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ENGIE – Portfolio-Rotation abgeschlossen, Besserung in Sicht

ENGIE hat die mehrjährige Transformation mit der konzernweiten Neuausrichtung weitestgehend abgeschlossen. Es glückte der Erwerb der Petrobras-Pipeline-Tochter in Brasilien. 2019 sind die belgischen Atommeiler überwiegend wieder am Netz und sorgen für eine günstige Kostenstruktur. Operativ kommt ENGIE zunehmend besser in die Spur, wodurch Anleger auch schneller mit höheren Ausschüttungen rechnen können.

Diversifizierte internationale Aufstellung
ENGIE (vormals GDF Suez) hat sich in der Vergangenheit durch eine solide internationale Geschäftsbasis im Strom- und Gasbereich von einigen europäischen Wettbewerbern abgehoben. Während viele Versorger in der Vergangenheit durch Akquisitionen gewachsen sind, hat ENGIE sich hauptsächlich auf organisches Wachstum konzentriert.

Dies spiegelt sich in einer ordentlichen Bilanzstruktur wider und ermöglicht einen großzügigen internationalen Investitionsplan, verbunden mit der Hoffnung auf entsprechende langfristige Wachstumsaussichten. Ein Großteil der neuen Projekte befindet sich in Asien, Südamerika und im Nahen Osten. Im Gegensatz zu den etablierten Märkten in Europa rechnet ENGIE mit nachhaltigem Wachstum in diesen Regionen.

Frankreich reduziert seinen Anteilsbesitz
Nach einer ersten Platzierungsrunde im Januar 2017 hat der französische Staat sich im September 2017 erneut von Teilen seines »nicht strategischen Anteilsbesitzes« getrennt und weitere ENGIE-Aktien veräußert. Das Ziel war, wie angekündigt, den geplanten staatlichen Investitionsfonds zu finanzieren. Die Transaktion hatte ein Gesamtvolumen von rund 1,53 Milliarden Euro. Die Abgabe erfolgte überwiegend an institutionelle Investoren zum Preis von 13,80 Euro je Aktie, einige Anteilscheine hat ENGIE für eine spätere Ausgabe im Rahmen von Mitarbeiterbeteiligungen erworben.

Die Beteiligung sank daraufhin von 29,1 Prozent auf rund 24 Prozent, Frankreich hält aber weiterhin 27,6 Prozent der Stimmrechte und bleibt damit über die staatliche Holdinggesellschaft APE bestimmender Hauptaktionär. Der Abbau weiterer Anteile ist zu erwarten und wirkt daher latent kursbelastend. Allerdings wäre neben einer Beteiligungsreduzierung auch ein Aktientausch vorstellbar. So könnte ENGIE zum Beispiel ihre 75-prozentige Beteiligung an GRTgaz verringern.

Belgische Atomstromerzeugung nicht unproblematisch
2015 konnte eine Einigung mit der belgischen Regierung erzielt werden und die Nuklearreaktoren Doel 1 und Doel 2 könnten grundsätzlich bis ca. 2025 genutzt werden. Das waren für ENGIE eigentlich gute Nachrichten, nachdem zuvor die 2014 aus Sicherheitsgründen stillgelegten Anlagen Tihange 2 und Doel 3 bereits wieder an das Netz durften. Die alten Meiler bleiben aber – wie sich zuletzt gezeigt hat – extrem anfällig für Störungen und Unterbrechungen. Auch der Widerstand aus den Anrainerstaaten Deutschland und den Niederlanden mit dem Ziel einer schnellen und endgültigen Stilllegung der Reaktoren wächst zunehmend.

Stillgelegte Atommeiler belasten die Ergebnisrechnung, Atommeiler am Netz begünstigen sie
Ende Dezember 2018 hat der französische Versorger mitgeteilt, dass vier der sieben Kernkraftwerke der belgischen Tochter Electrabel (Doel 1 und 2; Tihange 2 und 3) nicht am Netz sind. Störanfälligkeiten der alten Atomkraftwerke machen temporäre Stilllegungen nötig, mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Ertragssituation. Denn bei Stillstand muss Strom am Markt zugekauft werden, um die Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Es liefern die Reaktoren Doel 4 (seit 15. Dezember 2018 wieder in Betrieb), Doel 3 und Tihange 1 günstig produzierten Strom.

