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Commerzbank Analysen

Zucker und Kaffee: Leichter Preisanstieg – und noch Luft nach oben

Das Jahr 2019 startete für die Zuckerpreise mit einem Plus, denn die Produktion in den beiden wichtigsten Ländern Brasilien und Indien verläuft enttäuschend. Damit wird schon in der Saison 2018/2019 ein Defizit am globalen Zuckermarkt wahrscheinlicher. Kaffee Arabica kann sich nicht von der Marke von 100 US-Cent je Pfund lösen. Denn trotz eines bevorstehenden Niedrigertragsjahrs in Brasilien wird dort die zweithöchste Kaffeeernte aller Zeiten erwartet.

Zucker
Der Rohzuckerpreis ist Anfang 2019 – unterstützt durch höhere Ölpreise – von unter 12 US-Cent je Pfund zur Jahreswende, auf zwischenzeitlich gut 13 US-Cent je Pfund gestiegen. Dies ist im Vergleich der vergangenen Jahre noch immer ein recht niedriges Niveau und maßgeblich der weiterhin üppigen Versorgungslage am internationalen Zuckermarkt geschuldet (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Zuckerpreise erholen sich Anfang 2019 nur geringfügig

Roh- und Weißzuckerpreise

Grafik 1: Zuckerpreise erholen sich Anfang 2019 nur geringfügig
Stand: 8. Februar 2019; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Nach zwei defizitären Jahren dürfte die Saison 2017/2018 im September mit einem erheblichen Überschuss geendet haben. Diesen gibt die Internationale Zuckerorganisation ISO mit 7,3 Millionen Tonnen an. Lange Zeit hatten auch für 2018/2019 Überschussschätzungen den Ausblick dominiert. Die ISO erwartete in ihrer letzten Prognose von November, dass das Angebot die Nachfrage um 2,2 Millionen Tonnen übersteigt. Mitte des vergangenen Jahres lag sie sogar noch deutlich höher. Doch selbst der abgesenkte Überschuss scheint inzwischen fraglich und einige Beobachter prognostizieren bereits ein kleines Defizit.

Denn die Produktion in den beiden größten Produzentenländern Indien und Brasilien bleibt hinter den Erwartungen zurück (siehe Grafik 2). In Indien wurde aus dem weiteren Anstieg gegenüber der rekordhohen Produktion 2017/2018 nun doch nichts. Statt lange unterstellten 34 bis 35 Millionen Tonnen werden es wohl, bedingt durch die Trockenheit und das Auftreten von Pflanzenkrankheiten, nur etwa 30 Millionen Tonnen und damit etwas weniger als im Vorjahr. Im Hauptanbaugebiet Brasiliens, Center-South, dürften laut der staatlichen Prognosebehörde Conab nur 29,1 Millionen Tonnen Zucker hergestellt werden (–18 Prozent). Im Spätsommer 2018 war Conab für 2018/2019 noch von 31,6 Millionen Tonnen ausgegangen. Zum einen ist die Zuckerrohrmenge nun doch etwas niedriger als im Vorjahr, zum anderen wird ein nochmals höherer Anteil des Zuckerrohrs der Verarbeitung zu Ethanol zugeführt. Im bisherigen Saisonverlauf betrug dieser Anteil laut Zuckerindustrievereinigung Unica 65 Prozent, nach 53 Prozent im Vorjahr. Im Ergebnis dürfte also Indien trotz der reduzierten Prognosen bei der Zuckerproduktion über Brasilien Center-South liegen. Auch für Thailand wurden Korrekturen vorgenommen, sodass aus dem angestrebten Plus gegenüber dem Vorjahr ein Minus wird, das das Cane and Sugar Board auf 7,5 Prozent schätzt.

Grafik 2: Zucker – Produktion in Brasilien und Indien sinkt

Prognosen zur Produktion 2018/2019 über die Zeit

Grafik 2: Zucker – Produktion in Brasilien und Indien sinkt
Stand: 5 Februar 2019; Quelle: Conab, ISMA, Commerzbank Research

In der EU dürfte die Produktion 2018/2019 ebenfalls deutlich hinter dem Vorjahr zurückbleiben. Nach Angaben der EU-Kommission von Ende Januar dürften es nur noch 18,2 Millionen Tonnen sein, also 15 Prozent weniger als im Vorjahr und 1 Million Tonnen unter der noch im Herbst gültigen Kommissionsschätzung. Der Produktionsrückgang geht fast vollständig auf das Konto dürrebedingt niedrigerer Erträge (–13 Prozent). Die geringere EU-Zuckerproduktion geht dann auch mit weit niedrigeren Netto-Exporten der EU einher. 2017/2018 war erstmals seit vielen Jahren per Saldo Zucker aus der EU exportiert worden, und zwar gut 2 Millionen Tonnen. 2018/2019 dürften es wohl nur 1,5 Millionen Tonnen werden. Der letzte verfügbare EU-Zuckerpreis von November 2018 lag mit 320 Euro je Tonne nochmals 90 Euro niedriger als ein Jahr zuvor, was nicht ohne Auswirkungen auf das künftige Angebot bleiben dürfte.

