Märkte

Commerzbank Analysen

Metallmärkte – Licht und Schatten

Die Metallpreise sind seit Jahresbeginn zumeist deutlich gestiegen. Gründe hierfür waren die allgemein bessere Stimmung der Marktteilnehmer und Angebotssorgen an verschiedenen Metallmärkten. Wir denken, dass sich der Preisanstieg kurzfristig noch etwas fortsetzen kann, erwarten in der zweiten Jahreshälfte aber eine Korrektur, da sich die Konjunkturaussichten eintrüben und die hohen Preise die Nachfrage wohl bremsen.

Von den USA und China gemeldete Fortschritte in den Handelsgesprächen zwischen beiden Ländern haben in den ersten Monaten des Jahres den Metallpreisen Auftrieb gegeben. Gemessen am LME-Industriemetallindex (LMEX) verzeichneten die Metallpreise den besten Jahresstart seit 2009. Der LMEX stieg im ersten Quartal um 9,1 Prozent und erreichte Ende Februar den höchsten Stand seit fast acht Monaten. Bis auf Blei, das unverändert war, legten alle Metalle in den ersten drei Monaten des Jahres zu. Seit mittlerweile zwei Monaten bewegt sich der Index allerdings in einer relativ engen Spanne seitwärts. Der Preisanstieg zuvor war zudem auch von einem hohen spekulativen Kaufinteresse begleitet, sodass er unseres Erachtens auf wackeligen Beinen steht. Der Preisanstieg war darüber hinaus keine Einbahnstraße; immer wieder traten Rücksetzer auf. Die Marktteilnehmer reagierten dabei oftmals sehr nervös auf Kommentare zum Verlauf der Handelsgespräche und auf durchwachsene Konjunkturdaten.

In China drohte sich die Wirtschaft so stark abzuschwächen, dass die Regierung ihr unter anderem mit einem Steuersenkungspaket in historischem Ausmaß unter die Arme gegriffen hat. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (PMI) lag mehrere Monate unter der Marke von 50, die Expansion anzeigt (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Stimmung in der Industrie hat sich weltweit merklich eingetrübt
Grafik 1: Stimmung in der Industrie hat sich weltweit merklich eingetrübt
Stand: 1. April 2019; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Die Industrieproduktion verzeichnete im Januar und Februar das schwächste Wachstum seit fast zehn Jahren, und die Anlageinvestitionen blieben auf niedrigem Niveau, auch wenn sie leicht zulegten. Zu Beginn des Nationalen Volkskongresses der Kommunistischen Partei hatte die Regierung ihr Ziel für das BIP-Wachstum in diesem Jahr auf 6,0 bis 6,5 Prozent reduziert. Für 2020 dürfte es an das untere Ende dieser Spanne gelegt werden. Die Maßnahmen der Regierung sollten die Wirtschaft und damit auch die Nachfrage nach Metallen stützen. Der Anstieg des PMI im März schürte Hoffnungen, dass die Maßnahmen wirken werden. Die starke Kreditvergabe und die wieder deutlich höheren Exporte im März deuten darauf hin, dass sich die chinesische Wirtschaft stabilisiert hat. Da mittlerweile weitere gute Konjunkturdaten aus China veröffentlicht wurden, gehen einige Marktteilnehmer allerdings davon aus, dass vorerst keine zusätzlichen Stimulierungsmaßnahmen mehr ergriffen werden. Dies hat die Metallpreise zuletzt offenbar ausgebremst.

In den USA zeigt sich die Wirtschaft zwar noch solide, aber auch dort sind (moderate) Abschwächungstendenzen zu erkennen. Die US-Notenbank Fed hat daher ihren Zinserhöhungszyklus vorzeitig beendet und will die Normalisierung ihrer Bilanz schon im September abschließen, schneller als von vielen Marktteilnehmern erwartet. Dies sollte die Wirtschaft zu einem gewissen Grad unterstützen. Das Sorgenkind bleibt der Euroraum: Zwar hält sich der Dienstleistungssektor noch relativ gut, was auf eine solide Binnennachfrage hindeutet. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist im März aber ausgehend von Deutschland weiter eingebrochen (siehe Grafik 1). Er liegt mittlerweile sogar auf einem Niveau, das nur in Rezessionszeiten zu beobachten war. Der Gegenwind für die Konjunktur kommt vor allem von der Außenwirtschaft. Der Euroraum ist zwar nicht der größte Nachfrager von Industriemetallen, dennoch wäre das mögliche Abrutschen in eine Rezession ein negatives Signal für die Metallnachfrage und schlussendlich auch für die Metallpreise.

