Titelthema

Optionsscheine, Zertifikate und Aktienanleihen

30 Jahre Commerzbank Derivate

Wenn man an das Jahr 1989 zurückdenkt, kommt den meisten wohl als Erstes der Fall der Berliner Mauer am 9. November in den Sinn. Aber neben dem Ereignis, das Deutschland grundlegend verändert hat, hat 1989 bei der Commerzbank eine Produktart Einzug gehalten, die die Investitionsmöglichkeiten von Privatanlegern revolutioniert hat.

Mit der Emission von gedeckten Optionsscheinen, auch Covered Warrants genannt, hat seinerzeit alles begonnen. Mit einem Call Optionsschein auf die BMW-Aktie, um genau zu sein. Dieser hatte damals einen Basispreis von 650,00 DM, ein Bezugsverhältnis von 2:1 und eine Laufzeit von 18 Monaten. Darauf folgte eine ganze Reihe an Aktienoptionsscheinen auf in- und ausländische Basiswerte. Aber das war nur der Anfang. Kurz danach wurden bereits Währungsoptionsscheine auf den US-Dollar und das britische Pfund aufgelegt. Ende des Jahres 1989 bestand die Commerzbank-Produktpalette aus neun Emissionen. Aus heutiger Sicht und mit einer Produktpalette, die über 200.000 Produkte umfasst, mag diese Zahl nicht beeindruckend klingen. Allerdings muss beachtet werden, dass die damaligen Handelssysteme noch in den Anfängen waren und es vor allem keinerlei Automatisierung gab.

Entwicklung des Produktuniversums
Die Anzahl der Produkte stieg nicht nur bei der Commerzbank, sondern am gesamten Zertifikatemarkt rasant an. Im Jahr 1996 bezeichnete die Börsen-Zeitung das Produktangebot am Markt mit damals lediglich 5.000 Produkten schon als Dschungel, in dem sich sogar versierte Anleger nicht mehr zurechtfinden würden. Eine Anzahl, die heute von nur einem Emittenten binnen einer Woche emittiert wird.

Zu dieser Zeit wurden auch die ersten Index- und Discount-Zertifikate aufgelegt. Allerdings behandelten Investoren diese sogenannten Anlage-Zertifikate zunächst stiefmütterlich. Erst in den Jahren nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes 2002 erkannten die meisten die Vorteile dieser Produkte.

Das Produktuniversum entwickelte sich kontinuierlich weiter. Hinzu kamen Aktienanleihen, Sprint-Zertifikate, Turbo-Optionsscheine und Bonus-Zertifikate. 15 Jahre nach der ersten Optionsscheinemission wurde das erste Express-Zertifikat aufgelegt, gefolgt von Safe-Zertifikaten und Reverse-Strukturen. Im Jahr 2009 folgte die letzte große Produktinnovation, die Faktor-Zertifikate.

Das erste Index-Zertifikat
Auch bei der Dresdner Bank, die 2009 von der Commerzbank übernommen wurde, spielten Zertifikate schon früh eine Rolle. Das erste Index-Zertifikat, damals noch Partizipationsschein genannt, wurde 1990 von der Dresdner Bank auf den DAX emittiert. Es war der Anfang des passiven Investments, ETFs als Anlageform für Privatanleger waren in der heutigen Form noch nicht vorhanden. Anleger konnten damit erstmalig in den zwei Jahre vorher eingeführten DAX investieren. Da es zu dieser Zeit noch keinen DAX-Future gab, war das Hedging, also die Absicherung aufseiten der Emittentin, entsprechend aufwendig. Für einige Zeit blieb es das einzige Produkt dieser Art, erst in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre begann der Boom mit Index-Zertifikaten und allen weiteren Basiswerten. 2001 emittierte die Dresdner Bank zum Beispiel das erste Zertifikat auf Private Equity.

Nach Ausbruch der Finanzkrise und dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 gab es plötzlich eine ganz neue Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Waren bisher für die meisten Anleger die Höhe des Caps oder Discounts, der Zinssatz oder die Knock-Out-Barriere einzig und allein ausschlaggebend für die Auswahl des Produkts, war plötzlich die Bonität des Emittenten bzw. das sogenannte Emittentenausfallrisiko ein maßgebliches Kriterium.

Der Handel im Wandel der Zeit
Zu Beginn war der Handel der Optionsscheine auf wenige Stunden am Tag an der Börse begrenzt, heute ist ein börslicher Handel an den Wertpapierbörsen Stuttgart und Frankfurt und der außerbörsliche Handel sogar von 8.00 bis 22.00 Uhr möglich. Grundlage dieser Veränderung ist natürlich die immer weiter fortschreitende Digitalisierung und die zunehmende Anzahl an Direktbanken und Discountbroker.

Als erste Direktbank wurde die comdirect für den Direkthandel mit Commerzbank-Produkten angeschlossen und es sollte nicht die letzte sein. Heute steht Kunden von insgesamt 15 Handelspartnern der außerbörsliche Direkthandel zur Verfügung. Besonderheit ist, dass hierbei die beim Börsenhandel übliche Maklercourtage entfällt.

