeitigen OPEC-Produktion im zweiten Halbjahr nahezu im Gleichgewicht.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die weiter steigende US-Ölproduktion. Der von der US-Energiebehörde für 2019 erwartete Produktionsanstieg um 1,5 Millionen Barrel pro Tag reicht dabei allein aus, den von der IEA erwarteten Anstieg der globalen Ölnachfrage abzudecken. Die US-Ölproduktion zeigte sich vom Rückgang der Bohraktivität infolge des Preiseinbruchs im vierten Quartal 2018 auf zeitweise weniger als 40 US-Dollar je Barrel bislang unbeeindruckt (siehe Grafiken 4 und 5). Die inzwischen wieder deutlich höheren Preise lassen zudem eine Fortsetzung des Schieferölbooms erwarten.

Grafik 4: Ölpreisrückgang im vierten Quartal 2018 bremst Bohraktivität

WTI-Ölpreis um vier Monate nach vorn verschoben

Grafik 4: Ölpreisrückgang im vierten Quartal 2018 bremst Bohraktivität
Stand: 17. Mai 2019; Quelle: Baker Hughes, Bloomberg, Commerzbank Research
Grafik 5: Aber US-Ölproduktion steigt davon unbeeindruckt weiter

Ab Mai 2019 Prognose der EIA

Grafik 5: Aber US-Ölproduktion steigt davon unbeeindruckt weiter
Stand: 7. Mai 2019; Quelle: EIA, Baker Hughes, Bloomberg, Commerzbank Research

Die angespannte Angebotslage und die drohende weitere Verknappung aufgrund der US-Sanktionen gegen den Iran und Venezuela sprechen kurzfristig für einen weiteren Preisanstieg bei Brent. Saudi-Arabien könnte diese Ausfälle durch eine Rücknahme seiner über das Ziel hinausgehenden Produktionskürzungen zwar teilweise ausgleichen. Eine unkoordinierte Angebotsausweitung würde den Zusammenhalt der OPEC und das Kürzungsabkommen aber gefährden und könnte später zu einem ähnlich starken Preiseinbruch wie im Spätherbst 2018 führen. Im zweiten Halbjahr dürfte sich das Angebot wieder entspannen, da die OPEC und Russland ihre Produktion dem höheren Bedarf anpassen werden und die US-Ölproduktion weiter steigt. Eine deutliche Überproduktion wie im zweiten Halbjahr 2018 erwarten wir allerdings nicht. Wir sehen den Brent-Ölpreis am Jahresende weiterhin bei 70 US-Dollar je Barrel.

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Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

FXopt

Geld-/Briefkurs

CJ3 D4Y

Brent-Öl Future

Long

3

Unbegrenzt

Nein

3,78/3,79 EUR

CJ3 D4E

WTI-Öl Future

Long

3

Unbegrenzt

Nein

3,30/3,32 EUR

CJ3 D47

Brent-Öl Future

Short

–3

Unbegrenzt

Nein

3,40/3,41 EUR

CJ3 D4P

WTI-Öl Future

Short

–3

Unbegrenzt

Nein

3,76/3,78 EUR

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Quanto

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CU1 V3R

Brent-Öl Future

Call

65,589 USD

13,7

Ja

Unbegrenzt

5,12/5,14 EUR

CU1 N9H

WTI-Öl Future

Call

57,246 USD

15,3

Ja

Unbegrenzt

3,96/3,98 EUR

CU1 XN5

Brent-Öl Future

Call

66,065 USD

15,2

Nein

Unbegrenzt

4,14/4,15 EUR

CU1 PAS

WTI-Öl Future

Call

57,377 USD

15,7

Nein

Unbegrenzt

3,47/3,48 EUR

CU3 AS5

Brent-Öl Future

Put

77,582 USD

9,4

Ja

Unbegrenzt

7,43/7,45 EUR

CU3 AS6

WTI-Öl Future

Put

71,432 USD

5,7

Ja

Unbegrenzt

10,70/10,72 EUR

CU2 AS3

Brent-Öl Future

Put

76,997 USD

10,2

Nein

Unbegrenzt

6,23/6,24 EUR

CU2 P4P

WTI-Öl Future

Put

66,104 USD

11,2

Nein

Unbegrenzt

4,87/4,88 EUR

Stand: 23. Mai 2019; Quelle: Commerzbank AG
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.