Was hat sich in den ersten Monaten des Jahres bei den einzelnen Metallen getan? Mit Ausnahme von Kupfer wurden bei allen Industriemetallen an der LME seit Jahresbeginn die Lagerbestände abgebaut. In vielen Fällen hat der Lagerabbau aber schon lange vorher begonnen und ist daher an und für sich nichts Neues. Wenn aber wie bei Zink die LME-Vorräte auf den tiefsten Stand seit Anfang der Neunzigerjahre fallen, erregt dies eine gewisse Aufmerksamkeit. Die geringen Vorräte – auch bei vielen anderen Metallen liegen sie auf niedrigen Niveaus, wenn auch nicht ganz so kritisch – haben daher zu Angebotssorgen geführt und die Preise mit nach oben getragen. Allerdings ist der Blick nur auf die LME eine einseitige Betrachtung. Zieht man die SHFE in China mit in Betracht, ergibt sich ein anderes Bild. Denn dort sind die Lagerbestände der Metalle in den meisten Fällen seit Jahresbeginn stark gestiegen – die Zinkvorräte haben sich zwischenzeitlich sogar versechsfacht (siehe Grafik 2).

Grafik 2: Zuletzt starker Anstieg der Zinkvorräte in China

Lagerbestände

Grafik 2: Zuletzt starker Anstieg der Zinkvorräte in China
Stand: 19. April 2019; Quelle: LME, SHFE, Bloomberg, Commerzbank Research

Das legt nahe, dass ein Teil des Materials, das aus den LME-Lagerhäusern abgeflossen ist, nach China transportiert wurde. In China ist es nicht unüblich, dass im Vorfeld der nachfragestarken Zeit im Frühjahr Vorräte aufgebaut werden. Mittlerweile werden sie aber auch dort wieder abgebaut. 

Unter den Industriemetallen hat Nickel seit Jahresbeginn die Nase vorn. Hier hat wohl die Elektromobilität, die schon im vorigen Jahr den Nickelpreis zeitweise stark nach oben getrieben hatte, erneut zum Anstieg beigetragen. Wir erachten den Preisanstieg für verfrüht. Elektroautos, in denen Nickel für Batterien verwendet wird, werden erst in einigen Jahren die Edelstahlindustrie als wichtigste Nachfragekomponente ablösen. In Erwartung einer langfristig hohen Nickelnachfrage zur Batterieproduktion weiten die Nickelproduzenten schon jetzt ihre Produktion aus. Nach teilweise hohen Defiziten in den Monaten zuvor war der globale Nickelmarkt rund um den Jahreswechsel unter anderem deshalb gemäß Daten der International Nickel Study Group weitgehend ausgeglichen. Ein weiterer Grund für den entspannteren Nickelmarkt war die niedrigere Edelstahlproduktion und in Folge dessen die verhaltenere Nickelnachfrage im vierten Quartal (siehe Grafik 3).

Grafik 3: Globale Edelstahlproduktion spürbar gefallen
Grafik 3: Globale Edelstahlproduktion spürbar gefallen
Stand: 19. März 2019; Quelle: ISSF, Commerzbank Research

Insbesondere wegen der steigenden Nickelproduktion soll das Defizit 2019 fast vollständig verschwinden. Unseres Erachtens ist der Nickelpreis momentan zu hoch und wir erwarten kurzfristig eine Korrektur. Mittel- bis langfristig dürfte er aber von der erwartet hohen Nachfrage zur Produktion von Batterien profitieren und deutlich steigen.

