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War die Senkung des DAX-Kursziels eine Fehlentscheidung?

Unser kurzfristig eher vorsichtiges Bild für den DAX war falsch. Vor allem die jüngsten Signale, dass die Konjunktur in China wieder an Fahrt gewinnt, hatten wir erst für Mitte 2019 erwartet. Wir rechnen deswegen damit, dass sich der DAX im zweiten Quartal doch relativ robust entwickeln wird, und wir prognostizieren eine Trading-Range zwischen 11.200 und 12.400 Punkten. Unser Jahresendziel bleibt jedoch vorerst bei 11.800 Punkten. Denn spätestens im dritten Quartal werden die Investoren realisieren, dass sich – im Gegensatz zum Jahr 2016 – die DAX-Gewinnerwartungen selbst bei dem nun möglichen Handelsdeal zwischen China und den USA nur leicht erholen werden.

Im Dezember 2018 hatten sich immer mehr Investoren für ein Rezessionsszenario positioniert. Bei unserem Jahresausblick mit einem sehr optimistischen DAX-Ziel von 12.500 Punkten betonten wir dagegen drei positive Faktoren:
(1) Der Einbruch der Inflationserwartungen würde die Notenbanken zu einer Kehrtwende bewegen.
(2) Der Einbruch der Aktienmärkte würde die Regierungen in den USA und China zu einer Entschärfung des Handelskriegs bewegen.
(3) Die chinesische Regierung würde eine expansivere Politik einleiten, um die chinesische Wirtschaft wieder anzuschieben.

Diese drei Faktoren sind in den vergangenen Monaten alle einge
treten. Trotzdem haben wir unser DAX-Ziel auf 11.800 Punkte verringert, und zwar aus folgenden Gründen:(1) Die schwachen deutschen Konjunkturdaten und die von 5 Prozent auf 0 Prozent gefallene Zuwachsrate der Geldmenge M1 in China haben uns nervös gemacht. Eine schwache Nachfrage aus China dürfte ein wichtiger Grund dafür sein, dass die deutschen Auftragseingänge im Februar 8 Prozent unter dem Vorjahr lagen (siehe Grafik 1).

(2) Die Gewinnerwartungen für die DAX-Unternehmen haben sich in den vergangenen Monaten deutlich schwächer entwickelt, als wir es erwartet hatten (siehe Grafik 2).

Grafik 1: DeutscheKonjunkturdatenweiterenttäuschend

Deutsche Auftragseingänge

Grafik 1: DeutscheKonjunkturdatenweiterenttäuschend
Stand: April2019; Quelle: Datastream, CommerzbankAG
FrühereWertentwicklungensindkeinIndikatorfürdiekünftigeWertentwicklung.
Grafik 2: DAX-Gewinneweiterschwächeralserwartet

DAX-Gewinnerwartungen für 2019 und 2020

Grafik 2: DAX-Gewinneweiterschwächeralserwartet
Stand:April2019; Quelle: FactSet, CommerzbankAG
PrognosensindkeinIndikatorfürdiekünftigeEntwicklung­.

Seit Jahresbeginn wurden für 24 der 30 DAX-Unternehmen die Gewinnerwartungen für 2019 nach unten revidiert (siehe Tabelle 1). Diese Schwäche der Gewinnerwartungen war ein entscheidender Grund, warum wir unsere Gewinnprognosen für die DAX-Unternehmen für das Geschäftsjahr 2019 – und damit auch unser DAX-Kursziel – im März um 5 Prozent senken mussten.

(3) Indikatoren zur Geldpolitik sind weiterhin deutlich schwächer als beispielsweise 2016. Damals konnte sich der DAX sehr stark von einer vorübergehenden Schwäche der Wirtschaft in China erholen. So warnt in den USA mittlerweile eine flache Zinsstruktur vor einer Wachstumsabschwächung. Und in China ist das Wachstum der M1-Geldmenge trotz der Maßnahmen der Notenbank mit 5 Prozent noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 15 Prozent. Die Autoverkäufe in China könnten damit recht kraftlos bleiben, selbst wenn es zu einem Handelsdeal zwischen den USA und China kommt.

Unserer Meinung nach braucht der DAX einige positive Faktoren, um das Jahresende bei 12.500 Punkten oder höher zu beenden. Erstens muss das Wachstum der Geldmenge M1 in China weiter von 5 Prozent auf 10 Prozent bis 20 Prozent zulegen. Zweitens muss sich der DAX in der wahrscheinlich enttäuschenden Gewinnsaison für das abgelaufene erste Quartal gut halten, zum Beispiel, weil die Unternehmen eine baldige Erholung signalisieren. Und drittens muss die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen wegen abnehmender Wachstumssorgen wieder Richtung 3 Prozent steigen, damit das Warnsignal der flachen US-Zinsstrukturkurve wieder an Kraft verliert.