Die notwendige Verlängerung der Stillstandszeiten von Doel 2 und Doel 1 dürfte mit etwa 70 bis 100 Millionen Euro oder 3 bis 4 Prozent das erwartete Nettoergebnis belasten. Doch die frühere Wiederinbetriebnahme der 1-GW-Tihange-3-Anlage könnte einen Großteil der genannten Ergebniseinbußen ausgleichen. Dies ist der Fall, wie ENGIE inzwischen mitteilte. Tihange 3 ging bereits am 7. Januar 2019 wieder in Betrieb und liefert mit Tihange 1, Doel 3 und 4 eine Kapazität von etwa 4.000 MW Nuklearstrom. Damit sind 65 Prozent der belgischen Atommeiler wieder am Netz (gegenüber 27 Prozent Mitte Dezember 2018). Im ersten Quartal 2019 konnten insgesamt drei Reaktoren wieder in Betrieb gehen, sodass Strom aus belgischer Kernenergie das Ergebnis begünstigt.

Generell könnte sich mit der Wiederaufnahme der Stromerzeugung der Meiler ein positiver Ergebnisbeitrag von 1,1 Milliarden Euro im Zeitraum von 2018 bis 2020 ergeben.

Portfolio-Rotation als zentrale Antwort auf die Marktsituation
Ein umfangreicher »Portfolio-Rotationsplan« in einem Gesamtumfang von 15 Milliarden Euro wurde vom Management in den vergangenen Jahren konsequent umgesetzt. So wurden US-Beteiligungen im Öl- und Gasgeschäft mit einem Wert von 3,3 Milliarden US-Dollar veräußert. ENGIE will künftig deutlich weniger abhängig von den Schwankungen bei den Rohstoff- bzw. Energiegroßhandelspreisen werden. Das Unternehmen macht daher Ernst bei seinem strategischen Schwenk hin zu mehr Erzeugung aus erneuerbaren Energien und der Etablierung eines zunehmend regulierten Geschäftsmodells.

Grafik 1: Wertentwicklung der ENGIE-Aktie
Grafik 1: Wertentwicklung der ENGIE-Aktie
Stand 23. Mai 2019; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Verkauf weiterer Aktivitäten
Das französische Unternehmen hat im Laufe des Jahres 2017 weitere Beteiligungen veräußert. Die Portfoliobereinigung des französischen Konzerns macht somit Fortschritte, nachdem nun die nicht länger zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten in Indien und Indonesien abgegeben werden konnten. Durch den Abschluss der Transaktionen konnte ENGIE die Verschuldung um weitere 1,5 Milliarden Euro senken. Der bereits Ende 2015 angekündigte Ausstieg in den USA (insbesondere Thermalkraftwerkserzeugung) wurde ebenfalls finalisiert.

ENGIE hat anschließend seine Anteile an der Gas- und Ölförderungsbeteiligung EPI veräußert. Käufer des Explorationsgeschäfts war das britische Unternehmen Neptune Energy, das an ENGIE rund 4,7 Milliarden Euro zahlte.

Anfang 2018 wurde dann überraschend der Verkauf der Gasbeteiligungen (Flüssiggas/LNG) an Total im Wert von bis zu 2,0 Milliarden Euro vermeldet. Die Bewertung der Sparte war gleichzeitig höher als von Analysten erwartet.

Zusammen mit der Abgabe des Erzeugungsgeschäfts in Großbritannien, das einige Tage zuvor bereits verkauft wurde, steht ENGIE derzeit deutlich besser da, als ursprünglich für diesen Zeitpunkt eingeplant (der Grad der Zielerreichung bei der Portfoliobereinigung liegt inzwischen bei rund 90 Prozent).

Abschließender Beteiligungsverkauf in Thailand
ENGIE hat mit dem Verkauf des 69-Prozent-Anteils am thailändischen Energieproduzenten Glow Energy die Abgabe von Beteiligungen im Volumen von insgesamt 15 Milliarden Euro praktisch abgeschlossen. Gleichzeitig haben die Franzosen damit die auf Kohle basierende Erzeugung im asiatisch-pazifischen Raum beendet. ENGIE erhält 2,6 Milliarden Euro und kann gleichzeitig die Konzernverschuldung um rund 3,3 Milliarden Euro senken. Mit dem frischen Geld sollen zügig neue strategische Wachstumsprojekte finanziert werden. Wie angekündigt konzentriert sich ENGIE nun auf die weitgehend CO2-arme Energieerzeugung, globale Netzwerke und Kundenlösungen.

Witterungsbedingt moderater Jahresstart, aber Ziele bekräftigt
ENGIE wurde im ersten Quartal 2019 von der warmen Witterung in Frankreich negativ tangiert. Zwar stieg der Umsatz auf 18,8 Milliarden Euro (+7,2 Prozent), aber das operative Ergebnis (EBITDA) sank um 4,8 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro und das Nettoergebnis um 5,7 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro. Die Ergebniszahlen verfehlten die Erwartungen leicht. Generell überraschte diese Entwicklung nicht, angesichts geringerer Verfügbarkeit von Atomkraftwerken bei der belgischen Tochter sowie weniger Strom aus Wasserkraft in Frankreich. Die Verschuldung wurde leicht auf 23,2 Milliarden Euro (–1 Milliarden Euro) reduziert.