In die Schlagzeilen schaffte es dieses Jahr auch häufig Zink, hinter Nickel das Metall mit der zweitbesten Preisentwicklung. In der Regel wurde Zink dabei im Zusammenhang mit Angebotssorgen im Zuge der gesunkenen Lagerbestände (siehe oben) genannt. Wir halten den Markt hingegen für nicht so angespannt. Vor allem die Produktion von Zinkkonzentrat wird stark ausgeweitet, wozu die Erweiterung bestehender Minen und vor allem die Inbetriebnahme bzw. das Hochfahren neuer Minen beiträgt. Da dadurch die Schmelz- und Verarbeitungsgebühren steigen, macht dies auch für die Schmelzen die Produktion attraktiv. Wir gehen davon aus, dass die steigende Zinkproduktion, die in diesem Jahr zu einem geringeren Angebotsdefizit am globalen Zinkmarkt führen sollte, dem Preisanstieg Grenzen setzen wird. Zudem dürften zu hohe Preise die Nachfrage bremsen, so wie sie es bereits im ersten Halbjahr 2018 getan hatten. Wir sehen daher kein weiteres Aufwärtspotenzial für den Zinkpreis und erwarten eine moderate Korrektur bis zum Jahresende.

Der globale Kupfermarkt war gemäß Daten der International Copper Study Group im vergangenen Jahr stark angespannt (siehe Grafik 4).

Grafik 4: Überraschend hohes Angebotsdefizit bei Kupfer 2018
Grafik 4: Überraschend hohes Angebotsdefizit bei Kupfer 2018
Stand: 23. April 2019; Quelle: ICSG, Commerzbank Research
Prognosen sind kein Indikator für die künftige Entwicklung.

Der Grund für das hohe Defizit ist auf der Angebotsseite zu finden, da es 2018 ungewöhnlich viele Ausfälle von Kupferschmelzen gab. Schon jetzt deutet sich an, dass sowohl der Markt für Kupferkonzentrat als auch der Markt für Kupferraffinade wegen Problemen in Kupferminen und bei Kupferschmelzen in diesem Jahr wieder angespannt ist. Die Nachfrage ist noch robust. Sie dürfte unter anderem durch die Konjunkturmaßnahmen der chinesischen Regierung ansatzweise gestützt bleiben. Wir sehen für den Kupferpreis kurzfristig noch Luft nach oben, vor allem dann, wenn sich die USA und China auf ein Handelsabkommen einigen. Denn Kupfer hat in den vergangenen Monaten besonders stark auf die Nachrichten zum Handelsstreit reagiert. Später erwarten wir allerdings wieder eine Korrektur, da das Angebot ausgeweitet wird und sich die Konjunkturaussichten eintrüben. 

Dem globalen Aluminiummarkt steht seit der Aufhebung der US-Sanktionen gegen den größten russischen Aluminiumproduzenten Ende Januar wieder mehr Angebot zur Verfügung. Damit ist der ohnehin schon gut versorgte Markt unseres Erachtens nun noch besser versorgt. Der Aluminiumpreis macht daher auch keine Anstalten, nachhaltig zu steigen. Für die globale Aluminiumnachfrage erwarten mehr und mehr Marktbeobachter ein geringeres Wachstum, das nicht ausreichen dürfte, das zusätzliche Angebot vollständig aufzunehmen. Für die Nachfrage bestehen zudem unseres Erachtens Risiken, da sich das globale Wirtschaftswachstum abschwächen sollte. Außerdem steht nach wie vor die Drohung von US-Präsident Donald Trump im Raum, Importzölle auf Autos und Autoteile einzuführen. Wir sehen wenig Spielraum für steigende Aluminiumpreise.

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Sie möchten von der künftigen Wertentwicklung von Kupfer profitieren? Mit Zertifikaten und Optionsscheinen der Commerzbank haben Sie die Möglichkeit, an steigenden oder fallenden Notierungen des Industriemetalls zu partizipieren. Ein Überblick über das gesamte Spektrum an Optionsscheinen und Zertifikaten auf Kupfer steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, die Preise von Kupfer allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko, wenn der Euro/US-Dollar-Wechselkurs steigen sollte. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Commerzbank in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte (Quanto/FXopt) Variante an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Zertifikats mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der nicht währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

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Faktor-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

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Strategie

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Geld-/Briefkurs

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3,41/3,43 EUR

Stand: 25. April 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.