Tabelle 1: Zuletzt immer noch 24 DAX-Unternehmen mit fallenden Gewinnerwartungen
DAX: Veränderung des für 2019 erwarteten Gewinns je Aktie im vergangenen Quartal

Aktie

Kurs in Euro

Gewinnerwartungen 2019 je Aktie in Euro

aktuell

vor drei Monaten

Veränderung in %

Linde

158,90

6,03

5,59

7,9

E.ON

9,70

0,69

0,67

3,6

Merck

95,90

5,75

5,68

1,3

HeidelbergCement

71,70

6,38

6,31

1,1

SAP

99,50

4,77

4,75

0,6

Wirecard

117,90

4,27

4,26

0,3

Deutsche Börse

117,50

5,99

6,00

–0,2

adidas

229,70

9,60

9,63

–0,3

Deutsche Lufthansa

22,30

4,19

4,23

–0,9

Fresenius Medical Care

73,80

4,38

4,43

–1,3

Volkswagen Vz.

156,60

27,79

28,17

–1,3

Bayer

62,20

6,89

6,99

–1,4

Allianz

212,00

18,87

19,18

–1,7

Fresenius

51,00

3,39

3,45

–1,7

Deutsche Post

30,50

2,19

2,24

–2,4

Vonovia

43,90

2,87

2,95

–2,7

Münchener Rück

219,40

17,86

18,53

–3,6

Deutsche Telekom

15,00

1,03

1,08

–4,6

Siemens

104,50

6,79

7,22

–5,9

Daimler

57,00

7,61

8,23

–7,6

BASF

72,90

5,34

5,79

–7,7

Beiersdorf

92,10

3,37

3,68

–8,5

Continental

154,50

12,67

14,03

–9,7

Henkel Vz.

88,60

5,63

6,32

–10,9

Infineon

21,00

0,91

1,04

–12,0

BMW

76,40

9,28

10,64

–12,8

RWE

23,00

1,14

1,40

–18,3

Deutsche Bank

7,80

0,53

0,69

–23,7

thyssenkrupp

13,20

0,89

1,21

–26,2

Covestro

53,00

4,24

6,02

–29,6

Stand: 17. April 2019; Quelle: FactSet, Commerzbank AG

Prognosen sind kein Indikator für die künftige Entwicklung.

Anlageidee: Partizipieren Sie an der Entwicklung des DAX und ausgewählter Einzelaktien

Nutzen Sie die Einschätzungen unserer Experten und partizipieren Sie an der Entwicklung des Deutschen Aktienindex sowie ausgewählter Einzeltitel. Ein Überblick über das gesamte Produktspektrum an Zertifikaten steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

Capped Bonus-Zertifikate

WKN

Basiswert

Cap/Bonusbetrag

Barriere

Abstand zur Barriere

Max. Rendite p.a.

Bewertungstag

Geld-/Briefkurs

CU0 EMJ

Linde

182,00 EUR

138,00 EUR

12,30 %

13,75 %

20.03.2020

159,91/ 160,02 EUR

CU0 BK6

E.ON

11,50 EUR

8,40 EUR

12,99 %

20,02 %

20.03.2020

9,70/ 9,71 EUR

CU0 872

HeidelbergCement

81,00 EUR

60,00 EUR

16,21 %

14,70 %

20.03.2020

71,29/ 71,34 EUR

CU0 9HX

SAP

113,00 EUR

88,00 EUR

24,26 %

4,87 %

20.03.2020

108,09/ 108,15 EUR

CU0 EN0

Wirecard

174,00 EUR

90,00 EUR

31,65 %

32,90 %

20.03.2020

133,60/ 133,69 EUR

Faktor-Zertifikate

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

CJ2 633

DAX Future

Long

4

Unbegrenzt

10,96/10,97 EUR

CJ2 623

DAX Future

Short

–4

Unbegrenzt

3,49/3,50 EUR

CJ2 349

Linde

Long

4

Unbegrenzt

7,60/7,63 EUR

CJ2 2CT

Linde

Short

–4

Unbegrenzt

1,85/1,86 EUR

CJ2 332

E.ON

Long

4

Unbegrenzt

6,81/6,83 EUR

CJ2 2B3

E.ON

Short

–4

Unbegrenzt

2,95/2,98 EUR

Stand: 26. April 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.