Gründung Deutscher Derivate Verband
Im Jahr 2008 wurde der Deutsche Derivate Verband (DDV) gegründet. Zuvor gab es bereits die Interessengemeinschaften Deutsches Derivate Institut e.V. und Derivate Forum e.V., die im neuen Verband aufgingen. Die Commerzbank ist Gründungsmitglied der Branchenvertretung der 16 führenden Emittenten derivativer Wertpapiere in Deutschland. Ziel des DDV ist es, die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen für strukturierte Produkte in Deutschland und in Europa zu verbessern sowie die Verbesserung der Verständlichkeit und Transparenz der Produkte sowie der Schutz der Anleger.

Wegweisende Projekte bisher waren unter anderem die Einführung des Derivate-Kodex im Juni 2008, die Vereinheitlichung von Fachbegriffen im März 2010 und der Fairness-Kodex im August 2013. Außerdem war der DDV maßgeblich an der Gründung des europäischen Dachverbands »EUSIPA« beteiligt.

Die Entwicklung der Werbung
Natürlich haben sich auch die Werbung und die Ansprache der Kunden im Laufe der Zeit verändert. Zu Anfang war die Werbung für Optionsscheine sehr technisch ausgerichtet. Denn das Produktangebot war damals in erster Linie an gut informierte Selbstentscheider gerichtet und so war das Ziel, möglichst viele Produktdetails in den Anzeigen unterzubringen, da – anders als heute – das Internet den meisten Privathaushalten noch nicht zur Verfügung stand. Mit zunehmendem Zugang der Privatanleger zum World Wide Web hat sich auch die Ausrichtung der Anzeigen verändert. So bewegte sich der Fokus immer weiter dahin, die Anlagephilosophie und Markterwartung darzustellen, für die ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Produktfamilie steht. Kernpunkt der Anzeigen ist nun, dass der Anleger das Produkt wirklich versteht und dass es seiner Markteinschätzung entspricht.

Anlageideen für Selbstentscheider
Im Mai 2002 erschien das erste ideas-Magazin. Ziel des Kundenmagazins war und ist es immer noch, selbstentscheidenden Privatanlegern die Funktionsweise von Produkten sowie aktuelle Markttrends und Analysen nahezubringen. Sowohl Rohstoffe und Währungen als auch Aktien und Indizes werden in jeder Ausgabe behandelt. Aber natürlich dürfen auch die Technische Analyse und edukative Themen nicht zu kurz kommen. Und das Beste: Zu jedem Thema bekommen Leser umfangreiche Anlageideen, um die eigene Marktmeinung umzusetzen – und das seit über 200 Ausgaben.

Um Anlegern die Möglichkeit zu geben, die Welt der Aktien und Hebelprodukte spielerisch kennenzulernen, findet seit 2003 jedes Jahr im Herbst das Börsenspiel Trader der Commerzbank statt. Ausgestattet mit zwei Depots à 100.000 Euro Spielgeld kann jeder Teilnehmer – egal, ob Börsenneuling oder alter Hase – acht Wochen lang sein Können beim Handel mit Aktien und Commerzbank-Zertifikaten beweisen. Der Trader, dessen Depot am Ende dieser Zeit den höchsten Wert aufweist, gewinnt einen Jaguar. Im vergangenen Jahr konnten gleich mehrere Rekorde gebrochen werden. Zum ersten Mal in der Geschichte des Börsenspiels lag die Teilnehmerzahl bei über 25.000, die innerhalb von acht Wochen mehr als 2 Millionen Trades und über 20 Milliarden Euro Umsatz generierten.

Am 10. Januar 2007 wurde zum ersten Mal das Format ideasTV im Fernsehsender n-tv ausgestrahlt. Erster Gast war damals Achim Matzke. In diesem wöchentlichen Format berichten Analysten der Commerzbank über aktuelle Marktentwicklungen, geben Ausblicke oder informieren über die neuesten Trends an den Kapitalmärkten.

Im Laufe der Zeit kamen immer weitere Services für Anleger hinzu. Regelmäßige Webinare, der tägliche Newsletter ideasdaily, der Anleger noch vor Börseneröffnung über das aktuelle Marktgeschehen informiert, und der WhatsApp-Kanal sind nur einige Beispiele, die Anleger bei ihren Investmententscheidungen unterstützen.

Mit dem Aufkommen der sozialen Medien wurde das Commerzbank-Derivateteam auch dort immer präsenter. Angefangen von Facebook und Twitter über Xing und LinkedIn – interessierte Anleger haben seit einigen Jahren vielfältige Möglichkeiten, sich zu informieren und mit den Zertifikate-Experten in Kontakt zu treten.

Ein besonderer Meilenstein konnte zuletzt erreicht werden: der millionste Videoabruf auf dem YouTube-Kanal »Commerzbank Optionsscheine, Zertifikate und ETFs«. Hier erscheint täglich vor 9.00 Uhr ein Video direkt von der Börse Frankfurt mit dem Ausblick auf den Handelstag. Zudem werden Aufzeichnungen von Webinaren, ideasTV und Auftritte der Commerzbank-Zertifikate-Experten zum Abruf bereitgestellt.

Das Commerzbank-Derivateteam hat in den vergangenen 30 Jahren eine beachtliche Entwicklung vollzogen. Von einer Produktpalette von knapp 10 Produkten hin zu 200.000 Zertifikaten und Optionsscheinen – mit bis zu 2.000 Neuemissionen pro Tag, damit Anleger immer mit zur aktuellen Marktsituation passenden Produkten versorgt werden. Auch in Zukunft werden wir kontinuierlich unsere Produktpalette und Services optimieren, um Anleger in jeder Marktphase und für jede Markterwartung optimal zu unterstützen.