Märkte

Commerzbank Analysen

Warum Gold 2019 steigen wird

Der Goldpreis rutschte Anfang März wieder unter die Marke von 1.300 US-Dollar je Feinunze. Gold hat damit fast alle Gewinne seit Jahresbeginn wieder abgegeben. Wenige Wochen zuvor verzeichnete es bei knapp 1.350 US-Dollar je Feinunze noch ein 10-Monats-Hoch. Gold in Euro stieg im Februar sogar auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren bei fast 1.190 Euro je Feinunze, verlor dann aber ebenfalls deutlich. Der Preisanstieg und auch der anschließende Rückgang vollzogen sich in beiden Währungen nahezu parallel (siehe Grafik 1). Gold hatte sich von der Währungsentwicklung in den ersten beiden Monaten 2019 also weitgehend abgekoppelt. Eine wichtigere Rolle bei der Goldpreisentwicklung spielte dagegen der Aktienmarkt. Dieser geriet Ende 2018 stark unter Druck, was Gold die Initialzündung für den Preisanstieg zu Jahresbeginn gab. Die deutliche Erholung der Aktienkurse änderte daran im Januar zwar noch nichts. Die Gold-ETFs verzeichneten sogar den stärksten Monatszufluss seit fast zwei Jahren. Seit Anfang Februar kommt es aber wieder zu Umschichtungen von Gold zurück in Aktien, was sich in entsprechenden ETF-Abflüssen äußerte und Gold letztlich unter Druck setzte.

Grafik 1: Goldpreisentwicklung in US-Dollar und Euro nahezu parallel
Grafik 1: Goldpreisentwicklung in US-Dollar und Euro nahezu parallel
Stand: 12. März 2019; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Somit scheint sich bei Gold ein mittlerweile bekanntes Muster zu wiederholen, nämlich stark in das Jahr zu starten, um danach wieder den Rückzug anzutreten. 2014, 2015 und 2018 verzeichnete Gold sein Jahreshoch jeweils in den ersten drei Monaten des Jahres. Das jüngste Hoch liegt zudem nicht weit von den Hochs der Jahre 2016, 2017 und 2018 entfernt. Hat Gold sein Hoch damit schon gesehen? Wir denken nicht. Gold dürfte unseres Erachtens im Laufe des Jahres noch deutlich höhere Preise markieren als im Februar. Dafür sprechen mehrere Gründe:

  • Die US-Notenbank Fed hat Ende Januar angekündigt, die Leitzinsen nicht weiter anheben zu wollen. Zudem soll der Abbau der Fed-Bilanz voraussichtlich zum Jahresende auslaufen. Es gibt somit keinen Gegenwind für Gold durch weiter steigende Zinsen oder den fortgesetzten Entzug von Liquidität. In der Vergangenheit geriet der US-Dollar nach dem Ende eines Zinserhöhungszyklus zumeist unter Druck. Dass er es diesmal noch nicht tat, hängt vermutlich mit überlagernden Einflussfaktoren wie dem weiterhin schwelenden Handelskonflikt, dem Richtungswechsel auch anderer Zentralbanken weg von geplanten (weiteren) Zinserhöhungen und der schwächelnden Konjunktur in der Eurozone zusammen.

  • Die EZB hat der stärker ausgeprägten Konjunkturabschwächung in der Eurozone Rechnung getragen und den Zeitpunkt für die erste Zinserhöhung ins nächste Jahr geschoben. Zudem hat sie neue zielgerichtete Langfristtender (TLTROs) angekündigt, um eine unerwünschte monetäre Straffung zu verhindern. Diese würde bei einer Rückzahlung der in einem Jahr auslaufenden TLTROs entstehen. Durch diese Maßnahmen wird zwar eine stärkere Abwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro verhindert. Eine längere Beibehaltung der ultralockeren EZB-Geldpolitik – wir rechnen auch 2020 nicht mit einer Zinserhöhung – sollte Gold aber ebenfalls zugutekommen. So liegen die Renditen deutscher Bundesanleihen bis einschließlich neun Jahren Laufzeit unter 0 Prozent. Die deutsche Zehnjahresrendite kratzt an der Nulllinie. Abzüglich der Inflationsrate sind die Realzinsen somit deutlich negativ. Negative Realzinsen sind ein starkes Kaufargument für Gold.