All diese Faktoren, gemeinsam mit der Erwartung, dass 2019/2020 das niedrige Preisniveau – nicht zuletzt, aber auch nicht nur in der EU – zu einer merklichen Einschränkung bei der bestellten Fläche sorgen dürfte, trugen zum Preisanstieg zu Jahresbeginn bei. Dieser ist jedoch allenfalls als moderat zu bezeichnen. Darauf, dass Umschichtungen in den Positionierungen kurzfristig orientierter Marktteilnehmer zu dem Preisanstieg beigetragen haben, gibt es wenig Hinweise. Allerdings kann dies aufgrund der über Wochen wegen des Haushaltsstreits in den USA ausgesetzten Veröffentlichung der CFTC-Daten erst nachvollzogen werden, wenn der Veröffentlichungsrückstau aufgelöst ist. Wir hätten erwartet, dass der Preis durch den etwas stärker notierenden brasilianischen Real mehr Auftrieb bekommt. Auch für den weiteren Verlauf ist die Wechselkursbewegung der brasilianischen Währung von Bedeutung.

Unsere Kollegen von der Währungsanalyse erwarten eine weiterhin hohe Unsicherheit dadurch, dass die neue Regierung mit einem stark fragmentierten Parlament zusammenarbeiten muss. Nicht zuletzt wegen der niedrigeren Erwartungen für US-Zinserhöhungen hat sich der Ausblick für den Real aber verbessert. In der zweiten Jahreshälfte rechnen sie mit einer moderaten Stärkung des Real, was die brasilianischen Ausfuhren verteuert und die in US-Cent notierten Zuckerpreise stützen sollte.

Kaffee
Die Notierungen für Arabica-Kaffee kommen nicht nachhaltig auf die Beine (siehe Grafik 3). Der Anstieg im Herbst, als sich Arabica von einem 12-Jahres-Tief von unter 100 US-Cent auf über 120 US-Cent erholte, erwies sich als vorübergehend. Mitte Februar kostete Arabica 105 US-Cent je Pfund. Der Robusta-Preis notierte im Herbst auf einem Mehrmonatshoch, bevor er im Dezember auf unter 1.450 US-Dollar je Tonne und damit den niedrigsten Stand seit März 2016 absackte. Bis Mitte Februar hat er sich wieder etwas erholt. Das im Vergleich der vergangenen Jahre und Jahrzehnte niedrige Preisniveau ist Folge der hohen Verfügbarkeit von Kaffee. Die Internationale Kaffeeorganisation ICO erwartet, dass die Kaffeepreise auch während der nächsten Monate wegen der Erwartung eines zweiten Überschusses in Folge am globalen Kaffeemarkt gedämpft bleiben. Die ICO erwartet diesen bei 2,3 Millionen Sack, 2017/2018 war er laut ICO sogar noch 1 Million Sack höher gewesen. Die Analysten des Rohstoff-Brokers Marex Spectron erwarten 2018/2019 sogar einen Überschuss von 8,2 Millionen Sack bei beiden Kaffeesorten zusammen. Dabei soll sowohl bei Arabica als auch bei Robusta das Angebot die Nachfrage übersteigen.

Grafik 3: Kaffee – Preise steigen noch nicht nachhaltig

Kaffeepreise ICE US New York (A), ICE Europe London (R)

Grafik 3: Kaffee – Preise steigen noch nicht nachhaltig
Stand: 8. Februar 2019; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Vor allem die rekordhohe brasilianische Ernte bestimmt diese Erwartung. Ob sie nun wie von der brasilianischen Prognosebehörde Conab angegeben endgültig 61,7 Millionen Sack oder sogar wie laut dem Exportunternehmen Comexim 63 Millionen Sack beträgt, bleibt abzuwarten – ein neuer Rekord wird aber auf jeden Fall markiert (siehe Grafik 4). Aus Vietnam kommt 2018/2019 ebenfalls eine hohe Menge (Robusta-)Kaffee. In einer Bloomberg-Umfrage unter Kaffeehandelshäusern wird die inzwischen beendete Ernte im Durchschnitt auf 1,74 Millionen Tonnen (29 Millionen Sack) geschätzt. Dies wäre nur geringfügig weniger als im rekordhohen Vorjahr. Zwar waren die Prognosen zwischenzeitlich noch höher gewesen, die kritische Einschätzung des Wetterdienstes im Oktober, wonach in den ersten Monaten 2019 mit weit unterdurchschnittlichen Regenfällen zu rechnen sei, hat sich bisher aber nicht realisiert. Nur in Kolumbien sank die Kaffeeproduktion in den ersten drei Monaten von 2018/2019 (Oktober bis Dezember) wegen der späten Blüte und des schlechten Wetters um 7 Prozent. Auch im Gesamtjahr 2018 war die Ernte niedriger als 2017. In der zweiten Jahreshälfte wurde die Produktion durch ein leichtes La-Niña-Phänomen beeinträchtigt, das in den Andenländern oft mit starken Regenfällen einhergeht.