Im weiteren Jahresverlauf dürften sich die Auswirkungen der milden Witterung zu Jahresbeginn abschwächen. Insbesondere die höhere Verfügbarkeit der belgischen Atomflotte dürfte die Ertragslage begünstigen. Im ersten Quartal gingen drei Reaktoren – Tihange 3, Doel 2 und Doel 1 – wieder ans Netz. Der französische Versorger setzt nach der jahrelang durchgeführten Portfolio-Rotation verstärkt auf erneuerbare Energien, Netze und Services. Die Zielsetzung für das Gesamtjahr 2019 mit einem EBITDA in der Spanne von 9,9 bis 10,3 Milliarden Euro wurde bekräftigt. Zudem soll die Ausschüttungsquote auf 65 bis 75 Prozent steigen.

Kapitalmarkttag mit neuem Strategieplan
Der neue Strategieplan, verkündet auf dem Kapitalmarkttag im Februar 2019, umfasst bis 2021 Einsparungen in Höhe von 800 Millionen Euro. Das bereinigte Nettoergebnis soll von 2019 bis 2021 um 7 Prozent bis 9 Prozent p.a. steigen. Weitere Beteiligungsverkäufe von ca. 6,0 Milliarden Euro stehen auf der Agenda ebenso wie die Bündelung der regionalen Diversifikation um 20 Länder auf künftig rund 50 Länder. Zudem überraschte der Versorger mit einem großvolumigen Investitionsprogramm (12 Milliarden Euro). Darin sehen wir einen Schritt in die richtige Richtung. ENGIE ist nun wieder offen für neue Akquisitionen und Großprojekte.

Großakquisition in Brasilien geglückt
Die Gespräche um den Erwerb des Gas-Pipeline-Systems von Petrobras waren im April 2019 erfolgreich: Unter drei Bietern erhielt ein Konsortium unter Führung des französischen Versorgers den Zuschlag für 90 Prozent an der Petrobras-Pipeline-Tochter TAG. Im Konsortium ist noch die eigene Tochter Engie Brasil (beide halten jeweils 29,25 Prozent der Anteile) und der kanadische Investor CDPQ (31,5 Prozent). Die restlichen 10 Prozent an TAG verbleiben bei Petrobras.

Für 8,6 Milliarden US-Dollar wechselte TAG den Besitzer. Das Unternehmen steht für 47 Prozent der brasilianischen Gasinfrastruktur und erzielte 2018 einen Konzerngewinn von 1,14 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme von TAG ist ein wichtiger Meilenstein für ENGIE im wachstumsstarken brasilianischen Markt, einem erklärten Schlüsselmarkt des Konzerns.

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Capped Bonus-Zertifikate

WKN

Basiswert

Bonuslevel/Cap

Barriere

Bonusrendite p.a.

Abstand zur Barriere

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CJ7 SV7

ENGIE

13,41 EUR

7,78 EUR

2,72 %

38,89 %

19.06.2020

13,39/13,40 EUR

CU2 JF5

ENGIE

13,61 EUR

8,75 EUR

5,09 %

31,26 %

19.06.2020

13,24/13,25 EUR

CU2 JF6

ENGIE

14,29 EUR

9,72 EUR

8,85 %

23,65 %

19.06.2020

13,39/13,40 EUR

CJ8 HU6

ENGIE

16,33 EUR

10,69 EUR

17,63 %

15,96 %

19.06.2020

14,05/14,07 EUR

CJ8 HU7

ENGIE

18,27 EUR

11,66 EUR

33,06 %

8,28 %

19.06.2020

13,79/13,80 EUR

Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CJ2 13N

ENGIE

Long

2

Unbegrenzt

5,66/5,69 EUR

CJ2 12P

ENGIE

Long

3

Unbegrenzt

5,80/5,83 EUR

CJ2 1UC

ENGIE

Long

5

Unbegrenzt

6,10/6,17 EUR

CJ2 160

ENGIE

Short

–2

Unbegrenzt

3,73/3,75 EUR

CJ2 195

ENGIE

Short

–3

Unbegrenzt

3,12/3,14 EUR

CJ2 1WN

ENGIE

Short

–5

Unbegrenzt

1,85/1,87 EUR

Stand: 23. Mai 2019; Quelle: Commerzbank AG
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.