  • Es zeichnet sich eine Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China ab. Damit würde ein wesentlicher Faktor entfallen, der den Goldpreis über einen festeren US-Dollar bzw. schwächeren chinesischen Renminbi seit Mitte 2018 spürbar belastet hatte (siehe Grafik 2). Darunter litt die Goldnachfrage in China, die 2018 laut World Gold Council (WGC) nur ein mageres Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbuchte und weiterhin deutlich unter dem bis 2015 verzeichneten Niveau liegt. Die Goldnachfrage in China sollte daher von einem Handelsabkommen zwischen den USA und China profitieren, zumal darin wahrscheinlich auch eine kompetitive Abwertung des Renminbi ausgeschlossen werden dürfte. Der zuletzt merklich gesunkene Goldpreis in lokaler Währung sollte die chinesische Goldnachfrage bereits anschieben. Auch die von der chinesischen Regierung angekündigten deutlichen Steuersenkungen dürften zu einer stärkeren Goldnachfrage beitragen.
Grafik 2: Inverser Zusammenhang zwischen US-Dollar/Chinesischer Renminbi-Wechselkurs und Goldpreis
Grafik 2: Inverser Zusammenhang zwischen US-Dollar/Chinesischer Renminbi-Wechselkurs und Goldpreis
Stand: 12. März 2019; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • Die Goldnachfrage in Indien sollte sich ebenfalls beleben, nachdem sie im letzten Jahr wegen rekordhoher lokaler Goldpreise enttäuschte. Laut WGC blieb sie 1 Prozent hinter dem bereits schwachen Vorjahr zurück. Nur 2016 war sie im laufenden Jahrzehnt noch niedriger (siehe Grafik 3). Insbesondere die Nachfrage nach Münzen und Barren war verhalten. Mit dem Ende der Fed-Zinserhöhungen und der von uns erwarteten US-Dollar-Abwertung sollte sich die indische Rupie stabilisieren, was sich dämpfend auf die lokalen Goldpreise auswirken dürfte. Davon wiederum sollte die sehr preissensitive Goldnachfrage in Indien profitieren. Weiterer Rückenwind könnte von den im Mai stattfindenden Parlamentswahlen ausgehen. Die Regierungspartei von Ministerpräsident Modi will die Einkommen der Landbevölkerung stärken, um die Wahl zu gewinnen. Die Landbevölkerung stellt nicht nur die wichtigste Wählergruppe dar, sondern auch etwa 70 Prozent der indischen Goldnachfrage. Höhere Einkommen für die Landbevölkerung würden daher auch der Goldnachfrage einen Schub geben.
Grafik 3: Verhaltene indische Goldnachfrage
Grafik 3: Verhaltene indische Goldnachfrage
Stand: 31. Januar 2019; Quelle: WGC, Commerzbank Research
  • Die Investmentnachfrage im Westen sollte sich von der Schwäche des Vorjahres spürbar erholen. Aufgrund höherer Zinsen und steigender Aktienmärkte war Gold 2018 als Anlage für längere Zeit nicht en vogue, was sich in einer rückläufigen Nachfrage nach Münzen und Barren und nur verhaltenen Zuflüssen in die Gold-ETFs widerspiegelte (siehe Grafik 4). Dies änderte sich erst mit der Aktienmarktkorrektur Ende 2018 und der damit einhergehenden Korrektur der Zinserwartungen. Die zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten sprechen 2019 für eine stärkere Investmentnachfrage. Zu nennen sind hier die zunehmenden Rezessionsängste in Europa, der bevorstehende Brexit, die sich abzeichnenden Zuwächse EU-kritischer Kräfte bei der Europawahl Ende Mai und die spätestens danach möglicherweise wieder hochkochende Debatte um das italienische Haushaltsdefizit. Zudem drohen Strafzölle auf Autoimporte in die USA. All diese Faktoren könnten auch zu einer erneuten Korrektur an den Aktienmärkten führen und wie Ende 2018 geschehen ETF-Zuflüsse zur Folge haben.
Grafik 4: Investmentnachfrage im Westen gedämpft
Grafik 4: Investmentnachfrage im Westen gedämpft
Stand: 31. Januar 2019; Quelle: WGC, Commerzbank Research
  • Die Zentralbanken dürften weiterhin beträchtliche Mengen Gold kaufen. Im letzten Jahr beliefen sich die Zentralbankkäufe laut WGC auf 651 Tonnen (siehe Grafik 5). Das waren 74 Prozent mehr als im Vorjahr und die höchste Menge in einem Jahr seit dem Ende von Bretton Woods Anfang der Siegzigerjahre. Neben den üblichen »Verdächtigen« wie Russland, Türkei und Kasachstan tauchten in der Käuferliste auch Namen anderer Zentralbanken auf. Darunter waren für längere Zeit abwesende Adressen wie China und Indien, aber auch vollkommen neue wie Ungarn und Polen. Dies stellt die Zentralbankkäufe auf eine wesentlich breitere Basis. Aufgrund des weiterhin niedrigen Anteils von Gold in den Währungsreserven vieler Zentralbanken sollte das Kaufinteresse des offiziellen Sektors hoch bleiben. Hinzu kommt, dass einige Zentralbanken (insbesondere China, Russland) versuchen dürften, als Antwort auf die US-Sanktionspolitik ihr US-Dollar-Exposure zu reduzieren. Es dürfte zwar schwierig werden, dass die Zentralbankkäufe 2019 das außerordentlich hohe Niveau des Vorjahres erreichen. Sie sollten aber dennoch deutlich höher sein als 2016 und 2017 (jeweils weniger als 400 Tonnen).
Grafik 5: Zentralbanken kaufen wieder deutlich mehr Gold
Grafik 5: Zentralbanken kaufen wieder deutlich mehr Gold
Stand: 31. Januar 2019; Quelle: WGC, Commerzbank Research

Alles in allem gibt es somit hinreichend Gründe, die für einen steigenden Goldpreis im Jahresverlauf sprechen. Wir rechnen Ende 2019 mit einem Goldpreis von 1.400 US-Dollar je Feinunze.

Anlageidee: Zertifikate, Optionsscheine und ETCs auf Gold

Sie möchten von der künftigen Wertentwicklung von Gold profitieren? Mit Zertifikaten und Optionsscheinen der Commerzbank haben Sie die Möglichkeit, an steigenden oder fallenden Notierungen des glänzenden Edelmetalls zu partizipieren. Ein Überblick über das gesamte Spektrum an Optionsscheinen und Zertifikaten auf Gold steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, die Preise von Gold allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko, wenn der Euro/US-Dollar-Wechselkurs steigen sollte. Um das Wechselkursrisiko für den Anleger auszuschalten, bietet die Commerzbank in der Regel neben einer nicht währungsgesicherten Variante (Non-Quanto) auch eine währungsgesicherte bzw. währungsoptimierte Variante (Quanto/FXopt) an. Allerdings ist hier zu beachten, dass für die Währungssicherung Kosten anfallen können, die den Wert des Zertifikats mindern. Anleger haben also die Wahl, sollten aber bedenken, dass bei der nicht währungsgesicherten Variante neben dem Risiko natürlich auch die Chance entfällt, mit einem fallenden Euro/US-Dollar-Wechselkurs eine höhere Rendite zu erzielen.

Partizipations-Zertifikat mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Bezugsverhältnis

Quanto

Geld-/Briefkurs

CU0 QXV

Gold

10:1

Nein

115,67/115,70 EUR

Classic Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Bewertungstag

Quanto

Geld-/Briefkurs

CJ7 X8Y

Gold

Call

1.175,00 USD

8,3

10.12.2019

Nein

13,90/13,91 EUR

CJ7 19G

Gold

Call

1.225,00 USD

12,6

10.12.2019

Nein

9,22/9,23 EUR

CJ8 UX4

Gold

Put

1.480,00 USD

8,8

10.12.2019

Nein

13,13/13,14 EUR

CJ7 0HD

Gold

Put

1.420,00 USD

14,1

10.12.2019

Nein

8,23/8,24 EUR

ETCs mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

FXopt

Geld-/Briefkurs

ETC 012

Gold Future

Long

2

Nein

31,45/31,51 EUR

ETC 014

Gold Future

Long

4

Nein

6,58/6,60 EUR

ETC 016

Gold Future

Short

–2

Nein

103,33/103,53 EUR

ETC 018

Gold Future

Short

–4

Nein

63,06/63,30 EUR

Stand: 22. März 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.