Grafik 4: Kaffee – Rekord für Niedrigertragsjahr voraus

Brasilianische Kaffeeproduktion, 2019: Mitte der Conab-Spanne

Grafik 4: Kaffee – Rekord für Niedrigertragsjahr voraus
Stand: 5 Februar 2019; Quelle: Conab, Commerzbank Research

Auch der Blick nach vorn vermag derzeit keine Unruhe aufkommen zu lassen. Das kommende Jahr ist zwar (bei Arabica-Kaffee) ein ertragsschwächeres im zweijährigen Zyklus der brasilianischen Kaffeeproduktion und dürfte als solches mit einer deutlich niedrigeren Produktion einhergehen. Comexim erwartet für 2019/2020 eine brasilianische Gesamternte von 58,2 Millionen Sack, wobei nur die Produktion von Arabica rückläufig erwartet wird, während nochmals mehr Robusta geerntet werden soll. Dem stimmt die Prognosebehörde Conab zu, die in ihrer ersten Schätzung für 2019/2020 die Kaffeeernte Brasiliens allerdings mit 50,5 bis 54,5 Millionen Sack niedriger und ähnlich hoch wie die größte Kooperative des Landes, Cooxupe, ansetzt. Dies wäre ein empfindlicher Rückgang gegenüber der letztjährigen Rekordernte. Für ein Niedrigertragsjahr würde die erwartete Erntemenge aber noch immer einen neuen Rekord bedeuten. Laut der brasilianischen Exportvereinigung Cecafe dürften 2019 nochmals 8 Prozent mehr Kaffee aus Brasilien exportiert werden als 2018 und auch etwas mehr als beim bisherigen Rekord aus dem Jahr 2015. Versorgungsängste dürften am Weltmarkt also nicht aufkommen, zumal die insbesondere zu Brasilien recht optimistischen Prognosen bisher einen in etwa ausgeglichenen globalen Kaffeemarkt 2019/2020 erwarten lassen.

So dürfte auch die Preiswirkung der absehbar geringeren Produktion 2019/2020 eher moderat ausfallen. Leichten Aufwind für die Kaffeepreise erwarten wir aber von dem vor allem in der zweiten Jahreshälfte wohl etwas stärker notierenden brasilianischen Real. Ein gewisser Preisspielraum nach oben besteht also durchaus.

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Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Euro notieren, die Handelspreise von Zucker und Kaffee allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko, wenn der Euro/US-Dollar-Wechselkurs steigen sollte.

Ein Überblick über das gesamte Spektrum an Zertifikaten steht Ihnen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.

BEST Turbo-Optionsscheine

WKN

Basiswert

Typ

Basispreis/Knock-Out-Barriere

Hebel

Geld-/Briefkurs

CU0 1A4

Sugar Future

Call

0,095 USD

3,5

3,37/3,38 EUR

CU0 1A7

Sugar Future

Call

0,110 USD

5,7

2,06/2,07 EUR

CJ4 XF7

Sugar Future

Put

0,158 USD

5,2

2,23/2,24 EUR

CJ4 XF6

Sugar Future

Put

0,143 USD

12,8

0,91/0,92 EUR

CU0 1AJ

Coffee Future

Call

0,817 USD

5,1

1,72/1,74 EUR

CU0 1AN

Coffee Future

Call

0,927 USD

11,5

0,76/0,77 EUR

CJ8 CQU

Coffee Future

Put

1,242 USD

4,1

2,13/2,15 EUR

CJ7 ZPD

Coffee Future

Put

1,131 USD

7,6

1,16/1,17 EUR

Faktor-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit

WKN

Basiswert

Strategie

Faktor

Geld-/Briefkurs

CJ3 D66

Sugar Future

Long

3

4,56/4,60 EUR

CJ3 D68

Sugar Future

Long

6

3,93/4,01 EUR

CJ3 D7B

Sugar Future

Short

–3

3,60/3,63 EUR

CJ3 D7D

Sugar Future

Short

–6

2,37/2,41 EUR

CJ3 D6E

Coffee Future

Long

3

2,39/2,42 EUR

CJ3 D6H

Coffee Future

Long

6

1,06/1,09 EUR

CJ3 D6M

Coffee Future

Short

–3

6,86/6,95 EUR

CJ3 D6Q

Coffee Future

Short

–6

8,87/9,09 EUR

Stand: 21. Februar 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung.